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6. Juli 2015 1 06 /07 /Juli /2015 19:21

Halbzeit für 2015 und auch im Juni sind wieder einige Platten (im weitesten Sinne, da zum Teil auch rein digital) erschienen, die zumindest kurz vorgestellt werden sollten, liefern sie doch vielleicht den Soundtrack zum Sommer mit tollem Reggae, Electro und HipHop aus allen möglichen Ecken der Welt.

Shawn The Savage Kid – Melange (Free Download EP)

Cover zu Melange von STSKLangsam aber sicher steuert Shawn The Savage Kid aus Regensburg auf die für den Herbst angekündigte Veröffentlichung seines Debütalbums ’Lowlife Schickimicki’ zu. Gespannt erwartet werden dürfte es nicht nur, weil das Rap-Label ’Showdown Records’ unter anderem schon Deichkind und Mortis den Weg geebnet hat. Auch die bisher veröffentlichten EPs von Shawn haben die Messlatte hochgelegt (Kritik zur ’Kennen wir uns?’-EP hier). Mit ’Melange’ setzt er jetzt noch einmal nach. Dabei zieht sich der elektronische Sounds seiner HipHop-Produktionen wie ein roter Faden durch das Ganze, das es kostenlos zum Runterladen unter https://soundcloud.com/shawnthesavagekid/sets/melange gibt. Allerdings wurde ausgerechnet zu ’Fame’ ein Video gedreht, zu dem die Musik nicht von ihm selbst, sondern von MEZ stammt. Aber macht ja nichts.

Zusätzlich hat er fünf Remixe für andere Künstler auf ’Melange’ zusammengestellt. Vom Hamburger Jung’ Disarstar ist ’Tor zur Welt’ dabei, dessen Hymne für seine Heimatstadt. Für den „König der Alpen“ Crack Ignaz den Track ’Mei Hawa’ und für Sängerin Mine ’Hinterher’ geremixt, bei dem der Gesang nun völlig anders als bei ihr klingt. Bei ’Mosquito’ von der Wiener Sängerin Mela hat er vom gesungenen Original aus ihren ’Moony Sessions’ sogar nahezu nichts beibehalten. Der Coup ist jedoch, dass er noch ’I Won’ von Future in seinem eigenen Stil überarbeitet hat, auf dem KanYe West als Gast-MC zu hören ist. Also das klingt doch eher nach Highlife, was da auf uns zukommt!

Free Download EP seit 9. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://showdown.de/ShawnTheSavageKid/

Parov Stelar – The Sun (Klingande Remix feat. Graham Candy)

Cover zu The Sun von Parov StelarDer österreichische Produzent Parov Stelar gilt als ein Wegbereiter des Electroswing, da er diese beiden Stile bei seinen Werken geschickt miteinander verwoben hat. Allerdings ist ihm damit zwar in Kennerkreisen Ehre und Ruhm sicher, der große Charterfolg blieb allerdings bisher aus. Anders sieht das bei Klingande aus. Das französische Projekt kann mit ’Jubel’ schon auf einen Nummer-1-Hit hierzulande verweisen. Also was liegt da näher, als das bereits 2014 als Single/EP veröffentlichte Stück ’The Sun’ nun in einem Klingande-Remix zu veröffentlichen?

Dabei wurde das Tempo von Cédric Steinmyller deutlich erhöht und der Sound um eine ordentliche Portion Streicher ergänzt. Der ’Radio Edit’-Mix bringt es dabei auf ziemlich reguläre dreieinhalb Minuten. Wem das noch zu kurz ist, bekommt in der ’Club Version’ noch gut zwei Minuten dazu. Der Gesang von Graham Candy, der schon bei unter anderem ’She Moves (Far Away)’ von Alle Farben zu hören war, fügt sich dafür aber weiterhin gut in das Lied ein. Also als Kandidat für einen Sommerhit kann ’The Sun’ mit dieser gelungenen Kombination durchaus hoch gehandelt werden.

Single seit 12. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.parovstelar.com

Pimf – Memo

Cover zu Memo von PimfDas kleine, feine Rap-Label 'Heart Working Class' aus Berlin setzt dieses Jahr ordentlich auf Expansion. Gab es 2013 nur Gerard, stand 2014 im Zeichen von Dissythekid. Doch kaum ist 'Normaler Samt' von Audio 88 & Yassin gerade mal ein paar Monate alt (Kritik dazu hier), folgt sogleich nun der nächste und damit vierte Streich. 'Memo' ist das Debütalbum des gerade einmal 21-jährigen Pimf aus Hofgeismar, der (zumindest von ihm selbst so genannten) Reimmetropole in der Nähe von Kassel. Nach der Veröffentlichung gelang ihm damit sogar der Sprung in die Charts auf Platz 49.

