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11. November 2015 3 11 /11 /November /2015 23:59

Fragt ihr euch, was so vor zwei Jahren neu in die Plattenläden kam? Hier bekommt ihr die Antwort. Warum nicht hier noch mal die Zeit ein kleines Stückchen zurückdrehen und einfach mal schauen, was für Platten im Oktober 2013 erschienen sind.

cover-iriepathie-4.jpgIriepathie – Aufwiederhören

Das Reggae-Duo aus Österreich geht mit 'Aufwiederhören' in Runde 4. Dabei reizt es geschickt die Grenzen ihres Genres aus und geht mit Raf 3.0 zum Beispiel bei 'Wie Farbe' mehr in Richtung HipHop. Bei 'Sensimilla' wirkt dagegen überraschenderweise Afrob mit und für 'Laut sein' nutzen Professa und Syrix die Jungs von Irie Revoltes, um auch französischsprachig die Gesellschaft wach zu rütteln. Sehr schön ist aber auch 'Alles neu' geworden, bei der die Geschichte einer jungen Frau erzählt wird, die nicht weiß, was sie will. So macht das auf jeden Fall Spaß, mal wieder was von Iriepathie zu hören.

CD erhältlich seit 11. Oktober 2013. Mehr Infos: http://www.iriepathie.net/

cover-batman-3.jpgBatman – Gotham Knight 03: Monster (Hörspiel)

Wie es sich für ein Finale gehört, werden im dritten und letzten Teil der Hörspielserie 'Gotham Knight' noch einmal alle Register gezogen. Batman bekommt es hier gleich mit mehreren, nicht zu unterschätzenden Gegenspielern zu tun. Holger Löwenberg, der in den zwei Folgen davor den russischen Gangster Anton Solonik gesprochen hat, darf diesmal Killer Croc seine Stimme leihen. Hinzu kommen Scarecrow und Deadshot, die dem dunklen Ritter das Leben schwer und die CD damit zum Höhepunkt des Dreiteilers machen.

CD erhältlich seit 11. Oktober 2013. Mehr Infos: http://highscoremusic.com/

cover-bloc-party-tapes.jpgVarious – Bloc Party Tapes (mixed by Kele)

Nach den Foals, The Rapture und The Big Pink ist es diesmal Kele Okereke, bekannt als Frontmann von Bloc Party, der in der 'Tapes'-Reihe des Labels '!K7' in einer 18 Tracks starken Compilation zeigt, welche musikalischen Ansätze ihn beeinflusst oder zumindest begeistert haben. Interessanterweise gehören dazu auch so unterschiedliche Beispiele wie die entspannt rockenden Do Make Say Think oder der Sticky-Remix zu 'Numbers in Action' von Grime-Rapper Wiley. Höhepunkt dürfte allerdings der exklusive Dance-Remix für 'Obscene' von Bloc Party sein, den Kele selbst aufgenommen hat. Am 7. November wird er zudem sogar noch selbst bei der Record Release Party in Berlin auflegen und somit bestimmt eine ordentliche Bloc Party abfeiern.

Album erhältlich seit 14. Oktober 2013. Mehr Infos: http://www.k7.com/BlocParty/

cover-shad.jpgShad – Flying Colours

Mit 'Flying Colours' liefert Rapper Shad aus Ontario sein inzwischen viertes Studioalbum ab. Unterstützt wird er dabei von vielen Kollegen aus seiner kanadischen Heimat wie K-Os, Saukrates, Ian Kamau, der Rapperin Eternia und Lisa Lobsinger, die vor allem als Toursängerin von der Indie-Rockband Broken Social Scene bekannt ist. Herausgekommen ist dabei ein Werk mit entspannten Alternative-Rap im Stil der Native Tongues und Fugees für alle, denen es so geht, wie es Shad in den Lyrics zu 'Stylin' beschreibt: „See I got fans that say: 'Oh hey Shad, I hate Rap but I like you.'/ Well I hate that, but I like you./ At least I like that you like me.“

Album erhältlich seit 15. Oktober 2013. Mehr Infos: http://www.shadk.com/

cover-al-jawala.jpgÄl Jawala – Live

Äl Jawala, das sind Steffi Schimmer am Alto-Saxofon, Krischan Lukanow am Tenor-Saxofon, Daniel Verdier an Bass und Gitarre, Markus Schumacher an der Percussion oder aber auch am Schlagzeug wie Daniel Pellegrini, der außerdem Didgeridoo spielt. Gemeinsam fabrizieren die fünf Freiburger seit 13 Jahren eine wilde Mischung aus osteuropäischer Folklore, Dancebeats, Ska und Reggae, gerne als „Balkan Soul“ zusammengefasst. Die Stücke sind meist instrumental oder mit nur wenigen Lyrics angereichert, die bei 'Backstabbers' übrigens von Flo Mega stammen. Gleich bleibt dabei der treibende Groove selbst bei einem ruhigeren Lied wie 'Momo Kalino', wie 'Live' jetzt deutlich zeigt.

CD erhältlich seit 18. Oktober 2013. Mehr Infos: http://www.jawala.de

cover-dynasty.jpgDynasty – A Star In Life's Clothing

Wenn eine junge Rapperin aus New York für ihr offizielles Debütalbum direkt mal bekannte Namen wie DJ Premier von Gang Starr, Talib Kweli und Skyzoo als Unterstützing gewinnen kann, muss sie schon Einiges auf dem Kasten haben. Beachtlich ist auch ihr internationales Auftreten: Zu dem von Op Supa mit Streichern und recht aggressiven Beat produziertem 'Supadynasty' hat sie ein Video in Berlin gedreht, zum sehr viel freundlicherem Liebeslied 'Sweet Music' in Paris. Also dieser Dame sollte die Rap-Welt definitiv bald zu Füßen liegen.

CD erhältlich seit 18. Oktober 2013. Mehr Infos: http://yagirldy.com/

cover-jonwayne-Kopie-2.jpgJonwayne – Rap Album One

Jonwayne klingt als Künstlername erst einmal wenig originell und ist es auch nicht, denn der junge Rapper heißt tatsächlich so. Umso origineller versucht er dafür in seiner Musik zu sein, was nicht jedermanns Sache sein dürfte. 'After The Calm' eröffnet die CD recht psychedelisch, 'You Can Love Me When I'm Dead' dagegen hat er mit eher nervigen Piano-Geklimper unterlegt. Dass er auch etwas anders kann, zeigt er jedoch zum Beispiel bei 'Find Me In The Future' und mit seinem einzigen Gast Scoop Deville beim jazzigen 'The Come Up Pt. 1'. Wobei er es auch dort den Hörern nicht wirklich leicht macht und 'Rap Album One' somit wenigen Spezialisten vorbehalten bleiben wird.

CD erhältlich seit 25. Oktober 2013. Mehr Infos: http://www.stonesthrow.com/jonwayne/

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13. Oktober 2015 2 13 /10 /Oktober /2015 20:14

„The day is my enemy, the night is my friend“, lautet die Zeile, die sich The Prodigy für den Titeltrack ihres im März erschienenen Albums von Cole Porter geliehen haben. Da ist es nur konsequent, die vor ein paar Wochen nachgereichte EP passend dazu zu benennen. Und die fünf Stücke darauf werden dem Titel auch mehr als gerecht: Hier kann die Nacht gefeiert werden.

Cover zu The Prodigy25 Jahre nach Bandgründung sind The Prodigy mit ihren Dance-Produktionen noch immer ganz vorne dabei. In ihrer Heimat Großbritannien landeten Liam Howlett, Keith „Keef“ Flint und Keith „Maxim“ Palmer erneut einen Nummer-1-Hit. In Deutschland reichte es immerhin für einen durchaus beachtlichen Platz 6.

Obwohl alle drei Mitglieder inzwischen Anfang bis Ende 40 sind, wissen sie noch genau, was die Leute zum Abgehen bewegt. Harte Beats, wilde Geräuscheffekte und parolenhafte Ansagen sorgen auf jeden Fall für ordentlich Druck. 'Beyond The Deathray' geht zum Beispiel gleich in die Vollen mit klirrendem Sound, bevor die Piano-Töne den Takt vorgeben. Kurze Verschnaufpause mit atmosphärischen Hall, schon bricht das Flirren wieder herein. Insgesamt ist das aber eher eines der fast schon ruhigeren Stücke auf dem neuen Album.

