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20. August 2008 3 20 /08 /August /2008 16:46

Dem ein oder anderen könnte Blaze schon auf den Alben von Brothers Keepers über die von D-Flame und Dean Dawson bis zu Jonesmann aufgefallen sein. Nun kommt sein erstes Solo-Album mit dem Titel’Schocktherapie’ raus – und er verspricht auf ’Hier Und Hustle’, dass das „die erste Sekunde von etwas Großem“ ist.

 

Leider kann ich nicht ganz nachvollziehen, was er jetzt so viel besser macht als die Konkurrenz. Vielleicht sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht, aber die meisten Stücke sind thematisch eher Durchschnittsware. Er erzählt über seinen schwierigen Weg (’Kennst Du Das Auch’, ’Mein Leben’), übers Geld verdienen (’Mach Money’) und ausgeben (’Christina’), macht ein Liebeslied (’Flieg Mit Mir’) und immer wieder Tracks darüber, wie toll er ist und wie schlecht die anderen (’Rock’n’Roll’, ’Hand Aufs Herz’).

 

Auch in ’Lass Ihn Raushängen’ kündigt er an, dass er die Szene bereichert: „Wir pumpen Gewichte, glaub mir, und ich rede nicht von einer Hantelbank./ Harte Rapper hier haben die Statur von ’nem Hampelmann – krankes Land./ Ich bringe neue Farbe ins Spiel./ Die Position, an der ich bin, habe ich seit Jahren verdient.“

 

Meiner Meinung nach kocht er aber auch nur mit Wasser. Doch es gibt durchaus ein paar Tracks, die einen aufhorchen lassen. Für ’Moderne Frau’ hat er sich zum Beispiel die Unterstützung von C.J. Taylor (Rapsoul) gesichert, um auch selbstbewussten Mädels sexuelle Freiheit zuzugestehen, ohne sie als Bitches abzustempeln: „Sie hat Affären – weiß, was sie will und lebt es aus./ Sie ist kein Freak, sie ist eine moderne Frau.“

 

Schön ist auch das ruhigere Stück ’Danke’, mit dem der Frankfurter in den Lyrics Gott für die Geburt seines Sohnes dankt. Den Refrain singt dabei Jonesmann für ihn: „Ich dank dir für das Leben, das ich in meinen Armen halt’./ Der Grund, warum ich meine Hände falt’./ Ich seh mich selbst in seinem Augen, so wie ich bin./ Ich dank dir für alles.“

 

Fazit: Vielleicht hätte Blaze einen etwas dezenteren Titel für sein Debütwerk aussuchen sollen, denn eine ’Schocktherapie’ ist das wahrlich nicht. Trotzdem zeigt er mit einigen Ideen, dass da durchaus einer an den Start geht, der so schnell nicht wieder in der Versenkung verschwinden wird – wenn er es schafft, sich tatsächlich von der breiten Masse abzuheben.

 

Mehr Infos: http://www.donblaze.de

 

CD voraussichtlich ab 22. August 2008 im Handel erhältlich.

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19. August 2008 2 19 /08 /August /2008 17:20

Nachdem The Game 2005 mit ’The Documentary’ der Durchbruch gelang, folgte bereits ein Jahr später ’Doctor’s Advocate’. Doch dass sich seine Förderer Dr. Dre und 50 Cent nicht an den Aufnahmen beteiligten, sorgte für Spannungen – oder umgekehrt. Auch für die neue CD konnte er die Wogen nicht glätten. Aber dafür hat The Game unzählige andere Helfer gefunden, die ’LAX’ wirklich bereichern.

 

Schon für das ’Intro’ konnte er DMX gewinnen, der eines seiner „Gebete“ zum Himmel schickt. Für die Single ’Dope Boys’ hat er sich dagegen die Hilfe von Travis Barker gesichert, dem Drummer von Blink-182 und +44. Entsprechend rockt der Track auch gehörig, während The Game in seinen Lyrics „Grüße“ an Curtis „50 Cent“ Jackson und Dr. Dre rausschickt: „Yeah, it's the new king of everything, and bitches don't say no to me, I'm like a wedding ring./ Maybe it's how I pour that Patron, maybe it's how I smell a pair of Silver Cologne./ Maybe it's how I write shit when I'm in the zone, and I'm sick of blow jobs, bitch leave me alone./ And tell Dr. Dre to pick up the phone, before I climb through his window like ‘Nigga, I'm home’.”

