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11. November 2008 2 11 /11 /November /2008 14:50

Shwayze hier, Shwayze da! Nicht nur die Band heißt so wie der Rapper der Crew. Um die Verwirrung komplett zu machen, bekam auch das Album keinen eigenen Namen. Shwayze hoch 3, sozusagen! Herausgekommen ist dabei zwar nicht unbedingt Musik der dritten Dimension, aber zumindest eine stimmige Spätsommerplatte. Malibu lässt grüßen!

„Wir haben kurz über einen Bandnamen nachgedacht, aber Shwayze gefiel uns beiden schon am Besten“, erklärt der MC den Weg zur Namensfindung. „Ich heiße zwar Shwayze, aber als ich mit Cisco unser gemeinsames Projekt gestartet habe, nannten wir es der Einfachheit halber auch Shwayze. Den kreativen Prozess haben wir beide gemeinsam gestaltet. Manchmal unterstützt uns noch DJ Skeet Skeet bei Bedarf.“

Das Ergebnis dieses kreativen Prozesses erinnert etwas an Crossover-Projekte aus Rap und Pop wie Fort Minor, Flobots oder Flipsyde. Was allerdings weitestgehend fehlt, ist das politische Engagement. Dafür treffen entspannte Raps auf gesungene Parts. Der Erfolg der beiden Singles 'Buzzin' und 'Corona And Lime', die es bis in die Top50 der „Billboard Hot 100“-Charts schafften, gibt dem Genre-Mix aber unbedingt Recht.

Bei 'Corona And Lime' gibt sich Shwayze dann doch mal kämpferisch und will es gleich auf der Straße austragen, wenn jemand seinen Stil nicht mag: „Baby, will you be my Corona and Lime - And I will be your main squeeze./ And if your brother don't like my style – we can it take it to the street.“

Dabei ist das Wiedertreffen vor der Tür aber wohl eher im musikalischen Wettstreit gemeint. Fäuste müssen nicht fliegen: „Das kann zwar in beiden Richtungen gedeutet werden, denn es geht ja schon ums Kämpfen, aber eher im übertragenden Sinne. Wir beide sind absolut keine Kämpfernaturen. Daher ist eher ein Witz. Wir drücken uns lieber mit unserer Musik aus.

In 'Hollywood' klingt dann doch noch so was wie Konsumkritik an, wenn sich Shwayze in seinen Lyrics fragt, was der ganze schöne Schein eigentlich soll: „Hollywood ain’t no place for lovers anymore – and it ain't no place for us./ Hey yo, what the hell am I rhyming for?/ Designer clothes and designer whores, designer cars and designer doors, designer kitchen and designer drawers./ Hell no!“

Der Oberflächlichkeit der dortigen Party-Szene möchte Shwayze etwas mehr Persönliches entgegen setzen: „In Hollywood triffst du ständig die gleichen Leute in den Clubs jede Nacht. Deswegen sagen wir den Mädels, dass sie lieber mal mit uns Party machen sollen. Aber alle Texte sind natürlich gerne auch anders interpretierbar.“

Eindeutig ist allerdings der Titel 'James Brown Is Dead'. Der 2006 verstorbene Sänger ist für ihn einfach einer der größten Entertainer aller Zeiten. „Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen. In dem Stück geht es aber eher um die Musikindustrie. James Brown war ja der 'Godfather of Soul'. Er hat aus Songs Hits gemacht. Mit ihm ist für mich auch ein Teil dieser Seele aus der Musik verschwunden.“

Fazit: Schade, dass das Album erst jetzt erscheint, schließlich ist es der fast perfekte Soundtrack zum Sommer. Aber vielleicht rettet der leicht eingängige Mix ja auch das coole Chill-Out-Gefühl noch in die Lounges der Clubs – oder in das heimelige Wohnzimmer.

Mehr Infos: http://www.shwayze.com

CD voraussichtlich ab 14. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Flobots – Fight With Tools

Thomas D – Kennzeichen D

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6. November 2008 4 06 /11 /November /2008 16:23

2005 veröffentlichten Schwefelgelb ihre erste EP – inklusive dem Stück ’My Pornoshow’, das gleich auf mehreren Compilations landete. Es folgten weitere EPs, Remixe und Sampler-Beiträge. Mit ’Alt und neu’ kommt nun das erste Album von Sid und Eddy in die Läden – und macht dabei keine Kompromisse!

Schon gleich das erste Stück ’Schwer zu verstehen’ macht einem den Einstieg in die Platte nicht allzu leicht. Zumal der Titel passend gewählt ist. Sowohl akustisch als auch inhaltlich sind die Lyrics eher schwer zu verstehen. Die Beats hämmern, der Gesang ist verzerrt, der Sound ätzt. Trotzdem – oder gerade deshalb – macht das Stück schon Spaß. Mediengruppe Telekommander lassen grüßen!

’Stein Auf Stein’ geht in eine ähnliche Richtung und ist deshalb passender Weise als Single ausgewählt worden, zu der auch ein Video produziert wurde. Das eine Outfit mit schwarzen Stiefeln, Melone und Vorschlaghammer erinnert dabei etwas an Alex aus ’Clockwork Orange’ – Aggressionspotenzial inklusive. Immerhin wird dann ja auch ein ganzes Zimmer auseinander genommen. Inhaltlich geht es in dem Songtext aber wohl eher um den positiven Gedanken, einen Neuanfang zu wagen: „Die Trümmer deiner Stadt sind endlich verbrannt./ Stein auf Stein!/ Wir machen aus der Asche einen Diamant./ Stein auf Stein!/ Wir fangen wieder an!“

Also ab jetzt doch alles „neu“? Nicht ganz! Das Wort „alt“ im Titel bezieht sich nämlich nicht nur auf die musikalischen Einflüsse wie 80er New Wave, NDW und Punk, bei denen sich Schwefelgelb bedienen. Auch einige Stücke erschienen davor schon mal auf der EP ’Zehn Schuss, kein Treffer’. Macht aber nichts, da die Tracks auf jeden Fall mehr Zuhörer verdient haben.

