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4. Dezember 2008 4 04 /12 /Dezember /2008 20:48

 

 

Im Booklet wird schnell klar, worum es hier geht: Im Jahr 2004 hat ThyssenKrupp die Inititiative 'Zukunft Technik entdecken' ins Leben gerufen, um junge Menschen bei der Berufsauswahl zu unterstützen. Der 'IdeenPark' ist eine Massnahme dabei – und dieses Jahr wurde dort erstmals 'IdeenSounds' live präsentiert.Bei dem Projekt 'IdeenSounds' übernahmen prominente Musiker und Produzenten „Patenschaften“ und unterstützen fünf Nachwuchskünstler aktiv dabei, ihre eigenen Songs im Studio zu entwickeln und professionell zu produzieren“, heißt es weiter im CD-Text. Sasha und Henning Wehland von den H-Blockx waren die Schirmherren dieser Aktion. Als Paten wurden diesmal Silbermond, ATB, Andreas 'Boogieman' Herbig (Produzent von zum Beispiel Culcha Candela, Juli und Deichkind), Rea Garvey von Reamonn und die Söhne Mannheims gewonnen.

Die CD enthält nun zwölf Tracks: die so entstandenen Stücke der fünf unterstützten Newcomer, fünf der beteiligten Stars, eine zusätzliche Kollabo von Rae Garvey mit seinem „Patensohn“ SJ McArdle und 'Musik' von Pohlmann. Wahrscheinlich, weil dessen Songtext die Motivation hinter dem Ganzen gut transportiert: „Es war Musik, die mir half, mich aus dem Gefängnis der Gedanken zu befreien./ Es war Musik, die mir ein tiefes Verständnis davon gab, ich selbst zu sein.“

In eine ähnliche Richtung gehen die Lyrics von Silbermond, die sie in 'Kartenhaus' verwenden (wobei die anfängliche Euphorie zum Ende des Songs kippt). Das Lied ist hier in einer Live-Version zu finden: „Du hast mein Leben neu gemacht, steckst mich an mit deiner Kraft./ Du machst alles so lebenswert, ich will mich nicht dagegen wehren./ Du hast eine Kerze aufgestellt, und bringst das Licht in meine Welt./ Machst mein Leben zum Kartenhaus, auf dir aufgebaut.“

Die H-Blockx und die Söhne Mannheims haben zudem Stücke beigesteuert, die zwar davor auch schon veröffentlicht wurden, allerdings nicht auf ihren Alben enthalten und daher schwerer zu bekommen waren. Die Rap-Version zu 'Die Legende' gab es zum Beispiel nur als Bonus auf der Single von 'Und wenn ein Lied'. Xavier Naidoo und Marlon B thematisieren in den Lyrics die Unterdrückung anderer Menschen durch finstere Machtinhaber: „Schaut euch ihre Hände an, manchmal klebt Blut daran./ Schaut euch ihre Zäune an, manchmal klebt Blut daran./ Schaut euch ihre Feste an. Manch einer glaubt fest daran, er hat die weiße Weste an und hält sich für den besten Mann.“

Der „Patensohn Mannheims“ ist übrigens Daniel Stoyanov, der direkt von Xavier Naidoos Label 'Beats around the Busch' unter Vertrag genommen wurde. Da der Songtext von 'Lass mein' Mond in Dein' Tag aufgehen' wohl am besten wiedergibt, worum es Daniel Stoyanov in seiner Musik geht, wurde er zum Teil im Booklet abgedruckt: „Da ist ein Liebesvakuum, das mein Herz umgibt./ Da ist ein Radio, das niemals einen Reggae spielt.“

Interessant ist auch der Dancefloor-Track 'Wrong Medication' von Jades, der von ATB betreut wurde. Dahinter steckt der Multinstrumentalist Rudi Dittmann, der für den Gesang Jan Löchel gewinnen konnte, der seit den Neunziger Jahren unter anderem an einigen Hits von ATB und H-Blockx beteiligt war. Inhaltlich geht es um eine Art schlechten Trip, was ja vielleicht der eine oder andere Hörer (besonders aus der Elektro-Szene, siehe zum Beispiel den Film 'Berlin Calling') leicht nachvollziehen kann: „Barely breathing – don’t you count on me./ From station to station, still on the wrong medication./ I’m lying awaking – due to the wrong medication./ It goes on and on and on, on and on.“

Aber auch Tadday und Jenix machen ihre Sache gut, so dass wir vermutlich wirklich demnächst mehr von diesen fünf Entdeckungen hören werden.

Fazit: Trotz des etwas abschreckenden Covers, das eher auf eine Werbe-CD von ThyssenKrupp denn auf eine spannende Compilation hindeutet, ist das Projekt durchaus dazu geeignet, auf einige tolle Titel aufmerksam zu machen. Also auf eine 'IdeenSounds 2009' dürfen wir schon gespannt sein. Hoffentlich dann auch mit einem Rap-Rookie, der von Sido oder so gecoacht wird!

Mehr Infos: http://www.ideensounds.de

CD voraussichtlich ab 5. Dezember 2008 im Handel erhältlich.

 

 

 


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Deichkind – Arbeit nervt

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3. Dezember 2008 3 03 /12 /Dezember /2008 17:51

Irgendwie ist Köln gerade nicht so präsent im Kampf um die deutsche HipHop-Krone. Das große Aushängeschild bleibt ’Die Firma’ – und die hat zuletzt im Herbst 2007 ein Album veröffentlicht. Doch nun tritt Straight P mit seinem Mixtape ins Rampenlicht, um sich schon vor der Veröffentlichung seines Albums einen Namen zu machen.

