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7. August 2014 4 07 /08 /August /2014 21:59

Mit seinem vierten Album 'Open Country' schaffte es der in Barbados geborene Reggae-Sänger William White im März diesen Jahres auf Platz 2 in den Schweizer Charts. Nun setzt der 42-Jährige zum Sprung über die Grenzen seiner Wahlheimat an – und hat gute Chancen, mit seinem souligen Sound neue Fans zu gewinnen.

cover-william-white.jpgAufgenommen wurde 'Open Country' quasi klassisch auf Jamaika. Unterstützt wurde William White dabei von Devon Bradshaw und Ian Coleman, die schon mit Größen wie Burning Spear und Ziggy Marley zusammengearbeitet haben. Für 'Rub A Dub' konnte William White aber sogar eine noch prominentere Hilfe gewinnen: Toots and The Maytals. Immerhin ist das Gesangstrio jetzt seit gut einem halben Jahrhundert aktiv.

Als Bonus gibt es am Ende der CD noch eine zweite Version mit Heart Beat Pop und Mento, für die noch Banjo, Flöte und Rhumba Box für einen ganz anderen Klang sorgen. Bei einigen Stücken singt übrigens auch Whites Frau Galia mit, die sich für ihn auch ums Geschäftliche kümmert. Zu hören ist sie bei 'Power Reggae', 'For your Love', 'Rain in Portland' und 'Love is the Way'.

Open Country for old Men

Dort wirkt nicht nur Bushman zusätzlich mit, sondern auch Whites Kinder Noa und Lou sind ebenfalls bei den Backing Vocals zu 'Love is the Way' vertreten. Ein paar der Lyrics davon waren William White dabei anscheinend so wichtig, dass er sie ins Booklet drucken ließ: „Money for the strong man and the earth for the wise...“.

Mit 'Caution' ist darüber hinaus noch ein Cover von Bob Marley enthalten, trotzdem kommt 'Open Country' leider nur auf zehn Nummern. Hinzu kommt allerdings noch eine zweite CD, die live in Winterthur aufgenommen wurde. Dabei ist sie auch eine Art Best-Of-Album, denn gut die Hälfte der zehn Stücke stammt vom Album 'Freedom', drei weitere vom Debüt 'Undone' aus dem Jahr 2005 und dann kommt noch 'Try a little Love' hinzu, das auch auf 'Evolution' enthalten war. Im Vergleich zum recht entspannten Sound auf der ersten CD wird hierbei zum Teil ordentlich gerockt.

Fazit: Neu erfindet William White auf 'Open Country' zugegebenermaßen natürlich im Grunde nichts. Aber schön anzuhören ist das Ergebnis allemal und bietet auf der Doppel-CD einen gelungenen Überblick über sein Schaffen, das Lust auf mehr macht.

Mehr Informationen unter: http://www.williamwhite.ch

CD voraussichtlich ab 8. August 2014 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Ziggy Marley – In Concert
Platten-Sammelsurium mit Alborosie & Rebelution

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4. Juli 2014 5 04 /07 /Juli /2014 21:33

Nun ist der "längste" Tag des Jahres, der uns immer im Juni mit der Sommersonnenwende auf der nördlichen Erdhalbkugel geschenkt wird, schon wieder vorbei. Und der Sommer hat begonnen – zumindest astronomisch. Aber selbst wenn das Wetter vielleicht im vergangenen Monat nicht ganz so schön mitgespielt hat wie erhofft, liefern ein paar der hier noch vorgestellten neuen Platten zumindest den Soundtrack zum Juni 2014.

Rebelution – Count me in

cover-rebelution.jpgPünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen bringt die kalifornische Reggae-Crew Rebelution eine neue Scheibe heraus. Gefeiert wird allerdings nur im kleinen Kreis, denn als Gastsänger dabei sind nur Collie Buddz und beim lieblichen 'Roots Reggae Music' Don Carlos von den jamaikanischen Reggaeveteranen Black Uhuru, die Mitte der Siebziger ihre Karriere begannen.

Dafür wurde alles von Produzent Errol Brown, der zu dieser Zeit damals mit der britischen Soul- und Funkband Hot Chocolate berühmt wurde, in freundliche Grooves verpackt. Selbst weniger positive Themen wie eine vorgetäuschte Liebe in 'Counterfeit Love', das es unter https://soundcloud.com/rebelutionmusic neben weiteren Titeln kostenlos zum Runterladen gibt. Also freundlicher kann der Sommer nicht begrüßt werden.