Dabei kann der kalifornische Rapper auch anders, wie er im Songtext zur ruhigeren Single ’Game’s Pain’ zeigt. Darin zollt er mit Hilfe von Sängerin Keyshia Cole über einen Beat von Knobody & Dahoud allen möglichen Kollegen den Respekt, den sie sich durchaus verdient haben: „It’s summertime – shout out to Will Smith ’cause who didn’t wanna be the Fresh Prince. Flat top, gold chain and some fresh kicks?/ My nigga Nas told me money make the world go round. And Uncle Luke showed me how to make my girl go down./ I’ve been around HipHop since ’85. She had her ups and downs but she stayed alive.”

Apropos, Nas! Der New Yorker MC gibt sich auf ’Letter To The King’ die Ehre. Noch besser gefällt mit allerdings das von Scott Storch produzierte ’Let Us Live’, das ich mir auch sehr gut als ein Duett von Nas mit Erykah Badu vorstellen könnte. Sind das wirklich The Game und Chrisette Michelle?

Lediglich im Mittelteil fällt das Album leider für meinen Geschmack etwas ab. Die Kollabos mit Bilal, Lil’ Wayne, Nottz, DJ Toomp, Ludacris und Ne-Yo klingen einfach zu beliebig und/oder anstrengend.

Dafür ist die Zusammenarbeit mit Common und Kanye West bei ’Angel’ ziemlich gelungen. Aber wer weiß, wie lange diese ganzen neuen Bündnisse halten. Immerhin haut The Game bei ’Ya Heard’ ein paar Zeilen raus, die immerhin auch falsch verstanden werden könnten: „Than I bought me some brains, but I ain’t buying that the best rappers is Kanye and Wayne./ See both of them niggas spit but y’all act like y’all don’t hear me spit – like selling seven million records ain’t shit.”

Fazit: Gangstarap lebt, wenn sich auch dein Arsch zu dem Scheiß bewegt. Hundertprozentig treffsicher ist The Game dabei zwar nicht, aber eine ganze beachtliche Dichte an Hits kann er auf jeden Fall landen. Denn die große Klappe hat er noch - und es macht definitiv Spaß, ihn den einen oder anderen kleinen Seitenhieb austeilen zu hören.

Mehr Infos: http://www.thisizgame.com

CD voraussichtlich ab 22. August 2008 im Handel erhältlich.

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18. August 2008 1 18 /08 /August /2008 18:01

Nachdem sich Regisseur Leander Haußmann schon für diverse Projekte und Filme immer wieder bei der Musik von Element Of Crime bedient hat, ist es fast logisch, dass er die Band auch um Beiträge für den Soundtrack zu ’Robert Zimmermann Wundert Sich Über Die Liebe’ gebeten hat. Eine gute Wahl, wie die insgesamt sieben neuen Songs zeigen!

 

Drei Stücke davon sind reine Instrumentale geworden, aber der Rest behandelt laut Sänger Sven Regener alles, was „…in dem Film wichtig ist: Liebe, Drama, Wahnsinn und der Mond über Altona, außerdem Fleischmühlen, lesbische Schwestern, grünes Blut, Eppendorf, der Dalai Lama, Panzerfäuste, Sonntagsessen, Biker, Popos, Harrschnitte und Landungsbrücken.“ Aha, das macht auf jeden Fall Lust auf den Film!