Neben dem Titeltrack ’Zehn Schuss, kein Treffer’ waren auf der EP bereits ’Spiegelein, Spiegelein’, ’Dann ist das gut’ und ’Ey Puppe’ zu hören. Letzteres beschäftigt sich mit dem Schönheitswahn einiger eitler Modepüppchen: „Komm, wir spielen!/ Deine Perücke – gut gestylt!/ Ein bisschen Botox gut verteilt./ Alle Narben gut verheilt./ Aber es steht dir sehr gut!/ Ey Puppe!“

Fazit: Auf ’Alt und neu’ geben die beiden Elektro-Punks ordentlich Gas und werden damit nicht nur alte Fans wie die Kollegen von Shitdisco begeistern, sondern bestimmt auch neue dazu gewinnen. Wer übrigens Schwefelgelb erstmal in kleiner Dosis antesten will, kann auch zum Sampler ’Müssen alle mit 5’ greifen. Neben ’Ich hab dich gesehen’ ist auch noch auf der Bonus-CD der bisher unveröffentlichte „Super Commodore“-Remix von ’Ich nehm den Mund zu voll’ enthalten.

Mehr Infos: http://www.schwefelgelb.de

CD voraussichtlich ab 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Spillsbury – Auf zum Atem
Deichkind – Arbeit nervt

Live und in Farbe 2008: 8.11. Neukirchen – Saegewerk *** 21.11. Aachen – Jakobshof (Album Release Party) *** 22.11. Kamen – CRIOstudios / GMT 5.0

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4. November 2008 2 04 /11 /November /2008 23:48

Obwohl es sich bei 'Paragraph 31' um das Debütalbum von Yassir handelt, konnte er schon so einige von sich überzeugen. Allen voran Jonesmann, der ihn auf sein Label 'Echte Musik' holte. Aber auch Azad, der im Video zu 'Prison Break Anthem' ein Shirt mit seinem Schriftzug trug. Wobei das in ihn gesteckte Vertrauen durchaus berechtigt ist, wie er jetzt beweist. Gleich das erste Stück 'Mein Leben' zeigt die Qualitäten des Frankfurter MCs auf. Er redet offen und ehrlich in den Lyrics über seine kriminelle Verganenheit, ohne sie aber zu glorifizieren: „So tief sink ich nicht wieder, ich dachte nie an morgen./ Diese Zeit war wirklich widerlich und vollgestopft mit Sorgen./ Ich habe wirklich alle Drogen, die es gibt, verkauft./ Hab gelogen und betrogen und so viele Jungs verhauen./ Das ist nichts, mit dem ich prahlen kann, ich bin darauf nicht stolz.“

Dass die Botschaften in seinen Songtexten Yassir wirklich wichtig sind, ist auch daran zu erkennen, dass er sie alle im Booklet abdrucken ließ. Dabei macht er sich auch mal locker wie auf dem Track 'Es Ist Meine Zeit', auf dem ihn Manuellsen, Josof und Harris unterstützen, der hier über seine Anfänge berichtet: „Ich hab gar nicht gewusst, was rappen ist, bis ich NWA hörte und fragte: Ey Bubu, was ist'n dies?/ Ich danke meinem Cousin bis heute dafür – und Rasmus auch, die Beiden öffneten mir diese Tür."

Den Beat dafür liefert Phrequincy, weitere gut geerdete Instrumentale kommen von Brisk Fingaz, Lex Barkey, Sti, Martelli, Benny Blanco sowie M3 & Noyd, die ja auch für Azad das 'Prison Break Anthem' eingetütet haben. Zudem hat sich fast halb Frankfurt auf der Platte verewigt, um Yassir Respekt zu zollen – von Sezai über Blaze, Solo, Hanybal, Jeyz und D-Flame bis hin zu Tone. Auf der ersten Single 'Kämpfersong' gibt sich dann noch Jonesmann die Ehre, den Refrain zu singen: „Das hier ist ein Kämpfersong. Yeah, ich steh auf und kämpfe für mein Leben./ Denn ich hab genug gesehen, und ich will nicht verbluten gehen.“

Im Titeltrack beschuldigt Yassir einige ehemalige Freunde im Songtext, ihn verraten zu haben. Der Paragraph 31 des Betäubungsmittelgesetzes regelt „Strafmilderung oder Absehen von Strafe“. Demnach können wohl Mittäter besser wegkommen, wenn sie bei der Aufklärung des Verbrechens helfen. In den USA nennen sie das wohl Snitching ("petzen"). Yassir stellt das so dar: „Er ist zur Zeit in Mode, der verräterische Trend./ Der scheinbar beste deiner Homies ist dann der, der dich verbrennt.“ Doch es gibt ja auch das berechtigte Whistleblowing – das rechtzeitige Ziehen der Notbremse, um die eigene Existenz zu schützen. Wie es sich jetzt genau in dem Fall verhält, weiß ich natürlich nicht. Derzeit befindet sich Yassir jedoch noch immer hinter Gittern.

Fazit: Das ist kein Gangstarap, das ist 'Knast-Rap'! Hart, ehrlich, gut – und vor allem ohne den Anschein zu erwecken, dass Verbrechen sich lohnt. Yassir ist textlich und technisch gut genug, um wirklich zu berühren. Mit 'Paragraph 31' könnte er es daher wirklich schaffen, den 'Teufelskreis' zu durchbrechen.