„…für dich bin ich vielleicht ’n No-Name, aber live jederzeit bereit für den Scheiß-Broadway./ Was ihr da macht, hat nichts zu tun mit ’nem rawem Game. Wenn du wirklich glaubst, kopieren bringt uns weiter, supporte Cobain./ Ich freestyle nicht, aber Bestellungen nehm ich ab sofort entgegen./ Diss mich auf deiner Platte oder Tape und ordere die Pain“, rappt der Kölner in den Lyrics zu ’Orda die Pain’ und erkennt damit zwar an, dass er bisher eher weniger bekannt ist, aber er durchaus weiß, dass er die Konkurrenz relativ locker in die Schranken weisen kann.

Beef560 hat ’Orda die Pain’ dabei schon 2005 mit einem erdigen Beat versehen, der schön an die goldene Ära der Eastcoast in den Neunzigerjahren anknüpft, als Wu-Tang Clan, Gangstarr und Mobb Deep noch das Nonplusultra waren. Unterstützt wird dieser Eindruck noch durch die klar gesetzten Cuts von DJ Boogie. Zum Teil sind auf ’Plan P’ sogar noch ältere Stücke enthalten.

Das ’Intro’ basiert auf Zitaten aus Songtexten, die in den Jahren 2000 bis 2002 entstanden sind. Das neueste Werk ist ’Kölns Fels’ vom letzten Jahr, das von Chemobeatz produziert wurde. Dazu erklärt Straight P im Refrain, dass er und seine Stadt sich gegen alle Gegner durchsetzen werden: „Du kommst besser ma auf’n Boden, üb’ still bellen. Ich brech Willen und kill im Chorus Gehirnzellen./ Scheiß auf Angriffstaktik, ich stürm’s Feld – und all die Würmerwellen zerschellen an Kölns Fels.“

Mit ’Dead Wrong’ gibt es zudem einen Track mit Beats von ImanIran, in dem sogar jemand im Songtext namentlich gedisst wird – auch wenn es nur ein englischer Künstler ist: „…ganz egal, was du machst, es wirkt immer trottelig und billig./ Für mich bleibst du ein verhaltensgestörter Popstar wie Robbie Williams.“

Dabei gehen die Battle-Ansagen allerdings nie plump unter die Gürtellinie. HipHop ist wie das Leben für Straight P eine Sache, um die gekämpft werden muss. Dieses Lebensgefühl bringt er auch gut bei ’Straight P’ auf den Punkt: „Ich lauf bestimmt nicht mein Leben lang rum gefangen vor Ängsten – und es kümmert mich wirklich ’n Dreck, was ihr glaubt, an mir zu lenken./ Den Schlüssel zu meinem Schicksal hält nur ein Mann in den Händen – und wenn das heißt Kampf bis zum Ende, kann ich´s nicht ändern.“

Fazit: Obwohl es sich bei ’Plan P’ um ein Mixtape handelt, das zudem nur altes Material der letzten paar Jahre enthält, macht es auf jeden Fall Lust auf mehr. Straight P erinnert mich dabei ein wenig an Pal One – ruhiger Reimstil über zeitlose Instrumentale mit HipHop-bezogenen Lyrics der alten Schule. Noch das eine oder andere Thema, das wirklich berührt, und Straight P könnte demnächst tatsächlich ein ziemlich spannendes Album abliefern!

Mehr Infos: http://www.myspace.com/realstraightp

CD voraussichtlich ab 5. Dezember 2008 im Handel erhältlich.

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Yassir – Paragraph 31
Sisters – Gender Riots

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25. November 2008 2 25 /11 /November /2008 23:16

Gerade klingen mir noch die Zeilen aus ’Freiheit’ von Curse im Ohr: „Was für große Verantwortung, was für 'ne große Bürde./ Zu beschreiben was für mich die Freiheit heißt, was für 'ne große Hürde./ Ich kann nur meinen kleinen Teil dazu beitragen./ Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen.“ Nur ein paar Monate später definiert nun Akon mit 'Freddom', was Freiheit für ihn bedeutet.

Eröffnet wird das Album aber wie die meisten Stücke von Akon mit dem Geräusch einer Zellentür, die ins Schloss fällt. Doch anders wie einst bei seinem Album 'Trouble' ist dies nicht die Einleitung dafür, in düsterer Stimmung über seine (klein-)kriminelle Vergangenheit nachzudenken – sondern der Startschuss für das Genießen seiner ganz persönlichen Freiheiten.

Mit 'Right Now (Na Na Na)' möchte Akon nämlich eine neue Ära in seinem Sound ausrufen. Die Geschwindigkeit des Beats und der Inhalt der Lyrics steht schließlich irgendwie in der Tradition des Electro-Freestyle-Hits 'Spring Love' von Stevie B aus den Achtziger Jahren. Auch Akon hofft, eine leider verflossene Liebe zurückzuerobern: „I can't lie - I miss you much./ Watching everyday that goes by - I miss you much./ Till I get you back I'm gonna try – yes. I miss you much./ You are the apple of my eye – girl, I miss you much.”

Auch die nächsten Songs machen sich bestimmt gut in einem DJ-Set zwischen 'Summer Jam' vom Underdog Project oder 'Live Your Life' von T.I., für das dessen Produzent Just Blaze 'Dragostea Din Tei' von O-Zone benutzt hat. Akon hat dagegen auf 'Freedom' fast alles selbst produziert. Lediglich 'Holla Holla' stammt von T-Pain.