 

Gleich im ersten Songtext empfiehlt Sven Regener in ’Death Kills’, sich von seiner Bazooka fernzuhalten. Ähnlich schwer bewaffnet stromert er anschließend durch die Gegend, um sich ’Ein Hotdog Unten Am Hafen’ zu holen: „Ein Hotdog unten am Hafen, und vor’m Einschlafen schnell noch ein Bier./ Dem Feind einen Tritt in die Rippen und ein paar Kippen für hinterher./ Ein Date mit dem Dalai Lama und ein Apfelsaft morgens um zwei./ Und eine halbautomatische Waffe ist immer dabei.“

 

Zu den sieben Liedern von Element of Crime gesellen sich zudem noch acht weitere Tracks, wie sie unterschiedlicher wohl nicht sein könnten. Während Tiefschwarz, Lexy & K-Paul und Amos ein paar ältere ihrer Electro-Housetracks beisteuern, gibt es auch ein paar Stücke von Donovan und dem russischen Sänger Vladimir Vissotski aus dem letzten Jahrhundert zu hören. Des Weiteren sind noch zwei neue Stücke von Ed Csupkay und Roland Heinrich enthalten.

 

Die Ehre, den Titelsong zu singen, gebührt aber natürlich Element of Crime. Enger mit dem Film verwoben ist allerdings ’Robert Zimmermann’, da in den Lyrics dazu viele Elemente der Handlung aufgegriffen werden: „Deine Schwester liebt einen Freak vor dem Herren. Das soll eine Frau sein – das hörst du nicht gern!/ Und Vaters Neue ist jünger als ihr alle je wart./ Verschlungen und dunkel sind die Wege des Herren. Vater und Mutter haben dich gern./ Aber du weißt, dass man nicht einfach dreist – und ungestraft Robert Zimmermann heißt.“

 

Wer sich fragt, was das bedeutet, muss wohl den Film anschauen. Bloß kurz hier der Hinweis, dass Bob Dylan mit bürgerlichen Namen Robert Zimmermann heißt, so dass die Hauptfigur wohl des Öfteren Hinweise auf ’Blowing In The Wind’ ertragen muss.

 

Fazit: Ähnlich skurril wie die Filmkomödie ist auch der Soundtrack geraten, aber vor allem Fans der melancholischen Stimmung von Element of Crime werden sich trotzdem über das neue Material freuen. Immerhin ist das letzte Album ja auch schon wieder drei Jahre alt. Doch auch alle anderen, die sich auf dieses Abenteuer einlassen, dürften die eine oder andere Überraschung entdecken.

 

Mehr Infos: http://www.element-of-crime.de

 

CD voraussichtlich ab 15. August 2008 im Handel erhältlich.

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14. August 2008 4 14 /08 /August /2008 16:13

Obwohl der Titel dieses Samplers schon ganz gut wiedergibt, worum es geht, sei hier noch die erklärende Zusatzzeile erwähnt: „Caribbean Soul & Calypso Crossover 1969-1979“. Wenn das nicht vielversprechend klingt, weiß ich auch nicht!

 

Eröffnet wird die CD ziemlich funky von The Revolution of St. Vincent mit dem Stück ’The Little You Say’, in dem sich der Sänger über das Gequatsche seines Mädchens beschwert: „The little you say is too much for me, girl!“

 

Danach geht es gut gelaunt weiter, wobei auch kritische Töne angeschlagen werden. Denn viele der Karibikinseln, auf denen diese Songs vor über drei Jahrzehnten entstanden, waren zu der Zeit noch Kolonien von Groß Britannien oder gerade erst als unabhängige Staaten anerkannt worden.

 

Der Song ’Independent Bahamas’ soll zum Beispiel im Juli 1973 während der Feierlichkeiten entstanden sein, als die Bahamas als eine der letzten britischen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Folglich ruft der Songtext dazu auf, dieses Ereignis freudig willkommen zu heißen: „People, listen to me./ Folks, where ever you may be let’s get ready to be free./ Independent nation – it is true./ No matter what we may say or do!/ Sing it high, sing it low./ Sing it where ever you may go.”

 

Auch Tyrone Taylor wollte mit dem deutlich ruhigeren Soul-Song ’Move Up Blackman’ seine Mitmenschen ermutigen, stolz durch die Straßen zu ziehen. Lancelot Layne beschäftigte sich in ’Yo Tink It Sorf?’ dagegen mit einem ganz anderen Problem: dem Ghetto. Wer in dieser ungemütlichen Umgebung bestehen will, muss sich auf seinen Überlebenswillen verlassen.

