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22. April 2016 5 22 /04 /April /2016 06:50

Morgen am 23. April wird wieder der internationale Welttag des Buches gefeiert. In Katalonien steht an dem Datum auch der Tag der Verliebten an und es werden nicht nur Bücher, sondern noch rote Rosen verschenkt. Das kann hierzulande doch ruhig ebenfalls so gehandhabt werden. Und falls ihr schnell einen Tipp braucht, welches Werk als Geschenk dienen könnte, gibt es hier die Wiederveröffentlichungen von ein paar alten Kritiken, die so wohl nicht mehr verfügbar sind (in leicht überarbeiteten Fassungen).

Samy Deluxe – Dis Wo Ich Herkomm

Cover zum Buch von Samy Deluxe2009 war es, als Samy Deluxe parallel zu seiner CD 'Dis Wo Ich Herkomm' auch noch das gleichnamige Buch veröffentlichte. Obwohl er schon gleich auf Seite 10 feststellt, dass er das so gar nicht geplant hat: „Eigentlich wollte ich nie ein Buch schreiben. Bis vor ein paar Jahren habe ich noch nicht einmal daran gedacht. Ganz ehrlich. Ich bin Rapper. Was soll ich denn für ein Buch schreiben?“

Ein autobiographisches! Zumindest im Ansatz. Denn Samy rollt nicht seine eigene Geschichte von vorne bis hinten auf, sondern hangelt sich eher an den Themen entlang, die ihn auch auf seinem ebenso betitetelten Werk beschäftigt haben. Deswegen heißen auch viele der Kapitel wie die Stücke von der Platte, zum Beispiel 'Wer Ich Bin', 'Wir Sind Keine Kinder Mehr' und 'Superheld'.

Vieles wird dadurch ausführlicher behandelt, als es bei den üblicherweise in rund dreieinhalb Minuten vorgetragenen Songtexten möglich ist. So wird zum Beispiel im 'Oma Song' nicht thematisiert, dass sie Ausländer eher als bedrohlich betrachtete. Im Buch aber schreibt Samy ein bisschen was dazu: „Dies führte hin und wieder zu Konflikten. Und je älter ich wurde und je mehr ich mich mit meinem Anderssein auseinandersetzte, desto mehr hatte ich Diskussionen mit meiner Oma. Allerdings endeten sie nie in einem richtigen Streit.“

Die Leser erfahren auch mehr über die Hintergründe zum Stück 'Erster' unter der Überschrift 'Neid' und bei 'Vatertag' mehr über seine Erlebnisse im Sudan, dem Heimatland seines Vaters, die er in den Lyrics des gleichnamigen Tracks nur kurz anschneidet: „Ich hab meinen Papa schon mal mit 14 besucht, saß mit ihm im Sudan da und hörte ihm zu.“

Wer also jetzt erst auf Samy Deluxe aufmerksam geworden ist, kann hier ein paar persönlichere Informationen aus erster Hand über ihn erfahren.

Original-Rezension (hier überarbeitet) erschienen im Motorblog: motor.de 05/2010

Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

Cover zu Fleisch ist mein Gemüse"Rock- und Popmusiker haben ein aufregendes Leben. In den einschlägigen Biografien geht es um Energie und Rebellion, um Drogenpartys, sexuelle Grenzsituationen, historische Momente von Aufbruch und Veränderung und unnötige Geldausgaben im großen Stil. Tanzmusik hat mit all dem nichts zu tun, es ist der große Gegenentwurf: Es passierte in all den Jahren so wenig, dass ich oft das Gefühl hatte, die Zeit würde stillstehen", resümiert Heinz Strunk etwas resigniert am Ende seines Buches 'Fleisch Ist Mein Gemüse'.

