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10. April 2013 3 10 /04 /April /2013 22:30

In seiner Quanität mit gleichsam hoher Qualität ist der Output von Prinz Pi, dem selbst ernannten „Rapcommander“ aus Berlin, wahrscheinlich einzigartig in Deutschland. Zu über zehn Alben in 15 Jahren gesellen sich unzählige weitere Veröffentlichungen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Zum Glück, wie 'Kompass ohne Norden' jetzt zeigt!

cover-pi-kompass.jpgWelche Aufgabe ihn dabei als Künstler antreibt, erklärt er im Stück 'Ende Blut, alles Blut' mit seinen Lyrics so: „Wir verletzen Menschen, die uns lieben./ Lieben Menschen, die uns verletzen./ Meine Berufung ist, das auszusprechen in Texten.“

Dabei geht es ihm auf 'Kompass ohne Norden' nicht nur um die klassische Beziehung zwischen Mann und Frau, sondern auch um Freundschaften, die eigentlich für die Ewigkeit hätten angelegt sein sollen. Perfekt im großartigen Track '100x' auf den Punkt gebracht: „Was wurde aus 'Beste Freunde für immer'?/ Sind dieselben Leute heute behindert?/ Wir waren mal hier, beweist die Wand./ Wir haben uns mal auswendig gekannt.“

YO! 100X Y XOXO

'100x' ist auch der einzige Song, bei dem Prinz Pi einen Gast ans Mic gelassen hat. Casper ergänzt das Ganze hervorragend um seine eigenen Erinnerungen ans Abhängen mit den alten Kumpels: „Mit sieben Mann im Ford, angesoffen ins Nachbardorf./ Die Tanke dort, Abhängort, nippen alle am Faxe-Import.“

Als offizielle Single wurde aber 'Glück' ausgekoppelt. Darin bezieht er sich anfangs noch auf die tragische Beziehung zu seinem eiskalten Engel 'Laura', die er auf 'Rebell ohne Grund' beschrieben hat. Aber das Schöne ist, dass er dann zu einer neuen Liebe findet: „Narbe über'm Herz seit dem Tod meiner Münchnerin./ Unsichtbares Schild um 'n Hals für meine künftigen – Ex-Freundinnen, sucht euch lieber wen Vernünftigen./ Wiederholungstäter, wiederholt Fehler als Wesenszug./ Neue Liebe beginnt da, wo die alte aufhört, weh zu tun.“

Rost in Frieden

Wer mit diesen Themen nichts anfangen kann, ist dafür vielleicht bei den gesellschaftskritischen Inhalten von Pi besser aufgehoben. In 'Säulen der Gesellschaft' kritisiert der Berliner unter anderem abgestumpfte Medienvertreter, gewaltbereite Polizisten, ewiggestrige Rechte und profitgeile Verkäufer.

'Rost' behandelt dagegen einen Krieg, der nicht mit Waffen ausgetragen wird, sondern wirtschaftlich ganze Gegenden zerstört: „Land auf, Land ab sind Städte tot./ Der Rost blieb bis zuletzt./ Die Zeit geht gegen Abendbrot.“

Wem das wiederum zu ernst ist, wird vielleicht mit 'Die letzte Ex' aufgeheitert. Hier werden Verweise auf die 'Königin von Kreuzberg', die ihn wahnsinnig macht, und 'Bonny's Ranch' eingebaut. Während er damals noch aus der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik raus wollte, will er jetzt zurück: „Mein Akku geht aus, mein Kredit ist verbraucht./ Die alten Tore gehen auf. Willkommen zurück zu Haus.“

Fazit: Wahrscheinlich wartet Prinz Pi wie Charles gar nicht darauf, endlich zum König gekrönt zu werden. Aber mit 'Kompass ohne Norden' hat er wieder einmal bewiesen, dass er definitiv das Zeug dazu hätte.

Mehr Informationen unter: http://www.prinzpi.biz/

CD voraussichtlich ab 12. April 2013 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Prinz Pi – Neo-Punk
Flexis – Egotrips

Prinz Pi live und in Farbe 2013: 13.04. Berlin – Postbahnhof (ausverkauft) *** 22.06. Scheessel – Hurricane Festival *** 23.06. Neuhausen OB Eck – Soutside Festival *** 02.08. Lustenau (A) – Szene Open Air *** 16.08. Grosspösna – Highfield Festival *** 17.08. Montabaur – Spack Festival *** 04.10. München – Muffathalle *** 12.10. Leer – Zollhaus *** 13.10. Osnabrück – Rosenhof *** 19.10. Köln – Live Music Hall *** 20.10. Saarbrücken – Garage *** 25.10. Wiesbaden – Schlachthof *** 26.10. Würzberg – Posthalle *** 27.10. Nürnberg – Hirsch *** 01.11. Berlin – Columbiahalle *** 08.11. Dortmund – FZW *** 09.11. Münster – Skaters Palace *** 23.11. Zürich (CH) – Komplex *** 28.11. Wien (A) – Arena *** 29.11. Graz (A) – PPC