 

Hinzu kommen einige Coverversionen von Klassikern wie ’You Don’t Love Me’ oder ’Woman’, die zwar Spaß machen, aber eben nicht an die Interpretationen von Dawn Penn und Barrabas heranreichen. Mit der sehr schönen Soul-Gospel-Nummer ’Of My Hands’ wird diese Compilation dann gebührend abgeschlossen.

 

Fazit: Für ’Calypsoul 70’ hat Duncan Brooker auf jeden Fall ein paar schöne Perlen zusammengesammelt, mit denen der Sound der Karibikinseln jenseits der Tourismusklischees präsentiert wird.

 

Mehr Infos: http://www.strut-records.com/Calypsoul70/ 
 

CD voraussichtlich ab 15. August 2008 im Handel erhältlich.

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13. August 2008 3 13 /08 /August /2008 16:24

Ich hatte ja ein bisschen Angst, dass hier der Eindruck entstehen könnte, alle Alben würden unkritisch durchgewunken. Aber Hurricane Chris aus Louisiana gibt mir nun zum Glück die Gelegenheit, auch mal vom Kauf einer CD abzuraten!


Dabei fängt das Ganze doch recht viel versprechend an. Die ersten Zeilen auf ’51/50 Ratchet’ singt Nicole Wray, die mit ’Make It Hot’ dank Missy Elliott und Timbaland 1998 einen kleinen Hit hatte. Auch das vom jetzt 19-jährigen Hurricane Chris gesprochene Intro zu 'Getting Money' ist gut, aber wenn er anfängt zu rappen, rutscht seine Stimme leider ins Comichafte ab.

Als zweites Stück folgt ’A Bay Bay’, das es letztes Jahr komischerweise bis auf den siebten Platz der US-Hot100-Charts geschafft hat. Weder der an Crunk angelehnte Beat von Phunk Dawg noch das Gelaber über heiße Clubs und Girls ist besonders originell. Wenn ich das richtig verstanden habe, bedeutet der Titel soviel wie „Hey Baby“!

Schlimmer ist allerdings, dass danach keine Abwechslung in Sicht ist. Ob ’New Fashion’ oder ’Walk Like That’, ob ’The Hand Clap’ oder ’Touch Me’ – der kleine Kerl mit der großen Klappe und den kecken Zöpfchen macht die ganze Zeit nur auf dicke Hose!

Herrlich ist, wenn er auf dem ebenfalls als Single veröffentlichten ’Playas Rock’ erklärt, wie er mit seinen Mädels umspringt. Immerhin nutzt er das Instrumental von Mr. Colliepark (Ying Yang Twins), um auch eine Warnung vor ungeschützten Geschlechtsverkehr auszusprechen. Gummis helfen nämlich nicht nur vor gefährlichen Krankheiten, sondern auch vor ungewollten Schwangerschaften: „And then she told me that she want me to cut her./ But she ain't want me to use no rubber (no rubber)./ I'm feeling like u trying to get me caught up./ No disrespect, little mama, but that's just how I was brought up!"

Zum Schluss gibt es dann noch einen Remix von ’A Bay Bay’, auf dem The Game dem Gastgeber gehörig die Schau stiehlt: „I’m the king of this rap shit. What the fuck they talking ‘bout./ Niggas can’t sell records so they blame it on the South!“

Fazit: Ein Hurrikan sieht anders aus. Auf ’51/50 Ratchet’ weht leider nur ein laues Lüftchen, das sich schnell wieder verduften dürfte!

Mehr Infos: http://www.hurricanechrisonline.com/

CD voraussichtlich ab 15. August 2008 im Handel erhältlich.

 

 

 

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11. August 2008 1 11 /08 /August /2008 16:58

Zwei Jahre nach ’Yell Fire!’ melden sich Michael Franti & Spearhead mit ’All Rebel Rockers’ zurück. Das Album mit dem eher unkritischen Comebacktrack ’Rude Boys Back In Town’ zu eröffnen, mag dabei nicht die originellste Idee sein, aber Spaß macht das auf jeden Fall!


