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14. November 2012 3 14 /11 /November /2012 22:08

Auf seine erste eigenen Platte musste Roc Marciano lange hinarbeiten. Erste Sporen verdiente er sich schon vor über zehn Jahren mit der Flipmode Squad von Busta Rhymes, sein offizielles Solo-Debütalbum 'Marcberg' erschien dann aber erst 2010. Dafür folgt nun beim New Yorker HipHop-Label 'Decon' schon der Zweitling 'Reloaded' und zeigt ihn ziemlich angriffslustig.

cover-roc-marciano.jpgMit der ersten Zeile, die Roc Marciano auf 'Reloaded' rappt, erklärt er gleich im ständig vorwärts treibenden Track 'Tek to a Mack', dass er sich diesmal definitiv die Krone holen will: „Back for the crown, baby.“

Die Smaragde, die er dafür noch gebrauchen könnte, rappt er in 'Emeralds' gleich selbst ein. Lustigerweise bezieht er sich dabei in den Lyrics auf Heavy D, der mit seinen Party-Songs so gar nicht zur eher düsteren Stimmung von Marciano passen will.

Most wanted

Auch das Video zu 'Emeralds' zeigt ihn eher gangsta-typisch mit fetter Kette, fettem Wagen und fett im Geschäft. Dass deswegen das FBI hinter ihm her sein könnte, kratzt ihn dabei angeblich wenig: „Light one up, Feds might run up./ They might want us. Henny on ice with my styrofoam cup.“

Produziert wurde der Track von The Arch Druids, mit denen Roc Marciano auch schon vor Kurzem 'Poltergeist' aufgenommen hat. Die bekannteren Produzenten auf 'Reloaded' sind aber Q-Tip und The Alchemist, mit dem er letztes Jahr die EP 'Greneberg' veröffentlicht hat.

2011 lief sowieso ziemlich gut für Roc Marciano. So war er zum Beispiel unter anderem auf den Alben von Wu-Tang, Evidence und Random Axe (Sean Price & Co.) zu hören. Er selbst hat dagegen weitestgehend auf Gäste verzichtet. Lediglich Knowledge The Pirate und Ka sind noch beteiligt. Zu 'Not Told', bei dem Roc eine wimmernde Gitarre in sein selbst produziertes Instrumental eingebaut hat, dürfen sie beide ein paar Reime beitragen.

Wenn Strolche Trauer tragen

Mit 'Thug's Prayer Pt. 2' gibt es dann noch eine Fortsetzung des Stücks von seiner ersten Scheibe, die das Original aber musikalisch nicht wiederholt. Auch bei den Lyrics endet das Ganze bloß als kleine Referenz an den Vorgänger mit den Worten, dass Roc Marciano wieder eine Träne vergießt und ein Gebet spricht: „I shed a thug's tear, and say a thug's prayer.“

Doch lange getrauert wird nicht. In 'Nine Spray' erklärt Roc Marciano zum Beispiel noch einmal gemeinsam mit Ka aus dem New Yorker Viertel Brownsville, was es heißt, das Leben eines Gesetzlosen zu führen. Da wird schon mal zurückgeschossen.

Auch zum Schluss wird es mit 'The Man' nicht unbedingt versöhnlicher. Der Sound ist zwar lieblich und anfangs beschreibt Roc Marciano auch noch, wie er das Leben genießt und beim Sex unter der Dusche einen Song von Rick James singt. Aber im letzten Satz auf der CD stellt er dann doch klar, dass er 'The Man' ist: „Big gun by the underwear./ Just in case you were unaware./ I'm still a motherfucking man.“

Fazit: Große Überraschungen sind auf 'Reloaded' eher nicht zu finden. Roc Marciano gibt sich geerdet, macht auf harten Hund und rappt in seinem eher monotonen Stil still über alles, was die Straße so hergibt. Als Gegenentwurf zum hektischen Mainstream punktet er aber gerade damit.