Als Gastsänger sind zudem Wyclef, Sweet Rush und Ray Lavender zu hören. Bei 'Beautiful' helfen Akon dann noch seine 'Konvict'-Kollegen Kardinal Offishall und Colby O'Denis aus, wenn es darum geht, die Schönheit seiner Herzdame anzupreisen. In 'Troublemaker' gibt der Meister allerdings zu, dass er immer noch Ärger macht, seine Freiheit genießen will und ein richtiger Partylöwe ist.


Das zeigt er ja auch deutlich im Video zu 'I'm So Paid', in dem er auf einer riesigen Yacht den Lifestyle eines Global Players genießt und mit Young Jeezy und Lil Wayne die Sau raus lässt. Doch Akon kann auch anders. Im Titeltrack lässt er im Songtext anfangs die Geschichte Revue passieren, wie seine Eltern von Senegal nach Amerika kamen auf der Suche nach Freiheit. Ein Gefühl, dass er nun sehr gut nachvollziehen kann: „Everything I have, everything I own – all my mistakes, girl, you already know./ I wanna be free, I wanna be free, yeah./ If you wanna be free, and the land is drug-free – put your hands up, put your hans up.“

Akon setzt seinen Ruhm nun auch dafür ein, die Welt positiv zu verändern. So fordert er nicht nur die Bekämpfung von Drogen in 'Freedom', sondern engagiert sich mit seiner eigenen Wohltätigkeitsorganisation 'Konfidence Foundation' dafür, afrikanischen Jugendlichen bessere Bildungsmöglichkeiten zu schaffen.

Fazit: Wer hätte 2003 gedacht, dass Akon so einen unglaublichen Erfolg erleben würde. Das dritte Album in fünf Jahren gibt ihm aber Recht. Der Afro-Amerikaner ist talentiert und motiviert genug, sich beständig weiterzuentwickeln. 'Freedom' macht gute Laune. Wenn er nun noch auf seiner nächsten CD mehr Texte mit einer ernstzunehmenden Botschaft verfassen würde, wäre er einfach unschlagbar!

Mehr Infos: http://www.akononline.com

CD voraussichtlich ab 28. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Curse – Freiheit
Kardinal Offishall – Not 4 Sale

 

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20. November 2008 4 20 /11 /November /2008 23:53

Nachdem Dilated Peoples mit der Video-Doku ‘The Release Party’ letztes Jahr mal locker mehr als ein Jahrzehnt ihrer HipHop-Geschichte Revue passieren ließen, steht 2008 im Zeichen der Solo-CDs. DJ Babu veröffentlichte vor ein paar Wochen ’Duck Season Vol. 3’, nun legt Evidence nach.Seine neue EP ’The Layover’ ließ er dabei übrigens bereits von DJ Skee durch ein Mixtape gleichen Namens anpreisen, das es als Download kostenlos zu holen gibt. In der JUICE 114 sagt er dazu: Es ist ein Free Download-Mixtape mit all den Freestyles, die ich in den letzten Monaten im Internet veröffentlicht habe." Darauf zu hören sind außerdem die zwei Stücke der EP, die momentan auch auf http://www.myspace.com/evidence als Freedownloads zu finden sind – der Titeltrack und ’For Whom The Bell Tolls’.

Bei dem zuletzt genannten Song rappt Ev zu einem Beat von Khrysis mit Phonte von Little Brother und Blu von Johnson & Jonson darüber, was sie beschäftigt, wenn das letzte Stündlein geschlagen hat. Die Lyrics zum Refrain trägt Will.i.am von den Black Eyed Peas bei: „Some people live their life to die. Some people live to try, and fly, and fly sky high./ Some people live their life to ride. Ride 'cause they riders, some people talk that jive./ Some people live their life to lie. I live my life to open up my eyes real wide, wi-wide./ Some people wanna live blind and walk the road. Oh, no - for whom the bell tolls.”

Des weiteren gibt es auf dem Mixtape nicht nur 'The Last Shall Be First' von Dilated Peoples zu hören, sondern auch nochmal Evidences Crew-Kollegen Rakaa Iriescience beim Allstars-Track 'Beats Like This', das Stück 'For Whatever It's Worth' von 'Duck Season Vol. 3' und mehrere Aufnahmen seines mit The Alchemist ins Leben gerufenen Projekts The Step Brothers – unter anderem eine neue Version zu 'Hits From The Bong' von Cypress Hill.

Außerdem enthalten ist 'Worldwide' von Ev und Defari. Die Beiden verbindet ja eine Freundschaft, die auch schon seit Ewigkeiten besteht. So produzierte Evidence ja unter anderem bereits 1998 den Klassiker 'Bionic' für Defari. Auf der EP ist zudem noch 'Don't Hate' des dynamischen Duos zu finden, für das Ev das Instrumental selbst produziert hat. Ein Video dazu wurde auch schon gedreht, das auf einer Bonus-DVD der EP beigefügt ist.