Dabei gibt's doch bei seiner zwölfjährigen Karriere in der Kapelle Tiffanys auch viel zu lachen, zumindest für die Leser. Die Kollegen schimpfen sein Tenorsaxophon Rotzkanne, die Würstchen zur Stärkung gehen nur als Luftpumpen durch und die Frauen, die den pickligen Protagonisten in den Wahnsinn treiben, sind sowieso nur Biester. Seine "Landjugend mit Musik" verarbeitet Heinz Strunk (aka Jochen Dose von Studio Braun aka Fleischmann von Viva TV) verbal so gelungen, dass kein Auge trocken bleibt. Da bleibt mir eigentlich nur noch die Möglichkeit, eine der gekonnten Ansagen von Bandleader Gurki zu zitieren: "Swingtime is good time, good time is better time!" Jau!

Original-Rezension erschienen in: unclesallys 01/2005

Michel Birbaek – Nele & Paul

cover-nele-paul.jpgDavon abgesehen, dass ihn die Hitze fertig macht, geht es Polizist Paul ziemlich gut. Nachdem er vor Jahren mit zwei Promille einen Streifenwagen geschrottet hat, schiebt er Innendienst auf der Dorfwache. Sogar gerne! Doch dann taucht überraschend Nele wieder auf, die ihn für die Karriere sitzengelassen hat. Der Traum vom Modelleben in den USA ging bei ihr allerdings nicht auf – dafür funkt es zwischen den beiden direkt wieder. Und diesmal ist sich Paul sicher, dass das Glück hält – wenn da bloß nicht Neles seltsame Blackouts wären...

Michel Birbaek würzt diese schöne Liebesgeschichte wie in seinen vorherigen Romanen perfekt. Hier ein paar Hinweise auf seine dänischen Wurzeln, da schön trockener Humor und zwischendurch Probleme, die einen selbst mitnehmen. Alles kurz und knackig geschrieben – fertig. Absolut empfehlenswert!

Original-Rezension (hier überarbeitet) erschienen in: unclesallys 03/2009
> vom Autor hier dankend erwähnt:
http://www.birbaek.de/imponierliste.html

Glee – Das große Fanbuch

cover-glee.jpgSeit Mitte Januar 2011 läuft die Highschool-Serie 'Glee' über einen doch etwas anderen Schulchor nun auch im deutschen Fernsehen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis 'Glee – Das große Fanbuch' von den beiden selbst ernannten 'Gleeks' Erin Balser und Suzanne Gardner ebenfalls in die Buchläden folgen würde, immerhin bietet es nicht nur viel Hintergrundinformationen über das Team um Produzent Ryan Murphy (der unter anderem schon mit 'Nip/Tuck' einen Hit landete).

Auch über natürlich die vorgetragenen Songs wie 'Somebody To Love' von Queen, 'Dancing With Myself' von Billy Idol und 'Push It' von Salt'n'Pepa („Die Zeile 'This dance ain't for everybody, only the sexy people' war eine Anspielung auf den Song 'The Bird' von The Time.“) gibt es Einiges zu erfahren.

Außerdem liefert das Fanbuch nebenbei noch lustiges Smalltalkwissen („Berühmte Menschen, die Mitglied in einem Glee Club waren“, z.B. Ashton Kutcher und Glen Close) und „Falsche Töne“, bei denen Unstimmigkeiten im Drehbuch und Fehler beim Dreh aufgedeckt werden („Als Kurt Finn am Klavier begleitet, trägt er braune Leggins. In den Nahaufnahmen vom Klavier trägt der Klavierspieler aber blaue Jeans.“), die damals Anfang 2011 noch besonders interessant waren, da bei der ersten Staffel gerade mal Halbzeit war. Aber auch jetzt können die Zuschauer natürlich noch vergleichen, was sie selbst bei dieser wirklich gelungenen Show entdecken können.

Original-Rezension (hier überarbeitet) erschienen im Motorblog: motor.de 03/2011

Und hier noch ein Bonus-Geschichte: Neuer Spiele-Trend im Wohnzimmer


buecher-memory.jpgVor ein paar Jahren war ich bei einem Pärchen eingeladen, das gerade erst zusammengezogen war. Dabei entdeckte ich im Regal gleich mehrere doppelte Bücher. Ein gutes Zeichen, spricht es doch für den gemeinsamen Geschmack.