CD erhältlich seit 13. Juni 2014. Mehr Infos: http://www.rebelutionmusic.com/

Enorm – Zur Hölle und zurück

cover-enorm.jpgIm verflixten siebenten Jahr nach ihrem Demo-Debüt 'Goss'n'Roll' und zwei weiteren Alben melden sich die Berliner Deutschrocker Enorm nun mit dem nächsten Werk zurück. Der erste Titel nach dem orchestralen 'Intro' heißt demnach entsprechend auch 'Der vierte Streich'. Ein Musikclip wurde allerdings zu 'Der Bauer' aufgenommen. Eine gute Wahl als visuelle Visitenkarte, denn der druckvolle Gesang und Gitarrensound treiben wie beim Großteil der anderen Stücke ordentlich nach vorne. Dazu werden im Songtext allseits bekannte TV-Verkupplungsshows lustig durch den Kakao gezogen.

Sonst geht es bei Enorm meistens etwas ernster zu, wenn hinter die schöne 'Scheinwelt' geblickt oder 'Amor' gebeten wird, seinen Pfeil bitte wieder aus dem Herzen zu entfernen. Für dieses Jahr sind übrigens noch ein paar Auftritte angekündigt, auf denen dann live ausprobiert werden kann, wie es sich dazu pogen lässt. Hey ho, let's go!

CD erhältlich seit 13. Juni 2014. Mehr Infos: http://www.enorm-band.de

Ruffiction – Ruffnecks

cover-ruffiction.jpgDer Bandname verrät es schon ein wenig – in den Lyrics vom Rap-Trio Ruffiction geht es meist um wirklich rauhe Fantasien mit Sex, Drogen, Mord und Totschlag. Den passenden Senf dazu geben in 'Wir sind schuld' ähnlich geartete Gäste wie Schwartz und Blokkmonsta von 'Hirntot Records', die ebenfalls bereits Bekanntschaft mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien machen durften und von denen einige Werke indiziert wurden. Für den Punk(!)-Rap-Track 'Adios Amigos', bei dem "Nazischädel auf dem Bordstein" landen, gibt es Unterstützung von Cunthunt777 und Slamcoke.

Bekannter dürften dagegen die Antihelden Dra-Q und Abroo sein, die Abrok, Crack Claus und Crystal F für 'Over & Out' gewinnen konnten. Wenn bei 'Ruff' mit Schlägen gedroht wird, "...bis du klingst wie dieser Farid Bang", soll das natürlich alles nur unterhaltsam gemeint sein. Deswegen wird im Musikclip dazu am Ende erklärt: "Die im Video dargestellten Szenen sind fiktive Inszenierungen und sollen keine Gewalt verherrlichen...". Also Kinder, bitte nicht anhören... äh... ernst nehmen.

CD erhältlich seit 13. Juni 2014. Mehr Infos: https://www.facebook.com/ruffictionproductions

Kaynbock – Astronaut

cover-kaynbock.jpgDrei Jahre hat der Rapper Kaynbock aus Bielefeld an seinem Debütalbum gearbeitet. Entsprechend ausgefeilt ist der Sound, der zwischen organisch und elektronisch schwirrt. Zudem zieht sich der Schwebezustand zwischen Kindheit und Erwachsensein konzeptionell passend zum Namen des Albums wie ein roter Faden durch das Werk. Größtenteils wirken seine Betrachtungen dazu allerdings recht düster. Vielleicht wurden die Videos zu 'Helm', 'Kaputt' und 'Steine' deshalb auch in Schwarzweiß gedreht.

Bei dem zuletzt genannten Stück bezieht er sich übrigens noch einmal auf sein älteres Lied 'Schlechter Mensch': "Macht echt kein Sinn, irgendwas zu retten./ Will ich auch nicht, ich wollt' nur drüber sprechen./ Und denk bitte dran, wenn du das jemals hörst./ Ich bin auch nur ein schlechter Mensch, mit 'nem guten Herz." Den Track gibt es übrigens unter https://soundcloud.com/kaynbock neben noch ein paar anderen als Free Download. Alles in allem nicht gerade leichte Kost, aber mal ein Blick über den Tellerrand lohnt sich, um neue Welten zu entdecken.

