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4. November 2008 2 04 /11 /November /2008 23:48

Obwohl es sich bei 'Paragraph 31' um das Debütalbum von Yassir handelt, konnte er schon so einige von sich überzeugen. Allen voran Jonesmann, der ihn auf sein Label 'Echte Musik' holte. Aber auch Azad, der im Video zu 'Prison Break Anthem' ein Shirt mit seinem Schriftzug trug. Wobei das in ihn gesteckte Vertrauen durchaus berechtigt ist, wie er jetzt beweist. Gleich das erste Stück 'Mein Leben' zeigt die Qualitäten des Frankfurter MCs auf. Er redet offen und ehrlich in den Lyrics über seine kriminelle Verganenheit, ohne sie aber zu glorifizieren: „So tief sink ich nicht wieder, ich dachte nie an morgen./ Diese Zeit war wirklich widerlich und vollgestopft mit Sorgen./ Ich habe wirklich alle Drogen, die es gibt, verkauft./ Hab gelogen und betrogen und so viele Jungs verhauen./ Das ist nichts, mit dem ich prahlen kann, ich bin darauf nicht stolz.“

Dass die Botschaften in seinen Songtexten Yassir wirklich wichtig sind, ist auch daran zu erkennen, dass er sie alle im Booklet abdrucken ließ. Dabei macht er sich auch mal locker wie auf dem Track 'Es Ist Meine Zeit', auf dem ihn Manuellsen, Josof und Harris unterstützen, der hier über seine Anfänge berichtet: „Ich hab gar nicht gewusst, was rappen ist, bis ich NWA hörte und fragte: Ey Bubu, was ist'n dies?/ Ich danke meinem Cousin bis heute dafür – und Rasmus auch, die Beiden öffneten mir diese Tür."

Den Beat dafür liefert Phrequincy, weitere gut geerdete Instrumentale kommen von Brisk Fingaz, Lex Barkey, Sti, Martelli, Benny Blanco sowie M3 & Noyd, die ja auch für Azad das 'Prison Break Anthem' eingetütet haben. Zudem hat sich fast halb Frankfurt auf der Platte verewigt, um Yassir Respekt zu zollen – von Sezai über Blaze, Solo, Hanybal, Jeyz und D-Flame bis hin zu Tone. Auf der ersten Single 'Kämpfersong' gibt sich dann noch Jonesmann die Ehre, den Refrain zu singen: „Das hier ist ein Kämpfersong. Yeah, ich steh auf und kämpfe für mein Leben./ Denn ich hab genug gesehen, und ich will nicht verbluten gehen.“

Im Titeltrack beschuldigt Yassir einige ehemalige Freunde im Songtext, ihn verraten zu haben. Der Paragraph 31 des Betäubungsmittelgesetzes regelt „Strafmilderung oder Absehen von Strafe“. Demnach können wohl Mittäter besser wegkommen, wenn sie bei der Aufklärung des Verbrechens helfen. In den USA nennen sie das wohl Snitching ("petzen"). Yassir stellt das so dar: „Er ist zur Zeit in Mode, der verräterische Trend./ Der scheinbar beste deiner Homies ist dann der, der dich verbrennt.“ Doch es gibt ja auch das berechtigte Whistleblowing – das rechtzeitige Ziehen der Notbremse, um die eigene Existenz zu schützen. Wie es sich jetzt genau in dem Fall verhält, weiß ich natürlich nicht. Derzeit befindet sich Yassir jedoch noch immer hinter Gittern.

Fazit: Das ist kein Gangstarap, das ist 'Knast-Rap'! Hart, ehrlich, gut – und vor allem ohne den Anschein zu erwecken, dass Verbrechen sich lohnt. Yassir ist textlich und technisch gut genug, um wirklich zu berühren. Mit 'Paragraph 31' könnte er es daher wirklich schaffen, den 'Teufelskreis' zu durchbrechen.

Mehr Infos: http://www.yassir.de

CD seit 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

 

 

 

Das könnte dazu passen:
Blaze – Schocktherapie
Various – Ecko Unltd. Vol. 1 (German Edition)

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29. Oktober 2008 3 29 /10 /Oktober /2008 22:20

 

 

 

Statt neun Monaten mussten die Fans von Q-Tip gute neun Jahre auf ein neues Album warten. Da passt es ja, dass er es ’The Renaissance’ genannt hat. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet Wiedergeburt. In diesem Sinne: Welcome back!
Nachdem A Tribe Called Quest 1998 ihre letzte gemeinsame Scheibe veröffentlichten, erschien bereits kurz darauf die erste Solo-CD ’Amplified’ von Q-Tip. Obwohl das Werk von vielen Kritikern als etwas zu glatt eingestuft wurde, hatte wohl niemand erwartet, dass der New Yorker MC sich danach für fast ein Jahrzehnt rar machen würde.

Allerdings kamen in der Zeit danach auch regelmäßig Tracks von ihm raus. Mal half er der Rockgruppe R.E.M. beim Stück ’The Outsiders’, mal den Electro-Produzenten Chemical Brothers bei ’Galvanize’. 2006 folgte dann zum Beispiel noch ’The Frog’ mit dem brasilianischen Piano-Altmeister Sergio Mendes und dieses Jahr ’Sandcastle Disco’ für das bisher nur als Import erhältliche Album von Solange Knowles, der kleinen Schwester von Beyonce. Bei dieser Bandbreite war kaum klar, was einen nun auf ’The Renaissance’ erwarten könnte.

