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11. Juni 2015 4 11 /06 /Juni /2015 17:16

Nachdem DJ Supermarkt aus Berlin der heutigen Club-Generation den entspannt groovenden Sound der späten Siebziger beziehungsweise frühen Achtziger schon in diversen Tanznächten und auf einer ersten Compilation letztes Jahr erfolgreich nähergebracht hat, war die Fortsetzung nur eine Frage der Zeit.

Cover zu Too Slow To Disco 2Für den zweiten Teil von ’Too Slow To Disco’ hat es sich DJ Supermarket nicht gerade leicht gemacht. Wieder hat er nach ein paar schönen Perlen gesucht, die größtenteils nie die Anerkennung bekommen haben, die sie verdienen. Dabei machen sie alle gute Laune.

Paul Davis, der mit einem seiner Titel den Namen für die Sampler-Reihe ablieferte, ist diesmal mit ’Medicine Woman’ aus dem Jahr 1976 dabei. Hierzulande kaum bekannt, hatte der aus Mississippi stammende Soul-Sänger in seiner Heimat durchaus ein paar erfolgreiche Singles in seiner Diskografie. Aber der richtig große Durchbruch blieb leider aus. 2008 starb er im Alter von 60 Jahren an einer Herzattacke.

Vielen seiner (Leidens-)Genossen auf ’Too Slow Too Disco (Vol. 2)’ erging es zumindest in ihren eigenen Künstlerkarrieren ähnlich. In den Linernotes zu ’Come with me’ von Eric Kaz heißt es zum Beispiel, dass er zwei Solo-Alben veröffentlicht hat. Darunter ’Cul de Sac’ von 1974, von dem das ausgewählte Stück stammt. Wenigstens etwas Ruhm erntete er aber mit seinen Arbeiten für große und bekannte Namen wie Linda Ronstadt und Michael Bolton.

Eher in dieser Klasse spielen natürlich Daryl Hall & John Oates, die gemeinsam diverse Nummer-1-Alben ablieferten und es sogar hierzulande in die Charts schafften. Aber in ihren Anfängen hatten auch sie es schwer. Hier wurde mit ’Alone Too Long’ ein Stück ausgewählt, das auch als Titelsong zur TV-Comedy-Serie ’Hello Ladies’ eingesetzt wird. Inhaltlich geht es in den Lyrics um einen reichen Jungen, der doch nur geliebt werden will: „But he don't know if he can make it./ Between the money and another lonely night./ Now the time has come, got to stay or run./ Now the time has come./ Ooh maybe we've been alone too long./ You don't want to be lonely.“

Wahrscheinlich macht es dagegen wenig Sinn, Namen wie Bruce Hibbard oder Dave Raynor aufzuzählen, die nie groß raus kamen – zumindest eben nicht im Rampenlicht, sondern allenfalls im Hintergrund. Aber ihre Musik spricht ja jetzt durchaus für sie und zaubert Sonne ins Herzen und ein Lächeln ins Gesicht. Und wer mehr davon braucht, kann ja zum Beispiel den Free Download unter https://soundcloud.com/djsupermarkt/sing-to-me-ned-doheny-a-mixtape-by-dj-supermarkt-to-the-lost-soul-of-the-westcoast nutzen. Oder alles dafür tun, dass 'Volume 3' schnellstmöglich folgt.

Fazit: Wer nach einem schönen Soundtrack für den kommenden Sommer sucht, wird bei ’Too Slow To Disco’ bestimmt fündig. Einsortiert wird das enthaltene Material gerne auch bei „Blue-eyed Soul“, „Yacht-Pop“ und „Adult Only Rock“. Doch all diesen eher als Schmähungen zu verstehenden Bezeichnungen zum Trotz geht der Groove hier direkt ins Herz.