Mehr Infos: http://www.yassir.de

CD seit 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

 

 

 

Das könnte dazu passen:
Blaze – Schocktherapie
Various – Ecko Unltd. Vol. 1 (German Edition)

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29. Oktober 2008 3 29 /10 /Oktober /2008 22:20

 

 

 

Statt neun Monaten mussten die Fans von Q-Tip gute neun Jahre auf ein neues Album warten. Da passt es ja, dass er es ’The Renaissance’ genannt hat. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet Wiedergeburt. In diesem Sinne: Welcome back!
Nachdem A Tribe Called Quest 1998 ihre letzte gemeinsame Scheibe veröffentlichten, erschien bereits kurz darauf die erste Solo-CD ’Amplified’ von Q-Tip. Obwohl das Werk von vielen Kritikern als etwas zu glatt eingestuft wurde, hatte wohl niemand erwartet, dass der New Yorker MC sich danach für fast ein Jahrzehnt rar machen würde.

Allerdings kamen in der Zeit danach auch regelmäßig Tracks von ihm raus. Mal half er der Rockgruppe R.E.M. beim Stück ’The Outsiders’, mal den Electro-Produzenten Chemical Brothers bei ’Galvanize’. 2006 folgte dann zum Beispiel noch ’The Frog’ mit dem brasilianischen Piano-Altmeister Sergio Mendes und dieses Jahr ’Sandcastle Disco’ für das bisher nur als Import erhältliche Album von Solange Knowles, der kleinen Schwester von Beyonce. Bei dieser Bandbreite war kaum klar, was einen nun auf ’The Renaissance’ erwarten könnte.

Umso größer ist die Überraschung, dass Q-Tip auf einen ziemlich geradlinigen Retro-Sound setzt. Die Eckpfeiler sind HipHop, Funk, Jazz und Soul – umgesetzt mit einer warmen Live-Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug. Erste Single ist ’Gettin’ Up’, bei der sich Q-Tip bei ‘You And I’ von Black Ivory bedient hat, was auch im Songtext etwas aufgegriffen wird: „You and I advance, certainly we can expand – feelings that should never end./ And you respect me like a friend but love me like your man – no other could contend.”

Ein Video existiert außerdem schon für ’Move’ – das einzige Lied, das Q-Tip nicht selbst produziert hat. Stattdessen ist das Stück ein Erbe seines langjährigen Freundes J Dilla aka Jay Dee, der im Februar 2006 mit 32 Jahren verstorben ist. Für den Track bediente sich der überaus beliebte Produzent bei The Jackson 5 und schnappte sich ein Sample von ’Dancing Machine’. Gesangliche Gäste auf ’The Renaissance’ sind zudem Norah Jones, D’Angelo, Amanda Diva und Raphael Saadiq.

Wer fehlt, ist Barack Obama – obwohl er von Q-Tip bereits in Interviews angekündigt wurde. Oder ich habe einfach seinen Beitrag auf der CD überhört. Dafür zollt Q-Tip in ’Life Is Better’ einer ganzen Reihe von MCs Tribut wie in einem ’Hyper Hyper’ des HipHop. Kool Herc, LL Cool J, Ludacris, Biz Markie, BDP, Eazy E, Large Professor, OutKast und unzähligen weiteren Rappern wird Folgendes gesagt: „Life is better – since I found you.“

Trotzdem geht es bei Q-Tip natürlich nicht nur um Love, Peace & Happiness. Über Weltbürger, Billiglöhne, Zulu-Bewegung und Verschwörungstheorien („They watching you“) rappt Q-Tip auf dem funky eingespielten ’Manwomanboogie’, das sich auf ’Aspectacle’ der deutschen Rockgruppe Can von 1979 bezieht. In ’We Fight/We Love’ erzählt er dann noch die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Freundin zurück lässt, um in den Krieg zu ziehen gegen ein Land, in dem sich die Leute mit „Salam“ begrüßen. Im Refrain heißt es dazu: „We fight and love so much./ Sometimes I get confused with who we are.”

Fazit: Erst war ich etwas enttäuscht, dass Q-Tip nicht die zahlreichen Einflüsse verarbeitet, die er in den letzten Jahren gesammelt hat. Aber auch wenn sich die Soundästhetik in einem eher klassischen Umfeld der Black Music bewegt, ist es natürlich wie sooft bei ihm, dass einen irgendwann der Groove packt und das Album mit jedem Hören wächst.

Mehr Infos: http://www.qtiponline.com

CD voraussichtlich ab 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Various - Sex and the City Volume 2
Various – Calypsoul 70

 

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22. Oktober 2008 3 22 /10 /Oktober /2008 08:37

Gib dem Affen Zucker! Spring! Spür die Wut! Schlag die Faust gegen die Wand! Mach kaputt, was dich kaputt macht! Oder mach aus alt neu! So wie Prinz Pi! The Artist formely known as Prinz Porno ist endgültig Geschichte. Zumindest ist es nicht mehr nötig, das auf dem Cover zu erwähnen! Denn jetzt regiert der 'Neo Punk'!

Wobei die Fans der alten Sachen keine Angst haben müssen. Gleich im ersten Stück 'Super Seiajin', dessen Titel anscheinend von der Manga-Serie 'Dragon Ball' inspiriert ist, zitiert Pi einige klassische Zeilen. Los geht es mit „It's still bigger than HipHop“ von Dead Prez, bevor sein eigener traditioneller Einleitungssatz – bekannt aus unter anderem 'Keine Liebe', '!Donnerwetter!' und 'Keine Idole' – ins Gedächtnis gerufen wird: „Ich reduzier' mich auf das Minimum!“

Ansonsten bezieht sich der Berliner Rapper in dem Songtext unter anderem auf den Erfurter Amokläufer Robert Steinhäuser, auf den Fantasy-Epos 'Herr der Ringe' („Neo Punk - wir sprühen es hin, und am Hals haben wir den glühenden Ring.“), den Comedian Mario Barth und die Simpsons („Ich schmeiß mit einem Meilenstein deine Scheibe ein, meine Spuren an der Decke wie vom Spiderschwein.“).