Natürlich verzichtet Franti auch auf dem sechsten Studiowerk mit seiner Band Spearhead nicht auf kritische Anmerkungen in seinen Songtexten. Beim rockenden Rootsreggae-Stück ’Life In The City’ kritisiert er den Überwachungsstaat, der seine Bürger wie Terroristen behandelt: „Search your body, search your home and listenin’ in on your phone calls./ Still no politician got enough balls lining the people up against the wall./ When truth comes out all hell will call and someday Guantanamo will fall.“


Mit dem vom Dub dominierten ’All I Want Is You’ hat Franti aber auch ein Lied über eine aussichtslose Liebe geschrieben, die für ihn sowohl Segen als auch Fluch ist: „Don’t tell me you love me if you don’t really love me./ But you can still kiss me ‘cause I need you to kiss me.“


Auch im Duett ’High Low’ mit Marie Daulne von Zap Mama setzt Franti auf die Liebe, die uns durch alle Hochs und Tiefs begleitet: „We all walk through the valley below./ We all need a little time alone./ We all want a little heaven above./ We all want somebody to love./ You, you and nobody else!“


Als weitere Gastsängerin ist noch Dancehall-Lady Cherine Anderson zu hören, die auf der Funk-Nummer ’A Little Bit Of Riddim’ ein paar coole Lyrics kickt. Darin fragt sie sich, warum mehr über Oralverkehr im Oval Office diskutiert wird als über fragwürdige Entscheidungen zu unnötigen Kriegen: „Who keep score of di fallen soldiers./ Can I see the hands of my real believers./ 200 million talking ‘bout some lips on dicks./ The fix the po-li-trics – now take ya damn lick!”


Fazit: Franti glaubt wie Mahatma Gandhi daran, dass Hass nur durch Liebe überwunden werden kann. Mit ’All Rebel Rockers’ hat er nun seinen Soundtrack für die friedliche Revolution um ein schönes Kapitel ergänzt!


Mehr Infos: http://www.spearheadvibrations.com/

CD voraussichtlich ab 15. August 2008 im Handel erhältlich.

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10. August 2008 7 10 /08 /August /2008 11:41

Was mir als diplomiertem Umwelttechniker natürlich als erstes an der Band gefallen hat, ist ihr Name. Aber auch die mit “radioaktiven”, elektronischen Elementen angereicherten Rock-Sounds auf 'Businessmen & Ghosts' lassen mich schon ein bisschen strahlen!

 

Deswegen hier erstmal die Erklärung, wie Sänger Phil 'Dekko' Kay, sein Bruder und Drummer Jon Kay, Gitarrist Gary McClure und Bassist Ed Hulme auf den Namen kamen. In ihrer Heimatstadt Manchester hingen früher Hinweisschilder mit einer Friedenstaube und genau diesem Spruch in den Straßen, bis sie circa 1999 entfernt wurden. Die Frage: Wurde das Ziel erreicht oder wird einfach nicht mehr daran gearbeitet?

Das Quartett macht sich da allerdings kaum einen Kopf drüber und findet es eher erschreckend, in die Öko-Ecke gedrängt zu werden. Wobei es beim relativ ruhigen, gerade mal zwei Minuten langen 'Fallout' durchaus um den gefährlichen Niederschlag nach einem atomaren Zwischenfall zu gehen scheint: „I don't remember anything before the rain had ended and burnt away the land./ Before I was born they put out the sun, but I have seen pictures in the books they left behind./ They left their shadows on the concrete shell of my dead city./ You could never tell by those traces they all had a soul, that searched for heaven and created war!"

Meistens singt Phil Kay aber lieber in seinen Lyrics über Gott und die Welt wie in 'Heaven Kissing Hill', bei dem klar gestellt wird, dass die Nähe zum Herren nicht über die Höhe des Berggipfels erreicht werden kann: „When the time comes he'll be fearless on his heaven kissing hill./ But soul aches, feels so loveless, on his heaven kissing hill./ Thinks of dead friends, feels the sadness, on his heaven kissing hill./ But the Lord God knows he's faithless on his heaven kissing hill.“

 

Mal ein paar nachdenklichere, melancholischere Indie-Songs sind dabei ganz schön, aber besser gefallen mir eindeutig die stärker Dancefloor-orientierten Tracks wie 'Troubled Son' oder 'Dead Fingers Talking'. So ist die Doppel-CD leider etwas zwiespältig, denn weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.