Der Anfang von 'Destroy' klingt dagegen nach Computerspiele-Soundtrack aus den Achtzigern, überlässt dann aber treibenden Rave-Klängen den Raum. Doch der Blick geht nicht nur zurück. Um am Puls der Zeit zu bleiben, haben sie auch etwas jüngere Gäste ins Boot geholt. Unterstützt wurden sie unter anderem bei 'Ibiza' vom HipHop-Duo Sleaford Mods, das vor acht Jahren gegründet wurde, und bei 'Rhythm Bomb' von Flux Pavilion, der 2015 gerade mal sein Debütalbum veröffentlicht hat.

Auf der 5-Track-EP, die als Limited Edition auf milchig-farbenen Heavyweight Clear Vinyl gepresst wurde, wird die funky klingende 'Rhythm Bomb' noch einmal in einer leicht gekürzten Edit-Version gezündet. Auch 'Get Your Fight On' wird hier noch einmal in einer Re-Eq-Variante präsentiert, die getreu den Lyrics für einen ordentlichen Energieschub sorgt: „Build up to critical mass./ Let loose the energy flash.“

Remix Rebels & Riot Starters

Cover zur Night EPNeben den eigenen Modifikationen haben The Prodigy noch zwei Kollegen gebeten, Hand an ihre Tracks zu legen. Zum einen dabei ist der kanadische Produzent René LaVice, der unter anderem auch schon 'Climax' vom US-amerikanischen R'n'B-Sänger Usher geremixt hat und das Stück unter https://soundcloud.com/renelavice als Free Download zur Verfügung stellt. Seine Bearbeitung von 'Rebel Radio' klingt auf jeden Fall ziemlich frisch, irgendwie etwas punk-rockiger und klarer auf den Punkt. Da ist gut vorstellbar, dass der Titel seines Remixes direkt in die Tat umgesetzt wird: „Start a fucking riot!“

Der Dubstepper Caspa aus London hat sich dagegen den Titeltrack des Albums vorgenommen. 'The Day Is My Enemy' klingt bei ihm passend zu seiner Genre-Vorliebe viel mehr nach einer Mischung aus Sägen, Sirenen, stotternden Beats und schrillen Schreien. Als besonderer Bonus ist außerdem das bisher unveröffentlichte und ziemlich bedrohlich klingende 'AWOL (Strike One)' enthalten. Die Abkürzung steht für 'absent without leave'. Dieser militärische Ausdruck beschreibt, wenn ein Soldat unerlaubt seinen Posten verlässt, also schlimmstenfalls desertiert. Dagegen wird bei The Prodigy wohl eher derjenige verurteilt, der einfach nur stramm steht. Es darf – beziehungsweise muss – wild getanzt werden.

Fazit: Wer 'The Day Is My Enemy' mochte, kommt bei 'The Night Is My Friend' garantiert auf seine Kosten. Zum Teil sind die neuen Versionen sogar einen Tick besser als die Originale. Zumindest betonen sie noch ein paar interessante Aspekte so anders, dass sie ordentlich Spaß machen. Da ist es fast schon schade, wenn sie weniger Gehör finden sollten als das ursprüngliche Material von The Prodigy. Und mit dem schönen Vinyl hat das Ganze definitiv einen Vorzeige-Charakter.

EP seit 11. September 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.theprodigy.com/

The Prodigy live und in Farbe 2015: 6.11. Oberhausen – König-Pilsener-Arena *** 7.11. Hamburg – Sporthalle *** 9.11. München – Zenith *** 10.11. Frankfurt – Festhalle (Tour wird in anderen Ländern fortgesetzt)

Das könnte dazu passen:
Sepalot – These Tears (Download-Single)
Der Produzent der bayrischen HipHop-Crew Blumentopf setzte Anfang des Jahres mit elektronischen Spielereien sowie diversen Breaks in Sound und Stil ein Lebenszeichen. Weitere Nummern folgten, die hoffentlich noch 2015 in einem neuen Album kummulieren.
Omar Souleyman – Bahdeni Nami
Das Berliner Produzenten-Duos Modeselektor bietet dem syrischen Sänger auf seinem Label 'Monkeytown' eine Plattform, um international zu punkten. Weitere Unterstützung erhält er dabei auf 'Bahdeni Nami' von unter anderem Gilles Peterson und Four Tet.

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9. Oktober 2015 5 09 /10 /Oktober /2015 17:09

Das Jahr hat letzten Monat seinen Herbst erreicht. Während es draußen langsam etwas ungemütlicher wurde, lieferten Gerard, die Rapper Roger & Schu von Blumentopf und das Gruselkabinett im September neues Material, um für gute Unterhaltung zu sorgen.

Gerard – Neue Welt

Cover zu GerardGut zwei Jahre, nachdem dem österreichischen Rapper Gerard mit dem Album ’Blausicht’ sein erster größerer Erfolg in Deutschland gelungen ist, meldete er sich jetzt mit ’Neue Welt’ zurück. Mit Platz 30 statt wie damals 27 bewegt er sich charts-technisch in ähnlichen Höhen. Eine andere Konstante ist, dass wieder OK Kid aus Köln dabei sind und bei den Lyrics zu ’Panorama’ erzählen, dass sie da sind, „... wo sich der Horizont zur Liebe im Detail verbindet“. Auch Patrick Pulsinger ist erneut dabei und hat fünf der 12 Tracks produziert. Darunter das im Titel nach Oxymoron, also gegensätzlich klingende ’Höhe fallen’ und ’Umso leerer der Laden’, bei dem Gerard mit der Wiener Sängerin Mimu Merz um die Definition ihrer Beziehung ringt.

Als weitere Produzenten konnte Gerard noch Claud, Stickle und die Beatgees für sich gewinnen, die für ’Gelb’ den Beat gebaut haben. Zusammen mit Maeckes von Die Orsons wurde dazu ein Video gedreht. Weitere gibt es zum chilligen ’Hallo’ mit der französisch-sprachigen Sängerin Alize Oswald von Aliose aus Genf, ’Durch die Nacht’ mit Sänger LOT aus Leipzig und ’Höhe fallen’, das (seiner Angabe zufolge als erster Musik-Clip weltweit) mit ’Google Deep Dream’ geschaffen wurde. Sieht ziemlich wimmelig aus, passt aber dafür recht gut zum flirrend-elektronischen Sound des Stücks. Also dann frei nach Pippi Langstrumpf auf in eine 'Neue Welt', „... widewide wie sie mir gefällt.

Album seit 4. September 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://gerardmc.at/

Gruselkabinett – 102: Mrs. Amworth (nach E.F. Benson)

Cover zu Gruselkabinett 103Die Macher der ’Gruselkabinett’-Hörspielreihe von Titania Medien haben den englischen Autor Edward Frederic Benson (1867-1940) für sich entdeckt. Obwohl er eher für seine Schauergeschichte ’Die Turmstube’ bekannt ist, entschieden sie sich hier erst einmal für die 1923 veröffentliche Story über ’Mrs Amworth’ (in der britischen Schreibweise der Abkürzung für eine unverheiratete Misses ohne Punkt). In der Rolle der namensgebenden Dame ist Anita Lochner zu hören, die vor allem als deutsche Synchronstimme von Isabelle Adjani bekannt sein dürfte. Was ja gut zu einer Femme fatale passt, die Männer nicht nur verführen, sondern auch möglicherweise Schlimmeres antun kann.

Entsprechend misstrauisch ist Prof. Francis Urcombe (gesprochen von Eckart Dux) auch, als besagte Mrs. Amworth 1932 im Örtchen Maxley im ländlichen Sussex auftaucht. Zuvor lebte sie lange in Peschawar, bevor sie Pakistan nach dem Tod ihres Mannes den Rücken kehrte. Während Urcombes Nachbar und Freund Emmet Foster (gesprochen von Sven Dahlem) sich sehr über die neue Einwohnerin freut, ahnt der Professor von Anfang an Böses. Immerhin findet er heraus, dass es rund um Peschawar eine – wie er es nennt – „Vampir-Epidemie“ gab. Seinen Recherchen zufolge fiel dieser auch Mr. Amworth zum Opfer, aber seine Witwe will davon nichts wissen. Dafür ereignen sich plötzlich in Maxley immer mehr unerklärliche Dinge ...