Alles ist Pop! Oder eben Techno, wie bei der ersten Single 'Gib dem Affen Zucker' ja in den Lyrics ohne große Umschweife zugegeben wird: „Ich nehm einen Technobeat, mit brettharten Synthesizern./ Und mache Arschbombe in Bettlaken Münchner Weiber!“ Auch hier reichen die kulturellen Bezüge von 'Hänschen Klein' bis zu 'Der Pate' und landen über den unglaublichen 'Hulk' schließlich beim Dekonstruktivismus – wo reine Formen benutzt werden, um schiefe Kompositionen zu schaffen. Klingelt's?

Ob Politik oder Konsolenspiel – alles hat seine Spuren hinterlassen. Bei 'Affen An Die Macht' sind es eben Georg W. Bush und Super Mario, dessen Anfeuerungsruf ja auch schon Kool Savas und Laas Unltd. zu 'Lettzeee Gooo (L.A.A.S.A.V.A.S.)' inspiriert hat.

Geholfen dabei, dieses wahnwitzige Werk zu erschaffen, haben neben dem Hauptproduzent Biztram noch Casper, DJ Craft von K.I.Z., Bina und The Royals, die bei dem orientalisch angehauchten 'Schläferstündchen' die Co-Produktion übernehmen durften. Der Songtext greift den Sound auch passenderweise etwas auf: „Okzident - Orient, richtig und falsch, muslimisch - christlich, es knallt - wenn sie es sagen./ Wer sie sind? Sie sind Magnaten, Banker und Illuminaten.“

Fazit: Der Wahnsinn hat Methode – und trifft damit voll ins Schwarze. Wenn die Revolution einen Soundtrack braucht, hat Prinz Pi hier mit 'Neo Punk' einen mehr als gut gelungenen Beitrag dazu abgeliefert.

Mehr Infos: http://www.prinzpi.biz

CD voraussichtlich ab 24. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Kool Savas – Die John Bello Story 2
Deichkind – Arbeit Nervt
Flobots – Fight With Tools

Live und in Farbe 2008 mit Casper sowie Maeckes & Plan B: 26.11. Braunschweig – Jolly Joker *** 27.11. Bremen – Modernes *** 28.11. Hamburg – Markthalle *** 30.11. Potsdam – Waschhaus *** 3.12. Duisburg – Hundertmeister *** 4.12. Köln – Underground *** 5.12. Münster – Skaters Palace *** 6.12. Weinheim – Cafe Central *** 7.12. Frankfurt – Batschkapp *** 8.12. Trier – Exhaus *** 10.12. Saarbrücken – Roxy *** 11.12. Freiburg – Jazzhaus *** 12.12. Bern (CH) – Reitschule *** 13.12. Basel (CH) – Kaserne *** 14.12. Stuttgart – Longhorn *** 15.12. Augsburg – Alte Kantine *** 17.12. München – Backstage *** 18.12. Innsbruck – tba *** 19.12. Graz (A) – tba *** 20.12. Wien (A) – tba

 

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16. Oktober 2008 4 16 /10 /Oktober /2008 21:21

Der erste Teil der ’John Bello Story’ war für Kool Savas 2005 ein voller Erfolg. Es wurde kurzerhand das erfolgreichste Mixtape der deutschen Rap-Szene. Wobei es eigentlich fast eine Mogelpackung war, denn über die Geschichte von Bello wurde kaum ein Wort verloren. Nun kommt die Fortsetzung in die Läden – und bringt ein klein bisschen mehr Licht ins Dunkel.

Jedenfalls gibt es einen Titel namens ’Bellomann’, der zumindest zeigt, was ’Bello’ ist: „Wir sind anders als diese Typen – wir sind ’Bello’./ Jede Zeile ist – ’Bello’, jedes Album ist ’Bello’./ Nur labern, haten und nichts schaffen ist nicht – ’Bello’.“

Gut, wäre schon mal das geklärt. Auch bei der Frage, ob Savas noch der ’King Of Rap’ ist, fällt die Antwort eindeutig aus. Wie Moe Mitchell im Refrain zur bombastisch untermalten Single ’Krone’ bemerkt, versuchen zwar viele, Savas das Zepter streitig zu machen. Geschafft hat es aber bisher keiner: „Sie werfen Steine auf meinen Thron – bis ein Zacken aus der Krone bricht./ Sie hoffen und sie beten, dass ich fall, doch ich bleibe auf meinem Thron – und sie kriegen diese Krone nicht!“

Auffälig bei der ’John Bello Story 2’ ist, dass es sich dabei eigentlich gar nicht um ein reguläres Mixtape handelt. Statt wieder einfach skizzenartig unzählige Tracks raus zu hauen, wurden diesmal richtige Songs ausgearbeitet. Auf das übliche Vorgehen, beliebte Ami-Beats zur musikalischen Untermalung zu nutzen, wurde diesmal auch verzichtet. Zitiert wird aber trotzdem gerne – zum Beispiel ’Umbrella’ von Rihanna in ’Bellomann’.

Ein anderer Bezug, den Savas noch herstellt, ist der zu ’Harry Potter’. Das Stück ’Voldemort’ von der Bonus-CD wagt das Undenkbare im Songtext und ruft ’Du weißt schon wen’ bei dem Namen, der nicht genannt werden darf. Mal schauen, ob das ähnliche Reaktionen hervorruft, wie der Song ’Der Halbblutprinz’ von seinem kleinen Bruder Sinan.