CD erhältlich seit 13. Juni 2014. Mehr Infos: https://www.facebook.com/kaynbockaufFB

Alborosie – Alborosie & Friends

alborosie-cover.jpgAm Anfang ein Reggae-Album – und jetzt noch eines am Ende. Schließlich ist das ja die Musik, die irgendwie immer nach Sommer klingt. Interessanterweise stammt auch Alborosie nicht aus Jamaika, sondern zog mit Mitte Zwanzig aus Italien dort hin. Das ist ihm aber auf dieser Zusammenstellung absolut nicht anzuhören. Wie der Titel ja schon andeutet, wurden hier satte 24 Duette mit befreundeten Künstlern auf zwei CDs vereint. Darunter soll auch Unveröffentlichtes sein, aber vieles war in den letzten zehn Jahren schon hier und da zu hören.

So wie 'Celebration' mit Gentleman, der diese Nummer bereits 2007 auf seiner Platte 'Another Intensity' hatte. Aber macht ja nichts. Die Liste der Kooperationen ist auf jeden Fall beeindruckend, denn sie enthält Namen wie Horace Andy, Luciano, Busy Signal, Sizzla und auch hier wieder Black Uhuru. Mit Ky-Mani Marley finden sich sogar gleich drei Songs in der Tracklist. Dazu lässt sich auf jeden Fall schön in der (Abend-)Sonne chillen.

CD erhältlich seit 27. Juni 2014. Mehr Infos: https://www.facebook.com/OneAlborosie

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30. Mai 2013 4 30 /05 /Mai /2013 22:47

2005 veröffentlichte Maxim sein erstes, selbst betiteltes Album. Drei Jahre später folgte 'Rückwärts fallen', dann 2011 'Asphalt'. In all diesen Jahren entwickelte sich sein Stil vom anfänglichen Reggae-Sound immer weiter zu einem ganz eigenen Ding, das jetzt auf 'Staub' das volle Potenzial entfaltet: poetische Popmusik zwischen Melancholie und Hoffnung.

cover-maxim.jpgDass dieses Album schon in ihm gesteckt hat und bloß noch ein bisschen dran gefeilt werden musste, zeigt am deutlichsten wahrscheinlich 'Lieber bluten als frieren'. Das Stück gab es nämlich schon einmal auf seinem Zweitling 'Rückwärts fallen'.

Bereits damals wollte er den Lyrics zufolge einfach keine halben Sachen machen. Das Ganze hat er dann aber anscheinend doch erst jetzt in letzter Konsequenz richtig geschafft: „Ich hab unsere Wohnung gekündigt für diesen einen Augenblick./ Alles aufs Spiel gesetzt und jetzt steh ich da mit Nichts./ Es bricht mir das Herz, aber das war's mir wert./ Ich würd's wieder riskieren, denn ich will lieber bluten – lieber bluten als frieren.“

Friedhof der Kuschelsongs

Die oft auf Wesentliche reduzierte und von Streichern getragene Untermalung dazu haben Jochen Naaf, Teka und Farhot produziert. Was manchmal ein bisschen die Stimmung trübt, ist allerdings, dass bei Maxim die Hoffnung auch schon mal so gut wie gar nicht durchblitzt. Bei '1980 – 2010' ist irgendwie nicht mal der Hinweis tröstlich, dass ein Traum weiterleben wird. Bei 'Hier' – einem Ort, den er gerne weit hinter sich lassen würde – heißt es in den Lyrics, dass es „...gar nicht mal so schlecht ist. Ja vielleicht sogar ganz nett ist.“

Beim Titeltrack gibt es wenigstens die Erkenntnis, dass der Herzensschmerz langsam weniger wird: „Doch die Zeit heilt alle Wunden und es tut nicht mal mehr wirklich weh./ Bald müssen wir uns gar nicht mehr seh'n./ Und dein Punkt wird immer kleiner. Und langsam löst er sich auf./ Und alles, was ich da noch sehen kann, ist Staub.“

„Stirn in den Staub“, meine Soldaten!

Und laut der vorab veröffentlichten  Single 'Meine Soldaten', deren Text Judith Holofernes von Wir sind Helden mitverfasst hat, möchte er den Liebeskummer damit bekämpfen, dass er sein Herz durch eine Armee zum Schweigen bringen lässt. Dass das nicht gelingt, scheint zuerst eher negativ.