Doch was ergibt sich noch daraus, wenn die Bestseller mit ihrem Rücken zur Wand gedreht werden? Das Bücher-Memory! Sind die Buchsammlungen groß genug, um mehr als eine Handvoll Überschneidungen hervorzubringen, lässt sich daraus nämlich auch ein super Party-Spiel machen. Vor allem bei populären Titeln ergeben sich daraus leicht Gespräche, ob der eine die Geschichte auch kennt oder die andere diesen Schmöker gar nicht mag. Und wer weiß, vielleicht läuft es ja so: Erst Memory, dann „Marry me“!

Original-Beitrag (hier überarbeitet) erschienen im Motorblog: motor.de 03/2007

Die Tipps zum Welttag des Buches 2014 mit

  • 'Nachhaltigkeit in 50 Sekunden',
  • einem Fan-Buch zu 'True Blood',
  • einer Analyse zu Daniel Kehlmanns „Die Vermessung Der Welt - Materialien, Dokumente, Interpretationen“,
  • einer Biografie zu der britischen Sängerin Adele und
  • einem Buch zum Film 'Sophie Scholl / Die letzten Tage' findet ihr hier.

Mehr Informationen zum Welttag des Buches gibt es hier: http://welttag-des-buches.de/

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21. April 2015 2 21 /04 /April /2015 21:42

Marc Brost leitet das Hauptstadtbüro von DIE ZEIT in Berlin. Heinrich Wefing ist Mitglied deren politischer Redaktion. Zudem sind sie Väter. Da passt es, dass sie der Frage nachgehen, die im Untertitel zu 'Geht alles gar nicht' steht: Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können.

Noch vor ihrer Einleitung haben die beiden Autoren Marc Brost und Heinrich Wefing eine paar Zeilen aus 'Vier Leben' von Bosse gesetzt. In dem Stück, dass im Juli 2014 als Single aus 'Kraniche – Live in Hamburg' ausgekoppelt wurde, beschreibt der Sänger den Stress der heutigen Zeit. Wo du nie wirklich da bist, sondern nur überall dabei: „Immer zehntausend Dinge auf einmal und nichts wird fertig./ Starkstrom an und nie aus./ Menschenmeer und ich menschenleer./ Und ich renn, ich renn, ich renn, ich renn, ich renn./ Als hätten wir vier Leben, doch wir haben nur eins.“

So sehen auch die beiden Autoren im Kern der Unvereinbarkeit von Kindern, Beruf und Liebe vor allem ein Zeitproblem. Darum heißt das erste Kapitel über die Gründe der Vereinbarkeitslüge auch 'Tempo'. Zum Beispiel zeigen Statistiken laut Brost und Werfing, dass verheiratete Männer durchschnittlich sechs Stunden weniger in der Woche arbeiten als vor 50 Jahren. Gleichzeitig ist die Arbeitszeit der Partnerinnen aber gestiegen, so dass beide zusammen viel weniger Zeit für die Familie haben. Das Ergebnis fassen sie so zusammen: „Wir arbeiten mehr. Und lieben weniger.“

Capitalism kills love

Wobei Zeit natürlich auch Geld ist. Das entsprechende Kapitel zu diesem Grund der Vereinbarkeitslüge heißt 'Kapitalismus'. Auch hier unterfüttern die beiden Journalisten ihre Aussagen mit weiteren Studien, auch wenn sie diese nicht immer haarklein in ihrem Literatur-Verzeichnis ausweisen. Jedenfalls ist für sie eines klar: „Inzwischen verdienen viele Jüngere so wenig, dass sie, wenn sie zwei oder mehr Kinder haben, auch zwei Einkommen brauchen, um sich ein Leben oberhalb des Existenzminimums zu sichern.“

Die Vereinbarkeitslügner sitzen folglich in den Chefetagen und in der Politik. Und sie sind auch '… unter den Frauen' verbreitet, wie ein eigenes Kapitel zeigen soll. Denn das Eingeständnis von Vätern und insbesondere Müttern, dass das Austarieren der Work-Life-Balance selten besonders gefördert wird und somit nicht gerade leicht fällt, kann aus feministischer Sicht als Rückschritt kritisiert werden.