Album voraussichtlich ab 12. Juni 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://tooslowtodisco.com/

Das könnte dazu passen:
XJazz Festival Berlin 2015 – Konzertbericht zu Jazzanova und Jacques Palminger
James Vincent McMorrow – Live at the Ace Hotel Theatre, Los Angeles

Too Slow To Disco in Form von DJ Supermarket (quasi) live und in Farbe 2015: 12.06. London – The Social (Eintritt frei!) *** 13.06. London – Rough Trade East (Instore DJ-Set zwischen 15 und 17 Uhr, Eintritt frei!) *** 19.06. Berlin – Neue Heimat *** 26.06. Berlin – Monarch

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10. Juni 2015 3 10 /06 /Juni /2015 14:03

Huch, schon wieder Halbzeit? Und weil im Mai neben der Jubiläumsfolge beim ’Gruselkabinett’, der deutschen Übersetzung zum neuen Roman von Siri Hustvedt und dem Album von Ferris MC auch noch Sachen von zum Beispiel Dr. Knarf und Protoje erschienen sind, gibt es hier noch Nachschlag.

Max Moor – Als Max noch Dietr war (Hörbuch)

Cover zu Max MoorModerator Dieter Moor nennt sich seit einiger Zeit lieber Max. Allerdings erzählt er jetzt erst einmal aus der Zeit, als Max noch Dietr war. Dass da ein Buchstabe fehlt, ist richtig so. Es geht nämlich um seine Kindheit in der Schweiz vor rund 50 Jahren und so schreibt er auch immer über den Vatti und das Muätti. Beziehungsreise redet er in der Autorenlesung eben drüber in seiner heimatlich geprägten Aussprache. Was in der gekürzten Version der 4-CD-Box unter anderem fehlt, ist allerdings der entsprechende Hinweis ’Vorab: Wertvolle Tipps & Warnhinweise für das Schweizerische’ aus dem Buch. Dieser kann aber unter http://www.rowohlt.de/fm90/131/Moor_Als_Max_noch_Dietr_war.pdf in der Leseprobe genauso wie das Kapitel über die Namensänderung nachgelesen werden.

Zudem erzählt der Dietr in den ’Geschichten aus der neutralen Zone’ mal darüber, wie er stundenlang die Schweiz auf dem Globus gesucht hat. Ein anderes Mal, dass seine Familie als eine der ersten in der näheren Umgebung schon das Fernsee hatten, in dem über die Kubakrise berichtet wurde. Doch keine Sorge, dafür gibt es ja die Zivilverteidigung. Außerdem erzählt Dietr, wie er fast einen Bunker bekommt und warum doch nicht. Das Ganze ist entsprechend unterhaltsam, wenn der Dreikäsehoch neunmalklug alles durch seine Augen wiedergibt. Es kann sich aber durchaus auch etwas ziehen. Wenn er zum Beispiel erklärt, was „vorsorglich“ bedeutet: „... dass alle nur hoffen können, dass nichts passiert, aber man eben nie wissen könne, ob es nicht doch passiert, und man darum jetzt wissen müsse, was dann zu passieren habe und was vorher habe passieren müssen, damit das dann passieren kann, was zu passieren habe, nachdem es passiert ist.“

Hörbuch erhältlich seit 8. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.universal-music.de/max-moor/

Gruselkabinett 101 – Verlorene Herzen (nach M.R. James)

Cover von Gruselkabinett 101Kaum ist die 100 geschafft, folgt schon der nächste Streich. Nach den Erzählungen ’Der Eschenbaum’ und ’Zimmer 13’ haben sich die Macher von ’Titania Medien’ erneut eines Stoffes von M.R. James angenommen, um ihn in ihrem ’Gruselkabinett’ zu präsentieren. Der Titel der Geschichte ist dabei, soviel sei verraten, nicht im übertragenden Sinne gemeint. Als erwachsener Erzähler berichtet Timmo Niesner über seine Erlebnisse bei Mr. Abney (Uli Krohm). Dabei entdeckt er als fast Zwölfjähriger eines Tages eine schaurige Erscheinung in einem nicht mehr benutzten Badezimmer, wie er seinem Vormund erschrocken schildert: „Sie hat mir das schreckliche Loch in ihrer Brust gezeigt.“

Doch was will das Mädchen – endlich den wohl verdienten Seelenfrieden … oder blutige Rache? Wie immer ist das Ganze passend, spannend und gruselig umgesetzt und bietet auch in den Nebenrollen bekannte Sprecher wie Helmut Krauss (u.a. der Nachbar Paschulke aus 'Löwenzahn') und Detlef Bierstedt, der sonst in der Sherlock-Holmes-Reihe (hier mehr dazu) von 'Titania' Dr. Watson seine Stimme leiht.