Geholfen haben dabei unter anderem Mortis bei 'Schlaflos' und DJ Zwei50er beim 'Intro' sowie 'Silus & Jamal', bei dem Pimf die Geschichte dieses dynamischen HipHop-Duos erzählt. Zudem hat Lucas 'Creepa' Mewes das gut pumpende Instrumental zu 'Small City' mit Gast-Rapper Umse gebaut. Mit Ausnahme von 'Zeitlupe' mit Damion Davis, für das die Beats von Alex Austin stammen, hat ansonsten alles Marq Figuli produziert. Dabei setzt er auf eine zeitgemäße HipHop-Mischung mit oftmals elektronisch-sphärischen Sounds. So erinnert dann auch schon mal 'Horizont' nicht nur vom Titel her an das gleichnamige Stück von Tom Thaler & Basil (Kritik dazu hier). Aber das macht ja nichts. Neben dem Video dazu gibt es übrigens weitere Clips zu 'Papierflieger' und 'Philadelphia', womit nicht der Brotaufstrich, sondern die amerikanische Stadt gemeint ist. Alles in allem eher entspannt unterwegs, macht der junge Mann mit 'Memo' auf jeden Fall einen ersten guten Eindruck, der im Gedächtnis bleiben sollte.

Album seit 19. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://heartworkingclass.de/pimf-

The Expanders – Hustling Culture

Cover zu The Expanders„One dollar gone but the next soon come, we naw stop from hustling culture./ One dollar gone but the next soon come we naw go stop carry vibes all over“, betonen The Expanders aus Los Angeles gleich in den ersten Songtextzeilen ihres dritten Albums ’Hustling Culture’, das beim Reggae-Label ’Easy Star’ erschienen ist und es bis an die Spitze der Reggae Billboard Charts geschafft hat. Ein toller Erfolg, wobei sie ja mit den einleitenden Lyrics sagen, dass ihnen die Arbeit an ihrer Lieblingskultur wichtiger als die Kohle ist. Dabei setzen sie musikalisch auf den Klang Jamaikas aus den Siebzigern. Dabei sehen sie sich auch in der Tradition, mit Reggae wichtige gesellschaftliche Themen anzusprechen.

In ’Uptown Set’ geht es zum Beispiel um die unschuldigen Opfer des Drogenhandels. ’Iron Throne’ erinnert hingegen daran, dass eine starke Basis unverzichtbar und Gewalt keine Lösung ist. Wenn das doch die Streithähne bei ’Game of Thrones’ beachten würden. Dem lokal gefeierten Tänzer ’Reggae Pops’, der zum Beispiel die Hauptrolle im Video ’Age’ von Lianne La Havas spielte und letztes Jahr im Alter von 70 Jahren verstorben ist, zollen sie mit einem Instrumental-Track gleichen Namens Tribut. Zur Unterstützung dafür haben sich The Expanders noch den Keyboarder Dan Hastie der kalifornischen Funk-/Soul-Band Orgone ins Studio geholt. Sonst verschönern die Gitarristen John Butcher und Devin Morrison sowie Bassist Chiquis Lozoya und Schlagzeuger John Asher immer das Ganze mit mehrstimmigen Gesang, der geschmeidig ins Ohr geht. Wenn’s im Sommer noch mal richtig heiß wird, kann hierzu sanft gegroovt werden.

Album seit 19. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://TheExpanders.net

Raggabund – Buena Medicina

Cover zu Buena MedicinaDas erste Album von Raggabund aus München erschien 2006. Doch da hatten die beiden Brüder Don Caramelo und El Criminal schon gut ein Jahrzehnt Musikerfahrung mit diversen anderen Projekten hinter sich. Nun folgt nach ’Mehr Sound’ aus dem Jahr 2012 das dritte Werk – diesmal beim österreichischen Indie-Label ’Irievibration Records’. Unter https://soundcloud.com/raggabund gibt es übrigens die Möglichkeit, dank diverser Free Downloads inklusive ’Nacht’ mit DJ Vadim ein bisschen in die Vergangenheit abzutauchen. Schließlich lässt sich daraus auch was für die Zukunft ableiten, wie sie im Reggae-Tune ’Im Gestern’ betonen: „Bald könnt’ alles einmal anders sein. Beginn’ doch einfach, deinen Geist zu befreien./ Du wirst erkennen, wo wir heut’ schon stehen – so fern vom Gestern.“

Für diejenigen, die immer noch in der braunen Vergangenheit versumpft sind, geben sie mit ’Nazimann’ mit Lengualerta aus Mexiko den Tipp, den eigenen Hass zu überwinden. Neben solch politischen Themen singen sie aber auch gerne mal ein Liebeslied wie ’Rock’n’Roll Girl’. Bei ’Bad Mood’ hilft Sebastian Sturm beim Gesang, der Titeltrack ist ein Duett mit Maria Rui aus Portugal und De Luca aus Italien ist bei ’Chilling’ dabei. Als Band begleiten The Dubby Conquerors aus der Schweiz das Brüderpaar. Hinzu kommen alte Wegbegleiter wie Saxophonist Hannes Beplo sowie Trompeter Max Wittmann von Jamaram oder am Rhodes-Piano Lobstarr von Les Babacools, einem weiteren Projekt von Don Caramelo. Klanglich interessant, aber leider viel zu kurz ist übrigens der mit Western-Klängen unterlegte ’Patrol Skit’. Als Single beziehungsweise Video wurde aber zuerst ’Nada Sirve’ ausgewählt, das übersetzt so viel heißt wie: „Nutzt nichts!“ Der Nutzen der ’Buena Medicina’ ist hingegen ganz klar, denn die Laune hebt sich damit ziemlich schnell.

Album seit 26. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.raggabund.de/

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