Hörspiel seit 10. September 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.titania-medien.de/cms/hoerspiele/gruselkabinett.html

Roger & Schu – Clap Your Fingers

Cover zu Roger und SchuWährend Sepalot in den ersten Monaten des Jahres einige Singles veröffentlicht und unter anderem am Album von Jesper Munk (Kurzkritk hier) mitgearbeitet hat, waren auch zwei andere Mitglieder vom Blumentopf nicht untätig. Als dynamisches Duo feilten Roger und Schu gemeinsam mit den Produzenten Maniac, Dexter, Bubu Styles und I.L.L. Will an ’Clap Your Fingers’. Nach großen Experimenten klingt das natürlich eher nicht. Das macht aber ja nichts beziehungsweise ist für Fans der Beiden eher erfreulich. So bleiben zumindest die Überraschungen eher aus, was Schu in den Lyrics zu ’TaktTaktTakt’ scheinbar selbst thematisiert: „Es sorgt für ein müdes Lächeln bei der Rhythm Section./ Aber TaktTaktTakt ist der Shit zum drüber rappen./ Das war vor 20 Jahren so und ist heute nicht anders./ Denn mein Flow ist so flexibel wie ein Deutscher Beamter.“

Solch eine tiefstapelnde Aussage ist natürlich übertrieben, denn das Ganze rollt doch sehr gut, auch wenn hier bei ’Clap Your Fingers’ das Rad so gut wie gar nicht neu erfunden wird. Aber wie die zwei in ’Deine Jungs / Meine Jungs’ sehr anschaulich und spaßig beschreiben, sind sie ja auch keine Zwanzig mehr. Da geht es eben nicht mehr um ’DPM’, also Drugs, Pussies, Money. Stattdessen erklären sie im Stück mit den drei Buchstaben clever, was sie heutzutage Weltpolitisches bewegt. Zurück in die Pubertät wird dafür in ’Gettin Busy’ gesprungen. Das Video dazu hat übrigens Janna Ji Wonders gedreht, die mit Schu in der Band Ya-Ha! gespielt hat (Kritik dazu hier). Dass so ein gemeinsames Projekt überhaupt in der Mache war, hätte vor acht Monaten wahrscheinlich keine(r) gedacht. Da hat Flo „Schu“ Schuster nämlich noch andere Töne angeschlagen und unter https://soundcloud.com/floschuster ein Cover zu ’Kokain’ von Extrabreit als Free Download veröffentlicht. Ob das auch auf der kommenden Tour gespielt wird oder tatsächlich die Konzentration auf ’Clap Your Fingers’ erfolgt, wird sich zeigen. Spaß verspricht dieses Doppel allemal.

Album seit 18. September 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://rogerundschu.de/

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6. August 2015 4 06 /08 /August /2015 23:26

1991 hieß es im Stück 'Winter in July' von Bomb the Bass: „Don't just let life pass you by/ Like winter in July“. Seitdem ist tatsächlich viel Zeit vergangen. Und auch der letzte Monat ist nur so dahingerauscht, wird aber lange als tolle Zeit in Erinnerung bleiben. Im Familienurlaub meistgefeiertes Lied dürfte dabei 'Deine Mudder' von Deine Freunde gewesen sein.

Sträflicherweise wurde die 'Radio Teddy Hits 13' hier gar nicht vorgestellt, auf der das enthalten ist. Also bitte diese CD vom September 2014 mal checken, auf der zudem unter anderem noch Andreas Bourani, Cro, Bosse und Willi Astor mit Otto Waalkes zu hören sind. Aber weil ja jetzt auch viel neue Musik im Juli raus gekommen ist und das Leben eben weitergeht, gibt es hier noch eine Handvoll Kurzkritiken zu aktuellen Veröffentlichungen.

Absztrakkt & Cr7z – Waage & Fische

Cover zu Waage und FischeSeit fünf Jahren steht Cr7z schon beim Lüdenscheider Label '58 Muzik' von Absztrakkt unter Vertrag. Folglich gab es in der Vergangenheit immer wieder Kollabos wie zum Beispiel 2012 auf 'An7ma' von Cr7z oder Ende letzten Jahres auf 'Bodhiguard' von Absztrakkt (Kurzkritik hier). Dass diese Kombination funktioniert, wurde also schon öfters ausgetestet. Nun aber ist die Zeit reif, sich auf einer ganzen Platte gemeinsam zu präsentieren. In ’Blitt & Staft’ erklären sie dabei gerne noch mal, warum sie sich als dynamisches Duo perfekt ergänzen: „Ich kann auch allein rhymen, aber ich mach es mit Cr7z./ Denn verlier’ ich die Inspiration, zieht er mich immer wieder mit./ Wir beide sind die illuminierten Spucker./ Die sich in diesem Rapgame leuchtend manifestieren wie Buddha.“

Zuerst wurde jedoch ein Video zu 'Der Einzigste' aufgenommen, das Choplin produziert hat. Während der Beat eher reduziert klingt, sprudeln die Lyrics der Zwei vor Ideen und Anspielungen nur so über. Anfang Juli folgte dann noch ein weiterer Clip zu 'Anahata', das ähnlich viele kryptische Botschaften enthält. Wer die beiden Rapper kennt, ahnt wahrscheinlich, dass das mehr oder weniger für alle Beiträge auf 'Waage & Fische' gilt. Gelobt sei daher der, der alles decodieren kann. Einen weiteren gemeinsamen Track des Doppelpacks gibt es übrigens noch unter http://58muzik.bandcamp.com/track/zirkel mit zusätzlicher Unterstützung von 2Seiten, Jinx, DJ S.R., R.U.F.F.K.I.D.D. und DJ Eule als Download zum selbst festgelegten Preis. Also alles in Buddha bei die 'Waage & Fische', würde ich sagen.

Album seit 3. Juli 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://58muzik.com/

Vince Staples – Summertime ’06

Cover zu Vince StaplesVince Staples aus der kalifornischen Hafenstadt Long Beach hat gerade einen Lauf. Dabei ist er am 2. Juli erst 22 Jahre alt geworden. Doch nachdem er nun schon seit gut fünf Jahren Musik veröffentlicht und eben erst an der Seite von Ghostface Killah bei ’Twelve Reasons To Die II’ (Kritik hier) zu hören war, legt er nun sein eigenes Debütalbum ’Summertime ’06’ nach. Konzeptionell soll es darum gehen, was er damals als 13-Jähriger erlebt hat: Erste große Liebe, aber auch erste kriminelle Aktivitäten. In den Lyrics des Refrains zu ’Norf, Norf’ behauptet er ja noch stolz, dass er vor nichts außer der Polizei davonlaufen würde. Hätte er mal besser machen sollen. Im Video dazu wird nämlich gleich mal gezeigt, wie er verknackt wird.

Unterstützt wird Vince Staples auf ’Summertime ’06’ von unter anderem den Produzenten No I.D. und DJ Dahi, den Sängerinnen Jhené Aiko beim sexy groovenden Duett ’Lemme Know’ und Kilo Kish bei gleich zwei Titeln sowie Joey Fatts und Aston Matthews, mit denen er gemeinsam als Cutthroat Boyz unterwegs ist. Für das aggressiv treibende, als Single veröffentlichte ’Senorita’ wird Future gesampled. Der bekannteste Name auf der Gästeliste dürfte dagegen Earl Sweatshirt von der Odd Future Wolf Gang sein, der jedoch nur beim nicht einmal anderthalb Minuten langen ’Ramona Park Legend (Part 2)’ mitwirkt. Überhaupt sind viele der Tracks recht kurz geraten, so dass schon etwas unklar ist, warum das Ganze bei gerade mal gut einer Stunde Spieldauer auf zwei CDs gepackt wurde. Das Ergebnis klingt dennoch recht spannend. Der Sound schleicht sich meist eher düster vor sich hinbrummend durch die Lautsprecher. Muss wirklich ein heißer Sommer gewesen sein.

Album seit 3. Juli 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://vincestaples.com/

MoTrip – Alien (Digital EP)

Cover zur Alien EPSchon mit seinem Debütalbum 'Embryo' landete MoTrip 2012 einen Top-Ten-Hit. Vor ein paar Wochen gelang es dem in Aachen lebenden Rapper mit libanesischen Wurzeln mit dem Nachfolgewerk 'Mama' dann sogar, noch ein Stückchen höher auf Platz 5 zu klettern. Wer davon die limitierte Deluxe-Edition gekauft hatte, erhielt zudem die 'Alien EP' gleich im Paket dazu. Doch weil es natürlich schade wäre, den restlichen Fans diese Songs zu enthalten, wurde das Ganze jetzt wenigstens noch digital veröffentlicht. Und die Investition lohnt sich, denn schon der Titelsong eröffnet das Ganze großartig. Zu ruhigen Tönen spendet MoTrip Kraft und Hoffnung mit seinen Lyrics. Dass er auch anders kann, beweist er direkt im Anschluss mit 'Universal Universe', bei dem er sich als der Größte darstellt. Seine Plattenfirma wird’s freuen, dass er mit ihr nach oben durchstartet, dabei aber bodenständig bleibt, wie er im Refrain betont: „Heb´ die Hände hoch, wenn du das hörst: Universal – Universe./ Ich seh’ die ganze Erde wie bei Google Earth./ Ich könnte, wenn ich will, dazugehören – Doch ich scheiß´ drauf.“

Bei dem Stück wird er übrigens von Joka und Silla unterstützt, während bei 'Muhammed Ali' noch Ali As dabei ist. Zur Kopf-hoch-Hymne ’Angst’ gesellt sich dagegen Fabian Römer, der sich früher kurz F.R. nannte. Beim leichtfüßigen Liebeslied ’Zuhause ist Wir’ steuert dann Sängerin Lito den Refrain bei. Die Bandbreite der EP ist auf jeden Fall so groß, dass für jede(n) was dabei sein sollte, zumal neben den bereits erwähnten fünf Tracks noch vier weitere hinzukommen. Also wenn das der Stoff ist, der es mehr oder weniger nicht aufs Album geschafft hat und sozusagen erst aussortiert wurde, sollte dem weiteren Erfolg von MoTrip nichts im Wege stehen.