Auch wenn das letzte Kapitel 'Statt einer Lösung' heißt und eher dafür plädiert, es selbst ruhig angehen zu lassen, identifiziert das Duo schließlich doch noch einmal zusammenfassend am Ende, worauf jede(r) Einzelne so gut wie möglich Einfluss nehmen sollte: „Es braucht gesellschaftliche Veränderungen, politische Reformen, ein Umdenken in den Unternehmen.“

Fazit: Mit 'Geht alles gar nicht – Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können' stoßen Marc Brost und Heinrich Wefing die alte Diskussion an, wie wir leben wollen. Persönliche Interviews zwischen den analytischen und dennoch leicht verständlichen Kapiteln machen das Ganze mit teilweise berührenden Beispielen greifbar. Dass sie vor allem aus der Sicht der Väter berichten, schmälert dabei nicht die Position der Mütter. Denn nur gemeinsam kann etwas verändert werden.

Das Buch ist bei Rowohlt erschienen und seit 27. März 2015 im Handel erhältlich. Mehr Infos und Leseprobe: http://www.rowohlt.de/buch/Marc_Brost_Geht_alles_gar_nicht.3148997.html

Das könnte dazu passen:
Bosse – Kraniche (Studio-Album 2013)
Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe (Roman)
Jake Gyllenhaal – Nightcrawler (Film)

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24. März 2015 2 24 /03 /März /2015 21:33

Von der TV-Comedy-Reihe 'The Big Bang Theory' über die WG-Erlebnisse zweier Physiker und ihrer Freunde werden die meisten Menschen schon gehört haben.* Da macht es schon Sinn, die Popularität zu nutzen, um den Fans ein bisschen Philosophie näher zu bringen. Denn anhand der Beispiele, wie sich die Figuren verhalten, lässt sich auch Einiges über und für das eigene Leben lernen.

„Na schön, ich gebe zu, es gibt ein paar Dinge, bei denen Ihnen dieses Buch nicht weiterhelfen wird“, erklärt der Herausgeber Dean A. Kowalski gleich in der Einleitung. Als Associate Professor für Philosophie an der University of Wisconsin-Waukesha weiß er jedoch, was er versprechen kann: „... aber es wird Sie zum Lachen bringen. Und – nicht weniger wichtig – es wird Ihnen helfen, einigen der größten Fragen des Lebens auf die Spur zu kommen.“

Der Ansatz ist natürlich interessant, Wissen unterhaltsam zu vermitteln. Wer sonst wenig über Philosophie weiß, wird hier durch den Bezug zur TV-Serie an einige Fragestellungen spielerisch herangeführt. Der Berliner Autor Jonas Winner machte es bei 'Das Gedankenexperiment' auf ähnliche Weise. Allerdings nutzte er eine eher gruselige Geschichte, um die von Platon, Descartes und Wittgenstein aufgestellten Überlegungen zu erklären.

Auch bei 'The Big Bang Theory und die Philosophie' werden Platon und Wittgenstein herangezogen, um die Handlungen der TV-Figuren besser einordnen zu können. Dem hier zuletzt genannten Sprachphilosophen aus Österreich wird sogar ein ganzes Kapitel gewidmet, um besser verstehen zu können, wie Sprache funktioniert.**

Mixers of the Universe

Eine andere Frage ist zum Beispiel: Ist es verwerflich, über den theoretischen Physiker Sheldon Cooper zu lachen? Dabei kann nicht nur etwas über die philosophische Ebene gelernt werden, sondern es gibt auch eine kurze Analyse dazu, ob das etwas seltsame Verhalten dieses hoch intelligenten Mannes auf Autismus zurückzuführen ist. Des Weiteren werden unter anderem folgende Probleme behandelt: Gibt es verschiedene Arten von Freundschaft? Ist irgendjemand von Natur aus Böse? Und welchen Ratschlag hat Sherlock Holmes für jeden, der sich als menschlicher Lügendetektor versuchen will?***