Es lässt sich aber von unverbesserlichen Optimisten positiv interpretieren, wenn am Ende doch die Liebe siegt: „Doch ich brauch nur einen Verräter, eine undichte Stelle, einen winzigen Stein für eine gewaltige Welle./ Ein Funken im Zunder und alles steht wieder in Flammen. Die ganze Fassade klappt wie ein Kartenhaus in sich zusammen.“

Fazit: Staub – ein Leben ohne ist nicht vorstellbar. Aufgewirbelt bleibt er lange in der Luft schweben. Auch bei Maxim bleibt vieles in der Schwebe. War's das jetzt? Oder doch nicht? Konkrete Antworten auf Liebesfragen liefert er nicht gerade. Aber vielleicht ist es das, was am Ende bleibt. Ein nachdenkliches Gefühl, das mehr bewegt als die üblichen Liebeslieder.

Mehr Informationen unter: http://www.maximmusic.net/

CD voraussichtlich ab 31. Mai 2013 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Fayzen – Meer
Bosse – Kraniche
Xavier Naidoo – Bei meiner Seele

Maxim live und in Farbe 2013: 6.7. Dortmund – Sommersause *** 13.7. Bochum – Bochum Total (1Live Bühne) *** 2.8. Bad Oeynhausen – Parklichter *** 3.8. Mönchengladbach – Horst Festival *** 16.10. Dresden – Groovestation *** 17.10. Bochum – Zeche *** 19.10. Bremen – Privatclub *** 21.10. Hamburg – Uebel & Gefährlich *** 22.10. Münster – Skaters Palace *** 23.10. Hannover – Musikzentrum *** 24.10. Leipzig – Moritzbastei *** 26.10. Weinheim – Cafe Central *** 27.10. Frankfurt/Main – Zoom *** 28.10. Stuttgart – Universum *** 29.10. Saarbrücken – Garage (Club) *** 30.10. Köln – Werkstatt

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14. Januar 2013 1 14 /01 /Januar /2013 23:38

Nachdem er bereits zusammen mit den Melody Makers seit 1985 Platten veröffentlicht hat, erschien vor zehn Jahren mit ’Dragonfly’ die erste Solo-CD von Reggae-Sänger Ziggy Marley. Quasi passend zu diesem Jubiläum lässt der Jamaikaner nun mit den Live-Aufnahmen auf ’In Concert’ seine Karriere ein wenig Revue passieren.

cover-ziggy.jpgEröffnet wird das neue Werk mit ’Higher Vibration’, das schon 1999 entstanden ist. Von der Scheibe ’Spirit Of Music’, mit der Ziggy Marley & The Melody Makers Platz 1 der US-Reggae-Charts erobern konnten, wird außerdem ’Jah Will Be Done’ präsentiert.

Ziggy lässt sich live bei seinen Stücken auch gerne die Zeit, um sie voll auszukosten. Die Aufnahme von ’Jah Will Be Done’ ist zum Beispiel knapp über acht Minuten lang, was etwas Meditatives hat.

Wild and free again!

Gut ein Drittel der Songs stammt aber von seinem letzten Album ’Wild & Free’, an dem unter anderem auch sein Sohn Daniel Marley und Schauspieler Woody Harrelson mitwirkten. ’Tomorrow People’ tritt schließlich die Zeitreise in die späten Achtzigerjahre an. Wohingegen er mit ’Black Cat’ zeigt, dass er sich auch gerne von Ska beeinflussen lässt.

Hinzu kommen noch zwei Cover von Stücken seines berühmten Vaters Bob Marley: ’Is It Love’ und ’War’ (im Medley mit ’Justice’). Im Gegensatz zu ihm und seinen jüngeren Halbbrüdern Damian und Ky-Mani erreichte Ziggy Marley übrigens bisher nie eine Chartsplatzierung in den deutschen Hitparaden. Aber das kann sich in Zukunft ja noch ändern!

Das beste Stück ist meiner Meinung nach aber ’Beach In Hawaii’, das ursprünglich 2006 auf der ’Love Is My Religion’ erschienen ist. In den Lyrics, die er mit hawaiianischen Wörtern angereichert hat, beschreibt er, wie er an einem Strand entspannt: „I’m on a rocky cliff, oh I wish you were here with me – on the beach in Hawaii./ A little pakalolo*, and I say mahalo**.“ (übersetzt heißt das: * Marihuana, ** Danke)

Fazit: ’In Concert’ liefert einen tollen Überblick darüber, was Ziggy Marley in gut einem Viertel Jahrhundert für den Reggae getan hat – schöne Lieder, die Missstände anprangern, aber auch die Sonnenseiten des Lebens feiern.

