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14. Januar 2016 4 14 /01 /Januar /2016 18:07

„Stellt im August sich Regen ein, so regnet’s Honig und guten Wein“, heißt es in einer Bauernregel. Und es ist ja im August 2015 wirklich sowohl der eine oder andere Tropfen mehr vom Himmel gefallen als auch eine Latte Werke veröffentlicht worden, die scheinbar alle erst über einen längeren Zeitraum gereift sind. Zwischen den aktuellen und vorherigen Alben von MoTrip, Chefket, Method Man, Dr. Dre und Alina Bronsky mit Sophie Rois liegen nämlich mindestens drei Jahre.

MoTrip – So wie du bist (Single-CD feat. Lary)

Cover zu MoTrip2012 konnte MoTrip mit seinem Album ’Embryo’ gleich die Top Ten knacken. Doch dann ließ das Nachfolgewerk ’Mama’ etwas auf sich warten. Dafür startet er jetzt wieder erfolgreich durch. Mit ’So wie du bist’ landete er schon im Juli seinen bisher größten Single-Hit. Geholfen hat dabei wohl vor allem die Verwendung in einem Werbespot für die Kopfhörer von ’Beats by Dre’ mit Fußballstar Bastian Schweinsteiger und das Musikvideo mit Lena Meyer-Landrut als Tänzerin im ’Tollhaus’. Aber weil sich so ein schönes Liebeslied als physischer Tonträger viel schöner an geliebte Personen verschenken lässt als so eine runtergeladene Datei, hat ’Universal’ nun noch eine Single-CD davon nachgelegt.

Produziert wurde das Ganze von den Beatgees, die davor unter anderem für D-Flame und SpongeBob gearbeitet haben (Kritiken dazu hier). Für das aktuelle Album ’Mama’ von MoTrip bauten sie außerdem noch die sanft dahin flirrende Kopf-hoch-Hymne ’Selbstlos’ für eine bessere Welt, bei der Chima ein paar Backing Vocals beisteuert und gegen Schluss noch ein Kinderchor aufgefahren wird. Bei so viel musikalischem Einsatz an anderer Stelle ist es daher schon ein wenig schade, dass die Single-CD jetzt nur zusätzlich das Instrumental von ’So wie du bist’ enthält. Aber dann kann wenigstens jede(r) selbst dem geliebten Herzblatt ein Ständchen dazu bringen.

Single-CD seit 14. August 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://motrip.de/

Chefket – Nachtmensch

Cover zu Nachtmensch von Chefket

1981 geboren, 2010 Gewinner bei einem Talentwettbewerb von Berliner Radiosender Fritz, 2015 mit ’Nachtmensch’ Platz 9 der Charts erreicht. Dass der Erfolg solange auf sich warten ließ, verwundert schon ein bisschen bei Chefket. Aber nun hat es ja geklappt mit dem ’Fliegen’. In dem gleichnamigen Stück heißt es in den Lyrics: „Immer nur nach vorn seit dem ersten Schritt./ Ohne Flügel geboren, doch wir sterben mit./ Es dauert eben lang, bis ein Flügel wächst.“

Videos wurden – abgesehen von den Klavier-Session-Versionen einiger Tracks – allerdings erst einmal zu ’Rap & Soul’ und ’Glücklichster Rapper’ gedreht. Bei dem zuletzt genannten wird im Splitscreen gezeigt, wie alles astrein beim ihm läuft. Oder eben auch nicht, wobei das Ende mit einem tollen Looping-Effekt endet. Produziert hat das Ganze Farhot, der auch für den Rest des Albums die musikalische Leitung übernommen hat. Zudem hat er übrigens den Beat für ’Hype’ von MoTrip gebaut, bei dem Chefket die Backing Vocals übernommen hat. Die Bandbreite der Instrumentierung ist dabei wirklich beeindruckend. Während ’Lass gehn’ fröhlich swingt, ist ’Träume’ wirklich schön relaxed mit melancholischem Sound und einem warmklingenden Sample von Melody Gardot. Da passt der letzte Vers bei ’Immer Mehr’ ganz am Ende des Albums wie die Faust aufs Auge: „Doch wenn wir ankommen, wollen wir noch immer ein bisschen mehr.“

Album seit 14. August 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.chefket.com/

Alina Bronsky – Baba Dunjas letzte Liebe (Hörbuch gelesen von Sophie Rois)