Auf der DVD sind dann noch zwei ältere Clips sowie gleich drei weitere für 'The Layover' enthalten. Der Spot zum Titeltrack zeigt Ev, wie er am Flughafen abhängt. Beim surrealen 'Solitary Confinement' mit Krondon von Strong Arm Steady gibt es skurriler Weise ein Häschen zu sehen, das seine Brüste in der Wüste zeigt. Lustiger ist dagegen 'The Far Left', bei dem Ev wie einst Bob Dylan den Songtext auf Papptafeln präsentiert: „Eyes open 20/20 – he's a white owl./ No joking, $ 1st... I'm like a tri-band – cellphone on the other side of your... land.“

Kommen wir noch mal zu Babu zurück. Auf der EP hat er für 'So Fresh' das Scratching beigesteuert, einen 'Interlude' aufgenommen und 'Rain Or Shine' produziert – und das, obwohl er mit 'Duck Season Vol. 3' bestimmt mehr als genug zu tun hatte. Immerhin hat er dafür 18 Stücke eingespielt. Mit dabei waren unter anderem M.O.P., Sean Price, A.G., Oh No, sein Likwit-Junkies-Partner Defari, Little Brother, Strong Arm Steady und beim Dancehall beeinflussten Stück '2 Feet' Kardinal Offishall und Rakaa Iriescience. Der soll übrigens gerade noch an seiner Solo-Scheibe schrauben. Aber wenn die ähnlich cool wie die Werke seiner zwei Kollegen wird, ist ja alles im grünen Bereich!

Fazit: Evidence ist umtriebig wie nie zuvor. Wobei bei ihm anscheinend Quantität zum Glück nicht der Qualität schadet. Schön ist auch zu sehen, wie sich die drei Kumpels von Dilated Peoples um sich und ihr Umfeld kümmern. Da wird garantiert noch einiges Spannendes aus der Ecke auf uns zukommen!

Mehr Infos: http://www.therealevidence.com

CD voraussichtlich ab 21. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Kardinal Offishall – Not 4 Sale
Outlawz – We Want In

Evidence mit den Dilated Peoples live und in Farbe 2008: 25.11. Amsterdam – Club More Amore (The Layover EP Celebration) *** 26.11. Erfurt – Centrum

 

 

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20. November 2008 4 20 /11 /November /2008 23:52

13 verflixte Jahre, nachdem da Blumentopf (ja, die Jungs hatten damals noch so eine Art Artikel im Bandnamen!) auf der ’Münchmob’-EP von Main Concept ihre wohl erste offizielle Aufnahme eingespielt haben, gab es 2008 die große Solo-Offensive der einzelnen Mitglieder – und ganz beendet ist diese Phase noch immer nicht.

Sepalot ist jetzt zum Beispiel mit seinem Track 'Go Get It' noch einmal die Ehre zuteil geworden, auf dem Jubiläumssampler 'Compost Dreihundert' neben Künstlern wie Alif Tree aus Frankreich, Robert Owens aus England und Wojtek Urbanski aus Polen präsentiert zu werden. Dabei wird schnell klar, wie gut er sich in dieses internationale Umfeld einreiht.

Gesungen wird das funky mit Bläsern und Dancehall-Beat angetriebene 'Go Get It' von Ladi6 aus Neuseeland. Auf deutschsprachige Beiträge hat Sepalot auf seinem Album 'Red Handed' ganz verzichtet. Mit dabei sind unter anderem die Amis Saigon, OlivierDaySoul und Frank Nitty, zu dessen 'The Intro' auf http://www.sepalot.com noch ein Remix als mp3 zum Free Download zu finden ist. Selbst Esther, mit der Sepalot 2003 das Album 'Eskapaden' aufgenommen hat, singt diesmal in englisch.

Eigentlich schade, denn ein deutscher Text hätte bestimmt auch im Ausland für Aufmerksamkeit gesorgt. Schließlich war die Idee, dass Roger bei 'Ride On', einem der AC/DC-Cover für die EP 'Fraud' von Sepalot, auf deutsch den Text neu interpretierte, schon ein witziges Gimmick.

Apropos, Roger! Der hat auf seiner Solo-Scheibe 'Alles Roger' wirklich (fast) alles selber gemacht: von der Musik über die Songtexte bis zur Grafik. Im Oktober veröffentlichte er dann noch als Single 'Schau Nach Vorn'. Die lyrics schrieb er für einen guten Kollegen, der seinen ganzen Trennungsschmerz so lange ausgelebt hat, dass der Wahnsinn nicht mehr weit war. Doch Roger hilft mit guten Ratschlägen gerne weiter: „Man kann die Zeit nicht zurück drehen./ Manche Dinge muss man hinnehmen./ Irgendwann enden alle Glückssträhnen./ Man muss nach vorn' sehen.“

Ein dickes „Kopf hoch!“ geht auch raus an Schu. Bei ihm lief 2008 anscheinend irgendwas anders als geplant. Zusammen mit dem Sampler ’…haben wir nicht nötig!!’ wurde im vorherigen Jahr eigentlich angekündigt, dass da in '08 mehr von Schu und Janna auf dem Münchner Label ’58 Beats’ folgen würde. Unter http://topfhits.wordpress.com hat Schu allerdings nun bereits schon geschrieben, dass es keine neuen „klassischen” Schu-und-Janna-Songs mehr geben wird. Dafür kann dort ein Remix zu 'Komm Mit' kostenlos runtergeladen werden.

Auf ’…haben wir nicht nötig!!’ war ja auch Holunder als Gast von Creme Fresh zu hören – beim Titel 'Zukunft des Rap'. Leider folgte dann außer den EM-Raportagen von ihm raptechnisch wohl nichts weiter dieses Jahr. Sehr schade, das!