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13. September 2012 4 13 /09 /September /2012 16:54

Eine Idee, drei Leute, fünf Tracks – das klingt doch nach einer lösbaren Aufgabe. Und das Ergebnis von Marteria, Yasha und Miss Platnum kann sich hören und sehen lassen, denn ’Lila Wolken’ sind doch mal ein ungewöhnlicher Anblick!

cover-lila-wolken.jpgDa geht die Sonne auf! Erst wird Schwarz zu Blau, dann Blau zu Lila. In den Lyrics des Titeltracks beschreibt das Trio zum entspannten Electro-HipHop-Sound einfach passend dazu ein Lebensgefühl, das viele (junge) Menschen bestimmt gut nachvollziehen können: „Wir leben immer schneller, feiern zu hart./ Wir treffen die Freunde und vergessen unsern Tag./ Wolln' kein Stress, kein Druck, nehm'n Zug, noch'n Schluck vom Gin Tonic, guck in diesen Himmel: wie aus Hollywood!/ Rot knallt in das Blau, vergoldet deine Stadt./ Und über uns zieh'n lila Wolken in die Nacht!“

Von Moabit nach Kreuzberg am Meer

Produziert wurde ’Lila Wolken’ von Kid Simius und The Krauts, dem aus DJ Illvibe und Monk bestehenden Produzenten-Team. Alles alte Bekannte, den bevor die Beiden für Miss Platnum und Marteria Instrumentals bauten, waren sie mit Yasha und Malo unter dem Crew-Namen Moabit beziehungsweise Moabeat unterwegs. Und wer sang 2004 bei ihren Songs ’Topmodel’ und ’Macker’ mit? Miss Platnum!

Damals noch stärker im HipHop verwurzelt, schrauben sie nun inzwischen zum Beispiel bei 'Kreuzberg Am Meer' eher smart groovende House-Sounds zusammen. Dazu wird erklärt, was diesen Ort so ausmacht. Alles eher Dinge, die dem Berliner Ex-Senator und Bestseller-Autor Thilo Sarazzin weniger gefallen dürften: „Hier hat jeder, was er will. Die Spanier Pillen, die Schwaben Villen./ Hier ist keiner clean, mein Nachbar lässt sogar die Sara zieh’n./ Auf der Straße spielen die Kinder – Baklava Baklava Kuchen.“

Friede, Freude, Eier treten

Wem diese zwei Tracks zu friedlich daherkommen, bekommt auf den anderen dreien dann aber Action geboten. Zum aggressiveren Beat von 'Bruce Wayne' rappt Marteria darüber, in welcher Liga er jetzt mitspielt. Er erwähnt, dass er mit Jan, Peter und Seeed aufgetreten ist und seiner Mama ein „Haus am See“ gekauft hat.

Fühlt sich wie im Traum an – und der könnte weiter gehen. So bezieht er sich am Ende auf sein Top-Ten-Album und das Stück 'Rock'n'Roll'. Darin zerbricht die Welt in zwei Teile, die er sich mit Casper aufteilt. Bleibt bloß noch die Frage, wann eine Fortsetzung folgt: „Mal gab's Streit und mal gab's Stress./ Los, vertragen jetzt, Mar und Cas./ Starte den DeLorean, Marty McFly./ Zum Glück in die Zukunft 2.“

Wer bei dem Stück Miss Platnum vermisst, kommt dafür bei 'Autoboy' auf seine Kosten. Sang sie einst noch über ihre Liebe zum 'Mercedes Benz', wird nun das Auto ihres Boys platt gemacht. Fremdgehen lohnt sich nicht. Außer, wenn dabei so ein unterhaltsamer Song bei raus springt.

Und wo wir schon beim Zündeln sind, gibt es mit 'Feuer' noch ein nicht zu unterschlagenes Feuerwerk. The Prodigy lassen grüßen: „Auf mein'n roten Shorts steht breit 'Feuerstarter'./ Ich will, dass alle Lichter angeh'n, das Licht in deiner Hand seh'n./ Auch alle, die am Rand steh'n, lasst uns zusammen zähl'n./4, 3, 2, 1 – Feuer!“

Fazit: Marteria, Yasha und Miss Platnum harmonieren sehr gut zusammen, was aber ja auch schon frühere Kollabos zeigten. Zwingend ein Album als Trio muss nun jedoch nicht unbedingt folgen, so lange sie sich auch auf ihren Solo-Werken weiterhin unterstützen.