Umso größer ist die Überraschung, dass Q-Tip auf einen ziemlich geradlinigen Retro-Sound setzt. Die Eckpfeiler sind HipHop, Funk, Jazz und Soul – umgesetzt mit einer warmen Live-Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug. Erste Single ist ’Gettin’ Up’, bei der sich Q-Tip bei ‘You And I’ von Black Ivory bedient hat, was auch im Songtext etwas aufgegriffen wird: „You and I advance, certainly we can expand – feelings that should never end./ And you respect me like a friend but love me like your man – no other could contend.”

Ein Video existiert außerdem schon für ’Move’ – das einzige Lied, das Q-Tip nicht selbst produziert hat. Stattdessen ist das Stück ein Erbe seines langjährigen Freundes J Dilla aka Jay Dee, der im Februar 2006 mit 32 Jahren verstorben ist. Für den Track bediente sich der überaus beliebte Produzent bei The Jackson 5 und schnappte sich ein Sample von ’Dancing Machine’. Gesangliche Gäste auf ’The Renaissance’ sind zudem Norah Jones, D’Angelo, Amanda Diva und Raphael Saadiq.

Wer fehlt, ist Barack Obama – obwohl er von Q-Tip bereits in Interviews angekündigt wurde. Oder ich habe einfach seinen Beitrag auf der CD überhört. Dafür zollt Q-Tip in ’Life Is Better’ einer ganzen Reihe von MCs Tribut wie in einem ’Hyper Hyper’ des HipHop. Kool Herc, LL Cool J, Ludacris, Biz Markie, BDP, Eazy E, Large Professor, OutKast und unzähligen weiteren Rappern wird Folgendes gesagt: „Life is better – since I found you.“

Trotzdem geht es bei Q-Tip natürlich nicht nur um Love, Peace & Happiness. Über Weltbürger, Billiglöhne, Zulu-Bewegung und Verschwörungstheorien („They watching you“) rappt Q-Tip auf dem funky eingespielten ’Manwomanboogie’, das sich auf ’Aspectacle’ der deutschen Rockgruppe Can von 1979 bezieht. In ’We Fight/We Love’ erzählt er dann noch die Geschichte eines jungen Mannes, der seine Freundin zurück lässt, um in den Krieg zu ziehen gegen ein Land, in dem sich die Leute mit „Salam“ begrüßen. Im Refrain heißt es dazu: „We fight and love so much./ Sometimes I get confused with who we are.”

Fazit: Erst war ich etwas enttäuscht, dass Q-Tip nicht die zahlreichen Einflüsse verarbeitet, die er in den letzten Jahren gesammelt hat. Aber auch wenn sich die Soundästhetik in einem eher klassischen Umfeld der Black Music bewegt, ist es natürlich wie sooft bei ihm, dass einen irgendwann der Groove packt und das Album mit jedem Hören wächst.

Mehr Infos: http://www.qtiponline.com

CD voraussichtlich ab 31. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Various - Sex and the City Volume 2
Various – Calypsoul 70

 

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22. Oktober 2008 3 22 /10 /Oktober /2008 08:37

Gib dem Affen Zucker! Spring! Spür die Wut! Schlag die Faust gegen die Wand! Mach kaputt, was dich kaputt macht! Oder mach aus alt neu! So wie Prinz Pi! The Artist formely known as Prinz Porno ist endgültig Geschichte. Zumindest ist es nicht mehr nötig, das auf dem Cover zu erwähnen! Denn jetzt regiert der 'Neo Punk'!

Wobei die Fans der alten Sachen keine Angst haben müssen. Gleich im ersten Stück 'Super Seiajin', dessen Titel anscheinend von der Manga-Serie 'Dragon Ball' inspiriert ist, zitiert Pi einige klassische Zeilen. Los geht es mit „It's still bigger than HipHop“ von Dead Prez, bevor sein eigener traditioneller Einleitungssatz – bekannt aus unter anderem 'Keine Liebe', '!Donnerwetter!' und 'Keine Idole' – ins Gedächtnis gerufen wird: „Ich reduzier' mich auf das Minimum!“

Ansonsten bezieht sich der Berliner Rapper in dem Songtext unter anderem auf den Erfurter Amokläufer Robert Steinhäuser, auf den Fantasy-Epos 'Herr der Ringe' („Neo Punk - wir sprühen es hin, und am Hals haben wir den glühenden Ring.“), den Comedian Mario Barth und die Simpsons („Ich schmeiß mit einem Meilenstein deine Scheibe ein, meine Spuren an der Decke wie vom Spiderschwein.“).

Alles ist Pop! Oder eben Techno, wie bei der ersten Single 'Gib dem Affen Zucker' ja in den Lyrics ohne große Umschweife zugegeben wird: „Ich nehm einen Technobeat, mit brettharten Synthesizern./ Und mache Arschbombe in Bettlaken Münchner Weiber!“ Auch hier reichen die kulturellen Bezüge von 'Hänschen Klein' bis zu 'Der Pate' und landen über den unglaublichen 'Hulk' schließlich beim Dekonstruktivismus – wo reine Formen benutzt werden, um schiefe Kompositionen zu schaffen. Klingelt's?

Ob Politik oder Konsolenspiel – alles hat seine Spuren hinterlassen. Bei 'Affen An Die Macht' sind es eben Georg W. Bush und Super Mario, dessen Anfeuerungsruf ja auch schon Kool Savas und Laas Unltd. zu 'Lettzeee Gooo (L.A.A.S.A.V.A.S.)' inspiriert hat.

Geholfen dabei, dieses wahnwitzige Werk zu erschaffen, haben neben dem Hauptproduzent Biztram noch Casper, DJ Craft von K.I.Z., Bina und The Royals, die bei dem orientalisch angehauchten 'Schläferstündchen' die Co-Produktion übernehmen durften. Der Songtext greift den Sound auch passenderweise etwas auf: „Okzident - Orient, richtig und falsch, muslimisch - christlich, es knallt - wenn sie es sagen./ Wer sie sind? Sie sind Magnaten, Banker und Illuminaten.“

Fazit: Der Wahnsinn hat Methode – und trifft damit voll ins Schwarze. Wenn die Revolution einen Soundtrack braucht, hat Prinz Pi hier mit 'Neo Punk' einen mehr als gut gelungenen Beitrag dazu abgeliefert.