Mehr Informationen unter: http://www.ziggymarley.com

CD voraussichtlich ab 18. Januar 2013 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Shabani – I Love Wohlstandstrash
Jacques Palminger – Mondo Cherry

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12. April 2012 4 12 /04 /April /2012 18:37

Vor gut sechs Jahren veröffentlichte Shabani das Album 'A Tree In A City'. Für 'I Love Wohlstandstrash' setzt der Schweizer Sänger Patrick Gusset noch mal neu an. Band ausgetauscht, Songtexte auf deutsch und mehr Rock zum Reggae. Hört sich gut an!

shabani-cover.jpgDas neue Werk eröffnet Shabani angriffslustig gleich mit dem Titeltrack 'Wohlstandstrash'. Mit Sprechgesang zu treibendem Gitarren-Sound nimmt er in den Lyrics den Kosumwahn und andere seltsame Auswüchse der Gesellschaft aufs Korn: „Ich bin dein Wohlstandstrash./ Ich bin die siebenfach verpackte Zahnpasta, Burn-Out-Syndrom avec Antidepressiva./ Ich bin der Winner bei DSDS, ich bin das 'Es ist aus' per SMS.“

Ein Herz für Saloons und Cafés

In eine ganz andere Richtung geht dann das darauf folgende 'Most Wanted'. Entspannt mit Bläser-Unterstützung gibt Shabani hier den Revolverhelden im Western-Ambiente. Mit einer Zeile erinnert er an 'Bang Bang' von Nancy Sinatra: „Bang bang, I shoot him down./ Bang bang, er küsst den Ground.“

Als Aushängeschild fürs Album wurde allerdings 'Cappuccino' ausgewählt, wobei im Video mehr oder weniger der Songtext 1:1 bebildert wird. Ähnlich wie The Edge im Clip zu 'Numb' von U2 wird der sitzende Sänger von den anderen Mitwirkenden malträtiert. Selber schuld, wenn er über Öl-Krise, Tomatensauce und Aschenbecher singt.

Doppelt hält besser / Wein doch

Die Lyrics beziehungsweise der gesamte künstlerische Ausdruck scheinen ihm übrigens insgesamt so wichtig zu sein, dass gleich zwei (!) Booklets mit jeweils über 20 Seiten der CD beigefügt wurden. Für jedes Stück hat sich Shabani außerdem einen alternativen Titel ausgedacht.

Der Untertitel zu 'Wohlstandstrash' ist zum Beispiel 'Verlorene Brille', der zu 'Zwietalk' ist 'Wein Nein'. Obwohl er in den Lyrics dazu eher das Gegenteil empfiehlt: „Ich wäre gern nicht mehr du, sondern ich./ Du machst mich so was von fertig./ Mach dich mal locker, Digger./ Sei doch mal locker, Alder./ Meinetwegen, dann nimm noch'n Wein.“

Bloß bei 'Lied' ist der Untertitel 'Lied'. Vielleicht, weil der Refrain dieser feinen, kleinen Ballade schon genug zum Nachdenken anregt: „Ich sing ein Lied, das deine Welt nicht braucht.“

Fazit: Die Mischung aus Ernsthaftigkeit, Wortwitz und Selbstironie überzeugt. Und da 'I Love Wohlstandstrash' schon letztes Jahr in seiner Heimat veröffentlicht wurde, folgt hoffentlich schon bald mehr von Shabani.

CD voraussichtlich ab 13. April 2012 im Handel erhältlich.

Mehr Informationen unter: http://www.myspace.com/shabanimusik

Das könnte dazu passen:
Olli Schulz – SOS
Jacques Palminger And The Kings Of Dub Rock – Mondo Cherry


Shabani live und in Farbe 2012: 28.4. München – Feierwerk *** 11.5. Innsbruck (A) – Treibhaus *** 12.5. Greding – Hippodrom *** 18.5. Miltenberg – Beavers *** 19.5. Hamburg – MoorFire *** 20.5. Köln – Underground *** 21.5. Aachen – Hotel Europa

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13. November 2008 4 13 /11 /November /2008 16:15

Nach gut zwei Jahrzehnten Aktivität in der deutschen HipHop-Szene hat D-Flame wohl alle Hochs und Tiefs erlebt, die einem das Leben zu bieten hat. Mit ’Adriano (Letzte Warnung)’ von den Brothers Keepers landete er einen Top-Ten-Hit, aber seine erfolgreichste Solo-Single ’Mom Song’ kam gerade mal auf Platz 63. Der Frankfurter nimmt es gelassen – und könnte mit ’Stress’ nun richtig abräumen.