Neben den ansonst eher üblichen Battletexten gibt es aber auch noch den Konzeptsong ’Holiday Hoe’. In den Lyrics lassen Savas und Franky Kubrick Ferienstimmung aufkommen – Big Pun lässt grüßen, wenn der Bellomann am Ballermann feiert: „Frühstück um 16 Uhr – ficken mit 16 Huren./ Mütter, die dir kurz einen rütteln im Hotelflur./ Nur manche Bräute verlieren sich schnell und fucken ab./ ’Oh Babygirl, I ain’t a player, I just fuck a lot’./ Sie ist eine Urlaubsschlampe, eine Holiday Hoe./ Sie stellt sich am Strand zur Schau.“

Fazit: Savas hat sich nach seinem eigenen Album ’Tot Oder Lebendig’ locker gemacht und noch einmal die Optik Army zusammengetrommelt. Tiefsinniges darf da natürlich nicht erwartet werden, aber Spaß macht’s schon. Dass dies offiziell die letzte Scheibe von ’Optik Records’ ist, kann somit auch mit einem lachenden und nicht nur mit einem weinenden Auge gefeiert werden.

Mehr Infos: http://www.optikrecords.de

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Curse – Freiheit
Blaze – Schocktherapie

Live und in Farbe 2009: 5.1. Osnabrück – Rosenhof *** 6.1. Frankfurt – Batschkapp *** 7.1. Mannheim – Feuerwacheh *** 8.1. Saarbrücken – Garage *** 9.1.09 Lindau – Club Vaudeville *** 10.1. Würzburg – Soundpark Ost *** 11.1. Bochum – Zeche *** 13.1. Leipzig – Moritzbastei *** 14.1. Hamburg – Fabrik *** 15.1.
Bremen – Modernes *** 16.1. Hannover – Capitol *** 17.1. Dresden – Alter Schlachthof *** 18.1. Wien (A) – Planet Music *** 20.1. Nürnberg – Hirsch *** 21.1. Stuttgart – LKA Longhorn *** 22.1. Freiburg – Jazzhaus *** 23.1. Basel (CH) – Kaserne *** 24.1. Zürich (CH) – Dynamo *** 25.1. München – Backstage *** 27.1. Kassel – Nachthallen *** 28.1. Fulda – Kreuz *** 29.1. Köln – Essigfabrik *** 30.1. Münster – Skater's Palace *** 31.1. Berlin – Huxley's

 

 

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16. Oktober 2008 4 16 /10 /Oktober /2008 21:19

In seinem Blog unter Motor.de freut sich Tim Renner, Chef der ’Motor Entertainment GmbH’, dass nach den durchaus guten CDs von Rainer von Vielen, Herrenmagazin und PeterLicht nun wieder mal ein echter Knaller bei ’Motor’ erscheint. ’The Colour Of Snow’ hat nämlich das Potenzial, deutlich höhere Chartspositionen zu erreichen: „Bei Polarkreis 18 sind wir bei ’Motor’ schon fast verunsichert, wie gut und schnell alles läuft.“

Toll ist bei Tim Renner und Motor.de aber auch, dass auf der eigenen Seite trotzdem eine Pro- und Kontra-Debatte angestoßen wird, was die musikalische Entwicklung der Dresdner Band angeht. Zuletzt spalteten nur The Aim Of Design Is To Define Space die Redaktion in ähnlicher Weise. Autorin Jennifer Beck treibt es bei Polarkreis 18 zwar wieder die Tränen in die Augen – allerdings nicht vor Begeisterung: „Vielmehr weil man lachen muss. Über den neuesten Treppenwitz namens Synthie-Pop, den Polarkreis 18 in zehn völlig blassen Songs auf die Spitze treiben.“

Aha! Zeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Sänger Felix Räuber, Gitarrist Philipp Makolies, Keyboarder Silvester Wenzel, Bassist Uwe Pasora, Schlagzeuger Christian Grochau und Trompetenspieler Ludwig Bauer gehen diesmal fokussierter vor. Verglichen mit Stücken wie ’Look’ oder ’Dreamdancer’ von ihrer letztjährigen Debütscheibe, bei der die Ideen noch nicht ausgefeilt genug erschienen, um wirklich im Gedächtnis hängen zu bleiben, fabriziert das Sextett nun echte Ohrwürmer. Allen voran natürlich ’Allein Allein’.

Der Einfall, einen deutschen Satz in den Refrain zu packen, teilt aber entschieden die Meinungen. Einige denken, damit soll das eigene Land stärker bedient werden, andere fühlen sich aus dem Takt gebracht. Aber vielleicht ist genau dieser Kunstgriff das Geheimnis des Erfolges. Schließlich hat es auch Blur bei ’Girls And Boys’ nicht geschadet, die eigenen deutschen Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis zu stellen („Du bist sehr schön“). Spannend ist auch, dass die Aussage bei Polarkreis 18 durchaus etwas paradox ist: „We look into faces – wait for a sign./ Wir sind allein. Allein, allein.“

Aufgegriffen wird diese Technik noch einmal in ’Tourist’, das mit einem rhythmischen Schienentackern beginnt. Der schöne Popsong erinnert mich dabei etwas an den Achtzigerjahre-Hit ’Smalltown Boy’ von Bronski Beat. Das Video passt ja auch zum Thema: „The tourists are on a train – so far away./ […]./ Wir kommen nirgendwo an.“

Dritter im Bunde ist dann das beatlastige ’Prisoner’, das es übrigens derzeit unter Myspace.com/polarkreis18 für diejenigen zum Free Download gibt, die sich für den Newsletter eintragen. Lustigerweise fragt Felix Räuber darin: „Wann hört das auf?“ Also meinetwegen gar nicht. Es könnte stattdessen sogar ruhig mal ein ganzer Song in der eigenen Muttersprache verfasst werden. Fände ich spannend.

Genauso spannend fände ich einen Remix von Seeed-Sänger Peter Fox. Anknüpfungspunkte sind ja durchaus vorhanden. So wie er für seine Solo-CD nutzen zum Beispiel auch Polarkreis 18 das Filmorchester Babelsberg für die Umsetzung ihrer musikalischen Vision. Zudem werden unzählige Chöre eingesetzt, um epische Stimmungen zu erzeugen – selbst wenn wenig Zeit bleibt, weil das Instrumentalstück ’Untitled Picture’ gerade mal zwei Minuten lang ist.