Mehr Infos: http://www.prinzpi.biz

CD voraussichtlich ab 24. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Kool Savas – Die John Bello Story 2
Deichkind – Arbeit Nervt
Flobots – Fight With Tools

Live und in Farbe 2008 mit Casper sowie Maeckes & Plan B: 26.11. Braunschweig – Jolly Joker *** 27.11. Bremen – Modernes *** 28.11. Hamburg – Markthalle *** 30.11. Potsdam – Waschhaus *** 3.12. Duisburg – Hundertmeister *** 4.12. Köln – Underground *** 5.12. Münster – Skaters Palace *** 6.12. Weinheim – Cafe Central *** 7.12. Frankfurt – Batschkapp *** 8.12. Trier – Exhaus *** 10.12. Saarbrücken – Roxy *** 11.12. Freiburg – Jazzhaus *** 12.12. Bern (CH) – Reitschule *** 13.12. Basel (CH) – Kaserne *** 14.12. Stuttgart – Longhorn *** 15.12. Augsburg – Alte Kantine *** 17.12. München – Backstage *** 18.12. Innsbruck – tba *** 19.12. Graz (A) – tba *** 20.12. Wien (A) – tba

 

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16. Oktober 2008 4 16 /10 /Oktober /2008 21:21

Der erste Teil der ’John Bello Story’ war für Kool Savas 2005 ein voller Erfolg. Es wurde kurzerhand das erfolgreichste Mixtape der deutschen Rap-Szene. Wobei es eigentlich fast eine Mogelpackung war, denn über die Geschichte von Bello wurde kaum ein Wort verloren. Nun kommt die Fortsetzung in die Läden – und bringt ein klein bisschen mehr Licht ins Dunkel.

Jedenfalls gibt es einen Titel namens ’Bellomann’, der zumindest zeigt, was ’Bello’ ist: „Wir sind anders als diese Typen – wir sind ’Bello’./ Jede Zeile ist – ’Bello’, jedes Album ist ’Bello’./ Nur labern, haten und nichts schaffen ist nicht – ’Bello’.“

Gut, wäre schon mal das geklärt. Auch bei der Frage, ob Savas noch der ’King Of Rap’ ist, fällt die Antwort eindeutig aus. Wie Moe Mitchell im Refrain zur bombastisch untermalten Single ’Krone’ bemerkt, versuchen zwar viele, Savas das Zepter streitig zu machen. Geschafft hat es aber bisher keiner: „Sie werfen Steine auf meinen Thron – bis ein Zacken aus der Krone bricht./ Sie hoffen und sie beten, dass ich fall, doch ich bleibe auf meinem Thron – und sie kriegen diese Krone nicht!“

Auffälig bei der ’John Bello Story 2’ ist, dass es sich dabei eigentlich gar nicht um ein reguläres Mixtape handelt. Statt wieder einfach skizzenartig unzählige Tracks raus zu hauen, wurden diesmal richtige Songs ausgearbeitet. Auf das übliche Vorgehen, beliebte Ami-Beats zur musikalischen Untermalung zu nutzen, wurde diesmal auch verzichtet. Zitiert wird aber trotzdem gerne – zum Beispiel ’Umbrella’ von Rihanna in ’Bellomann’.

Ein anderer Bezug, den Savas noch herstellt, ist der zu ’Harry Potter’. Das Stück ’Voldemort’ von der Bonus-CD wagt das Undenkbare im Songtext und ruft ’Du weißt schon wen’ bei dem Namen, der nicht genannt werden darf. Mal schauen, ob das ähnliche Reaktionen hervorruft, wie der Song ’Der Halbblutprinz’ von seinem kleinen Bruder Sinan.

Neben den ansonst eher üblichen Battletexten gibt es aber auch noch den Konzeptsong ’Holiday Hoe’. In den Lyrics lassen Savas und Franky Kubrick Ferienstimmung aufkommen – Big Pun lässt grüßen, wenn der Bellomann am Ballermann feiert: „Frühstück um 16 Uhr – ficken mit 16 Huren./ Mütter, die dir kurz einen rütteln im Hotelflur./ Nur manche Bräute verlieren sich schnell und fucken ab./ ’Oh Babygirl, I ain’t a player, I just fuck a lot’./ Sie ist eine Urlaubsschlampe, eine Holiday Hoe./ Sie stellt sich am Strand zur Schau.“

Fazit: Savas hat sich nach seinem eigenen Album ’Tot Oder Lebendig’ locker gemacht und noch einmal die Optik Army zusammengetrommelt. Tiefsinniges darf da natürlich nicht erwartet werden, aber Spaß macht’s schon. Dass dies offiziell die letzte Scheibe von ’Optik Records’ ist, kann somit auch mit einem lachenden und nicht nur mit einem weinenden Auge gefeiert werden.