Fazit: Wer sich schon immer eine Mischung gewünscht hat, die sich aus – von WFANFC selber bei MySpace aufgezählten – Einflüssen wie The Stone Roses, Pavement, Sonic Youth, Funkstörung und The Chemical Brothers zusammensetzt, dürfte bei 'Businessmen & Ghosts' gut bedient sein. Bei fast zwei Stunden Material kann sich da schließlich fast jeder die entsprechende Perle rauspicken.

Mehr Infos:
http://www.workingforanuclearfreecity.com

CD voraussichtlich ab 11. August 2008 im Handel erhältlich.

 

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8. August 2008 5 08 /08 /August /2008 18:40

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung ihrer ersten EP ’Material Love’ hat das Berliner Produzentenduo Märtini Brös allen Grund zu feiern, denn um ihre Zukunft müssen sie sich dank unzähliger DJ-Gigs keine Sorgen machen. Folglich gibt es zum Jubiläum nun ein Geschenk für die Fans: ’The MB Factor’ – mit dem besten, raren und neuen Tracks der zwei House-Spezialisten Mike Vamp und Clé!

Die Nummern von ihrer Debüt-EP sind zwar nicht enthalten, dafür aber zum Beispiel ’Der Weg’ von der ’Saviours Of The Universe’-Maxi in einer exklusiven Restored-Version. Das Original erschien damals leider nicht noch einmal auf dem ersten Album ’Pläy’ aus dem Jahr 2002, obwohl der Text ziemlich clever ist. Durch eine geschickte Akzentuierung nimmt er nämlich immer wieder eine Wendung in der Frage, ob die Welt dem Untergang geweiht ist oder doch nicht: „Die Sonne scheint – nie wieder – zu versinken!“

Genial ist natürlich auch der witzige Spruch, der bei ’Dark Room’ zitiert wird: „Computer games don't affect kids. I mean if Pac-Man had affected us as kids we 'd all be running around in dark rooms, munching magic pills and listening to repetitive electronic music!”

Besonders erfreulich für langjährige Fans ist an ‘The MB Factor’, dass fast völlig darauf verzichtet wird, alte Albumstücke einfach noch einmal zu veröffentlichen. Stattdessen gibt es sogar einige neue Tracks, die sich hinter den Vorgängern keineswegs verstecken brauchen, Schließlich haben sie doch alle auch diesen gewissen MB-Faktor, der die elektronische Kühle mit einer inneren Wärme aus Melodie und Ideen durchdringt.

'Chasing Ghosts' und 'Presets On My Mind' warten dabei mit feinen, weiblichen Vocals von Tigerlily beziehungsweise Roxintra Thompson auf, wohingegen 'Strahlau' und 'Drone' deutlich reduzierter daher kommen. Am Schönsten ist aber 'Morphine Robot', das wirklich für Roboter auf Morphium gemacht zu sein scheint: melancholische Electro-Sounds zum Träumen!


Fazit: James Bond mag seinen Martini geschüttelt, nicht gerührt. Da dürften ihm auch die Märtinis gefallen – denn zu ’The MB Factor’ darf ordentlich geschüttelt werden, was man so hat. Auf der nächsten Party mal auflegen, durchlaufen lassen und einfach abfeiern!

 

 

Mehr Infos: http://www.myspace.com/maertinibroes

 

 

 

CD voraussichtlich ab 11. August 2008 im Handel erhältlich.

 

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6. August 2008 3 06 /08 /August /2008 15:55

Also das Cover von ’Kim And The Cinders’ ist doch irgendwie ganz schick geworden. Da wollte ich zumindest gleich mal wissen, was diese drei netten Herren aus Dänemark so für Musik machen. Im Grunde alles, was sich aus Bass, Gitarre, Schlagzeug und leicht ungewöhnlichen Instrumenten wie Mandoline, Banjo und Orgel raus holen lässt.

 

Nach 12 Jahren – wie er es selber nennt – „donkey-punk“ mit seiner Gruppe PowerSolo wollte Sänger Kim „Kix“ Jeppesen mal was Neues ausprobieren. Also reiste er mit seinem kleinen Bruder Bo, dem Gitarrist Ulrik „Horatio“ Lindez und dem Produzenten The Great Nalna von der Band The Tremolo Beer Gut in eine schwedische Waldhütte, um in nur vier Tagen das selbstbetitelte Debütalbum von Kim And The Cinders einzuspielen. Später halfen zudem noch Howie Gelb von Giant Sand und Maria Timm von Marybell Katastrophy, dem Ganzen den letzten Schliff zu geben.