Ähnlich handfest wird es, wenn die in der TV-Serie behandelten physikalischen Theorien näher erläutert werden. Was ist die Schleifenquantengravitation? Und beschreibt sie das Universum möglicherweise tatsächlich besser als die Stringtheorie? Wer es schafft, das so erworbene Wissen auch zu behalten, kann in nahezu allen Gesprächssituationen dann wie in diesem Dialog**** zwischen Sheldon und seiner Nachbarin aus der Folge 'Business im Wohnzimmer' reagieren, der wie viele weitere witzige Beispiel im Buch zitiert wird ...

Sheldon: „Ich habe fundierte Kenntnisse über das gesamte Universum und alles, was darin ist.“

Penny: „Wer ist Radiohead?“

Sheldon: „Ich habe bedeutende Grundkenntnisse über die wichtigen Dinge innerhalb unseres Universums.“

Fazit: 'The Big Bang Theory und die Philosophie' liefert eine Unmenge an Hintergrundwissen zu der beliebten Comedy-Serie, ohne dabei den Spaß dabei aus den Augen zu verlieren. Denn was der Klappentext verspricht, wird auch eingelöst: „Es gibt viele Bücher über Philosophie, doch nur diesem gelingt ein formvollendeter Bogenschlag zu Darth Vader, Mr. Spock, Wolverine, Superman, Green Lantern und 'World of Warcraft'. Bazinga!“

Buch seit 27. Februar 2015 im Handel erhältlich.

Mehr Infos unter: http://www.rowohlt.de/buch/The_Big_Bang_Theory_und_die_Philosophie.3130650.html

Das könnte dazu passen:
Jonas Winner – Das Gedankenexperiment
Übersicht der hier vorgestellten Hörspiele mit Sherlock Holmes

 

* Immerhin soll sie laut dwdl.de 2014 die meistgesehene Serie der 14- bis 49-jährigen in Deutschland gewesen sein. Zudem gewann sie schon mehrere Auszeichnungen, darunter diverse Emmys und einen Golden Globe.

** Oder wie Sprache eben manchmal nicht völlig logisch angewandt wird, wenn Sheldon erst mit der Nase drauf gestoßen werden muss, dass etwas sarkastisch, ironisch oder bildhaft gemeint ist.

*** Die zitierte Antwort aus 'Der Fall Thor-Brücke' befindet sich auf S. 285 und lautet: „Wir müssen auf Folgerichtigkeit achten. Wo sie fehlt, dürfen wir eine Täuschung vermuten.“

**** Hier schließe ich mich einer Danksagung an, die des Öfteren im Buch erfolgt: „Ich danke dem Webmaster von http://bigbangtrans.wordpress.com für die Episodendialoge.“

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22. April 2014 2 22 /04 /April /2014 06:34

Am 23. April 2014 ist es wieder soweit: Der Welttag des Buches erinnert an dieses wertvolle Kulturgut! Die Unesco, also die ’United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization’, hat diesen internationalen Gedenktag eingerichtet, um die Kraft des geschriebenen Wortes zu feiern.

Und wie sich zeigt, überdauert so manches Buch mehr Zeit als ein online veröffentlichter Text. Denn viele meiner bisherigen Buchkritiken sind leider längst mit den dazugehörigen Webseiten gelöscht worden, so dass ich sie hier gerne noch einmal wiederveröffentliche. Viel Spaß beim Lesen!