Cover zu Baba DunjaBeim Reaktorunglück von Tschernobyl 1986 war Baba Dunja „... noch sehr jung, fünfzig irgendwas“. Inzwischen wurde Obama Präsident, sie ein bisschen älter und bekannt als die erste Frau, die in ihr Dorf zurückgekehrt ist. Es liegt in der so genannten „Todeszone“. Aber das macht Dunja nichts, denn wer will schon „... glauben, dass die Todeszone sich an die Grenzen hält, die Menschen auf Landkarten einzeichnen.“ Das Leben dort mit Nachbarn wie dem sterbenskranken Petrov und dem fast hundertjährigen Sidorow plätschert im Grunde einfach vor sich hin. Doch als ein Fremder mit seiner Tochter nach Tschernowo kommt und kurz darauf mit einer Axt erschlagen wird, gerät der Alltag dort völlig aus den Fugen ...

Alina Bronsky erzählt unaufgeregt wie ihre Hauptfigur aus dem Leben einer Frau, die schon so Einiges erlebt hat und mit ganz einfachen Dingen zufrieden ist. Letztendlich geht es um Glück, Freundschaft und den Glauben an das Gute. Sophie Rois – mit 54 Jahren noch lange nicht so alt wie die Figur, der sie im Hörbuch auf drei CDs ihre Stimme leiht – erweckt Baba Dunja sehr überzeugend zu Leben. Dabei hat die Dame auch ihre Eigenarten. Und wenn die bodenständige Russin findet, dass ihr Präsident ein guter Mann ist, kann ihr das kaum verübelt werden. Schließlich zählt am Ende vor allem eines: Das zu verteidigen, das man liebt!

Hörbuch erhältlich seit 20. August 2015. Mehr Infos: https://www.roofmusic.de/de/index.php?area=de&content=productdetail&id=1022

Method Man – The Meth Lab

Cover zu The Meth LabMr. Mef is back – nachdem es in den letzten Jahren sehr ruhig um ihn geworden war. Zwar gab es Kollabos wie ’Blackout 2’ (2009) mit Redman, ’Wu-Block’ mit The Lox (2012, Kritik hier) und natürlich ’A Better Tomorrow’ (2014) mit dem Wu-Tang Clan, aber sein letztes Solowerk ist auch schon neun Jahre alt. Dass er jedoch nichts verlernt hat, zeigt er nun mit ’The Meth Lab’. Das Cover erinnert an eine blaufarbene Variante der Droge Crystal Meth, wie sie auch in der Fernsehserie ’Breaking Bad’ thematisiert wurde. Überhaupt nimmt Method Man recht deutlich Bezug auf diese TV-Geschichte – sei es in den Lyrics, aber auch in den Videos. Alles rund soweit und ein großer Wurf für das mit ’Tommy Boy’ kooperierende Label von Hanz On, der bei mehr als der Hälfte der Tracks mitwirken darf. Immerhin neunmal dabei ist Streetlife, mit dem er seit 1994 zusammenarbeitet. Ihr zusammen 2003 aufgenommenes ’Even If’ ist sogar noch als Free Download unter http://www.wutang-corp.com/media/downloads.php erhältlich.

Vom Wu-Tang Clan sind übrigens nur Masta Killa bei ’Intelligent Meth’ sowie Raekwon und Inspectah Deck dabei. Ihr vereint eingespieltes ’The Purple Tape’ ist allerdings mit dem Beat von J57 nicht allzu spannend geraten. Dafür wird im Refrain der legendäre Ausspruch Wu-Tang is for the children von Ol' Dirty Bastard bei der Grammy-Vergabe zitiert, was im Ohr hängen bleibt. Mit dem 45-jährigen Redman hat Meth dann noch fürs flott pumpende ’Straight Gutta’ einen weiteren Veteran zurück ans Mic geholt, mit dem er in der Vergangenheit schon einige große Kollabos abgeliefert hat. Kein Wunder also, dass dazu auch ein Video gedreht wurde. Das Stück selbst ist fast schon etwas albern, macht aber Laune, wobei ’50 Shots’ leichtfüßiger für Spaß sorgt. Noch besser sind aber sowieso die düstereren Sachen wie zum Beispiel das großartige ’Water’, ’Symphony’, das mit Rockgitarre flirrende ’Soundcheck’, ’Bang Zoom’, das von einem Piano-Sound angetriebene ’Rain All Day’ und ’Lifestyles’. Eine gute Nachricht ist zudem, dass er die Fans nicht noch mal so lange warten lassen will, denn im ’Outro’ kündigt er schon die nächste, lange verschobene Veröffentlichung an: „’The Meth Lab’ is closed. ’Crystal Meth’ coming real soon.“