Mehr Infos: http://www.optikrecords.de

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Curse – Freiheit
Blaze – Schocktherapie

Live und in Farbe 2009: 5.1. Osnabrück – Rosenhof *** 6.1. Frankfurt – Batschkapp *** 7.1. Mannheim – Feuerwacheh *** 8.1. Saarbrücken – Garage *** 9.1.09 Lindau – Club Vaudeville *** 10.1. Würzburg – Soundpark Ost *** 11.1. Bochum – Zeche *** 13.1. Leipzig – Moritzbastei *** 14.1. Hamburg – Fabrik *** 15.1.
Bremen – Modernes *** 16.1. Hannover – Capitol *** 17.1. Dresden – Alter Schlachthof *** 18.1. Wien (A) – Planet Music *** 20.1. Nürnberg – Hirsch *** 21.1. Stuttgart – LKA Longhorn *** 22.1. Freiburg – Jazzhaus *** 23.1. Basel (CH) – Kaserne *** 24.1. Zürich (CH) – Dynamo *** 25.1. München – Backstage *** 27.1. Kassel – Nachthallen *** 28.1. Fulda – Kreuz *** 29.1. Köln – Essigfabrik *** 30.1. Münster – Skater's Palace *** 31.1. Berlin – Huxley's

 

 

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16. Oktober 2008 4 16 /10 /Oktober /2008 21:19

In seinem Blog unter Motor.de freut sich Tim Renner, Chef der ’Motor Entertainment GmbH’, dass nach den durchaus guten CDs von Rainer von Vielen, Herrenmagazin und PeterLicht nun wieder mal ein echter Knaller bei ’Motor’ erscheint. ’The Colour Of Snow’ hat nämlich das Potenzial, deutlich höhere Chartspositionen zu erreichen: „Bei Polarkreis 18 sind wir bei ’Motor’ schon fast verunsichert, wie gut und schnell alles läuft.“

Toll ist bei Tim Renner und Motor.de aber auch, dass auf der eigenen Seite trotzdem eine Pro- und Kontra-Debatte angestoßen wird, was die musikalische Entwicklung der Dresdner Band angeht. Zuletzt spalteten nur The Aim Of Design Is To Define Space die Redaktion in ähnlicher Weise. Autorin Jennifer Beck treibt es bei Polarkreis 18 zwar wieder die Tränen in die Augen – allerdings nicht vor Begeisterung: „Vielmehr weil man lachen muss. Über den neuesten Treppenwitz namens Synthie-Pop, den Polarkreis 18 in zehn völlig blassen Songs auf die Spitze treiben.“

Aha! Zeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Sänger Felix Räuber, Gitarrist Philipp Makolies, Keyboarder Silvester Wenzel, Bassist Uwe Pasora, Schlagzeuger Christian Grochau und Trompetenspieler Ludwig Bauer gehen diesmal fokussierter vor. Verglichen mit Stücken wie ’Look’ oder ’Dreamdancer’ von ihrer letztjährigen Debütscheibe, bei der die Ideen noch nicht ausgefeilt genug erschienen, um wirklich im Gedächtnis hängen zu bleiben, fabriziert das Sextett nun echte Ohrwürmer. Allen voran natürlich ’Allein Allein’.

Der Einfall, einen deutschen Satz in den Refrain zu packen, teilt aber entschieden die Meinungen. Einige denken, damit soll das eigene Land stärker bedient werden, andere fühlen sich aus dem Takt gebracht. Aber vielleicht ist genau dieser Kunstgriff das Geheimnis des Erfolges. Schließlich hat es auch Blur bei ’Girls And Boys’ nicht geschadet, die eigenen deutschen Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis zu stellen („Du bist sehr schön“). Spannend ist auch, dass die Aussage bei Polarkreis 18 durchaus etwas paradox ist: „We look into faces – wait for a sign./ Wir sind allein. Allein, allein.“

Aufgegriffen wird diese Technik noch einmal in ’Tourist’, das mit einem rhythmischen Schienentackern beginnt. Der schöne Popsong erinnert mich dabei etwas an den Achtzigerjahre-Hit ’Smalltown Boy’ von Bronski Beat. Das Video passt ja auch zum Thema: „The tourists are on a train – so far away./ […]./ Wir kommen nirgendwo an.“

Dritter im Bunde ist dann das beatlastige ’Prisoner’, das es übrigens derzeit unter Myspace.com/polarkreis18 für diejenigen zum Free Download gibt, die sich für den Newsletter eintragen. Lustigerweise fragt Felix Räuber darin: „Wann hört das auf?“ Also meinetwegen gar nicht. Es könnte stattdessen sogar ruhig mal ein ganzer Song in der eigenen Muttersprache verfasst werden. Fände ich spannend.

Genauso spannend fände ich einen Remix von Seeed-Sänger Peter Fox. Anknüpfungspunkte sind ja durchaus vorhanden. So wie er für seine Solo-CD nutzen zum Beispiel auch Polarkreis 18 das Filmorchester Babelsberg für die Umsetzung ihrer musikalischen Vision. Zudem werden unzählige Chöre eingesetzt, um epische Stimmungen zu erzeugen – selbst wenn wenig Zeit bleibt, weil das Instrumentalstück ’Untitled Picture’ gerade mal zwei Minuten lang ist.

Fazit: ‘The Colour Of Snow’ lädt zum Tanzen und Träumen ein. Widersprüche werden verwischt: Schnee – schwarz! Kälte – Zärtlichkeit! Wir – allein! Der Sound erzeugt Bilder für das Kino im Kopf. Film ab!

Mehr Infos: http://www.polarkreis18.com

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Travis – Ode To J. Smith
Peter Fox – Stadtaffe

Live und in Farbe 2008: 27.10. London (UK) – Blow Up Metro *** 25.11. Potsdam – Waschhaus *** 26.11. Hamburg – Übel & Gefährlich *** 27.11. Den Bosch (NL) – W2 *** 28.11. Amsterdam (NL) – Paradiso *** 29.11. Köln – Gebäude 9 *** 1.12. Leipzig – Werk 2 *** 2.12. München – Ampere *** 3.12. Innsbruck (A) – Weekender *** 5.12. Wien (A) – Flex *** 10.12. Kopenhagen (DK) – Loppen *** 11.12. Arhus (DK) – Voxhall

 

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16. Oktober 2008 4 16 /10 /Oktober /2008 15:14

2004 debütierte die in Hamburg lebende Sängerin mit dem Album ’Boheme’, gelangte damit bis auf Platz 3 der deutschen Charts – und überholte damit sogar noch die dazugehörige Single ’Das Spiel’, die es auf Platz 5 schaffte. Zwar blieben alle darauf folgenden Singles weit hinter dieser Leistung zurück, aber dafür waren die nächsten zwei Alben mindestens genauso erfolgreich. Die Messlatte für ’Teilzeithippie’ liegt also verdammt hoch!