NFB (Herausgeber) – Nachhaltigkeit in 50 Sekunden

Cover zu NFBÜber anderthalb Jahre hat sich das Studienprojekt 'Nachhaltiger Filmblick' (NFB) unter der Leitung von Irmela Bittencourt, Joachim Borner und Albert Heiser mit einer modernen Form der „Kommunikation für die Zukunft“ auseinander gesetzt: Videoclips für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Herausgekommen sind dabei acht Spots, die zeigen, wie knackig „Nachhaltigkeit in 50 Sekunden“ präsentiert werden kann. Die beim Projekt gesammelten Erfahrungen haben die StudentInnen nun in diesem fast 200 Seiten langen Buch zusammengetragen, um über ihre Erkenntnisse zu berichten und andere Menschen zum Nachmachen zu animieren.

Der Input ist dabei übrigens enorm: Eine BILD-Zeitung ist zwar viermal so groß, hat aber nur etwa doppelt soviel Text pro Seite. Trotzdem wird das Buch nicht zur Textwüste, sondern erklärt anhand von Szenenfotos, Drehbüchern und Grafiken, wie die Filme entstanden sind und Nachhaltigkeit kommuniziert werden kann. Damit nicht alles graue Theorie bleibt, ist außerdem eine DVD mit allen Spots (inklusive englischen, französischen und spanischen Untertiteln) beigelegt. Und einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit liefert das Buch auch noch: Während bei der BILD auf Seite 3 meist nackte Frauen zu finden sind, ist hier sally*s-Schreiber David Siems bei einem Dreh zu bewundern!

Original-Rezension erschienen in: unclesallys 04/2004

Fred Breinersdorfer (Herausgeber) – Sophie Scholl / Die letzten Tage

Vor fast genau 62 Jahren, am 22.2.1943, wurden die ersten drei Mitglieder der Anti-Hilter-Gruppe 'Die Weiße Rose' hingerichtet. In seinem auf der Berlinale und nun im Kino laufenden Film ’Sophie Scholl – Die Letzten Tage’ rekonstruiert Drehbuch-Autor Breinersdorfer zusammen mit Regisseur Rothemund die letzten Tage insbesondere aus der Sicht von Sophie. Geholfen haben ihm dabei die lange in Stasi-Kammern verschwundenen und bisher unveröffentlichten Verhörprotokolle, aber auch aktuelle Gespräche mit vielen Hinterbliebenen. Gerade diese Aspekte sind es, die den Film und auch das Buch zu einem wichtigen Beitrag über die Widerstandsbewegung im Dritten Reich machen. Denn Breinersdorfer weiß, dass ein Film eigenen Gesetzen folgt.

Daher war es „...reizvoll, in einem Buch zum Film nicht wie üblich die Handlung nachzuerzählen, sondern Hintergrundmaterial zum Verständnis des Widerstands der Weißen Rose und des Menschen Sophie Scholl anzubieten.“ Neben dem ungekürzten Drehbuch sind daher u.a. auch die Originaltexte der Protokolle, Kurzbiografien der Widerständler und ihrer Gegner sowie die Texte der von der Weißen Rose verteilten Flugblätter enthalten. Dass der dreifache Vater Christoph Probst im Gegensatz zu den Geschwistern Scholl nie ein Geständnis abgelegt hatte und lediglich aufgrund eines handschriftlichen Textentwurfs zu Tode verurteilt wurde, dürfte dabei der erschütternste Fakt sein. Besser kann Geschichte wohl nicht zugänglich gemacht besser!

Original-Rezension erschienen in: unclesallys 02/2005

Gunther Nickel (Herausgeber) – Daniel Kehlmanns „Die Vermessung Der Welt“

Cover zu Gunther Nickels BuchDer Roman 'Die Vermessung der Welt' ist einer der größten Erfolge in der Geschichte des Rowohlt-Verlags, der dieses Jahr ein sehr rundes Jubiläum feiert. In '100 Jahre Rowohlt – eine illustrierte Chronik' wird daher gerne darauf verwiesen, dass alleine von der deutschen Hardcover-Version über 1,1 Millionen Exemplare verkauft wurden. Dazu kommen noch unzählige Auslandsausgaben, Taschen- und Hörbücher.