 

Eröffnet wird die Platte durch ’Today Is A Good Day’ mit einer eher ruhigen Rockballade, wohingegen es beim Duett ’Giving Up The Ghost’ schon deutlich spaßiger wird. ’Hippie Hippie Hourra’ überrascht dann anschließend mit einem französischen Songtext. Die Lyrics dazu schrieb Sänger und Schauspieler Jaques Dutronc bereits vor über 40 Jahren, als die drei Musiker noch nicht einmal geboren waren. Inhaltlich geht es darum, dass der Sänger kein Revoluzzer mehr ist, sondern Blumen liebt und Hippie wird: „J'aime les fleurs et la fumée./ Je ne suis plus un révolté./ Les beatniks c'est dépassé./ Maintenant le monde, il faut l'aimer./ Je suis hippie, je suis hippie./ C'est ma nouvelle philosophie./ Hippie, hippie, hourra!“

 

Lustig ist zum Beispiel auch trotz des blutrünstigen Namens ’Kill Kill Kill’, in dem sich der Sänger als „Killerbiene“ bezeichnet. Klar, dass sich dann bei ihm alles ums Töten dreht. ’My Lover’ erinnert dagegen mit dem „Whoop Whoop“-Gesang etwas an ’Fire Water Burn’ von der Bloodhound Gang. Wobei der Vergleich vielleicht gar nicht so abwegig ist und möglicherweise von allen Beteiligten sogar unterschrieben würde. Vielleicht aber auch nicht.

 

Fazit: Für wen Folkrock und schräger Humor keine zwei paar Schuhe sind, der kann hier getrost zugreifen. Denn es gibt „donkey-punk“ bis zum Abwinken – bloß, dass diesmal auch Balladen als akzeptables Songformat erlaubt sind!

 

Mehr Infos: http://www.myspace.com/kimandthecinders

 

CD voraussichtlich ab 8. August 2008 im Handel erhältlich.

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4. August 2008 1 04 /08 /August /2008 15:14

2005 veröffentlichte der Berliner Reggae-Künstler Kimoe seine EP ’Ein Neuer Morgen’ und machte damit auf jeden Fall Lust auf mehr. Doch gut drei Jahre hat es gedauert, bis er endlich sein Debütalbum fertig gestellt hat. Wobei sich das Warten auf ’Streben Nach Glück’ definitiv gelohnt hat!

Alleine ’Highlights’, die erste Single daraus, rockt garantiert jede Dancehall. Zumindest in der Originalversion, denn als Bonus gibt es noch einen Remix, der deutlich entspannter daher kommt. Wobei das neue Instrumental erst durch einen Zufall zu seiner Ehre kam. „Mein Produzent Greg Danielz hatte den Beat gebaut und mich irgendwann damit im Studio überrascht. Dann kamen wir auf die Idee, ihn als ’Intro’ zu benutzen, weil er ein so heroisch, fieses Ding war. Als nächstes haben wir ein paar Samples von ’Highlights’ reingeladen, da der Song ja der erste auf der Platte werden sollte. Irgendwie klang das so geil, dass wir dachten, dass wir da ja einen ganzen Remix draus machen könnten. Am Ende war klar, dass neben dem ’Intro’ auch der Remix rauf muss, weil er das Album rund macht und somit abgeschlossen hat. Der Beat kommt noch mal als ’Outro’ – und dann kommen auf einmal die Strophen von ’Highlights’. Das fand ich sehr nice. Ich bin ja immer für eine Überraschung zu haben!“