Fazit: ‘The Colour Of Snow’ lädt zum Tanzen und Träumen ein. Widersprüche werden verwischt: Schnee – schwarz! Kälte – Zärtlichkeit! Wir – allein! Der Sound erzeugt Bilder für das Kino im Kopf. Film ab!

Mehr Infos: http://www.polarkreis18.com

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Travis – Ode To J. Smith
Peter Fox – Stadtaffe

Live und in Farbe 2008: 27.10. London (UK) – Blow Up Metro *** 25.11. Potsdam – Waschhaus *** 26.11. Hamburg – Übel & Gefährlich *** 27.11. Den Bosch (NL) – W2 *** 28.11. Amsterdam (NL) – Paradiso *** 29.11. Köln – Gebäude 9 *** 1.12. Leipzig – Werk 2 *** 2.12. München – Ampere *** 3.12. Innsbruck (A) – Weekender *** 5.12. Wien (A) – Flex *** 10.12. Kopenhagen (DK) – Loppen *** 11.12. Arhus (DK) – Voxhall

 

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16. Oktober 2008 4 16 /10 /Oktober /2008 15:14

2004 debütierte die in Hamburg lebende Sängerin mit dem Album ’Boheme’, gelangte damit bis auf Platz 3 der deutschen Charts – und überholte damit sogar noch die dazugehörige Single ’Das Spiel’, die es auf Platz 5 schaffte. Zwar blieben alle darauf folgenden Singles weit hinter dieser Leistung zurück, aber dafür waren die nächsten zwei Alben mindestens genauso erfolgreich. Die Messlatte für ’Teilzeithippie’ liegt also verdammt hoch!

 

Vielleicht knüpft deshalb der Songtext des ersten Stücks ’Das Schlechte Gewissen’ bei ’Das Spiel’ an. Eine feste Beziehung ist noch immer nicht das Ziel. Annett Louisan will doch nur spielen, wie dieser sanfte Popsong betont: „Ein nüchterner Morgen erwacht./ Dein schlechtes Gewissen ruft Stress auf den Plan, und rächt die durchtriebene Nacht./ Aber niemand konnte es sehen, niemand konnte es hören./ Wenn es keiner weiß, dann wird es auch keinen stören.“

 

Auch bei ’Sexy Loverboy’ geht es darum, dass Monogamie nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Dabei erinnert das Lied mit der swingenden Musik etwas an ’I’ll Be There For You’ von The Rembrandts, das als Titelmelodie der Sitcom-Serie ’Friends’ bekannt ist. Inhaltlich geht es in den Lyrics darum, dass sich Partner und Liebhaber doch ruhig mal treffen könnten: „Dass Liebe eine Primzahl ist und völlig linear.../ Dass man sie nicht teilen und nicht streuen kann hier und da.../ Zeig mir, wo das steht.“

 

Der von ihrem langjährigen Komponisten Hardy Kayser geschriebene Shuffle-Song ’Die Siezgelegenheit’ dreht sich im Grunde ebenfalls nur um das Eine: „Er sagt Sie’ zu mir, das mach ich mit – das ist brisant wie Dynamit./ Denn das erlaubt zwischen den Zeilen – pikante Dinge mitzuteilen./ Leicht transportiert man auf dem ’Sie’ – Erotik und Diplomatie./ Das ist die Siezgelegenheit – und ich bin heute sehr siez-bereit.“

 

Dass sich Annett Louisan als erste Single jedoch für ’Drück die 1’ entschieden hat, ist da fast schon verwunderlich. Schließlich geht es darin um das Ende einer Beziehung. Den ehemaligen Freund schickt sie dabei spaßiger Weise wie bei einer Service-Hotline in die Warteschleife. Das Video dazu setzt diese Idee schick um und präsentiert die Sängerin als Telefonistin mit braunem Bob-Haarschnitt, enger Bluse und Minirock: „Wenn du Probleme hast mit deiner neuen Frau. Ist deine Kohle weg, sind deine Haare grau./ Ist es die Einsamkeit, die dir zu schaffen macht – drück die 8./ Brauchst du Hilfe bei der Frage, wie´s mir geht in meiner Lage, ob ich Gefühle für dich hege oder Groll./ Wieviel ich dir glauben sollte, was ich jetzt noch von dir halte und wie oft mir so was noch passieren soll – drück die 0!“

 

In Balladen wie ’Wir Nicht’ wird das Thema noch einmal in anderer Art aufgegriffen. Hier reagiert Annett Louisan nicht trotzig, sondern traurig auf die gescheiterte Partnerschaft. Mit ’Gekommen Um Zu Sagen’ klingt sie sogar etwas nach Silbermond und Co. Der Titelsong ’Teilzeithippie’ bringt die Leichtigkeit aber wieder zurück und fordert augenzwinkernd dazu auf, eine Revolution zu starten, einfach aus dem System auszusteigen und die freie Liebe zu feiern.

 

Fazit: Wie in der ’Bravo’ dreht sich bei Annett Louisan (fast) alles um Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Bei der charmanten und abwechslungsreichen Darbietung auf ’Teilzeithippie’ ist das Ganze aber so unverkrampft, dass niemand ein schlechtes Gewissen nach dem Genuss dieser Platte haben muss.