Stark ist zum Beispiel, wie er in den Lyrics zu dem gut geerdeten Rap-Reggae-Tune ’Live Up!’ seine Situation mit einem lachenden und einem weinenden Auge großartig auf den Punkt bringt: „Schon wieder so ein Tag, an dem mir nix gefällt. An dem ich morgens aufstehe und schreie: Fick die Welt!/ Ich hab gedacht, ich mache mit der Mucke richtig Geld. Doch ich glaube, eigentlich verarsche ich mich selbst./ Ich hab immer noch keinen Hit gemacht – und mehr als ein zu guter Bruder von mir sitzt im Knast. Nach all Fehlern hab ich nix gerafft.“

Neben seinen vermeintlichen Fehlern hat er aber auch immer wieder was richtig gemacht. Und manchmal sind es ja eben doch die anderen, die nichts raffen. Wie die Dame, der er in der herrlich bluesigen Soulnummer 'Es tut mir leid' noch einmal im Songtext erklärt, dass sie da anscheinend was falsch verstanden hat: „Es tut mir leid, wenn du irgendetwas falsch verstanden hast./ Auch wenn wir zwei ein Paar sind, das echt gut zusammen passt, hab ich dir gleich gesagt, dass ich kein Bock auf eine feste Bindung hab./ Tut mir leid, doch es bleibt so.“

Produziert wurde das Stück von den Beatgees aus Berlin, die unter anderem auch ’Gib mir Sonne’ für Rosenstolz und ’Gib dem Affen Zucker’ für Prinz Pi geremixt haben. Weitere Unterstützung kam von unter anderem Scola von der US-Soulband Dru Hill (der auch im Video zum gemeinsamen Party-Song 'It's On' dabei ist), Soul-Sängerin Alex Prince, den Spezializtz Harris und Dean, Produzent Monroe und ASD. Gemeinsam mit Afrob und Samy Deluxe knüpft D-Flame da an, wo sie 2003 bei 'Wer hätte das gedacht?' aufgehört haben: „Das letzte Mal, als wir einen Song zusammen gemacht haben, hieß das Ding ‘Vaterlos’ – jetzt sind wir selbst alle drei Väter. Und dies geht raus an unsere Kids, ey yo./ Du machst mich zum stolzen Vater./ Du gibst meinem Leben einen Sinn.“

Außerdem hat sich D-Flame dafür entschieden, ebenfalls zu 'Sie Macht Mich Glücklich' eine Fortsetzung zu schreiben. Seine neue Liebeserklärung ’Immer Noch’ an Jamaika ist ähnlich schön wie schon das Original im Reggae-Style mit sanftem Bläsereinsatz. Im Refrain hat er mehr oder weniger einfach diese zwei kleinen Worte aus dem Songtitel eingefügt: „Ich bin immer noch verliebt. Sie ist immer noch meine Perle in der Karibik./ Ich bin immer noch verliebt. Es macht mich immer noch keine so glücklich wie sie.“

Fazit: Auch wenn D-Flame in der Vergangenheit laut eigener Aussage einige Fehler gemacht hat, trifft das auf ’Stress’ überhaupt nicht zu. Diesmal macht er – zumindest für mich – alles richtig. Gute Texte, auf den Punkt gebrachte Raps, schöne Hooks, passende Gäste und starke Instrumentale zwischen HipHop-Club und Dancehall. Big up!

Mehr Infos: http://www.dflame.de

CD voraussichtlich ab 14. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Yassir – Paragraph 31
Prinz Pi – Neo Punk

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9. Oktober 2008 4 09 /10 /Oktober /2008 14:49

Obwohl Jacques Palminger seit gut 20 Jahren Musik macht, erscheint erst jetzt das erste Album unter seinem eigenen (Künstler-)Namen. Dass er mal mit den Punkrockern Dackelblut musiziert hat, ist dabei nicht rauszuhören. Dass er allerdings mit Studio Braun seinen Spaß hatte, schon!