Bleibt der fünfte Mann von Blumentopf. Cajus hatte mit 'Schreib's Einfach Auf!' ebenfalls ein Stück auf ’…haben wir nicht nötig!!’, wobei der Beat von DJ Explizit keinen Anhaltspunkt dazu lieferte, was die Hörer auf 'Planet Cajun' erwarten würde. Auf seinem Solo-Werk setzte Cajus jedenfalls deutlich auf einen eher elektronischen Sound. Als Single brachte er Mitte November noch 'Akku' raus, mit dem er allen Mut macht, dass alles machbar ist. „Sag mal denkst du das auch?/ Wenn nicht, dann wird es Zeit, dass du dir selber vertraust./ Denn im Endeffekt ist alles nur eine Sache vom Kopf./ Gefühlte 100 Prozent heißen noch lange nicht ’Stopp’./ Also geh ich ans Limit, weil ich die Schnauze nicht voll krieg./ Manchmal ganz leicht, manchmal eher holprig.“

Na, wer wird denn da so selbstkritisch sein. Fließen tut es nämlich auf 'Planet Cajun' auf jeden Fall – auch wenn die Lyrics mich nicht so richtig berühren. Wer erstmal gucken will, was der Herr da so macht, kann den ziemlich coolen Freedownload-Track 'C.A.J.U.S.' von http://www.planetcajun.de runterladen: „Macht euch bereit für den Rapper mit den Augenringen und Stoppelbart./ Der keinen blassen hat von Datum und Wochentag./ Manchmal lieber mit dem Stock im Arsch als dem Brett vor’m Kopf./ Manchmal allein – manchmal lieber mit dem Rest vom ‘topf!“

Fazit: So interessant die Solo-Aktivitäten der fünf Hiphopper auch sind – ich freu mich jetzt schon darauf, wenn die Jungs wirklich wieder mit dem Rest vom ‘topf loslegen.

Mehr Infos: http://www.blumentopf.com

CD 'Compost Dreihundert' voraussichtlich ab 21. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Various – Ecko Unltd. Vol. 1 (German Edition)

Sepalot live und in Farbe 2008: 29.11. Landshut – Kiss the DJ (Electro Set) *** 5.12. Trier – Forum

Cajus live und in Farbe 2008: 21.11. Siegen – Blue Box *** 22.11. Stuttgart – Club Zentral *** 29.11. Unterschleissheim – Gleis 1 *** 29.11. München – On3 Radio Festival *** 5.12. Glarus (CH) – Hölastei *** 6.12. Buchs (CH) – Krempl *** 19.12. Arosa (CH) – Kitchen Club *** 27.12. Köln – Palladium (als Support von Clueso)

Roger live und in Farbe 2008: 29.11. Unterschleissheim – Gleis 1 (mit DJ Roger Rekless)

 

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13. November 2008 4 13 /11 /November /2008 23:08

Da Hool, der bereits in den frühen Neunziger Jahren unter dem Pseudonym DJ Hooligan Singles veröffentlichte und 1998 schließlich mit ’Here Comes Da Hool’ eine ganze LP aufnahm, hat sich ordentlich Zeit gelassen mit seinem neuen Album. Dafür sind aber auch einige seiner Hits der vergangenen Jahre auf ’Light My Fire’ enthalten.

Eröffnet wird die CD mit einer Zeile aus ’The Cheek Of It’, das er unter seinem richtigen Namen Frank Tomiczek auf ’Punx Records’ heraus gebracht hat: „My mate Da Hool the DJ calls!“ Und wenn der weltbekannte DJ (an)ruft, lassen die Gäste nicht lange auf sich warten. Auf ’Hold On’ ist Sarah Walker zu hören, mit der Da Hool auch schon in der Vergangenheit gearbeitet hat. Ansonsten setzt der Produzent aber vor allem auf den britischen Sänger Richard Oliver, der gleich bei sechs Stücken mitmacht.

Rich ist unter anderem bei dem schon oben erwähnten ’The Cheek Of It’ dabei, das hier als Album-Edit-Mix enthalten ist. Die Lyrics sind dabei eine herrliche Story über Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mann und Frau – insbesondere, wenn sie aus verschiedenen Ländern kommen: „She drags me in the shower and I’m just thinking ‘bingo’./ She keeps on saying something but you know I don’t speak the lingo./ I’m working up a sweat being a typical man and all I hear from Heidi here sounds like ‘langsam’./ Which apparently is German for slow down."

Der Songtext wird übrigens am Ende noch einmal im loungigen 'The Whole Story' ohne Comicstimmen-Effekt widergegeben. Wer gerne noch etwas mehr „German Lingo” hören will, kann sich über das auch bereits vorab als Single veröffentlichte 'Wir Sind Sexy' freuen. Zum sanften Beat und den Gitarren-Klängen vom ehemaligen „Krautrocker” Jürgen Pluta, der auch noch an sechs weiteren Tracks beteiligt ist, singt Jen Bender von der Elektro-Pop-Gruppe Grossstadtgeflüster über das schöne Gefühl einer durchtanzten Nacht: „Wir sind sexy, wir sind schön./ Und wir lassen uns verwöhnen./ Wir sind sexy, wir sind wach./ Unsere Augen leuchten in der Nacht.”

Apropos, leuchten! Wem bei dem Albumtitel vielleicht schon ein Licht aufgegangen ist, dass er irgendwie vertraut klingt, liegt goldrichtig. Hier wird der von Jim Morrison für The Doors verfasste Songtext über einen hartes Rave-Instrumental gesungen: „You know that it would be untrue./ You know that I would be a liar./ If I was to say to you: Girl, we couldn't get much higher./ Come on baby, light my fire!”