 

Vielleicht knüpft deshalb der Songtext des ersten Stücks ’Das Schlechte Gewissen’ bei ’Das Spiel’ an. Eine feste Beziehung ist noch immer nicht das Ziel. Annett Louisan will doch nur spielen, wie dieser sanfte Popsong betont: „Ein nüchterner Morgen erwacht./ Dein schlechtes Gewissen ruft Stress auf den Plan, und rächt die durchtriebene Nacht./ Aber niemand konnte es sehen, niemand konnte es hören./ Wenn es keiner weiß, dann wird es auch keinen stören.“

 

Auch bei ’Sexy Loverboy’ geht es darum, dass Monogamie nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Dabei erinnert das Lied mit der swingenden Musik etwas an ’I’ll Be There For You’ von The Rembrandts, das als Titelmelodie der Sitcom-Serie ’Friends’ bekannt ist. Inhaltlich geht es in den Lyrics darum, dass sich Partner und Liebhaber doch ruhig mal treffen könnten: „Dass Liebe eine Primzahl ist und völlig linear.../ Dass man sie nicht teilen und nicht streuen kann hier und da.../ Zeig mir, wo das steht.“

 

Der von ihrem langjährigen Komponisten Hardy Kayser geschriebene Shuffle-Song ’Die Siezgelegenheit’ dreht sich im Grunde ebenfalls nur um das Eine: „Er sagt Sie’ zu mir, das mach ich mit – das ist brisant wie Dynamit./ Denn das erlaubt zwischen den Zeilen – pikante Dinge mitzuteilen./ Leicht transportiert man auf dem ’Sie’ – Erotik und Diplomatie./ Das ist die Siezgelegenheit – und ich bin heute sehr siez-bereit.“

 

Dass sich Annett Louisan als erste Single jedoch für ’Drück die 1’ entschieden hat, ist da fast schon verwunderlich. Schließlich geht es darin um das Ende einer Beziehung. Den ehemaligen Freund schickt sie dabei spaßiger Weise wie bei einer Service-Hotline in die Warteschleife. Das Video dazu setzt diese Idee schick um und präsentiert die Sängerin als Telefonistin mit braunem Bob-Haarschnitt, enger Bluse und Minirock: „Wenn du Probleme hast mit deiner neuen Frau. Ist deine Kohle weg, sind deine Haare grau./ Ist es die Einsamkeit, die dir zu schaffen macht – drück die 8./ Brauchst du Hilfe bei der Frage, wie´s mir geht in meiner Lage, ob ich Gefühle für dich hege oder Groll./ Wieviel ich dir glauben sollte, was ich jetzt noch von dir halte und wie oft mir so was noch passieren soll – drück die 0!“

 

In Balladen wie ’Wir Nicht’ wird das Thema noch einmal in anderer Art aufgegriffen. Hier reagiert Annett Louisan nicht trotzig, sondern traurig auf die gescheiterte Partnerschaft. Mit ’Gekommen Um Zu Sagen’ klingt sie sogar etwas nach Silbermond und Co. Der Titelsong ’Teilzeithippie’ bringt die Leichtigkeit aber wieder zurück und fordert augenzwinkernd dazu auf, eine Revolution zu starten, einfach aus dem System auszusteigen und die freie Liebe zu feiern.

 

Fazit: Wie in der ’Bravo’ dreht sich bei Annett Louisan (fast) alles um Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Bei der charmanten und abwechslungsreichen Darbietung auf ’Teilzeithippie’ ist das Ganze aber so unverkrampft, dass niemand ein schlechtes Gewissen nach dem Genuss dieser Platte haben muss.

 

Mehr Infos: http://www.annettlouisan.de

 

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Jacques Palminger And The Kings Of Dub Rock – Mondo Cherry

Chapeau Claque – Fabelweiss

 

Live und in Farbe 2009: 28.1. Haslach i.K. – Stadthalle *** 29.1. Augsburg – Stadthalle Gersthofen *** 30.1. Frankfurt – Alte Oper *** 1.2. Braunschweig – Stadthalle *** 2.2. Bremen – Congress Center *** 3.2. Stade – Stadeum *** 4.2. Halle/Salle – Händelhalle *** 6.2. Gera – Kultur- und Kongresszentrum *** 7.2. Erfurt – Messe *** 8.2. Hannover – AWD Hall *** 9.2. Chemnitz – Stadthalle *** 11./12.2. Berlin –Tempodrom *** 15.2. Rostock – Stadthalle *** 16.2. Lübeck – MuK *** 17.2. Bielefeld – Stadthalle *** 18.2. Cottbus – Stadthalle *** 28.2. München – Deutsches Theater (Tour wird fortgesetzt)

 

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15. Oktober 2008 3 15 /10 /Oktober /2008 11:57

Die 'Electric Super Dance Band' ist zurück – und macht weiterhin, was ihr Spaß macht. Deichkind arbeiten aber gleichzeitig daran, aus der Band ein Wirtschaftsunternehmen wie die deutsche Blue Man Group zu erschaffen. Die CD 'Arbeit Nervt' ist dabei nur die Visitenkarte, um die Leute auf sich aufmerksam zu machen!