 

Mehr Infos: http://www.annettlouisan.de

 

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Jacques Palminger And The Kings Of Dub Rock – Mondo Cherry

Chapeau Claque – Fabelweiss

 

Live und in Farbe 2009: 28.1. Haslach i.K. – Stadthalle *** 29.1. Augsburg – Stadthalle Gersthofen *** 30.1. Frankfurt – Alte Oper *** 1.2. Braunschweig – Stadthalle *** 2.2. Bremen – Congress Center *** 3.2. Stade – Stadeum *** 4.2. Halle/Salle – Händelhalle *** 6.2. Gera – Kultur- und Kongresszentrum *** 7.2. Erfurt – Messe *** 8.2. Hannover – AWD Hall *** 9.2. Chemnitz – Stadthalle *** 11./12.2. Berlin –Tempodrom *** 15.2. Rostock – Stadthalle *** 16.2. Lübeck – MuK *** 17.2. Bielefeld – Stadthalle *** 18.2. Cottbus – Stadthalle *** 28.2. München – Deutsches Theater (Tour wird fortgesetzt)

 

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15. Oktober 2008 3 15 /10 /Oktober /2008 11:57

Die 'Electric Super Dance Band' ist zurück – und macht weiterhin, was ihr Spaß macht. Deichkind arbeiten aber gleichzeitig daran, aus der Band ein Wirtschaftsunternehmen wie die deutsche Blue Man Group zu erschaffen. Die CD 'Arbeit Nervt' ist dabei nur die Visitenkarte, um die Leute auf sich aufmerksam zu machen!

„Es ist so, dass wir da auch einen neuen Wirtschaftszweig anstreben. Eine Art Franchise-Unternehmen, bei dem wir neue Gruppen bilden wie 'Deichkind Junior' oder 'Deichkind International'. Dann können wir andere Leute in unserem Korsett auf die Bühne schicken – wie bei der Blue Man Group“, erklärt Philepp die Entwicklung Deichkinds. „Wir definieren uns nicht mehr als Band, sondern als Unterhaltungsgruppe. Zum Beispiel überlegen wir auch, ob wir großen Betrieben anbieten sollen, dass ihre Mitarbeiter als Team mit einem eigenen Auftritt bei einer Deichkind-Tour gestärkt werden. Sonst machen sie ja so Sachen wie Bungeejumping und Wildwasserfahrten. Der Sinn dieser ganzen Verkleidung war natürlich auch aus der Angst heraus geboren, auf die Bühne zu gehen mit Techno-Beats, die eigentlich in unseren Ohren erstmal schrecklich klangen.“

Schrecklich klingt größtenteils auch, was auf ’Arbeit Nervt’ zu hören ist. Dabei wurde die „Technoisierung“ der Band relativ schleichend vorangetrieben. ’Limit’ ging 2002 schon in diese Richtung und auf dem St.-Pauli-Sampler 'Heimvorteil' präsentierten sie dann 2004 'Lady G-String'. Aber erst beim dritten Album ’Aufstand im Schlaraffenland’ wurde der Elektro-Ausflug auf die Spitze getrieben – und wird nun mit ’Arbeit Nervt’ noch einmal verstärkt.

Die Arbeitsweise dahinter erklärt DJ Phono folgendermaßen: „Du kannst dir das so vorstellen, dass die Musik wie Farbe beim Action Painting an die Leinwand geworfen wird. Die Forderung ist dabei aber, dass nicht nur naiv gearbeitet wird. Es soll nicht nur spontan wirken, sondern auch Substanz gewinnen. Wobei es schon faszinierend ist, diese Kraft der unmittelbaren Eruption zu erleben. Wir machen damit auch gar nicht unbedingt was ganz Neues. Wir haben damit bestimmt nicht das Rad neu erfunden. Aber für jeden Einzelnen von uns geht es darum, seine persönliche Grenze zu erreichen. Das ist wie eine Gruppentherapie.“

Wahrscheinlich wird deshalb aus gruppentherapeutischen Gründen im Video zum Titeltrack auch eine riesige Bierschlacht veranstaltet. Einfach mal die Sau raus lassen. Will doch jeder. Siehe den Songtext dazu: „Priester, Putzfrauen, Pizzabäcker, Proktologen – wollen lieber popeln, pöpeln, prügeln, pogen./ Lehrer, Kellner, Gärtner, Bänker, Broker, Richter – sehnen sich nach Druckbetankung durch den Trichter.“

Therapeutisch sind auch die Lyrics von '23 Dohlen’ zu verstehen. Vögel krähen, die Gedanken fangen an zu kreisen. Warum 23? Was steckt dahinter? Die Lösung: Es geht genau darum, Zahlenmystiker auf die falsche Fährte zu führen. Bitte nicht drüber nachdenken!

Aber es darf auch mal wie mit dem poppig-süßen ’Luftbahn’ gekuschelt werden: „Das Stück 'Luftbahn' ist ein sehr wichtiger Track, weil er als erstes ziemlich cheesy wirkt, aber auf seine Art sehr ehrlich ist. Viele Ideen entstehen sehr schnell. Wir gucken oft erst später, ob das was ist oder nicht. Bei 'Luftbahn' dachten wir, dass die Nummer Energie hat und auf jeden Fall aufs Album muss. Mit diesem Stück sind wir ja fast schon radiotauglich.“

Den Vorwurf, mit 'Travelpussi' den Kontakt zur Porno-Industrie zu suchen und richtig Schotter zu machen („Sex sells“!), wird aber vehement von sich gewiesen. Werbung für Sextoys wollen sie nicht machen. Auch hier geht es eher um einen therapeutischen Ansatz. Lasst uns doch einfach mal darüber reden: „Es war eher die Faszination dieses Phänomens, da wir viel auf Autobahnen unterwegs sind. Wir haben uns einfach gefragt, ob sich die Leute das als Gag aus dem Automaten ziehen oder tatsächlich zum Gebrauch. Die Skurrilität dieses Dings hat unsere Phantasie angeregt. Wobei gesagt werden muss, dass ein Thema wie Sexualität bei Deichkind diskutiert wird, weil dieser Bereich unglaublich tabuisiert ist – selbst im Jahre 2008. Ich würde 'Travelpussi' als Impuls sehen, überhaupt über Sexualität reden zu können.“

Fazit: Operation geglückt, Patient tot! Deichkind reduzieren sich musikalisch auf das Minimum – um Raum für was Größeres zu schaffen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand das ganze Werk am Stück durchhört, wenn er nicht dazu gezwungen wird. Allerdings geht es hier auch eher um die Live-Performance, zu der ’Arbeit Nervt’ eben den durchgeknallten Soundtrack liefert. Also Bauarbeiterweste anziehen, Wasserpistole betanken und abraven – zackizacki!