EP seit 24. Juli 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.universal-music.de/motrip/

Omar Souleyman – Bahdeni Nami

Cover zu Omar SouleymanBei Syrien denken die meisten Leute wahrscheinlich zuerst an den dortigen Bürgerkrieg, der das Land seit 2011 erschüttert. Ein Künstler aus diesem Land könnte es aber schaffen, neue Assoziationen dazu zu wecken. Omar Souleyman wurde in seiner Heimat dadurch bekannt, dass er auf Hochzeiten nicht nur den orientalischen Folkloretanz Dabke mit seinem Gesang unterstützte, sondern die entsprechenden Aufnahmen als Geschenke überreichte. Inzwischen hat er sich aber auch eine Fangemeinde außerhalb der Landesgrenzen aufgebaut, so dass sein neues Album auf dem Label 'Monkeytown' des Berliner Produzenten-Duos Modeselektor erscheint.

Zwei der insgesamt gerade mal sieben Lieder haben die Beiden auch produziert. Bei teilweise allerdings fast zehn Minuten Spieldauer kommt da fast schon eine Stunde Musik zusammen. Der Sound zu 'Tawwalt El Gheba' stammt dabei von Gilles Peterson. Der Titelsong wurde dagegen von Four Tet produziert, der schon beim Vorgänger-Album 'Wenu Wenu' seine Hände an die Regler gelegt hatte. Außerdem gibt es noch einen Remix von Legowelt zu dem Stück, der deutlich elektronischer daherkommt. Als Single soll Mitte August noch 'Darb El Hawa' folgen, die zudem von Cole Alexander remixt wird. Das Album erscheint übrigens nicht nur auf CD, Vinyl und Digital, sondern auch im Kassettenformat. Wr den Mann gerne mal live erleben will, hat unter anderem am 29.8. beim 'By the Lake Festival' in Berlin Gelegenheit dazu, wo außerdem Wildbirds & Peacedrums, Burnt Friedman + Jaki Liebezeit, Lonnie Holley und Liima auftreten werden.

Album seit 24. Juli 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.monkeytownrecords.com/artists/view/38/omar-souleyman

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14. Juli 2015 2 14 /07 /Juli /2015 14:55

Vor zwei Jahren erzählte Ghostface Killah vom Wu-Tang Clan zusammen mit dem Produzenten Adrian Younge die Gangster-Grusel-Geschichte ’Twelve Reasons To Die’. Viele feierten das Konzept-Album als unterhaltsames Projekt. Daher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Saga fortgesetzt würde.

Cover zu Twelve Reasons 2In den USA schaffte es der erste Teil damals immerhin bis auf Platz 27 in den Billboard Charts und verkaufte sich in den ersten drei Wochen ungefähr 23.000-mal. So gesehen sind wahrscheinlich nicht gerade viele Leute mit der bisherigen Story vertraut. Auch hierzulande konnte Ghostface Killah nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Sein erfolgreichstes Album war vor 15 Jahren ’Supreme Clientele’, das bis auf Platz 75 kam.

Von daher dürfte es erst einmal nötig sein, die Vorgeschichte zu diesem zweiten Teil, der beim eigenen ’Linear Labs’-Label von Adrian Younge veröffentlicht wurde, zumindest ganz kurz darzulegen. Darin legte sich Tony Starks mit dem DeLuca-Clan an, der ihm am Ende kalt machte und seine Asche in zwölf Schallplatten pressen ließ. Wer diese abspielt, kann ihn als Ghostface Killah wieder beschwören. Folglich wird direkt nach dem Intro namens ’Powerful One’ in den Lyrics von ’Return Of The Savage’ erklärt, das laut Übersetzung die Legende in Kapitel 2 großzügig weiterlebt und der Wildling zurückkehrt: „In the beginning, it's time for a new chapter./ Twelve more reasons to die, after the laughter./ It's relevant, the legacy lives on lavish./ Ghostface Killah, return of the savage.“

Spiel mir das Lied vom Ghost

Diesmal geht es darum, dass der von Raekwon verkörperte Lester Kane ’King Of New York’ werden will. Doch dafür muss er gegen den DeLuca-Clan antreten. Mit der richtigen Unterstützung sollte das aber kein Problem sein. Bei ’Death’s Invitation’ schlüpft zum Beispiel Chino XL in die Rolle von einem Handlanger Kanes, der die Einladung zum Tode überbringt. Weitere Hilfe bekommt er unter anderem von Vince Staples, der in ’Get The Money’ quasi den Klassiker von Grandmaster Flash als Soundtrack zu seinem mörderischen Treiben zitiert: „In the name of King Kane – ’New York, New York, the city of dreams’.“

Zwar läuft nicht alles nach Plan, dafür findet Lester Kane die Schallplatten, mit denen der Ghostface Killah erweckt werden kann. Und für die Rache am DeLuca-Clan ist ihm jedes Mittel recht. Selbst wenn es eine Art Pakt mit dem Teufel ist ...

Fazit: Mit knapp einer halben Stunde Spieldauer ist ’Twelve Reasons to Die II’ sogar noch mal etwas kürzer als der Vorgänger, führt die Geschichte aber gekonnt weiter. Die einzelnen Stücke funktionieren dabei natürlich mehr oder weniger gut außerhalb des Gesamtkunstwerks. Mit einer ansehnlichen Gästeliste inklusive RZA als Erzähler und Soul-Sänger Bilal bei ’Resurrection Morning’ ist das Ganze jedoch durchaus eine runde Sache geworden, bei der das Ende übrigens nur der Anfang für mehr ist.

Album seit 10. Juli 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://linearlabsmusic.com/ghostfacekillah/

Das könnte dazu passen:
Raekwon – Fly International Luxurious Art (mit u.a. Ghostface Killah)
Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly (mit u.a. Bilal)
Clifftop Vandalz The Bloody Chapter (mit u.a. Chino XL)

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6. Juli 2015 1 06 /07 /Juli /2015 19:21

Halbzeit für 2015 und auch im Juni sind wieder einige Platten (im weitesten Sinne, da zum Teil auch rein digital) erschienen, die zumindest kurz vorgestellt werden sollten, liefern sie doch vielleicht den Soundtrack zum Sommer mit tollem Reggae, Electro und HipHop aus allen möglichen Ecken der Welt.

Shawn The Savage Kid – Melange (Free Download EP)

Cover zu Melange von STSKLangsam aber sicher steuert Shawn The Savage Kid aus Regensburg auf die für den Herbst angekündigte Veröffentlichung seines Debütalbums ’Lowlife Schickimicki’ zu. Gespannt erwartet werden dürfte es nicht nur, weil das Rap-Label ’Showdown Records’ unter anderem schon Deichkind und Mortis den Weg geebnet hat. Auch die bisher veröffentlichten EPs von Shawn haben die Messlatte hochgelegt (Kritik zur ’Kennen wir uns?’-EP hier). Mit ’Melange’ setzt er jetzt noch einmal nach. Dabei zieht sich der elektronische Sounds seiner HipHop-Produktionen wie ein roter Faden durch das Ganze, das es kostenlos zum Runterladen unter https://soundcloud.com/shawnthesavagekid/sets/melange gibt. Allerdings wurde ausgerechnet zu ’Fame’ ein Video gedreht, zu dem die Musik nicht von ihm selbst, sondern von MEZ stammt. Aber macht ja nichts.