Während Kimoe mit ’Highlights’ wieder einmal auf sehr unterhaltsame Weise klar stellt, wer „die heißen Vibes im Herzen von Berlin“ baut und „den Flavor in deinen Kiez“ bringt, sind andere Stücke inhaltlich deutlich anspruchsvoller. Mit Dodo aus der Schweiz will er zum Beispiel mit ’Viel Zu Tun’ die Hörer dazu bewegen, Stellung zu beziehen und sich für eine bessere Welt einzusetzen. Deswegen heißt es im Refrain: „Es gibt so-so-so-so viel, so viel zu tun, so viel zu bewegen./ Wir sollten endlich aufstehen und loslegen.“

Noch deutlicher wird Kimoe mit Mr. Reedoo und Johnny Strange von Culcha Candela, die gemeinsam die ’Kriegstreiberpolitik’ vieler Machthaber verurteilen. In dem Song geht es darum, dass es Menschen in Führungspositionen gibt, die Urteile fällen, mit denen sie Kummer und Leid bringen, aber denen sie selbst nicht ausgesetzt sind. „Während andere Menschen zum Beispiel hungern oder leiden, weil sie von diesen Entscheidungen direkt betroffen sind, sitzen die Entscheidenden zu Hause in ihrer heilen Familienidylle und essen mit ihren Kindern zu Abend. Dabei kannst du den Begriff ’Kriegstreiberpolitik’ gerne auch von dem Krieg gegen Menschen auf den ’Krieg’ gegen die Natur übertragen. Egal ob Kriege oder die Abholzung der Regenwälder, da sitzen Menschen, die diese einreißenden Entscheidungen treffen und oftmals scheinbar einfach zu kurzsichtig sind oder moralische Aspekte außen vor lassen. Sehr fatal!“

Doch Kimoe will mit solchen kritischen Songtexten anderen lieber Mut als Angst machen – nicht umsonst heißt das Album ja auch ’Streben nach Glück’. „Ich hatte mich mit der ’I have a dream’-Rede von Martin Luther King auseinander gesetzt, wo an einer Stelle der Begriff ’persuit of happiness’ fällt. Irgendwann kam dann der Film ’Das Streben Nach Glück’ raus. Der Titel war also genau die Zeile, die mich so beschäftigt hat. Ich fand es unheimlich beeindruckend, wie sehr die Hauptrolle trotz der miserablen Lage für sein Ziel gekämpft hat – und ganz wichtig: auf einer hochmoralischen Art. Für zig Menschen wäre das der Punkt gewesen, wo sie in die Illegalität abgerutscht wären. Er nicht. Ich bin auch immer jemand gewesen, der hart für das gekämpft hat, was er wollte.“

Genauso erklärt er in dem Song ’Selbstbewusstsein 2008’, der ursprünglich auf ’Ein Neuer Morgen’ zu hören war, und mit zum Beispiel ’Sternstunden Int.’ und ’Die Hoffnung Stirbt Zuletzt’, dass Aufgeben keine Option ist. „Der Song ’Die Hoffnung Stirbt Zuletzt’ beschreibt das ganz gut. Das ist der Song, wo auch die Redewendung aus der King-Rede verarbeitet wurde, was den Kreis schließt. Guck dir meine Entwicklung an: Inzwischen laufen Songs von mir im Radio, ich bekomme Berichte in Magazinen, war Support für Sean Paul und Culcha Candela und habe auch auf großen Festivals gespielt. Dafür habe ich hart gearbeitet. Ich habe mir über Jahre hinweg erst einmal einen Namen gemacht. Viele verbringen erst einmal viel Zeit mit Nichtstun, weil sie sich vor neuen Hürden scheuen. Dabei merken sie gar nicht, dass sie in der Zeit schon viel hätten erreichen können. Ich für meinen Teil strebe nach Glück und hoffe, dass sich das ganze Puzzle irgendwann zusammensetzt!"

Fazit: Wenn Kimoe mit ’Streben Nach Glück’ jetzt nicht erntet, was er gesät hat, kann das nicht mit rechten Dingen zugehen. Auf dem Album macht er schließlich alles richtig. Hier die Dancehall-Beats, da die ruhigeren Reggae-Tunes, tolle Gäste von Jah Meek (Söhne Mannheims) bis Rapper Dra-Q und Themen von Party über (enttäuschte) Liebe bis Politik. Highlight!

Mehr Infos: http://www.kimoe.de

CD voraussichtlich ab 8. August 2008 im Handel erhältlich.

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