Album seit 21. August 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://hanzonmusic.com/method-man-the-meth-lab/

Dr. Dre – Compton

Cover zu ComptonMit unzähligen Ideen und Hits hat Dr. Dre in der Vergangenheit HipHop-, wenn nicht sogar Musik-Geschichte, geschrieben. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn Neues von ihm kommt. Das ’Intro’ erklärt wie in einer Dokumentation die Geschichte Comptons, einem Vorort von Los Angeles und der Geburtsstätte von Dre. Danach geht ’Talk About It’ direkt in die Vollen, bevor ’Genocide’ einen funky Gangsta-Sound mit Ragga-Gesang von Candice Pillay kombiniert. Mit einer ordentlichen Portion Soul fährt schließlich ’It’s All On Me’ auf, stiehlt aber dem anschließenden ’All In A Day’s Work’ damit schon etwas die Schau. Wer lieber seine Rock-Einflüsse bedient haben möchte, sollte einfach auf ’Issues’ mit Ice Cube zurückgreifen.

Natürlich ist Dres alter NWA-Kumpan nicht der einzige Wegbegleiter, der ihm hier die Ehre erweist. Von Snoop Dogg über Eminem, Xzibit und The Game bis Kendrick Lamar bei gleich drei Tracks sind fast alle dabei, deren Karrieren er entscheidend geprägt hat. Seine neue Entdeckung nennt sich Anderson .Paak (Ja, der schreibt sich mit einem Punkt vor dem zweiten Teil seines Künstlernamens). Zumindest hat der gute Doktor ihn gleich für ganze sechs Tracks verpflichtet.

Eazy-E, der mit ihm ebenfalls bei NWA war und mit dem er sich vor dessen Tod zerstritten hatte, lässt er bei 'Darkside/Gone' noch einmal mit einem Sample zu Wort kommen. Davor erwähnt er schon an einer frühereren Stelle, dass er ihm in schweren Zeiten geholfen hat, auch wenn es ihm selbst schwer fiel (New apartment, no fridge, no mattress, no table, no cable./ And all I hear is my girl in my ear./ And this nigga Eazy asking for his car back, homie./ I would've never saw this happening from that far back, homie“). Die Zeit heilt alle Wunden und sie wird auch zeigen, ob 'Compton' das Zeug zu einem Klassiker wie 'The Chronic' hat. Denn obwohl nicht alle Stücke zwingend Granaten sind, gleitet es geschmeidig ins Gehör und wird sich alles in allem zurecht einen der vorderen Plätze in den Jahresrückblicken sichern können.

Album seit 21. August 2015 erhältlich. Mehr Infos: https://www.drdre.com/

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9. Dezember 2015 3 09 /12 /Dezember /2015 10:37

Schon bei Erscheinen des Albums 'To Pimp A Butterfly' und der Kritik hier damals im März 2015 dazu war überall zu hören, dass Kendrick Lamar da was Großes abgeliefert hat. Entsprechend wurde er nun für ganze 11 Grammys nominiert. Im Februar 2016 wird sich dann zeigen, ob er sich gegen die Konkurrenz durchsetzen kann und auch gut ein Jahr nach der Veröffentlichung damit präsent bleibt.

 

Cover zu Kendrick Lamar2012 gelang Kendrick Lamar aus dem L.A.-Vorort Compton mit ’Good Kid, M.a.a.d. City’ der internationale Durchbruch. Drei Jahre später sind die Erwartungen an das Nachfolgewerk entsprechend hoch. Statt aber auf Nummer Sicher zu gehen, überrascht der US-Rapper mit unerwarteten Sounds und Inhalten.

Eröffnet wird das Album mit ’Wesley’s Theory’, bei dem erst die Titelzeile aus ’Every Nigga Is A Star’ von Boris Gardiner eingespielt wird. Danach weist Funk-Übervater Georg Clinton darauf hin, dass nach Verlassen des Kokons der Schmetterling einen tiefen Blick in sein Inneres werfen sollte. Und so macht es Kendrick Lamar auch und fragt sich, woher er kommt, wohin er will und was auf dem Weg an sein Ziel alles passiert ist und noch kommen könnte.