Zusätzlich hat er fünf Remixe für andere Künstler auf ’Melange’ zusammengestellt. Vom Hamburger Jung’ Disarstar ist ’Tor zur Welt’ dabei, dessen Hymne für seine Heimatstadt. Für den „König der Alpen“ Crack Ignaz den Track ’Mei Hawa’ und für Sängerin Mine ’Hinterher’ geremixt, bei dem der Gesang nun völlig anders als bei ihr klingt. Bei ’Mosquito’ von der Wiener Sängerin Mela hat er vom gesungenen Original aus ihren ’Moony Sessions’ sogar nahezu nichts beibehalten. Der Coup ist jedoch, dass er noch ’I Won’ von Future in seinem eigenen Stil überarbeitet hat, auf dem KanYe West als Gast-MC zu hören ist. Also das klingt doch eher nach Highlife, was da auf uns zukommt!

Free Download EP seit 9. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://showdown.de/ShawnTheSavageKid/

Parov Stelar – The Sun (Klingande Remix feat. Graham Candy)

Cover zu The Sun von Parov StelarDer österreichische Produzent Parov Stelar gilt als ein Wegbereiter des Electroswing, da er diese beiden Stile bei seinen Werken geschickt miteinander verwoben hat. Allerdings ist ihm damit zwar in Kennerkreisen Ehre und Ruhm sicher, der große Charterfolg blieb allerdings bisher aus. Anders sieht das bei Klingande aus. Das französische Projekt kann mit ’Jubel’ schon auf einen Nummer-1-Hit hierzulande verweisen. Also was liegt da näher, als das bereits 2014 als Single/EP veröffentlichte Stück ’The Sun’ nun in einem Klingande-Remix zu veröffentlichen?

Dabei wurde das Tempo von Cédric Steinmyller deutlich erhöht und der Sound um eine ordentliche Portion Streicher ergänzt. Der ’Radio Edit’-Mix bringt es dabei auf ziemlich reguläre dreieinhalb Minuten. Wem das noch zu kurz ist, bekommt in der ’Club Version’ noch gut zwei Minuten dazu. Der Gesang von Graham Candy, der schon bei unter anderem ’She Moves (Far Away)’ von Alle Farben zu hören war, fügt sich dafür aber weiterhin gut in das Lied ein. Also als Kandidat für einen Sommerhit kann ’The Sun’ mit dieser gelungenen Kombination durchaus hoch gehandelt werden.

Single seit 12. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.parovstelar.com

Pimf – Memo

Cover zu Memo von PimfDas kleine, feine Rap-Label 'Heart Working Class' aus Berlin setzt dieses Jahr ordentlich auf Expansion. Gab es 2013 nur Gerard, stand 2014 im Zeichen von Dissythekid. Doch kaum ist 'Normaler Samt' von Audio 88 & Yassin gerade mal ein paar Monate alt (Kritik dazu hier), folgt sogleich nun der nächste und damit vierte Streich. 'Memo' ist das Debütalbum des gerade einmal 21-jährigen Pimf aus Hofgeismar, der (zumindest von ihm selbst so genannten) Reimmetropole in der Nähe von Kassel. Nach der Veröffentlichung gelang ihm damit sogar der Sprung in die Charts auf Platz 49.

Geholfen haben dabei unter anderem Mortis bei 'Schlaflos' und DJ Zwei50er beim 'Intro' sowie 'Silus & Jamal', bei dem Pimf die Geschichte dieses dynamischen HipHop-Duos erzählt. Zudem hat Lucas 'Creepa' Mewes das gut pumpende Instrumental zu 'Small City' mit Gast-Rapper Umse gebaut. Mit Ausnahme von 'Zeitlupe' mit Damion Davis, für das die Beats von Alex Austin stammen, hat ansonsten alles Marq Figuli produziert. Dabei setzt er auf eine zeitgemäße HipHop-Mischung mit oftmals elektronisch-sphärischen Sounds. So erinnert dann auch schon mal 'Horizont' nicht nur vom Titel her an das gleichnamige Stück von Tom Thaler & Basil (Kritik dazu hier). Aber das macht ja nichts. Neben dem Video dazu gibt es übrigens weitere Clips zu 'Papierflieger' und 'Philadelphia', womit nicht der Brotaufstrich, sondern die amerikanische Stadt gemeint ist. Alles in allem eher entspannt unterwegs, macht der junge Mann mit 'Memo' auf jeden Fall einen ersten guten Eindruck, der im Gedächtnis bleiben sollte.

Album seit 19. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://heartworkingclass.de/pimf-

The Expanders – Hustling Culture

Cover zu The Expanders„One dollar gone but the next soon come, we naw stop from hustling culture./ One dollar gone but the next soon come we naw go stop carry vibes all over“, betonen The Expanders aus Los Angeles gleich in den ersten Songtextzeilen ihres dritten Albums ’Hustling Culture’, das beim Reggae-Label ’Easy Star’ erschienen ist und es bis an die Spitze der Reggae Billboard Charts geschafft hat. Ein toller Erfolg, wobei sie ja mit den einleitenden Lyrics sagen, dass ihnen die Arbeit an ihrer Lieblingskultur wichtiger als die Kohle ist. Dabei setzen sie musikalisch auf den Klang Jamaikas aus den Siebzigern. Dabei sehen sie sich auch in der Tradition, mit Reggae wichtige gesellschaftliche Themen anzusprechen.

In ’Uptown Set’ geht es zum Beispiel um die unschuldigen Opfer des Drogenhandels. ’Iron Throne’ erinnert hingegen daran, dass eine starke Basis unverzichtbar und Gewalt keine Lösung ist. Wenn das doch die Streithähne bei ’Game of Thrones’ beachten würden. Dem lokal gefeierten Tänzer ’Reggae Pops’, der zum Beispiel die Hauptrolle im Video ’Age’ von Lianne La Havas spielte und letztes Jahr im Alter von 70 Jahren verstorben ist, zollen sie mit einem Instrumental-Track gleichen Namens Tribut. Zur Unterstützung dafür haben sich The Expanders noch den Keyboarder Dan Hastie der kalifornischen Funk-/Soul-Band Orgone ins Studio geholt. Sonst verschönern die Gitarristen John Butcher und Devin Morrison sowie Bassist Chiquis Lozoya und Schlagzeuger John Asher immer das Ganze mit mehrstimmigen Gesang, der geschmeidig ins Ohr geht. Wenn’s im Sommer noch mal richtig heiß wird, kann hierzu sanft gegroovt werden.

Album seit 19. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://TheExpanders.net

Raggabund – Buena Medicina

Cover zu Buena MedicinaDas erste Album von Raggabund aus München erschien 2006. Doch da hatten die beiden Brüder Don Caramelo und El Criminal schon gut ein Jahrzehnt Musikerfahrung mit diversen anderen Projekten hinter sich. Nun folgt nach ’Mehr Sound’ aus dem Jahr 2012 das dritte Werk – diesmal beim österreichischen Indie-Label ’Irievibration Records’. Unter https://soundcloud.com/raggabund gibt es übrigens die Möglichkeit, dank diverser Free Downloads inklusive ’Nacht’ mit DJ Vadim ein bisschen in die Vergangenheit abzutauchen. Schließlich lässt sich daraus auch was für die Zukunft ableiten, wie sie im Reggae-Tune ’Im Gestern’ betonen: „Bald könnt’ alles einmal anders sein. Beginn’ doch einfach, deinen Geist zu befreien./ Du wirst erkennen, wo wir heut’ schon stehen – so fern vom Gestern.“

Für diejenigen, die immer noch in der braunen Vergangenheit versumpft sind, geben sie mit ’Nazimann’ mit Lengualerta aus Mexiko den Tipp, den eigenen Hass zu überwinden. Neben solch politischen Themen singen sie aber auch gerne mal ein Liebeslied wie ’Rock’n’Roll Girl’. Bei ’Bad Mood’ hilft Sebastian Sturm beim Gesang, der Titeltrack ist ein Duett mit Maria Rui aus Portugal und De Luca aus Italien ist bei ’Chilling’ dabei. Als Band begleiten The Dubby Conquerors aus der Schweiz das Brüderpaar. Hinzu kommen alte Wegbegleiter wie Saxophonist Hannes Beplo sowie Trompeter Max Wittmann von Jamaram oder am Rhodes-Piano Lobstarr von Les Babacools, einem weiteren Projekt von Don Caramelo. Klanglich interessant, aber leider viel zu kurz ist übrigens der mit Western-Klängen unterlegte ’Patrol Skit’. Als Single beziehungsweise Video wurde aber zuerst ’Nada Sirve’ ausgewählt, das übersetzt so viel heißt wie: „Nutzt nichts!“ Der Nutzen der ’Buena Medicina’ ist hingegen ganz klar, denn die Laune hebt sich damit ziemlich schnell.