„Es ist so, dass wir da auch einen neuen Wirtschaftszweig anstreben. Eine Art Franchise-Unternehmen, bei dem wir neue Gruppen bilden wie 'Deichkind Junior' oder 'Deichkind International'. Dann können wir andere Leute in unserem Korsett auf die Bühne schicken – wie bei der Blue Man Group“, erklärt Philepp die Entwicklung Deichkinds. „Wir definieren uns nicht mehr als Band, sondern als Unterhaltungsgruppe. Zum Beispiel überlegen wir auch, ob wir großen Betrieben anbieten sollen, dass ihre Mitarbeiter als Team mit einem eigenen Auftritt bei einer Deichkind-Tour gestärkt werden. Sonst machen sie ja so Sachen wie Bungeejumping und Wildwasserfahrten. Der Sinn dieser ganzen Verkleidung war natürlich auch aus der Angst heraus geboren, auf die Bühne zu gehen mit Techno-Beats, die eigentlich in unseren Ohren erstmal schrecklich klangen.“

Schrecklich klingt größtenteils auch, was auf ’Arbeit Nervt’ zu hören ist. Dabei wurde die „Technoisierung“ der Band relativ schleichend vorangetrieben. ’Limit’ ging 2002 schon in diese Richtung und auf dem St.-Pauli-Sampler 'Heimvorteil' präsentierten sie dann 2004 'Lady G-String'. Aber erst beim dritten Album ’Aufstand im Schlaraffenland’ wurde der Elektro-Ausflug auf die Spitze getrieben – und wird nun mit ’Arbeit Nervt’ noch einmal verstärkt.

Die Arbeitsweise dahinter erklärt DJ Phono folgendermaßen: „Du kannst dir das so vorstellen, dass die Musik wie Farbe beim Action Painting an die Leinwand geworfen wird. Die Forderung ist dabei aber, dass nicht nur naiv gearbeitet wird. Es soll nicht nur spontan wirken, sondern auch Substanz gewinnen. Wobei es schon faszinierend ist, diese Kraft der unmittelbaren Eruption zu erleben. Wir machen damit auch gar nicht unbedingt was ganz Neues. Wir haben damit bestimmt nicht das Rad neu erfunden. Aber für jeden Einzelnen von uns geht es darum, seine persönliche Grenze zu erreichen. Das ist wie eine Gruppentherapie.“

Wahrscheinlich wird deshalb aus gruppentherapeutischen Gründen im Video zum Titeltrack auch eine riesige Bierschlacht veranstaltet. Einfach mal die Sau raus lassen. Will doch jeder. Siehe den Songtext dazu: „Priester, Putzfrauen, Pizzabäcker, Proktologen – wollen lieber popeln, pöpeln, prügeln, pogen./ Lehrer, Kellner, Gärtner, Bänker, Broker, Richter – sehnen sich nach Druckbetankung durch den Trichter.“

Therapeutisch sind auch die Lyrics von '23 Dohlen’ zu verstehen. Vögel krähen, die Gedanken fangen an zu kreisen. Warum 23? Was steckt dahinter? Die Lösung: Es geht genau darum, Zahlenmystiker auf die falsche Fährte zu führen. Bitte nicht drüber nachdenken!

Aber es darf auch mal wie mit dem poppig-süßen ’Luftbahn’ gekuschelt werden: „Das Stück 'Luftbahn' ist ein sehr wichtiger Track, weil er als erstes ziemlich cheesy wirkt, aber auf seine Art sehr ehrlich ist. Viele Ideen entstehen sehr schnell. Wir gucken oft erst später, ob das was ist oder nicht. Bei 'Luftbahn' dachten wir, dass die Nummer Energie hat und auf jeden Fall aufs Album muss. Mit diesem Stück sind wir ja fast schon radiotauglich.“

Den Vorwurf, mit 'Travelpussi' den Kontakt zur Porno-Industrie zu suchen und richtig Schotter zu machen („Sex sells“!), wird aber vehement von sich gewiesen. Werbung für Sextoys wollen sie nicht machen. Auch hier geht es eher um einen therapeutischen Ansatz. Lasst uns doch einfach mal darüber reden: „Es war eher die Faszination dieses Phänomens, da wir viel auf Autobahnen unterwegs sind. Wir haben uns einfach gefragt, ob sich die Leute das als Gag aus dem Automaten ziehen oder tatsächlich zum Gebrauch. Die Skurrilität dieses Dings hat unsere Phantasie angeregt. Wobei gesagt werden muss, dass ein Thema wie Sexualität bei Deichkind diskutiert wird, weil dieser Bereich unglaublich tabuisiert ist – selbst im Jahre 2008. Ich würde 'Travelpussi' als Impuls sehen, überhaupt über Sexualität reden zu können.“

Fazit: Operation geglückt, Patient tot! Deichkind reduzieren sich musikalisch auf das Minimum – um Raum für was Größeres zu schaffen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand das ganze Werk am Stück durchhört, wenn er nicht dazu gezwungen wird. Allerdings geht es hier auch eher um die Live-Performance, zu der ’Arbeit Nervt’ eben den durchgeknallten Soundtrack liefert. Also Bauarbeiterweste anziehen, Wasserpistole betanken und abraven – zackizacki!