Fazit: Auch heutzutage ist Da Hool irgendwie immer noch mehr Techno als House. Aber auf 'Light My Fire' werden auf jeden Fall alle möglichen Spielarten elektronischer Musik geboten. Dabei zünden vor allem die Tracks mit Gesang so gut, dass mit ihnen bestimmt jeder Dancefloor zum Mitgrooven gebracht werden kann. Rave on!

Mehr Infos: http://www.hool.tv

CD voraussichtlich ab 14. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Märtini Brös – The MB Factor
Philip Steele – City of Light

Live und in Farbe 2008: 14.11. Wien – V-Club *** 15.11. Parchim – Flame *** 21.11. Würzburg – Airport *** 22.11. Paderborn – Ox-Club *** 28.11. Ulm – Citrus *** 29.11. Nürnberg – Mach 1 *** 6.12. Neus – 10 Years Smag @ Tribehouse *** 27.12. Braunschweig – 42 Grad Fieber

 

 

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13. November 2008 4 13 /11 /November /2008 16:15

Nach gut zwei Jahrzehnten Aktivität in der deutschen HipHop-Szene hat D-Flame wohl alle Hochs und Tiefs erlebt, die einem das Leben zu bieten hat. Mit ’Adriano (Letzte Warnung)’ von den Brothers Keepers landete er einen Top-Ten-Hit, aber seine erfolgreichste Solo-Single ’Mom Song’ kam gerade mal auf Platz 63. Der Frankfurter nimmt es gelassen – und könnte mit ’Stress’ nun richtig abräumen.

Stark ist zum Beispiel, wie er in den Lyrics zu dem gut geerdeten Rap-Reggae-Tune ’Live Up!’ seine Situation mit einem lachenden und einem weinenden Auge großartig auf den Punkt bringt: „Schon wieder so ein Tag, an dem mir nix gefällt. An dem ich morgens aufstehe und schreie: Fick die Welt!/ Ich hab gedacht, ich mache mit der Mucke richtig Geld. Doch ich glaube, eigentlich verarsche ich mich selbst./ Ich hab immer noch keinen Hit gemacht – und mehr als ein zu guter Bruder von mir sitzt im Knast. Nach all Fehlern hab ich nix gerafft.“

Neben seinen vermeintlichen Fehlern hat er aber auch immer wieder was richtig gemacht. Und manchmal sind es ja eben doch die anderen, die nichts raffen. Wie die Dame, der er in der herrlich bluesigen Soulnummer 'Es tut mir leid' noch einmal im Songtext erklärt, dass sie da anscheinend was falsch verstanden hat: „Es tut mir leid, wenn du irgendetwas falsch verstanden hast./ Auch wenn wir zwei ein Paar sind, das echt gut zusammen passt, hab ich dir gleich gesagt, dass ich kein Bock auf eine feste Bindung hab./ Tut mir leid, doch es bleibt so.“

Produziert wurde das Stück von den Beatgees aus Berlin, die unter anderem auch ’Gib mir Sonne’ für Rosenstolz und ’Gib dem Affen Zucker’ für Prinz Pi geremixt haben. Weitere Unterstützung kam von unter anderem Scola von der US-Soulband Dru Hill (der auch im Video zum gemeinsamen Party-Song 'It's On' dabei ist), Soul-Sängerin Alex Prince, den Spezializtz Harris und Dean, Produzent Monroe und ASD. Gemeinsam mit Afrob und Samy Deluxe knüpft D-Flame da an, wo sie 2003 bei 'Wer hätte das gedacht?' aufgehört haben: „Das letzte Mal, als wir einen Song zusammen gemacht haben, hieß das Ding ‘Vaterlos’ – jetzt sind wir selbst alle drei Väter. Und dies geht raus an unsere Kids, ey yo./ Du machst mich zum stolzen Vater./ Du gibst meinem Leben einen Sinn.“

Außerdem hat sich D-Flame dafür entschieden, ebenfalls zu 'Sie Macht Mich Glücklich' eine Fortsetzung zu schreiben. Seine neue Liebeserklärung ’Immer Noch’ an Jamaika ist ähnlich schön wie schon das Original im Reggae-Style mit sanftem Bläsereinsatz. Im Refrain hat er mehr oder weniger einfach diese zwei kleinen Worte aus dem Songtitel eingefügt: „Ich bin immer noch verliebt. Sie ist immer noch meine Perle in der Karibik./ Ich bin immer noch verliebt. Es macht mich immer noch keine so glücklich wie sie.“

Fazit: Auch wenn D-Flame in der Vergangenheit laut eigener Aussage einige Fehler gemacht hat, trifft das auf ’Stress’ überhaupt nicht zu. Diesmal macht er – zumindest für mich – alles richtig. Gute Texte, auf den Punkt gebrachte Raps, schöne Hooks, passende Gäste und starke Instrumentale zwischen HipHop-Club und Dancehall. Big up!

Mehr Infos: http://www.dflame.de

CD voraussichtlich ab 14. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Yassir – Paragraph 31
Prinz Pi – Neo Punk

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11. November 2008 2 11 /11 /November /2008 14:50

Shwayze hier, Shwayze da! Nicht nur die Band heißt so wie der Rapper der Crew. Um die Verwirrung komplett zu machen, bekam auch das Album keinen eigenen Namen. Shwayze hoch 3, sozusagen! Herausgekommen ist dabei zwar nicht unbedingt Musik der dritten Dimension, aber zumindest eine stimmige Spätsommerplatte. Malibu lässt grüßen!