„Heute Nacht werden wir uns neu erfinden, Cherie“, kündigt der alte Charmeur gleich vollmundig im ersten Stück ’Worte Nur Worte’ an. Der dafür gewählte Musikstil, mit denen er seine Songtexte zwischen Genie und Wahnsinn untermalt, steht dabei ja schon direkt auf dem Cover. Entspannt groovt der Dub Rock aus den Boxen. Allerdings ist seine Gesangspartnerin Rica Blunck eher skeptisch, dass er sie damit wirklich rumkriegt: „Immer nur Worte. Nichts als das. Das alte Lied!“

Doch Jac gibt nicht auf. Zum entspannten Reggae-Beat von Viktor Marek legt er sich richtig ins Zeug und verführt die Dame mit den unglaublichsten Ideen: „Drehe deine Leber zur Sonne – und du bist ein Star. Ein leuchtender Stern. Und ich bin eine Sonde.“ Aha!

Danach geht es weiter mit ’Marieanna’, das vermutlich nicht ohne Grund nach Marihuana riecht. Stolz sind Jac, Vic und Ric, die hier die Lyrics hauptsächlich alleine singt, auf den Pseudo-Tuba-Break. Der ist aber auch wirklich schön geworden. Musikalisches Highlight beim Titeltrack ist dagegen die von Heinz Strunk gespielte Querflöte. Auch wirklich schön geworden. ’Ich Mag Chopin’ ist schließlich eine fast wortwörtliche Übersetzung des schon 25 Jahre alten ’I Like Chopin’ von Gazebo, das damals sogar auf Platz 1 der deutschen Charts landete.

Herzstück des Albums dürfte aber das herrliche ’Playboy’ sein, bei dem ich immer an ’Telefonterror’ von Freundeskreis denken muss. Darin fühlt sich Jac von Ric ertappt: „Wer hat dir das gesagt – dass ich ein Playboy bin? Erstens ist es unverantwortlich, so was über irgendjemand zu behaupten. Und zweitens ist es wahr. Ja, ich bin ein Filou der alten Schule und ich sag dir eines: Du kannst einem Känguru das Hüpfen nicht verbieten.“ Haha!

Fazit: Originell ist Ansatz von Jacques Palminger auf jeden Fall. Einige Songs haben dabei tatsächlich das Potenzial zum Kulthit. Bei zwölf solcher Stücke, die zum Teil über sechs Minuten lang sind, bleibt einem aber ab und zu auch das Lachen im Halse stecken. Weniger wäre hier vielleicht doch mehr gewesen.

Mehr Infos: http://www.myspace.com/palminger

CD voraussichtlich ab 10. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Heinz Strunk – Die Zunge Europas
Kim And The Cinders – Kim And The Cinders

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27. August 2008 3 27 /08 /August /2008 21:33

Zwar überbrückte Roots Manuva die Zeit seit seinem letzten Album mit einer Remix-CD, aber auf richtig neues Material mussten die Fans des englischen MCs ganze dreieinhalb Jahre warten. Die gute Nachricht: Mit 'Slime & Reason' knüpft er nun an alte Erfolge an, denn es klingt typisch nach Roots Manuva!

Wobei schon die beiden Singles 'Buff Nuff' und 'Again & Again' zeigen, dass da gehörig der Spielraum von Reggae, Elektro und HipHop in der ganzen Bandbreite ausgenutzt wird, wobei dem Rapper herzlich egal ist, ob das nun Grime, Dubstep oder doch einfach eine Variante der altbewährten Black Music ist.

'Again & Again' eröffnet das Album dabei noch relativ relaxed, obwohl der mit bürgerlichen Namen als Rodney Smith bekannte Rapper durchaus Grund hat, aus der Haut zu fahren. Kein Schwein kennt ihn mehr, HipHop hat seiner Meinung nach zuwenig Seele und das verdammte System ist immer noch nicht besiegt: „A lot of people don’t know about Smith. How I came to the scene and came to uplift./ The raggatary statures of righteousness. Pentecostal son, coming from the hard left./ With every breath and every noun – we dare not stop burning Babylon down.“


Das klingt jetzt allerdings ernster, als es ist. Im Video zeigt Roots Manuva jedenfalls, dass er alles gelassen und mit Humor sieht – selbst wenn er beim Ballspiel ausgeknockt wird. Auch zu 'Buff Nuff' gibt es ein durchgeknalltes Video, in dem er als farbenfroher Eisverkäufer die Damenwelt verzaubert. Dazu rappt er über einen Beat, den Produzent Toddla T aus Sheffield deutlich flotter für die Party-Leute gebaut hat. Thematisch geht es in den Lyrics darum, wie er eine heiße Lady wohl im wahrsten Sinne des Wortes zum Schmelzen bringt: „Please Baby please, let me squeeze and taste ya./ I'll let you pop first and never overtake ya./ Whiny whiny, worky worky, having a big time./ All that we leave is just some grease and big slime.“

