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26. Januar 2016 2 26 /01 /Januar /2016 09:56

Heute ist es soweit: The Game kommt nach Deutschland (Tour-Daten siehe am Ende des Artikels). Da lohnt es sich doch, diese alte Kritik zu seinem Werk aus dem Jahr 2012 zu aktualisieren. Sein Gast bei 'All Lady', Jeremih, tritt heute zeitgleich in Zürich auf, bevor er sich danach für ein paar Shows nach 'Good ol' Germany' rübermacht.

cover-game-jesus.jpgDoch jetzt zurück zu The Game: Auf seine fünfte offizielle Studio-CD hat The Game aus Compton, Los Angeles damals nicht lange warten lassen. Keine anderthalb Jahre nach ’The R.E.D. Album’ folgte ’Jesus Piece’. Ein Schnellschuss ist es aber trotzdem nicht geworden. Ganz im Gegenteil, denn dem zugrunde liegenden Konzept nach soll es zeigen, dass sich der Glaube an Gott und Spaß haben nicht ausschließen müssen. Und Spaß macht das allemal.

Um ehrlich zu sein, scheint The Game das mit dem Überbau für sein Werk nicht ganz so ernst zu nehmen. Nächstenliebe steht jedenfalls schon mal nicht auf dem Plan, wenn er gleich im ersten, fett und düster pumpenden Stück ’Scared Now’ fragt, wer jetzt Angst hat.

„Du sollst nicht töten“ nimmt er vielleicht als Gebot im richtigen Leben sogar Ernst, malt sich in den Lyrics aber dennoch brutale Hinrichtungen für seine Gegner aus: „Put three holes in his head, like a bowling ball./ I'm out the gutter switching lanes in a stolen car./ Fuck the feds, cause a nigga got a murder charge.“

Beat, Pray, Love

Dass er doch zu den Guten gehören kann, beweist The Game später zum Beispiel beim souligen ’Pray’. Darin erzählt er, wie er verhindert, dass ein Mädchen sein Leben wegwirft: „I can't let this girl throw her life away./ Kick the door in the room and told her to put the knife away./ Took her to the hospital like right away.“

Bei ’All That (Lady)’ nimmt’s der Rapper dann leicht und zeigt, dass er außen hart und innen ganz weich ist. Zu einem entspannten Instrumental von Cool & Dre, bei dem das Duo ein Sample von D’Angelo eingebaut hat, beschreibt er die Liebe zu seiner Herzdame. Als Unterstützung hat er sich außerdem Lil Wayne, Big Sean, Fabolous und Jeremih hinters Mic geholt.

Game’s Army

Überhaupt ist die Gästeliste ordentlich gefüllt. ’Heaven’s Arms’ ist der einzige von zwölf Tracks, bei dem The Game alleine rappt. Ansonsten sind noch so unterschiedliche Charaktere wie Rick Ross, Kanye West, Pusha T, Common, J. Cole und Jamie Foxx zu hören.

Allein an der Sommerfrische versprühenden Single ’Celebration’ sind Chris Brown, Tyga, Wiz Khalifa und noch mal Lil Wayne beteiligt. Dazu gibt es auch einen, leider auf dem Album nicht enthaltenen Remix mit Bone Thugs-N-Harmony, da für die Musik ein Sample von deren Hit 'First Of Tha Month' benutzt wurde. Aber der Refrain lautet jetzt bei der Kiffer-Hymne so: „We havin' a celebration, love to stay high.“

Auf Seite der Produzenten ist neben (eher) unbekannten Leuten wie SAP und Black Metaphor, der mit ’Scared Now’ eine starke Nummer abgeliefert hat, vor allem Boi-1da aus Toronto erwähnenswert, der unter anderem schon Top-Ten-Hits für Drake und Eminem produziert hat. Sein Stil ist auf ’See No Evil (Feat. Kendrick Lamar & Tank)’ unverkennbar.

Fazit: Konzept hin oder her, so lange das Ergebnis stimmt, kann The Game erzählen, was er will. So sind die Hauptthemen seiner Songtexte immer noch die eines Gangsta-Rappers: Sex, Drogen, Gewalt. Musikalisch ist ’Jesus Piece’ aber auf jeden Fall etwas ruhiger ausgefallen. Was dem Ganzem aber sehr gut tut – „Halle motherfucking lujah“!

CD seit 11. Dezember 2012 im Handel erhältlich. Mehr Informationen unter: www.comptongame.com

The Game live und in Farbe 2016:

Das könnte dazu passen:
Compton (Soundtrack von Dr. Dre mit u.a. The Game, Kendrick Lamar und Eminem)
Passend zum Bio-Pic 'Straight Outta Compton' über die Anfänge mit seiner Crew NWA brachte Dr. Dre endlich neue Musik raus - mit einer ganzen Allstars-Mannschaft.
The Game – LAX
Das dritte Studio-Album überraschte mit der Single 'Dope Boys', bei der Trommler Travis Barker von der Fun-Punk-Band Blibk-182 mitwirkte. Weitere Gäste waren u.a. Raekwon, Nas und Ice Cube.