„Wir haben kurz über einen Bandnamen nachgedacht, aber Shwayze gefiel uns beiden schon am Besten“, erklärt der MC den Weg zur Namensfindung. „Ich heiße zwar Shwayze, aber als ich mit Cisco unser gemeinsames Projekt gestartet habe, nannten wir es der Einfachheit halber auch Shwayze. Den kreativen Prozess haben wir beide gemeinsam gestaltet. Manchmal unterstützt uns noch DJ Skeet Skeet bei Bedarf.“

Das Ergebnis dieses kreativen Prozesses erinnert etwas an Crossover-Projekte aus Rap und Pop wie Fort Minor, Flobots oder Flipsyde. Was allerdings weitestgehend fehlt, ist das politische Engagement. Dafür treffen entspannte Raps auf gesungene Parts. Der Erfolg der beiden Singles 'Buzzin' und 'Corona And Lime', die es bis in die Top50 der „Billboard Hot 100“-Charts schafften, gibt dem Genre-Mix aber unbedingt Recht.

Bei 'Corona And Lime' gibt sich Shwayze dann doch mal kämpferisch und will es gleich auf der Straße austragen, wenn jemand seinen Stil nicht mag: „Baby, will you be my Corona and Lime - And I will be your main squeeze./ And if your brother don't like my style – we can it take it to the street.“

Dabei ist das Wiedertreffen vor der Tür aber wohl eher im musikalischen Wettstreit gemeint. Fäuste müssen nicht fliegen: „Das kann zwar in beiden Richtungen gedeutet werden, denn es geht ja schon ums Kämpfen, aber eher im übertragenden Sinne. Wir beide sind absolut keine Kämpfernaturen. Daher ist eher ein Witz. Wir drücken uns lieber mit unserer Musik aus.

In 'Hollywood' klingt dann doch noch so was wie Konsumkritik an, wenn sich Shwayze in seinen Lyrics fragt, was der ganze schöne Schein eigentlich soll: „Hollywood ain’t no place for lovers anymore – and it ain't no place for us./ Hey yo, what the hell am I rhyming for?/ Designer clothes and designer whores, designer cars and designer doors, designer kitchen and designer drawers./ Hell no!“

Der Oberflächlichkeit der dortigen Party-Szene möchte Shwayze etwas mehr Persönliches entgegen setzen: „In Hollywood triffst du ständig die gleichen Leute in den Clubs jede Nacht. Deswegen sagen wir den Mädels, dass sie lieber mal mit uns Party machen sollen. Aber alle Texte sind natürlich gerne auch anders interpretierbar.“

Eindeutig ist allerdings der Titel 'James Brown Is Dead'. Der 2006 verstorbene Sänger ist für ihn einfach einer der größten Entertainer aller Zeiten. „Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen. In dem Stück geht es aber eher um die Musikindustrie. James Brown war ja der 'Godfather of Soul'. Er hat aus Songs Hits gemacht. Mit ihm ist für mich auch ein Teil dieser Seele aus der Musik verschwunden.“

Fazit: Schade, dass das Album erst jetzt erscheint, schließlich ist es der fast perfekte Soundtrack zum Sommer. Aber vielleicht rettet der leicht eingängige Mix ja auch das coole Chill-Out-Gefühl noch in die Lounges der Clubs – oder in das heimelige Wohnzimmer.

Mehr Infos: http://www.shwayze.com

CD voraussichtlich ab 14. November 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Flobots – Fight With Tools

Thomas D – Kennzeichen D

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6. November 2008 4 06 /11 /November /2008 16:23

2005 veröffentlichten Schwefelgelb ihre erste EP – inklusive dem Stück ’My Pornoshow’, das gleich auf mehreren Compilations landete. Es folgten weitere EPs, Remixe und Sampler-Beiträge. Mit ’Alt und neu’ kommt nun das erste Album von Sid und Eddy in die Läden – und macht dabei keine Kompromisse!

Schon gleich das erste Stück ’Schwer zu verstehen’ macht einem den Einstieg in die Platte nicht allzu leicht. Zumal der Titel passend gewählt ist. Sowohl akustisch als auch inhaltlich sind die Lyrics eher schwer zu verstehen. Die Beats hämmern, der Gesang ist verzerrt, der Sound ätzt. Trotzdem – oder gerade deshalb – macht das Stück schon Spaß. Mediengruppe Telekommander lassen grüßen!

’Stein Auf Stein’ geht in eine ähnliche Richtung und ist deshalb passender Weise als Single ausgewählt worden, zu der auch ein Video produziert wurde. Das eine Outfit mit schwarzen Stiefeln, Melone und Vorschlaghammer erinnert dabei etwas an Alex aus ’Clockwork Orange’ – Aggressionspotenzial inklusive. Immerhin wird dann ja auch ein ganzes Zimmer auseinander genommen. Inhaltlich geht es in dem Songtext aber wohl eher um den positiven Gedanken, einen Neuanfang zu wagen: „Die Trümmer deiner Stadt sind endlich verbrannt./ Stein auf Stein!/ Wir machen aus der Asche einen Diamant./ Stein auf Stein!/ Wir fangen wieder an!“

Also ab jetzt doch alles „neu“? Nicht ganz! Das Wort „alt“ im Titel bezieht sich nämlich nicht nur auf die musikalischen Einflüsse wie 80er New Wave, NDW und Punk, bei denen sich Schwefelgelb bedienen. Auch einige Stücke erschienen davor schon mal auf der EP ’Zehn Schuss, kein Treffer’. Macht aber nichts, da die Tracks auf jeden Fall mehr Zuhörer verdient haben.