Sind wir nicht alle nur ein bisschen Ursuppe? Wenn das alle so sehen würden, könnte diese Welt vielleicht ein besserer Ort werden. Zumindest im blubbernden 'C.R.U.F.F.' erklärt Roots Manuva, dass er sich ein Leben ohne Kriege wünscht – allerdings selbst nicht dran glaubt: „Now, we don’t want no war things, let’s explore things./ With the peace and the reasoning, we could get more things./ It’s so simple but we just can’t work this./ Way too much hurt and too much conflict.“

Eine Hoffnung sieht er allerdings in einer höheren Macht, die er allen in 'Let The Spirit' ans Herz legt. Den tropfenden Elektro-Sound hat Metronomy dazu beigesteuert, der mich ein bisschen an melancholische Pop-Songs aus den Achtzigerjahren erinnert. Im Songtext erklärt Roots Manuva, dass er keine Lust auf politische Spielchen hat und er davon überzeugt ist, dass allein der Glaube Berge versetzen kann: „Stick to my own I ain’t one to mix./ With the hoopla, ra-ra or the poli-tricks./ Trends come and go but we hip unto the causes./ We’s in the stacks my definition of the Lord is./ The strength that break the shackle and chain./ The strength that break the shackle and the bane.“

Fazit: Roots Manuva meldet sich nach einer relativ langen Auszeit mit einem durchaus guten Album zurück. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass er damit zwar weitaus origineller als der Durchschnitt ist, allerdings sich selber mit 'Slime & Reason' wohl kaum toppen kann.

Mehr Infos: http://www.rootsmanuva.co.uk

CD voraussichtlich ab 29. August 2008 im Handel erhältlich.

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11. August 2008 1 11 /08 /August /2008 16:58

Zwei Jahre nach ’Yell Fire!’ melden sich Michael Franti & Spearhead mit ’All Rebel Rockers’ zurück. Das Album mit dem eher unkritischen Comebacktrack ’Rude Boys Back In Town’ zu eröffnen, mag dabei nicht die originellste Idee sein, aber Spaß macht das auf jeden Fall!


Natürlich verzichtet Franti auch auf dem sechsten Studiowerk mit seiner Band Spearhead nicht auf kritische Anmerkungen in seinen Songtexten. Beim rockenden Rootsreggae-Stück ’Life In The City’ kritisiert er den Überwachungsstaat, der seine Bürger wie Terroristen behandelt: „Search your body, search your home and listenin’ in on your phone calls./ Still no politician got enough balls lining the people up against the wall./ When truth comes out all hell will call and someday Guantanamo will fall.“


Mit dem vom Dub dominierten ’All I Want Is You’ hat Franti aber auch ein Lied über eine aussichtslose Liebe geschrieben, die für ihn sowohl Segen als auch Fluch ist: „Don’t tell me you love me if you don’t really love me./ But you can still kiss me ‘cause I need you to kiss me.“


Auch im Duett ’High Low’ mit Marie Daulne von Zap Mama setzt Franti auf die Liebe, die uns durch alle Hochs und Tiefs begleitet: „We all walk through the valley below./ We all need a little time alone./ We all want a little heaven above./ We all want somebody to love./ You, you and nobody else!“


Als weitere Gastsängerin ist noch Dancehall-Lady Cherine Anderson zu hören, die auf der Funk-Nummer ’A Little Bit Of Riddim’ ein paar coole Lyrics kickt. Darin fragt sie sich, warum mehr über Oralverkehr im Oval Office diskutiert wird als über fragwürdige Entscheidungen zu unnötigen Kriegen: „Who keep score of di fallen soldiers./ Can I see the hands of my real believers./ 200 million talking ‘bout some lips on dicks./ The fix the po-li-trics – now take ya damn lick!”


Fazit: Franti glaubt wie Mahatma Gandhi daran, dass Hass nur durch Liebe überwunden werden kann. Mit ’All Rebel Rockers’ hat er nun seinen Soundtrack für die friedliche Revolution um ein schönes Kapitel ergänzt!


Mehr Infos: http://www.spearheadvibrations.com/

CD voraussichtlich ab 15. August 2008 im Handel erhältlich.

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