In der Mitte des Songs meldet sich entsprechend sein Executive Producer Dr. Dre zu Wort und teilt ihm mit, dass er alles erreichen kann. Schwieriger sei es allerdings, das dann auch zu behalten: „You said you wanted a spot like mine./ But remember, anybody can get it./ The hard part is keeping it, motherfucker.“

Auch Snoop Dogg stellt in ’Institutionalized’ klar, dass überall Gefahren lauern. Selbst wer den Aufstieg vom kleinen Jungen zum großen Star geschafft hat, wird seiner Vergangenheit und damit den Kniffen aus seiner ehemaligen Nachbarschaft laut Übersetzung der Lyrics nicht entkommen können: „And once upon a time in a city so divine – called West Side Compton, there stood a little nigga./ He was 5 foot something, dazed and confused – Talented but still under the neighborhood ruse.“

P.I.M.P. My Butterfly Effect

Produziert wurde das entspannt vor sich hingroovende ’Institutionalized’ von Rahki, der davor unter anderem schon mit 50 Cent, Eminem und Aloe Blacc zusammengearbeitet hat. Ganz anders klingt dagegen seine Produktion für ’i’, das vor schon gut einem halben Jahr als erste Single vorausgeschickt wurde. Die Gänsehaut erzeugende Hymne, die dazu aufruft, sich als Erstes einmal selbst zu lieben, wurde für ihre mitreißende Botschaft und stimmungsvolle Instrumentalisierung gerade mit zwei Grammys ausgezeichnet.

Weitere Helfer auf ’TPAB’ sind übrigens unter anderem die Soul-Sänger Ronald Isley und Bilal, die Rapperin Rapsody und Pharrell Williams, der das etwas poppigere ’Alright’ mit Terrace Martin am Saxophon produziert hat. Fehlen tun eigentlich nur ScHoolboy Q, Jay Rock und Ab-Soul von Kendrick Lamars Crew Black Hippy. Hinzu kommt dafür noch Boi-1da, der auch gerade an ’Dark Sky Paradise’ von Big Sean beteiligt war (Kritik dazu hier). Auf sein Konto geht die zweite Single ’The Blacker The Berry’, bei der sich Kendrick Lamar mit ordentlich Biss und gemeinsam mit dem Dancehall-Sänger Assassin gegen Rassismus wehrt.

Im letzten Stück ’Mortal Man’ erklärt Kendrick Lamar noch ausführlich in einem fiktiven Interview mit Tupac Shakur, wie der Vergleich mit dem Schmetterling gemeint ist. Etwas unklar ist schließlich am Albumtitel, ob das Verb „to pimp“ im Sinne von Aufmotzen gemeint ist oder ob es das Ausnutzen durch eine Art Zuhälter beschreibt. Ist der Schmetterling nicht das positive Ende einer Entwicklung, bei der er schließlich aus seinem begrenzenden Kokon ausbricht? Geht es darum, auf die Entwicklung zum Schmetterling hinzuwirken oder ihn nachträglich zu beeinflussen? Und kann der Flügelschlag eines Schmetterlings nicht einen Sturm auslösen?

Fazit: Mit ’To Pimp A Butterfly’ hat Kendrick Lamar ein Album geschaffen, mit dem er die Welt zum Besseren verändern will. Die zur Untermalung gewählte Mischung aus Jazz, Funk, Soul, Rap und mehr geht dabei gut ins Ohr, auch wenn nicht alles als Ohrwurm hängenbleibt und teilweise etwas schwere Kost ist. Vor allem auch inhaltlich, denn die philosophischen Ansätze heben das Werk weit über die rein musikalische Interpretation hinaus. Aber am Ende zählt, dass die Revolution tanzbar ist.

Album seit 16 März 2015 erhältlich.

Mehr Informationen unter: http://www.kendricklamar.com/

Das könnte dazu passen:
ScHoolboy Q – Oxymoron (inkl. Track mit Kendrick Lamar)
YG – My Krazy Life (inkl. Track mit Kendrick Lamar)
The Game – Jesus Piece (inkl. Track mit Kendrick Lamar)
Lupe Fiasco – Tetsuo & Youth (inkl. Track mit Ab-Soul)

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