Neben dem Titeltrack ’Zehn Schuss, kein Treffer’ waren auf der EP bereits ’Spiegelein, Spiegelein’, ’Dann ist das gut’ und ’Ey Puppe’ zu hören. Letzteres beschäftigt sich mit dem Schönheitswahn einiger eitler Modepüppchen: „Komm, wir spielen!/ Deine Perücke – gut gestylt!/ Ein bisschen Botox gut verteilt./ Alle Narben gut verheilt./ Aber es steht dir sehr gut!/ Ey Puppe!“

Fazit: Auf ’Alt und neu’ geben die beiden Elektro-Punks ordentlich Gas und werden damit nicht nur alte Fans wie die Kollegen von Shitdisco begeistern, sondern bestimmt auch neue dazu gewinnen. Wer übrigens Schwefelgelb erstmal in kleiner Dosis antesten will, kann auch zum Sampler ’Müssen alle mit 5’ greifen. Neben ’Ich hab dich gesehen’ ist auch noch auf der Bonus-CD der bisher unveröffentlichte „Super Commodore“-Remix von ’Ich nehm den Mund zu voll’ enthalten.

Mehr Infos: http://www.schwefelgelb.de

CD voraussichtlich ab 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Spillsbury – Auf zum Atem
Deichkind – Arbeit nervt

Live und in Farbe 2008: 8.11. Neukirchen – Saegewerk *** 21.11. Aachen – Jakobshof (Album Release Party) *** 22.11. Kamen – CRIOstudios / GMT 5.0

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4. November 2008 2 04 /11 /November /2008 23:48

Obwohl es sich bei 'Paragraph 31' um das Debütalbum von Yassir handelt, konnte er schon so einige von sich überzeugen. Allen voran Jonesmann, der ihn auf sein Label 'Echte Musik' holte. Aber auch Azad, der im Video zu 'Prison Break Anthem' ein Shirt mit seinem Schriftzug trug. Wobei das in ihn gesteckte Vertrauen durchaus berechtigt ist, wie er jetzt beweist. Gleich das erste Stück 'Mein Leben' zeigt die Qualitäten des Frankfurter MCs auf. Er redet offen und ehrlich in den Lyrics über seine kriminelle Verganenheit, ohne sie aber zu glorifizieren: „So tief sink ich nicht wieder, ich dachte nie an morgen./ Diese Zeit war wirklich widerlich und vollgestopft mit Sorgen./ Ich habe wirklich alle Drogen, die es gibt, verkauft./ Hab gelogen und betrogen und so viele Jungs verhauen./ Das ist nichts, mit dem ich prahlen kann, ich bin darauf nicht stolz.“

Dass die Botschaften in seinen Songtexten Yassir wirklich wichtig sind, ist auch daran zu erkennen, dass er sie alle im Booklet abdrucken ließ. Dabei macht er sich auch mal locker wie auf dem Track 'Es Ist Meine Zeit', auf dem ihn Manuellsen, Josof und Harris unterstützen, der hier über seine Anfänge berichtet: „Ich hab gar nicht gewusst, was rappen ist, bis ich NWA hörte und fragte: Ey Bubu, was ist'n dies?/ Ich danke meinem Cousin bis heute dafür – und Rasmus auch, die Beiden öffneten mir diese Tür."

Den Beat dafür liefert Phrequincy, weitere gut geerdete Instrumentale kommen von Brisk Fingaz, Lex Barkey, Sti, Martelli, Benny Blanco sowie M3 & Noyd, die ja auch für Azad das 'Prison Break Anthem' eingetütet haben. Zudem hat sich fast halb Frankfurt auf der Platte verewigt, um Yassir Respekt zu zollen – von Sezai über Blaze, Solo, Hanybal, Jeyz und D-Flame bis hin zu Tone. Auf der ersten Single 'Kämpfersong' gibt sich dann noch Jonesmann die Ehre, den Refrain zu singen: „Das hier ist ein Kämpfersong. Yeah, ich steh auf und kämpfe für mein Leben./ Denn ich hab genug gesehen, und ich will nicht verbluten gehen.“

Im Titeltrack beschuldigt Yassir einige ehemalige Freunde im Songtext, ihn verraten zu haben. Der Paragraph 31 des Betäubungsmittelgesetzes regelt „Strafmilderung oder Absehen von Strafe“. Demnach können wohl Mittäter besser wegkommen, wenn sie bei der Aufklärung des Verbrechens helfen. In den USA nennen sie das wohl Snitching ("petzen"). Yassir stellt das so dar: „Er ist zur Zeit in Mode, der verräterische Trend./ Der scheinbar beste deiner Homies ist dann der, der dich verbrennt.“ Doch es gibt ja auch das berechtigte Whistleblowing – das rechtzeitige Ziehen der Notbremse, um die eigene Existenz zu schützen. Wie es sich jetzt genau in dem Fall verhält, weiß ich natürlich nicht. Derzeit befindet sich Yassir jedoch noch immer hinter Gittern.

Fazit: Das ist kein Gangstarap, das ist 'Knast-Rap'! Hart, ehrlich, gut – und vor allem ohne den Anschein zu erwecken, dass Verbrechen sich lohnt. Yassir ist textlich und technisch gut genug, um wirklich zu berühren. Mit 'Paragraph 31' könnte er es daher wirklich schaffen, den 'Teufelskreis' zu durchbrechen.

Mehr Infos: http://www.yassir.de

CD seit 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

 

 

 

Das könnte dazu passen:
Blaze – Schocktherapie
Various – Ecko Unltd. Vol. 1 (German Edition)

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