Mehr Infos
: http://www.deichkind.de

CD voraussichtlich ab 17. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Jacques Palminger And The Kings Of Dub Rock – Mondo Cherry
Märtini Brös – The MB Factor

Live und in Farbe 2008: 1.11. Schwerin – Sport- und Kongresshalle (Pioneer Alpha Festival) *** 26.11. Hamburg – Kampnagel (Öffentliche Generalprobe) *** 27.11. Kiel – Max *** 28.11. Hannover – Capitol *** Bremen – Aladin Music Hall *** 30.11. Osnabrück – Rosenhof *** 2.12. Mannheim – Capitol *** 3.12. Düsseldorf – Stahlwerk *** 5.12. Bielefeld – Ringlokschuppen *** 6.12. Dortmund – Westfalenhalle *** 8.12. Wiesbaden – Schlachthof *** 9.12. Zürich – Xtra Limmathaus *** 10.12. Ulm – Roxy *** 11.12. München – Muffathalle *** 13.12. Salzburg – Gusswerk *** 14.12. Lahr – Universal DOG *** 15.12. Saarbrücken – Garage *** 16.12. Stuttgart – Theaterhaus *** 18.12. Berlin – Postbahnhof *** 19.12. Leipzig – Werk 2 *** 2012. Hamburg – Docks

 

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9. Oktober 2008 4 09 /10 /Oktober /2008 16:57

Die meisten Leute dürften das erste Mal von Chapeau Claque gehört haben, als deren Sängerin beim Bundesvision Song Contest 2007 auftrat. Zusammen mit Northern Lite sang sie die deutsche Strophe zu deren Stück ’Enemy’ und kam damit bis auf Platz 6.

Wobei gleich gesagt werden muss, dass Chapeau Claque vom Sound her so gut wie gar nicht mit Northern Lite zu vergleichen sind. Stattdessen machen Maria Antonia Schmidt, Bassist Tim Schäfer, Gitarrist Timo Klöckner, Keyboarder Peer Kleinschmidt und Schlagzeuger Jörg Wähner nach eigener Angabe „Elektro-Chanson-Pop-Romantik“-Musik. Was das sein soll, zeigte vor einiger Zeit schon die erste Single ’Pandora (Kiss Miss Tragedy)’.

Der Songtext bezieht sich auf die griechische Mythologie, nach der die schöne Pandora aus Neugier eine Büchse öffnet und damit alles Unheil in die Welt entlässt. Nur die Hoffnung bleibt im Behältnis zurück, als es wieder geschlossen wird. „Pandora, kauf dir einen Kater. Dann fühlst du dich vielleicht nicht mehr so allein./ Was soll schon dabei sein, wenn du dir ein Herz aus Papier unter deinen Pullover schiebst – nur, dass du dich ganz offensichtlich selbst belügst./ Pandora, schau mal aus dem Fenster als immer nur in dein Spiegelbild hinein./ Vielleicht wirst du finden, was du einst in jener Dose zurück gelassen hast.“

Mystisch ist auch das Video dazu geraten. Hinter Tiermasken versteckt wartet ein Theaterpublikum darauf, dass die Show losgeht. Doch der Vorhang öffnet sich nicht – bis schließlich der erste Gast aus Neugierde hinter die Kulissen schauen will. Ganz anders ist dagegen das Video zu ’Metamor’, der fast schon akustischen B-Seite der Single. Darin werden vor allem Kinder aus Nepal gezeigt, wo sich Maria Antonia Schmidt zwei Monate lang als Sozialarbeiterin um Waisen aus Phokara und Kathmandu kümmerte.

Viel besser gefällt mir aber das flotte Liebeslied 'Vagabund'. Die Idee, 'Mikesch & Milou' vom Akkordeon begleiten zu lassen, ist ebenfalls witzig und passt zum pfiffigen Text. Bei 'Karusell' könnte ich mir jedoch noch sehr gut einen Remix für die Dancefloors vorstellen. Vor allem, da die Originalinstrumentierung irgendwie gewöhnungsbedürftig ist. Mit '25 Grad im November' gibt es zudem noch ein etwas rockigeres Stück mit guter Umweltschutz-Botschaft.

Toll ist aber auf jeden Fall auch die etwa 23 Sekunden lange 'Fabel', wie sie eigentlich wirklich nur eine Oma vortragen kann. Der Text ist quasi das Intro zu 'Froschtod' und lautet folgendermassen: „Sass ein kleiner, grüner Frosch auf seinem Rosenblatt im Teich und quakte fröhlich vor sich hin, als plötzlich ein Reiher vom Himmel auf ihn schoss und diesen noch im selben Moment bei lebendigen Leibe auffrass.“

Fazit: ’Fabelweiss’ wird wahrscheinlich wie beim 'Contest' auch nicht alle überzeugen, aber bestimmt einige neue Fans für die Band gewinnen. Schließlich gibt es hier doch nicht nur elektronische Chansons mit poppig-romantischen Lyrics zu hören.
Wer Chapeau Claque in die fabelhafte Welt der Maria Antonia folgt, trifft stattdessen auf eine bunte Mischung mit vielen kleinen Ideen, die alle zusammen ein stimmiges Bild zeichnen.

 


Mehr Infos: http://www.chapeauclaque.net

CD voraussichtlich ab 10. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Travis - Ode to J. Smith

Mia. - Willkommen im Club

 

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9. Oktober 2008 4 09 /10 /Oktober /2008 14:49

Obwohl Jacques Palminger seit gut 20 Jahren Musik macht, erscheint erst jetzt das erste Album unter seinem eigenen (Künstler-)Namen. Dass er mal mit den Punkrockern Dackelblut musiziert hat, ist dabei nicht rauszuhören. Dass er allerdings mit Studio Braun seinen Spaß hatte, schon!

„Heute Nacht werden wir uns neu erfinden, Cherie“, kündigt der alte Charmeur gleich vollmundig im ersten Stück ’Worte Nur Worte’ an. Der dafür gewählte Musikstil, mit denen er seine Songtexte zwischen Genie und Wahnsinn untermalt, steht dabei ja schon direkt auf dem Cover. Entspannt groovt der Dub Rock aus den Boxen. Allerdings ist seine Gesangspartnerin Rica Blunck eher skeptisch, dass er sie damit wirklich rumkriegt: „Immer nur Worte. Nichts als das. Das alte Lied!“

Doch Jac gibt nicht auf. Zum entspannten Reggae-Beat von Viktor Marek legt er sich richtig ins Zeug und verführt die Dame mit den unglaublichsten Ideen: „Drehe deine Leber zur Sonne – und du bist ein Star. Ein leuchtender Stern. Und ich bin eine Sonde.“ Aha!