Album seit 26. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.raggabund.de/

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11. Juni 2015 4 11 /06 /Juni /2015 17:16

Nachdem DJ Supermarkt aus Berlin der heutigen Club-Generation den entspannt groovenden Sound der späten Siebziger beziehungsweise frühen Achtziger schon in diversen Tanznächten und auf einer ersten Compilation letztes Jahr erfolgreich nähergebracht hat, war die Fortsetzung nur eine Frage der Zeit.

Cover zu Too Slow To Disco 2Für den zweiten Teil von ’Too Slow To Disco’ hat es sich DJ Supermarket nicht gerade leicht gemacht. Wieder hat er nach ein paar schönen Perlen gesucht, die größtenteils nie die Anerkennung bekommen haben, die sie verdienen. Dabei machen sie alle gute Laune.

Paul Davis, der mit einem seiner Titel den Namen für die Sampler-Reihe ablieferte, ist diesmal mit ’Medicine Woman’ aus dem Jahr 1976 dabei. Hierzulande kaum bekannt, hatte der aus Mississippi stammende Soul-Sänger in seiner Heimat durchaus ein paar erfolgreiche Singles in seiner Diskografie. Aber der richtig große Durchbruch blieb leider aus. 2008 starb er im Alter von 60 Jahren an einer Herzattacke.

Vielen seiner (Leidens-)Genossen auf ’Too Slow Too Disco (Vol. 2)’ erging es zumindest in ihren eigenen Künstlerkarrieren ähnlich. In den Linernotes zu ’Come with me’ von Eric Kaz heißt es zum Beispiel, dass er zwei Solo-Alben veröffentlicht hat. Darunter ’Cul de Sac’ von 1974, von dem das ausgewählte Stück stammt. Wenigstens etwas Ruhm erntete er aber mit seinen Arbeiten für große und bekannte Namen wie Linda Ronstadt und Michael Bolton.

Eher in dieser Klasse spielen natürlich Daryl Hall & John Oates, die gemeinsam diverse Nummer-1-Alben ablieferten und es sogar hierzulande in die Charts schafften. Aber in ihren Anfängen hatten auch sie es schwer. Hier wurde mit ’Alone Too Long’ ein Stück ausgewählt, das auch als Titelsong zur TV-Comedy-Serie ’Hello Ladies’ eingesetzt wird. Inhaltlich geht es in den Lyrics um einen reichen Jungen, der doch nur geliebt werden will: „But he don't know if he can make it./ Between the money and another lonely night./ Now the time has come, got to stay or run./ Now the time has come./ Ooh maybe we've been alone too long./ You don't want to be lonely.“

Wahrscheinlich macht es dagegen wenig Sinn, Namen wie Bruce Hibbard oder Dave Raynor aufzuzählen, die nie groß raus kamen – zumindest eben nicht im Rampenlicht, sondern allenfalls im Hintergrund. Aber ihre Musik spricht ja jetzt durchaus für sie und zaubert Sonne ins Herzen und ein Lächeln ins Gesicht. Und wer mehr davon braucht, kann ja zum Beispiel den Free Download unter https://soundcloud.com/djsupermarkt/sing-to-me-ned-doheny-a-mixtape-by-dj-supermarkt-to-the-lost-soul-of-the-westcoast nutzen. Oder alles dafür tun, dass 'Volume 3' schnellstmöglich folgt.

Fazit: Wer nach einem schönen Soundtrack für den kommenden Sommer sucht, wird bei ’Too Slow To Disco’ bestimmt fündig. Einsortiert wird das enthaltene Material gerne auch bei „Blue-eyed Soul“, „Yacht-Pop“ und „Adult Only Rock“. Doch all diesen eher als Schmähungen zu verstehenden Bezeichnungen zum Trotz geht der Groove hier direkt ins Herz.

Album voraussichtlich ab 12. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://tooslowtodisco.com/

Das könnte dazu passen:
XJazz Festival Berlin 2015 – Konzertbericht zu Jazzanova und Jacques Palminger
James Vincent McMorrow – Live at the Ace Hotel Theatre, Los Angeles

Too Slow To Disco in Form von DJ Supermarket (quasi) live und in Farbe 2015: 12.06. London – The Social (Eintritt frei!) *** 13.06. London – Rough Trade East (Instore DJ-Set zwischen 15 und 17 Uhr, Eintritt frei!) *** 19.06. Berlin – Neue Heimat *** 26.06. Berlin – Monarch

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10. Juni 2015 3 10 /06 /Juni /2015 14:03

Huch, schon wieder Halbzeit? Und weil im Mai neben der Jubiläumsfolge beim ’Gruselkabinett’, der deutschen Übersetzung zum neuen Roman von Siri Hustvedt und dem Album von Ferris MC auch noch Sachen von zum Beispiel Dr. Knarf und Protoje erschienen sind, gibt es hier noch Nachschlag.

Max Moor – Als Max noch Dietr war (Hörbuch)

Cover zu Max MoorModerator Dieter Moor nennt sich seit einiger Zeit lieber Max. Allerdings erzählt er jetzt erst einmal aus der Zeit, als Max noch Dietr war. Dass da ein Buchstabe fehlt, ist richtig so. Es geht nämlich um seine Kindheit in der Schweiz vor rund 50 Jahren und so schreibt er auch immer über den Vatti und das Muätti. Beziehungsreise redet er in der Autorenlesung eben drüber in seiner heimatlich geprägten Aussprache. Was in der gekürzten Version der 4-CD-Box unter anderem fehlt, ist allerdings der entsprechende Hinweis ’Vorab: Wertvolle Tipps & Warnhinweise für das Schweizerische’ aus dem Buch. Dieser kann aber unter http://www.rowohlt.de/fm90/131/Moor_Als_Max_noch_Dietr_war.pdf in der Leseprobe genauso wie das Kapitel über die Namensänderung nachgelesen werden.

Zudem erzählt der Dietr in den ’Geschichten aus der neutralen Zone’ mal darüber, wie er stundenlang die Schweiz auf dem Globus gesucht hat. Ein anderes Mal, dass seine Familie als eine der ersten in der näheren Umgebung schon das Fernsee hatten, in dem über die Kubakrise berichtet wurde. Doch keine Sorge, dafür gibt es ja die Zivilverteidigung. Außerdem erzählt Dietr, wie er fast einen Bunker bekommt und warum doch nicht. Das Ganze ist entsprechend unterhaltsam, wenn der Dreikäsehoch neunmalklug alles durch seine Augen wiedergibt. Es kann sich aber durchaus auch etwas ziehen. Wenn er zum Beispiel erklärt, was „vorsorglich“ bedeutet: „... dass alle nur hoffen können, dass nichts passiert, aber man eben nie wissen könne, ob es nicht doch passiert, und man darum jetzt wissen müsse, was dann zu passieren habe und was vorher habe passieren müssen, damit das dann passieren kann, was zu passieren habe, nachdem es passiert ist.“

Hörbuch erhältlich seit 8. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.universal-music.de/max-moor/

Gruselkabinett 101 – Verlorene Herzen (nach M.R. James)

Kaum ist die 100 geschafft, folgt schon der nächste Streich. Nach den Erzählungen ’Der Eschenbaum’ und ’Zimmer 13’ haben sich die Macher von ’Titania Medien’ erneut eines Stoffes von M.R. James angenommen, um ihn in ihrem ’Gruselkabinett’ zu präsentieren. Der Titel der Geschichte ist dabei, soviel sei verraten, nicht im übertragenden Sinne gemeint. Als erwachsener Erzähler berichtet Timmo Niesner über seine Erlebnisse bei Mr. Abney (Uli Krohm). Dabei entdeckt er als fast Zwölfjähriger eines Tages eine schaurige Erscheinung in einem nicht mehr benutzten Badezimmer, wie er seinem Vormund erschrocken schildert: „Sie hat mir das schreckliche Loch in ihrer Brust gezeigt.“

Doch was will das Mädchen – endlich den wohl verdienten Seelenfrieden … oder blutige Rache? Wie immer ist das Ganze passend, spannend und gruselig umgesetzt und bietet auch in den Nebenrollen bekannte Sprecher wie Helmut Krauss (u.a. der Nachbar Paschulke aus 'Löwenzahn') und Detlef Bierstedt, der sonst in der Sherlock-Holmes-Reihe (hier mehr dazu) von 'Titania' Dr. Watson seine Stimme leiht.