Mehr Informationen unter: http://www.lilawolken.de/

CD voraussichtlich ab 14. September 2012 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Max Herre – Hallo Welt!
Chima – Stille

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22. Oktober 2008 3 22 /10 /Oktober /2008 08:37

Gib dem Affen Zucker! Spring! Spür die Wut! Schlag die Faust gegen die Wand! Mach kaputt, was dich kaputt macht! Oder mach aus alt neu! So wie Prinz Pi! The Artist formely known as Prinz Porno ist endgültig Geschichte. Zumindest ist es nicht mehr nötig, das auf dem Cover zu erwähnen! Denn jetzt regiert der 'Neo Punk'!

Wobei die Fans der alten Sachen keine Angst haben müssen. Gleich im ersten Stück 'Super Seiajin', dessen Titel anscheinend von der Manga-Serie 'Dragon Ball' inspiriert ist, zitiert Pi einige klassische Zeilen. Los geht es mit „It's still bigger than HipHop“ von Dead Prez, bevor sein eigener traditioneller Einleitungssatz – bekannt aus unter anderem 'Keine Liebe', '!Donnerwetter!' und 'Keine Idole' – ins Gedächtnis gerufen wird: „Ich reduzier' mich auf das Minimum!“

Ansonsten bezieht sich der Berliner Rapper in dem Songtext unter anderem auf den Erfurter Amokläufer Robert Steinhäuser, auf den Fantasy-Epos 'Herr der Ringe' („Neo Punk - wir sprühen es hin, und am Hals haben wir den glühenden Ring.“), den Comedian Mario Barth und die Simpsons („Ich schmeiß mit einem Meilenstein deine Scheibe ein, meine Spuren an der Decke wie vom Spiderschwein.“).

Alles ist Pop! Oder eben Techno, wie bei der ersten Single 'Gib dem Affen Zucker' ja in den Lyrics ohne große Umschweife zugegeben wird: „Ich nehm einen Technobeat, mit brettharten Synthesizern./ Und mache Arschbombe in Bettlaken Münchner Weiber!“ Auch hier reichen die kulturellen Bezüge von 'Hänschen Klein' bis zu 'Der Pate' und landen über den unglaublichen 'Hulk' schließlich beim Dekonstruktivismus – wo reine Formen benutzt werden, um schiefe Kompositionen zu schaffen. Klingelt's?

Ob Politik oder Konsolenspiel – alles hat seine Spuren hinterlassen. Bei 'Affen An Die Macht' sind es eben Georg W. Bush und Super Mario, dessen Anfeuerungsruf ja auch schon Kool Savas und Laas Unltd. zu 'Lettzeee Gooo (L.A.A.S.A.V.A.S.)' inspiriert hat.

Geholfen dabei, dieses wahnwitzige Werk zu erschaffen, haben neben dem Hauptproduzent Biztram noch Casper, DJ Craft von K.I.Z., Bina und The Royals, die bei dem orientalisch angehauchten 'Schläferstündchen' die Co-Produktion übernehmen durften. Der Songtext greift den Sound auch passenderweise etwas auf: „Okzident - Orient, richtig und falsch, muslimisch - christlich, es knallt - wenn sie es sagen./ Wer sie sind? Sie sind Magnaten, Banker und Illuminaten.“

Fazit: Der Wahnsinn hat Methode – und trifft damit voll ins Schwarze. Wenn die Revolution einen Soundtrack braucht, hat Prinz Pi hier mit 'Neo Punk' einen mehr als gut gelungenen Beitrag dazu abgeliefert.

Mehr Infos: http://www.prinzpi.biz

CD voraussichtlich ab 24. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Kool Savas – Die John Bello Story 2
Deichkind – Arbeit Nervt
Flobots – Fight With Tools

Live und in Farbe 2008 mit Casper sowie Maeckes & Plan B: 26.11. Braunschweig – Jolly Joker *** 27.11. Bremen – Modernes *** 28.11. Hamburg – Markthalle *** 30.11. Potsdam – Waschhaus *** 3.12. Duisburg – Hundertmeister *** 4.12. Köln – Underground *** 5.12. Münster – Skaters Palace *** 6.12. Weinheim – Cafe Central *** 7.12. Frankfurt – Batschkapp *** 8.12. Trier – Exhaus *** 10.12. Saarbrücken – Roxy *** 11.12. Freiburg – Jazzhaus *** 12.12. Bern (CH) – Reitschule *** 13.12. Basel (CH) – Kaserne *** 14.12. Stuttgart – Longhorn *** 15.12. Augsburg – Alte Kantine *** 17.12. München – Backstage *** 18.12. Innsbruck – tba *** 19.12. Graz (A) – tba *** 20.12. Wien (A) – tba

 

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