Mehr Informationen unter: http://deconrecords.com/collaborators/roc-marciano/

CD voraussichtlich ab 16. November 2012 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Evidence – The Layover EP
Q-Tip – The Renaissance

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29. Oktober 2008 3 29 /10 /Oktober /2008 22:20

 

 

 

Statt neun Monaten mussten die Fans von Q-Tip gute neun Jahre auf ein neues Album warten. Da passt es ja, dass er es ’The Renaissance’ genannt hat. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet Wiedergeburt. In diesem Sinne: Welcome back!
Nachdem A Tribe Called Quest 1998 ihre letzte gemeinsame Scheibe veröffentlichten, erschien bereits kurz darauf die erste Solo-CD ’Amplified’ von Q-Tip. Obwohl das Werk von vielen Kritikern als etwas zu glatt eingestuft wurde, hatte wohl niemand erwartet, dass der New Yorker MC sich danach für fast ein Jahrzehnt rar machen würde.

Allerdings kamen in der Zeit danach auch regelmäßig Tracks von ihm raus. Mal half er der Rockgruppe R.E.M. beim Stück ’The Outsiders’, mal den Electro-Produzenten Chemical Brothers bei ’Galvanize’. 2006 folgte dann zum Beispiel noch ’The Frog’ mit dem brasilianischen Piano-Altmeister Sergio Mendes und dieses Jahr ’Sandcastle Disco’ für das bisher nur als Import erhältliche Album von Solange Knowles, der kleinen Schwester von Beyonce. Bei dieser Bandbreite war kaum klar, was einen nun auf ’The Renaissance’ erwarten könnte.

Umso größer ist die Überraschung, dass Q-Tip auf einen ziemlich geradlinigen Retro-Sound setzt. Die Eckpfeiler sind HipHop, Funk, Jazz und Soul – umgesetzt mit einer warmen Live-Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug. Erste Single ist ’Gettin’ Up’, bei der sich Q-Tip bei ‘You And I’ von Black Ivory bedient hat, was auch im Songtext etwas aufgegriffen wird: „You and I advance, certainly we can expand – feelings that should never end./ And you respect me like a friend but love me like your man – no other could contend.”

Ein Video existiert außerdem schon für ’Move’ – das einzige Lied, das Q-Tip nicht selbst produziert hat. Stattdessen ist das Stück ein Erbe seines langjährigen Freundes J Dilla aka Jay Dee, der im Februar 2006 mit 32 Jahren verstorben ist. Für den Track bediente sich der überaus beliebte Produzent bei The Jackson 5 und schnappte sich ein Sample von ’Dancing Machine’. Gesangliche Gäste auf ’The Renaissance’ sind zudem Norah Jones, D’Angelo, Amanda Diva und Raphael Saadiq.

Wer fehlt, ist Barack Obama – obwohl er von Q-Tip bereits in Interviews angekündigt wurde. Oder ich habe einfach seinen Beitrag auf der CD überhört. Dafür zollt Q-Tip in ’Life Is Better’ einer ganzen Reihe von MCs Tribut wie in einem ’Hyper Hyper’ des HipHop. Kool Herc, LL Cool J, Ludacris, Biz Markie, BDP, Eazy E, Large Professor, OutKast und unzähligen weiteren Rappern wird Folgendes gesagt: „Life is better – since I found you.“

Trotzdem geht es bei Q-Tip natürlich nicht nur um Love, Peace & Happiness. Über Weltbürger, Billiglöhne, Zulu-Bewegung und Verschwörungstheorien („They watching you“) rappt Q-Tip auf dem funky eingespielten ’Manwomanboogie’, das sich auf ’Aspectacle’ der deutschen Rockgruppe Can von 1979 bezieht. In ’We Fight/We Love’ erzählt er dann noch die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Freundin zurück lässt, um in den Krieg zu ziehen gegen ein Land, in dem sich die Leute mit „Salam“ begrüßen. Im Refrain heißt es dazu: „We fight and love so much./ Sometimes I get confused with who we are.”

Fazit: Erst war ich etwas enttäuscht, dass Q-Tip nicht die zahlreichen Einflüsse verarbeitet, die er in den letzten Jahren gesammelt hat. Aber auch wenn sich die Soundästhetik in einem eher klassischen Umfeld der Black Music bewegt, ist es natürlich wie sooft bei ihm, dass einen irgendwann der Groove packt und das Album mit jedem Hören wächst.

Mehr Infos: http://www.qtiponline.com

CD voraussichtlich ab 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Various - Sex and the City Volume 2
Various – Calypsoul 70

 

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