Hörspiel seit 15. Mai 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.titania-medien.de/cms/hoerspiele/gruselkabinett.html

Dr. Knarf – Tash 3 (Mixtape)

Cover zu Tash 3Doktortitel in der Tasche, aber auch Lyrics im Drogendealer-Slang, so präsentiert sich Dr. Knarf auf seinem neuen Mixtape ’Tash 3’. Zu ’Erfolg’, Kniwo hat’ne Knarre’, ’Ich will mehr’, ’Pump Das’ (gedreht von Drive By), ’Lass mich los’ und ’Nr. 5 lebt’ wurden bereits Videos veröffentlicht, wobei zu dem zuletzt genannten sogar spanischsprachige Untertitel eingeblendet werden. Hinzu kommen Live-Clips zu ’Komm doch mal rüber’ und ’Lass mich los’ mit The Ruff Pack. Bei http://theruffpack.bandcamp.com/ gibt es übrigens noch den Free Download von ’Murda’, das sie 2012 gemeinsam aufgenommen haben. Auf dem neuen Mixtape hat er mit ’Adolf Hitler’ außerdem noch ein kritisches, aber auch provokantes, im schlimmsten Fall missverständliches Lied abgeliefert. Darin wird wie aktuell bei Ferris MC (siehe Kritik hier) auch die Kanzlerin erwähnt: „Ich übernehm’ das Land, Digger – so wie Adolf Hitler./ [...]./ Guck’ ich Merkel in die Augen, seh’ ich Adolf Hitler./ Schwimm’ mit dem Strom – das ist Adolf Hitler./ Komplettüberwachung, Mensch aus Glas – Adolf Hitler.“

Abgesehen vom ’Intro’ und dem letzten Track ’Weit Weg’, die Knarf selbst produziert hat, geht der Rest der musikalischen Untermalung auf das Konto von Pablo-Nicolas „Ritmo Beats“ aus Kolumbien. Mit dessen Crack Family Gz hat der Doc schon früher zusammengearbeitet. Bei ’Lo Que Sone’, zu dem es ebenfalls ein Video gibt, sind sie nun wieder zu hören. Ansonsten wirken nur noch seine Teamkollegen Cnor und Stikstar von der Hamburg-Köln-Connection mit. Mit HKC hatte er 2012 das Album ’210N’ raus gebracht. Für dieses Jahr sind dagegen sogar noch mehrere Veröffentlichungen in der Mache. Also auch wenn manche Ansage nicht jede(n) überzeugen dürfte, ist ’Ta$h 3’ eine gute Vorschau dafür, was uns noch erwartet.

Album erhältlich seit 29. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.drknarf.com/

Protoje – Ancient Future

Cover zu ProtoojeMit ’Ancient Future’ liefert der jamaikanische Reggae-Sänger Protoje sein drittes Album in vier Jahren ab. In der Zeit konnte er sich durchaus schon einen guten Namen machen. In der Vergangenheit hat er mit unter anderem Ky-Mani Marley, Sizzla, Busy Signal, Gentleman, Sara Lugo und Jah9 zusammen gearbeitet. Unter https://soundcloud.com/protoje gibt es noch ältere Stücke als Free Downloads. Diesmal sind die Gäste eher weniger bekannt, aber Leute wie Chronixx, Jesse Royal, Sevana Siren, Mortimer und Kabaka Pyramid werden in Reggae-Kreisen ebenfalls schon als spannende Nummern hoch gehandelt.

Passend zum Albumtitel schaut Protoje aber nicht nur vorwärts, sondern auch zurück. Bei ’Bubblin’ nutzt sein Produzent Phillip „Winta“ James zum Beispiel das nahezu gleichnamige Stück von Beres Hammond und seiner Band Zap Pow aus den Siebzigern. Bei Prince Buster (und damit sogar noch gut ein Jahrzehnt früher) bedient er sich dagegen für ’Answer To Your Name’, das mit Ska-Sound für Tanzlaune sorgt. Dazu wurde auch das neueste Video gedreht, nachdem bereits davor schon ’Sudden Flight’, ’Stylin’ und ’Who Knows’ bebildert wurden. Und die Zukunft sieht für Protoje so rosig aus, wie sie im Refrain des zuletzt genannten Titels beschrieben wird: „Who knows – I just go where the trade winds blows./ Sending love to my friends and foes./ And I suppose I'm pleased – to be chilling in the West Indies./ Jah provide all my wants and needs – I got the sunshine rivers and trees./ Green leaves ... oh yeah!“

Album erhältlich seit 29. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.protoje.com/

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9. Mai 2015 6 09 /05 /Mai /2015 12:06

Nach einem gelungenen Debüt im letzten Jahr geht das Berliner XJAZZ Festival nun in die zweite Runde. Bei der Vielzahl an Auftritten muss da natürlich das Publikum selbst entscheiden, welche Show besucht werden soll. Und meine Wahl fiel auf das DJ-Set von Jazzanova und den Gig von Jacques Palminger.

Logo XJAZZ 2015Seit einigen Monaten finden die 'Beatport Friday Warm Ups' im Prinz Charles (Prinzenstr. 85F) bei freiem Eintritt ab 20 Uhr statt. Nach Auftritten von zum Beispiel Baaz, Finn Johanssen und Redshape gab es nun die Gelegenheit im Rahmen des XJAZZ Festivals die international bekannten DJs von Jazzanova im Einsatz hinter den Plattentellern zu erleben – oder jedenfalls zumindest drei des etwas größeren Kollektivs. Zum Eingrooven auf den später folgenden Louie Vega in derselben Location oder den weiteren Veranstaltungen an anderer Stelle war der Mix bestens geeignet.

Trotz der diversen Konkurrenzveranstaltungen des Festivals erschien der Privatclub (Skalitzer Str. 85-86) zum Auftritt von Jacques Palminger auf jeden Fall gut gefüllt. Erste Entdeckung im Vergleich zum Ankündigungsbild im Programmheft: Der Bart ist ab. Jedenfalls halb, denn der gepflegt auftretende Bandleader trägt jetzt (wieder) Schnurrbart. Gleich zu Beginn kündigt er freudig wie der Moderator eines privaten Radiosenders „1 Stunde Powerplay“ an. Dabei ist nicht ganz klar, ob die Begrenzung auf diese Länge durch den Zeitplan des Festivals oder die bisher einzige Platte 'Jzz & Lyrk' und damit auf kaum mehr Material festgelegt ist.

Unklar ist auch, warum seine nach dem Standardkammerton benannte Begleitband immer noch 440 Hz Trio heißt, da ja neben Pianist Richard von der Schulenburg (früher bei Die Sterne), Bassist John Raphael Burgess (früher bei JaKönigJa) und Schlagzeuger Olve Strelow, der für 'Que reste-t-il' den Refrain singt, auch als ziemlich feste Bestandteile Sängerin Lydia Schmidt und Vibraphonist Jan Heinemann beteiligt sind.

Blei – die neue Leichtigkeit des Jzz

Was das Konzert zusätzlich gegenüber einem Tonträger überlegen macht, ist die Dramatugie der Show. Ähnlich humorig wie die Songtexte sind nämlich die Ansagen dazwischen, wenn ein Stück schon mal mit „Eins, Zwei, Blei, Vier“ eingezählt wird. Das ist allerdings auch dem angeblichen Sponsoringvertrag mit (dem anscheinend eher im Verborgenen agierenden Global Player) Nordblei geschuldet, wie Jacques Palminger frei heraus erklärt. Hinzu kommt die optische Untermalung des Auftritts, wenn er zum Beispiel wie in den Lyrics von 'Bittermandel & Salat' angekündigt einer plötzlichen Eingebung folgend zu tanzen beginnt.

Jacques Palminger ist eben auch Schauspieler oder besser gesagt Entertainer, wie er schon in einigen Filmen und Theaterstücken wie 'Fahr zur Hölle, Ingo Sachs', dem am 18. November 2011 erstmals am Deutschen Theater Berlin aufgeführten Actionmusical von Studio Braun, gezeigt hat. Es darf also mit Spannung erwartet werden, was als Nächstes folgen wird.

Let's groove on

Was als Nächstes beim XJAZZ Festival folgt, ist dagegen völlig klar. Weiter geht es heute schon ab 16 Uhr im beziehungsweise vor dem Koffain (Skalitzer Str. 82). Dort treten im Rahmen des OFFJazz-Programms das Pit Dahm Trio, Caramelbrown und #Instandboner kostenlos für je etwa eine Stunde auf. Zum Abendprogramm ab 18:30 Uhr in den verschiedenen Clubs gehören dann unter anderem das Mira Mode Orchestra, The Apples aus Tel Aviv und Nightmares on Wax.