So gesehen ist es eine sehr gute Idee, mit „Daniel Kehlmanns 'Die Vermessung Der Welt' – Materialien, Dokumente, Interpretationen“ diesen Bestseller noch weiter anzufeuern. Hier erfährt der Leser, warum zum Beispiel Carlos Montúfar darin nicht erwähnt wird – obwohl er sich 1802 dem echten Alexander von Humboldt auf dessen Reise lange Zeit angeschlossen hatte. Desweiteren gibt es Analysen des Textes in Bezug auf unter anderem den darin enthalten Humor, mehrere Interviews mit dem Autor und zwei Kurzbiografien zu Gauß und Humboldt. Vieles mag der eine oder andere schon kennen. Doch trotzdem ist dem Herausgeber Gunther Nickel mit seinem Buch was Tolles gelungen. Er zeigt, was alles in der 'Vermessung' noch drin steckt, das beim ersten Lesen vielleicht unentdeckt blieb. So weckt er die Lust, das Ganze gleich noch einmal zu verschlingen.

Original-Rezension erschienen in: unclesallys 03/2008

True Blood – das inoffizielle Fanbuch zur besten Vampir-Serie aller Zeiten

Cover zu True Blood Fan-BuchAm 17. Mai 2011 startete die zweite Staffel von 'True Blood' im deutschen Free-TV und zur wirklich praktischen Einstimmung, Pausenüberbrückung oder Einstiegshilfe und natürlich zum Nachschlagen bietet das im Untertitel als „das inoffizielle Fanbuch zur besten Vampir-Serie aller Zeiten“ bezeichnete Werk von Becca Wilcott unter anderem Hintergrundinfos, exklusive Interviews und einen Episodenüberblick für die beiden ersten Staffeln.

Darüberhinaus gibt es auch jeweils eine für die sich eher für Musik interessierenden Leser vor allem interessante Erklärung, nach welchem Song die einzelne Folge im Original benannt wurde, wie zum Beispiel 'The First Taste' von Fiona Apple, 'Timebomb' von Beck, 'Beyond Here Lies Nothin' von Bob Dylan, 'The Fourth Man In The Fire' von Johnny Cash und 'Escape From Dragon House' von Dengue Fever aus L.A., die kambodschanische und äthiopische Popmusik mit Psychedelic Rock mischen.

Original-Rezension (hier überarbeitet) erschienen im Motorblog: motor.de 05/2011

Adele – Die Biografie

cover-adele.pngMit 19 Jahren veröffentlichte Adele '19', mit 22 dann '21'. Und weil das gerade mal gut anderthalb Jahre her ist, gibt es eigentlich noch keine lange Lebensgeschichte zurückzuverfolgen, aber in dieser kurzen Zeit wurde sie vom absoluten Nobody zu einer Sängerin, die im Februar 2012 (ja, so aktuell war die nicht durch Adele autorisierte Biografie damals) „...alle sechs Grammys, für die sie nominiert war (Album of the Year, Record of the Year, Song of the Year, Pop Solo Performance, Pop Vocal Album, Best Short Form Music Video)“ gewann und die diverse Rekorde aufstellte. Dazu gehört unter anderem, dass „...sie zur Künstlerin mit den meistverkauften Downloads in der US-Geschichte wurde“, rechtfertigen doch schon, dass Autor Chas Newkey-Burden anhand von unzähligen Nachrichten und Infos ein umfangreiches Bild von ihr malt.

Dabei kommen zum Beispiel auch Katy B, James Allan von Glasvegas, Liam Howlett von The Prodigy und Luke Pritchard von The Kooks zu Wort. Zudem sind früher geäußerte Hinweise auf das nächste Album („Fünf Songs sind fertig.“) enthalten, das allerdings immer noch auf sich warten lässt. Adele wird übrigens lustigerweise in dieser inoffiziellen Biografie an einer Stelle so zitiert: „Die Leute schreiben einfach über mich. So was passiert eben!“

Original-Rezension (hier überarbeitet) erschienen im Motorblog: motor.de 06/2012

Mehr Informationen zum Welttag des Buches gibt es hier: http://welttag-des-buches.de/

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