Danach geht es weiter mit ’Marieanna’, das vermutlich nicht ohne Grund nach Marihuana riecht. Stolz sind Jac, Vic und Ric, die hier die Lyrics hauptsächlich alleine singt, auf den Pseudo-Tuba-Break. Der ist aber auch wirklich schön geworden. Musikalisches Highlight beim Titeltrack ist dagegen die von Heinz Strunk gespielte Querflöte. Auch wirklich schön geworden. ’Ich Mag Chopin’ ist schließlich eine fast wortwörtliche Übersetzung des schon 25 Jahre alten ’I Like Chopin’ von Gazebo, das damals sogar auf Platz 1 der deutschen Charts landete.

Herzstück des Albums dürfte aber das herrliche ’Playboy’ sein, bei dem ich immer an ’Telefonterror’ von Freundeskreis denken muss. Darin fühlt sich Jac von Ric ertappt: „Wer hat dir das gesagt – dass ich ein Playboy bin? Erstens ist es unverantwortlich, so was über irgendjemand zu behaupten. Und zweitens ist es wahr. Ja, ich bin ein Filou der alten Schule und ich sag dir eines: Du kannst einem Känguru das Hüpfen nicht verbieten.“ Haha!

Fazit: Originell ist Ansatz von Jacques Palminger auf jeden Fall. Einige Songs haben dabei tatsächlich das Potenzial zum Kulthit. Bei zwölf solcher Stücke, die zum Teil über sechs Minuten lang sind, bleibt einem aber ab und zu auch das Lachen im Halse stecken. Weniger wäre hier vielleicht doch mehr gewesen.

Mehr Infos: http://www.myspace.com/palminger

CD voraussichtlich ab 10. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Heinz Strunk – Die Zunge Europas
Kim And The Cinders – Kim And The Cinders

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8. Oktober 2008 3 08 /10 /Oktober /2008 16:15

Laut Michael Patrick King, dem Produzenten von 'Sex And The City', war der diesjährige Film einfach mit soviel guter Musik erfüllt, dass dafür eine Soundtrack-CD einfach nicht ausreichen konnte. Folglich kommt nun 'Volume 2' in die Läden – und bietet tatsächlich noch einmal eine ganze Reihe an alten und neuen Hits!

Die Bandbreite von 'Volume 1' reichte ja schon von dem Crossover-Klassiker 'Walk This Way' aus dem Jahre 1986 bis zum exklusiven Stück 'Labels Or Love', für das Produzent Salaam Remi die bekannte TV-Titelmelodie in einen schönen Track für Fergie von den Black Eyed Peas einbaute. Des Weiteren gab es unter anderem 'Mercy' von Duffy und 'The Heart Of The Matter' von India.Arie zu hören – plus einen groovigen Remix zum über vier Jahrzehnte alten Soul-Klassiker 'The Look Of Love' von der 2003 im Alter von 70 Jahren verstorbenen Nina Simone.

Trotzdem muss sich 'Volume 2' dahinter nicht verstecken. Michael Patrick King bat Salaam Remi – der in den letzten 20 Jahren bereits Sachen für die Fugees, Nas, Leona Lewis und Amy Winehouse produziert hat – auch für diese Fortsetzung noch ein exklusives Stück bereitzustellen. Diesmal wählte er Ciara als Interpretin aus, die nun im Songtext zum sexy groovenden 'Click Flash' über das aufregende Leben im Rampenlicht singt: „I know you probably think a girl like me is 'oh so vain'./ Because I love it when the camera man screams out my name./ He says: 'Hey girl, look here, turn left, right, up, down, pose!'/ And I feel so beautiful while I'm wearing these designer clothes.“

Auch auf 'Volume 2' gibt es außerdem einige schon bekannte Songs zu hören. 'Beautiful' von Glodfrapp ist bereits drei Jahre alt und mit 'Real Girl', das ein Sample von Lenny Kravitz enthält, enterte Mutya Buena nach der Trennung von den Sugababes letztes Jahr die Top 40 in Deutschland. Richtig frisch ist dagegen noch 'Pretty Please (Love Me)' von Estelle. Das Video zu dem Lied hatte erst vor wenigen Wochen Premiere.

Die britische Soulsängerin soll übrigens zu den Black Jays um den kanadischen Rapper Kardinal Offishall gehören. Zumindest haben sie schon des Öfteren zusammengearbeitet. Für 'Pretty Please (Love Me)' hat sie sich aber lieber ein paar Zeilen von Cee-Lo Green einsingen lassen. Im Video spielt er allerdings nicht mit, das die Lyrics über eine sich schlecht behandelt fühlende Frau in einer kleinen Geschichte optisch umsetzt: „Why, tell me why you wanna treat me so bad – when you know I love you?/ Darlin', don't you know I'm giving you the best lovin' you've ever had. There's no one else for you.“

Fazit: 15 weitere Wohlfühlsongs, die laut Michael Patrick King ein sexy Bett aus Musik bereiten, in das sich die Leute legen und zuhören können – oder eben das machen, was so ihm Bett gemacht wird. Schließlich geht es ja hier um 'Sex and the City'!

Mehr Infos: http://www.sexandthecitymovie.com

CD voraussichtlich ab 10. Oktober 2008 im Handel erhältlich.


Das könnte dazu passen:
Kardinall Offishall – Not 4 Sale
Various – Calypsoul 70

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