Hier ist noch zur Einstimmung auf die Konzerte 2016 das Video zu 'Or Nah', das vor zwei Jahren veröffentlicht wurde:

 

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5. März 2015 4 05 /03 /März /2015 14:35

Was einst Mark Twain über Börsenspekulationen sagte, gilt auch für Plattenveröffentlichungen: „Dafür ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober.“ Und weil tatsächlich wieder ein paar Sachen durchgerutscht sind, die ruhig noch erwähnt werden könnten, folgt hier ein weiteres Platten-Sammelsurium.

Fil – Pullern im Stehn (Hörbuch)

Cover zu FilFil ist Zeichner, Bühnen-Entertainer und Sänger aus Berlin (aus Berlin!). Vor allem aber ist er ganz lustig. Nun hat er mit 'Pullern im Stehn', das im Untertitel 'Die Geschichte meiner Jugend' heißt, die Geschichte seiner Jugend aufgeschrieben. Beziehungsweise hat er sie im 'TAK' vorgelesen und aufgenommen. In diesem Fall handelt es sich übrigens nicht nur um eine gekürzte Live-Lesung, wie auf der CD angemerkt, sondern um eine kommentierte. Immer wieder streut Fil zusätzliche Angaben zum vorgelesenen Text ein. Gleich zu Beginn entschuldigt er sich für den Titel: „Ich hab' das als Scherz gemeint. Aber dann stand es schon so im Raum. Und jetzt heißt es so. Und dann wird's wenigstens nicht in den Schulen gelesen.“

Ob das mit der Namensfindung tatsächlich stimmt, bleibt dabei fraglich. Den schon in den ersten Sätzen seiner Autobiographie behauptet er Dinge, die er direkt live korrigiert. Zum Beispiel gibt er die Anzahl der Bewohner des Märkischen Viertels, wo er aufgewachsen ist, mit 70.000 an: „Hier muss ich sagen, ein jüngerer Autor hätte das vielleicht bei Wikipedia recherchiert. Ich habe es einfach mal so geschätzt.“ Und genau für so was wird er geschätzt. Also zu lachen gibt es bei ihm auch hier genug.

Hörbuch erhältlich seit 6. Februar 2015. Mehr Infos: http://www.fil-berlin.de/

Big Sean – Dark Sky Paradise

Ende diesen Monats wird Big Sean aus Detroit 27. Mit 19 veröffentlichte er sein erstes offizielles Mixtape 'Finally Famous'. Das gleichnamige Debütalbum folgte dann erst 2011, schaffte es dafür aber auf Platz 3 der US-Charts. Nun folgt nach 'Hall Of Fame' der dritte Streich. Eröffnet wird das Werk mit 'Dark Sky (Skyscrapers)', bei dem Sean über einen Beat von Robert "Rob Got Beats" Harris und dem kanadischen Produzenten Boi-1da erklärt, wie hart er sich quasi von der Bordsteinkante zur Skyline gearbeitet hat: „And I don't owe nobody in the world no favors./ I started from the basement, made it to the skyscrapers.“

Interessanterweise gibt es für den Rest des Albumtitels auch noch einen eigenen Track. 'Paradise' ist dabei von Mike Will Made-It ziemlich düster und schön aggressiv zusammengeschraubt worden. Weitere Unterstützung hinter den Reglern und/oder am Mic gab es von unter anderem KanYe West, DJ Mustard, Lil Wayne und Drake. Bei 'Play No Games' ist neben R'n'B-Sänger Chris Brown noch Ty Dolla Sign dabei, der schon im letzten Platten-Sammelsurium an der Seite von Lupe Fiasco auftauchte (Kritik zu 'Tetsuo & Youth' hier!). Alles in allem sticht 'Dark Sky Paradise' damit nicht unbedingt aus dem aktuellen Mainstream-Rap heraus, ist aber auf der Höhe der Zeit und geht gut ins Ohr.

Album erhältlich seit 23. Februar 2015. Mehr Infos: http://www.universal-music.de/big-sean/

New Kingston – Kingston City

Cover zu New KingstonSchon der Name der Gruppe New Kingston zeigt relativ deutlich, dass die New Yorker mit ihrem Sound Richtung Jamaika zielen. Namenhafte Gästen aus der Heimat des Reggae wie The Wailing Souls bei ’Protect Me’, Sister Carol bei ’Conquer Dem’ und der bereits 2010 verstorbene Sugar Minott bei ’Certain Girls’ belegen dabei eindrucksvoll, dass sie damit auf einem guten Weg sind.

Hinzu kommt weitere Unterstützung von zum Beispiel der Sängerin Kimie Miner aus Hawaii und zwei Mitgliedern der Tribal Seeds aus Kalifornien. Der deutsche Bassist Moritz „DaBaron“ von Korff produzierte das eher unspektakuläre Liebeslied ’Good Luck Charm’ und ist mit seiner Gruppe Dub Inc. für den gelungenen Opener ’Today’ verantwortlich, der mit seinen engagierten Lyrics gegen Hunger, Gewalt und Leid mehr hermacht. Unter https://soundcloud.com/newkingston/on-me-live gibt es übrigens eine Live-Version aus St. Petersburg des etwas älteren Stücks 'On Me' als Free Download. Ein weiterer neuer Titel ist ’I Believe In Me’. Und mit dem neuen Album können New Kingston auch entsprechend selbstbewusst in die Zukunft blicken.

Album seit 27. Februar 2015 erhältlich. Mehr Infos unter: http://newkingstonmusic.com/

 

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