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15. Mai 2013 3 15 /05 /Mai /2013 22:11

Michael Gantenberg hatte ich ja nach seinen letzten Romanen wie 'Jochen' eher im lustigen Bereich eingeordnet. Aber zusammen mit seinem Kollegen Oliver Welter, der unter anderem für die Krimiserie 'Morden im Norden' geschrieben hat, schlägt er mit 'Kalt geht der Wind' scheinbar neue Töne an. Allerdings dann doch weniger inhaltlich als viel mehr geografisch, denn auch er hat zum Beispiel die Krimiserie 'Nord Nord Mord' in seiner bisherigen Kundenliste stehen. Diesmal geht’s aber in Westdeutschland ans Eingemachte, wie der Untertitel verrät: 'Inka Luhmann ermittelt im Sauerland'.


cover-kalt-geht-der-wind.jpgDie beiden Herren konfrontieren ihre Kommissarin nicht gerade mit einem zimperlichen Mörder. Denn die junge Frau, die tot am Ufer eines See gefunden wird, ist nicht „einfach“ ermordet worden. Ihre Augen, Ohren und der Mund wurden zugenäht.

Nach etwa einer Stunde Spielzeit tappen Inka Luhmann, die gerade erst in die Heimat ihres Mannes gezogen ist und sich somit in eher unbekanntem Terrain bewegt, und ihr Kollege Pfeil noch immer eher im Dunkeln: „Okay, fassen wir mal zusammen. Wir haben eine junge Frau, die auf brutale Art und Weise erst alkoholisiert und dann ermordet wird.“

„Und auf dem Grundstück eines Holzbarons gefunden wird, der sich mit seiner Homosexualität einige Feinde im Schützenmilieu gemacht haben dürfte“, ergänzte Pfeil. „Und wir haben einen Chef, der ihr mehr nachtrauert, als gut für seine Ehe ist.“

„Und damit schon mal ein mögliches Motiv bei seiner Ehefrau: Eifersucht. Tja, und dann wäre da noch das Opfer selbst, das in einer Wohnung lebt, die erstens mindestens eine Liga über ihren offiziellen Einkünften spielt, zweitens noch weniger über sie selbst verrät als die Musterwohnung einer Immobilienfirma und drittens besser gesichert ist als die Raiffeisen-Bank in Meschede. Was sagt uns das?“

Nicht sehen, nicht sprechen, aber hören

Den Hörern sagt das zumindest, dass hier irgendwas ganz und gar nicht stimmt. Ein sehr interessanter Kniff des Autorenduos ist zudem, dass auch immer wieder Szenen aus der Sicht der – soviel kann schon verraten werden, denn viele der zeitlich durchdeklinierten CD-Tracks sind mit dem Zusatz „SIE“ markiert – Mörderin.

Als Vorleserin wurde hier Meike Droste ausgewählt. Ihre eher nüchterne Sprechweise ist anfangs eher gewöhnungsbedürftig, aber im Grunde doch recht angenehm. Zumal wohl dabei vor allem an die Zuschauer der TV-Serie 'Mord mit Aussicht' gedacht wurde, die mit ihrer Stimme gleich die Rolle der Polizistin Bärbel Schmied vor dem geistigen Auge haben könnten.

Fazit: Mit dem 5 CDs starken Hörbuch hat 'tacheles!/Roofmusic' wieder einen tollen Titel im Programm. 'Kalt geht der Wind' vereint einen unkonventionellen Fall mit ebenso überraschenden Protagonisten und Rahmenbedingungen, wenn sich zum Beispiel Inkas Ehemann in seiner Elternzeit um die Kinder kümmert oder Pfeil auch schon mal Ablenkung bei einem leichten Mädchen sucht. Also ein weiterer Teil darf da gerne schnellstmöglich folgen!

Mehr Informationen unter: http://roofmusic.de/de/?area=tacheles&content=productdetail&id=947

Hörbuch voraussichtlich ab 16. Mai 2013 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Michael Gantenberg – Jochen
Berni Mayer – Black Mandel
Gabriel Burns – 36: Am Ende aller Tage

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20. Februar 2013 3 20 /02 /Februar /2013 22:12

Eigentlich wollte Jochen nur die Welt verändern und Geschichte schreiben. Doch dann kommt in 'Jochen oder Die Nacht des Hasen' von Michael Gantenberg alles anders. Quasi am Ende, der am Anfang erzählt wird, steht er vollgedröhnt und nackt auf einem Hoteldach, blögt in ein Megafon und droht zu springen. Wie es dazu kam, ist allerdings ein enormer Spaß.

cover-jochen.jpgJochen ist klein, behaart und unzufrieden mit seinem Namen: „Ich kenne nur zwei Namensvetter, die es zu etwas gebracht haben. Jochen Distelmeyer von der Band Blumfeld und Jochen Rindt. Der eine ist Sänger und Gitarrist, und zumindest so erfolgreich, dass ich ihn kenne, der andere war Rennfahrer und ist tot.“

Jochen ist aber auf dem besten Wege, diese beiden Herren locker beim Bekanntheitsgrad hinter sich zu lassen, denn er ist ein Hase – und kann sprechen. Geschichten über sprechende Tiere gibt es ja so einige. Nehmen wir zum Beispiel mal das Pferd Mr. Ed oder was Aktuelles wie 'Neues vom Känguru', wobei das seinen „Erfinder“ Marc-Uwe Kling immer eher zum Wahnsinn treibt.

Hattu (M)Öhrchen? Muttu hören!

Jochen ist anders. Er glaubt, den Menschen helfen zu müssen – und es auch zu können. Doch er kann seine frohe Botschaft nicht ohne menschliche Hilfe verbreiten. Also spricht er erst Nils an. Den jungen Mann hat er schon lange im Nachbargarten beobachtet. Und der holt seine Freunde ins Boot. Aber eine Sensation wie ein sprechender Hase fördert nicht nur das Gute im Menschen...

Mit seinem bereits vierten Roman in vier Jahren legt Michael Gantenberg eine beachtliche Produktivität an den Tag. Gut ist aber, dass unter der Quantität die Qualität nicht zu leiden scheint. Seine Figuren sind vielleicht etwas klischeehaft, aber liebenswürdig gezeichnet. Und zu lachen gibt es auf jeden Fall wieder mehr als genug. Dafür sorgt auch die Lesung von Bastian Pastewka. Denn wenn eine Hase sprechen könnte, dann wäre es bestimmt mit seiner Stimme.

Fazit: In 'Jochen oder Die Nacht des Hasen' zieht Michael Gantenberg wirklich alle Register und beweist "Humörchen". Wer einfach eine unterhaltsame Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft hören mag, ist hier genauso gut aufgehoben wie diejenigen, die darin ein bisschen Politik- und Medienkritik herauslesen wollen. Und wer weiß, vielleicht verändert Jochen mit seiner Geschichte doch noch die Welt?

Mehr Informationen unter: http://www.michaelgantenberg.de

Hörbuch kommt bei Roof Music raus und ist voraussichtlich ab 21. Februar 2013 im Handel erhältlich. Die Buchausgabe soll am 11. März im Knaus Verlag, München unter der ISBN 978-3-8135-0542-9 erscheinen.

Das könnte dazu passen:
Michael Gantenberg – Neuerscheinung
Evelyn Sanders – Eigentlich wollt' ich Blumen kaufen

Michael Gantenberg live und in Farbe 2013: 14.03. Leipzig – Café Puschkin (Lesung und Gespräch im Rahmen von „Leipzig liest“) *** 24.04. Rees – Stadtbücherei

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