Mehr Infos
: http://www.deichkind.de

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Jacques Palminger And The Kings Of Dub Rock – Mondo Cherry
Märtini Brös – The MB Factor

Live und in Farbe 2008: 1.11. Schwerin – Sport- und Kongresshalle (Pioneer Alpha Festival) *** 26.11. Hamburg – Kampnagel (Öffentliche Generalprobe) *** 27.11. Kiel – Max *** 28.11. Hannover – Capitol *** Bremen – Aladin Music Hall *** 30.11. Osnabrück – Rosenhof *** 2.12. Mannheim – Capitol *** 3.12. Düsseldorf – Stahlwerk *** 5.12. Bielefeld – Ringlokschuppen *** 6.12. Dortmund – Westfalenhalle *** 8.12. Wiesbaden – Schlachthof *** 9.12. Zürich – Xtra Limmathaus *** 10.12. Ulm – Roxy *** 11.12. München – Muffathalle *** 13.12. Salzburg – Gusswerk *** 14.12. Lahr – Universal DOG *** 15.12. Saarbrücken – Garage *** 16.12. Stuttgart – Theaterhaus *** 18.12. Berlin – Postbahnhof *** 19.12. Leipzig – Werk 2 *** 2012. Hamburg – Docks

 

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9. Oktober 2008 4 09 /10 /Oktober /2008 16:57

Die meisten Leute dürften das erste Mal von Chapeau Claque gehört haben, als deren Sängerin beim Bundesvision Song Contest 2007 auftrat. Zusammen mit Northern Lite sang sie die deutsche Strophe zu deren Stück ’Enemy’ und kam damit bis auf Platz 6.

Wobei gleich gesagt werden muss, dass Chapeau Claque vom Sound her so gut wie gar nicht mit Northern Lite zu vergleichen sind. Stattdessen machen Maria Antonia Schmidt, Bassist Tim Schäfer, Gitarrist Timo Klöckner, Keyboarder Peer Kleinschmidt und Schlagzeuger Jörg Wähner nach eigener Angabe „Elektro-Chanson-Pop-Romantik“-Musik. Was das sein soll, zeigte vor einiger Zeit schon die erste Single ’Pandora (Kiss Miss Tragedy)’.

Der Songtext bezieht sich auf die griechische Mythologie, nach der die schöne Pandora aus Neugier eine Büchse öffnet und damit alles Unheil in die Welt entlässt. Nur die Hoffnung bleibt im Behältnis zurück, als es wieder geschlossen wird. „Pandora, kauf dir einen Kater. Dann fühlst du dich vielleicht nicht mehr so allein./ Was soll schon dabei sein, wenn du dir ein Herz aus Papier unter deinen Pullover schiebst – nur, dass du dich ganz offensichtlich selbst belügst./ Pandora, schau mal aus dem Fenster als immer nur in dein Spiegelbild hinein./ Vielleicht wirst du finden, was du einst in jener Dose zurück gelassen hast.“

Mystisch ist auch das Video dazu geraten. Hinter Tiermasken versteckt wartet ein Theaterpublikum darauf, dass die Show losgeht. Doch der Vorhang öffnet sich nicht – bis schließlich der erste Gast aus Neugierde hinter die Kulissen schauen will. Ganz anders ist dagegen das Video zu ’Metamor’, der fast schon akustischen B-Seite der Single. Darin werden vor allem Kinder aus Nepal gezeigt, wo sich Maria Antonia Schmidt zwei Monate lang als Sozialarbeiterin um Waisen aus Phokara und Kathmandu kümmerte.

Viel besser gefällt mir aber das flotte Liebeslied 'Vagabund'. Die Idee, 'Mikesch & Milou' vom Akkordeon begleiten zu lassen, ist ebenfalls witzig und passt zum pfiffigen Text. Bei 'Karusell' könnte ich mir jedoch noch sehr gut einen Remix für die Dancefloors vorstellen. Vor allem, da die Originalinstrumentierung irgendwie gewöhnungsbedürftig ist. Mit '25 Grad im November' gibt es zudem noch ein etwas rockigeres Stück mit guter Umweltschutz-Botschaft.

Toll ist aber auf jeden Fall auch die etwa 23 Sekunden lange 'Fabel', wie sie eigentlich wirklich nur eine Oma vortragen kann. Der Text ist quasi das Intro zu 'Froschtod' und lautet folgendermassen: „Sass ein kleiner, grüner Frosch auf seinem Rosenblatt im Teich und quakte fröhlich vor sich hin, als plötzlich ein Reiher vom Himmel auf ihn schoss und diesen noch im selben Moment bei lebendigen Leibe auffrass.“

Fazit: ’Fabelweiss’ wird wahrscheinlich wie beim 'Contest' auch nicht alle überzeugen, aber bestimmt einige neue Fans für die Band gewinnen. Schließlich gibt es hier doch nicht nur elektronische Chansons mit poppig-romantischen Lyrics zu hören.
Wer Chapeau Claque in die fabelhafte Welt der Maria Antonia folgt, trifft stattdessen auf eine bunte Mischung mit vielen kleinen Ideen, die alle zusammen ein stimmiges Bild zeichnen.

 


Mehr Infos: http://www.chapeauclaque.net

CD voraussichtlich ab 10. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Travis - Ode to J. Smith

Mia. - Willkommen im Club

 

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