Zum Ausklang am Sonntag gibt es ab 12:00 Uhr den Village Market in der Neuen Heimat (Revaler Str. 99, Ecke Dirschauer Str.). Hier gibt es neben viel Streetfood auch noch mehr Musik inklusive einer Jazzy Berlin Jam am Nachmittag. Um 20:00 Uhr findet das finale Konzert des XJAZZ Festivals mit Jose James statt, der unter anderem auch bei 'Upside Down' von Jazzanova zu hören ist. Und da schließt sich dann der Kreis – bis zum nächsten Mal.

XJAZZ Festival noch bis einschließlich 10. Mai 2015. Mehr Infos unter: www.xjazz.net

Das könnte dazu passen:
Jacques Palminger – Mondo Cherry
Jazzanova – Upside Down
Olli Schulz – Feelings aus der Asche
Die Sterne – Für Anfänger

Nachtrag am 13. Februar 2016: Jacques Palminger tritt dieses Jahr wieder mit Heinz Strunk und Rocko Schamoni als FRAKTUS auf. Leider nicht beim nächsten XJAZZ, aber hier ...

  • 11.05.2016 Kiel, Pumpe
  • 12.05.2016 Osnabrück, Lagerhalle
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5. Mai 2015 2 05 /05 /Mai /2015 21:14

„April, April, der macht, was er will“, heißt es in einem Sprichwort. Na dann dürfte es ja vollkommen in Ordnung sein, wenn hier zuerst ein Kinderbuch vorgestellt wird, bevor die Alben von den Clifftop Vandalz, Raekwon vom Wu-Tang Clan und dem Produzenten-Duo The Alchemist & Oh No beleuchtet werden.

Thea Stilton – Die Thea Sisters: Anschlag auf die Schokoladenfabrik

Thea Stilton ist die Schwester von Geronimo, der als Verleger die 'Neuen Nager Nachrichten' der Mäuse-Insel Mausilia veröffentlicht. Am Mausford-College lernte sie Colette, Nicky, Violet, Pamela und Paulina kennen. Da sie so begeistert von ihrem Unterricht waren, nannten sie sich fortan die Thea Sisters. Gemeinsam erleben sie immer wieder spannende Abenteuer, so wie diesmal beim 'Anschlag auf die Schokoladenfabrik' in Ecuador. Paulinas alter Freund Antonio produziert dort mit biologischer Landwirtschaft den Kakao für seine süßen Naschereien und hat damit gute Chancen, den begehrten 'Chocolate Cup' zu gewinnen. Doch irgendwer will das anscheinend verhindern ...

Das Buch ist als Hardcover im laminierten Pappband mit Glitzer drauf erschienen. Die Altersempfehlung ist ab 8 Jahre, was ganz gut passt. Kinder in der zweiten Klasse sollten mit dem Text gut zurechtkommen, auch wenn englische und spanische Wörter kleinere Schwierigkeiten bereiten. Dafür gibt es aber auch viel zu lernen über Land und Leute. Und die bunte Aufmachung mit unterschiedlichen Schriften und vielen Comic-Bildern sorgt für unbeschwertes Lesevergnügen.

Buch seit 27. März 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.theasisters.de/

Clifftop Vandalz – The Bloody Chapter

„They are the Vandals“, lassen Rapper Sevsnite und DJ Spleen aus dem Schweizer Kanton Wallis gleich zu Beginn ihres offiziellen Debütalbums beim 'Vandalz Anthem' vom Sprecher aus der TV-Dokumentation ’Barbarians II – The Vandals’ des amerikanischen Senders ’The History Channel’ verkünden. Überhaupt sind ihre Verbindungen zum Mutterland des HipHop scheinbar recht gut ausgebaut. Zu 'Hit 'em!' hat SirQLate von den Antihelden ein Video mit Reef The Lost Cauze von der Army of the Pharaohs gedreht, bei 'The Destruction' mit dem herrlich eingängigen und -deutigen Battlerap-Refrain „Fuck you“ wirkt Swifty McVay von D12 mit und bei 'No Arguments' sind Chino XL und Blaq Poet dabei.

Doch bei ihren meist zum Kopfnicken einladenden, dem Hardcore-Rap verpflichteten Songs sind sie auch Kooperationen mit ihren musikalischen Kollegen vor Ort nicht abgeneigt. Will Jungo spielte bei einigen Stücken den Bass ein, Äs & Ich liefern einen Beitrag zu 'Gift' ab, Sängerin Salomé unterstützt 'Weisch Wie's Isch?' und DJ Pleschen von Grielichtmilieu ist für die Cuts bei ’John McClane’ verantwortlich. Darin samplen die Vandalz passend zum Titel den „Schweinebacke“-Spruch von Bruce Willis aus ’Stirb langsam’. In diesem Sinne: „Yippie ya yay!“

Album seit 10. April 2015 erhältlich. Mehr Infos: https://www.facebook.com/ClifftopVandalz

Various – The Achemist & Oh No present: Welcome To Los Santos

Cover zu Los SantosGemeinsam mit Edgar Froese von Tangerine Dream and Woody Jackson erarbeiteten The Alchemist und Oh No 2013 die Musik zum Computerspiel ’Grand Theft Auto V’. Darauf aufbauend haben sie sich zu einer Art Fortsetzung inspirieren lassen und mit unzähligen Gästen noch ’Welcome To Los Santos’ aufgenommen., das jetzt bei ’Mass Appeal Records’ erschienen ist. Im jazzig angehauchten Titeltrack führen die Lyrics der fast 50-jährigen Rap-Legende MC Eiht zusammen mit Freddie Gibbs und Kokane in die Welt der Original-Gangster ein: „Don't get fooled by the palm trees, fly ass bitches and bomb ass weed./ It's real over here on these cold streets, triple OGs stay about that cheese./ Los Santos – We be doing the most.“

Als weitere Rapper wurden zum Beispiel E-40 bei ’California’, Ab-Soul bei ’Trouble’ und Action Jackson bei ’Bad News’ verpflichtet. Auch ihre Beiträge passen inhaltlich zur Vorlage von ’GTA 5’, bei dem – wie der Name schon sagt – Autodiebstahl und andere kriminelle Handlungen an der Tagesordnung stehen. Doch das Produzentenduo ruht sich auf diesem Konzept nicht aus, sondern hat noch völlig unterschiedliche Künstler zu diesem außergewöhnlichen Projekt dazu geholt – wie die Elektropopper Phonogram für ’K.Y.S.A.’ (das ausgeschrieben als „Keep yourself alive“ ebenfalls gut das Thema trifft), Tunde Adebimpe von den New Yorker Indierockern TV on the Radio für ’Speedline Miracle Masterpiece’ oder den Dancehall-Sänger Vybz Kartel für ’Fast Life’. Da die neue Musik nun wiederum in der ebenfalls gerade erst veröffentlichten PC-/Windows-Version von ’GTA V’ integriert wurde, schließt sich somit wieder der Kreis.

Album seit 24. April 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.massappealrecords.com

Raekwon – Fly International Luxurious Art (mit u.a. Snoop Dogg und Estelle)

Cover zu F.I.L.A.Mit dem Wu-Tang Clan hat Raekwon Anfang der Neunziger Jahre das HipHop-Geschäft entscheidend verändert. Nach über zwei Jahrzehnten mit unzähligen Veröffentlichungen immer noch am Puls der Zeit zu bleiben, ist natürlich keine leichte Aufgabe. Auf ’F.I.L.A.’ schafft es der selbsternannte ’Chef’ aber wieder einmal, einige schöne Tracks abzuliefern. Als einziges Clan-Mitglied ist Ghostface Killah dabei, der dafür aber sowohl bei ’4 in the Morning’ als auch ’Revory (Wraith)’ ans Mic steppt. Weitere Hilfe gibt es von unter anderem French Montana, Busta Rhymes, 2 Chainz, Rick Ross und Snoop Dogg, der beim funky groovenden Track ’1, 2, 1, 2’ zu hören ist.

Die erste Single ’All About You’ ist allerdings zusammen mit Estelle aus London ziemlich eindeutig eher eine Art feines Liebeslied geworden. In eine ganz andere Richtung geht dagegen der treibende Sound von Jerry Wonda für die zweite Single ’Soundboy Kill It’ mit der kanadischen Sängerin Melanie Fiona und dem Jamaikaner Assassin, der vor kurzem schon bei Kendrick Lamar eine gute Figur machte (Kritik zu dessen Album hier). Veröffentlicht wird das Ganze übrigens über Raekwons eigenes Label ’Ice H2O Records’, mit dem er unter https://soundcloud.com/iceh2orecords/ noch diverse Free Downloads zur Verfügung stellt.

Album seit 24. April 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.raekwonchronicles.com/

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