Hörspiel seit 15. Mai 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.titania-medien.de/cms/hoerspiele/gruselkabinett.html

Dr. Knarf – Tash 3 (Mixtape)

Cover zu Tash 3Doktortitel in der Tasche, aber auch Lyrics im Drogendealer-Slang, so präsentiert sich Dr. Knarf auf seinem neuen Mixtape ’Tash 3’. Zu ’Erfolg’, Kniwo hat’ne Knarre’, ’Ich will mehr’, ’Pump Das’ (gedreht von Drive By), ’Lass mich los’ und ’Nr. 5 lebt’ wurden bereits Videos veröffentlicht, wobei zu dem zuletzt genannten sogar spanischsprachige Untertitel eingeblendet werden. Hinzu kommen Live-Clips zu ’Komm doch mal rüber’ und ’Lass mich los’ mit The Ruff Pack. Bei http://theruffpack.bandcamp.com/ gibt es übrigens noch den Free Download von ’Murda’, das sie 2012 gemeinsam aufgenommen haben. Auf dem neuen Mixtape hat er mit ’Adolf Hitler’ außerdem noch ein kritisches, aber auch provokantes, im schlimmsten Fall missverständliches Lied abgeliefert. Darin wird wie aktuell bei Ferris MC (siehe Kritik hier) auch die Kanzlerin erwähnt: „Ich übernehm’ das Land, Digger – so wie Adolf Hitler./ [...]./ Guck’ ich Merkel in die Augen, seh’ ich Adolf Hitler./ Schwimm’ mit dem Strom – das ist Adolf Hitler./ Komplettüberwachung, Mensch aus Glas – Adolf Hitler.“

Abgesehen vom ’Intro’ und dem letzten Track ’Weit Weg’, die Knarf selbst produziert hat, geht der Rest der musikalischen Untermalung auf das Konto von Pablo-Nicolas „Ritmo Beats“ aus Kolumbien. Mit dessen Crack Family Gz hat der Doc schon früher zusammengearbeitet. Bei ’Lo Que Sone’, zu dem es ebenfalls ein Video gibt, sind sie nun wieder zu hören. Ansonsten wirken nur noch seine Teamkollegen Cnor und Stikstar von der Hamburg-Köln-Connection mit. Mit HKC hatte er 2012 das Album ’210N’ raus gebracht. Für dieses Jahr sind dagegen sogar noch mehrere Veröffentlichungen in der Mache. Also auch wenn manche Ansage nicht jede(n) überzeugen dürfte, ist ’Ta$h 3’ eine gute Vorschau dafür, was uns noch erwartet.

Album erhältlich seit 29. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.drknarf.com/

Protoje – Ancient Future

Cover zu ProtoojeMit ’Ancient Future’ liefert der jamaikanische Reggae-Sänger Protoje sein drittes Album in vier Jahren ab. In der Zeit konnte er sich durchaus schon einen guten Namen machen. In der Vergangenheit hat er mit unter anderem Ky-Mani Marley, Sizzla, Busy Signal, Gentleman, Sara Lugo und Jah9 zusammen gearbeitet. Unter https://soundcloud.com/protoje gibt es noch ältere Stücke als Free Downloads. Diesmal sind die Gäste eher weniger bekannt, aber Leute wie Chronixx, Jesse Royal, Sevana Siren, Mortimer und Kabaka Pyramid werden in Reggae-Kreisen ebenfalls schon als spannende Nummern hoch gehandelt.

Passend zum Albumtitel schaut Protoje aber nicht nur vorwärts, sondern auch zurück. Bei ’Bubblin’ nutzt sein Produzent Phillip „Winta“ James zum Beispiel das nahezu gleichnamige Stück von Beres Hammond und seiner Band Zap Pow aus den Siebzigern. Bei Prince Buster (und damit sogar noch gut ein Jahrzehnt früher) bedient er sich dagegen für ’Answer To Your Name’, das mit Ska-Sound für Tanzlaune sorgt. Dazu wurde auch das neueste Video gedreht, nachdem bereits davor schon ’Sudden Flight’, ’Stylin’ und ’Who Knows’ bebildert wurden. Und die Zukunft sieht für Protoje so rosig aus, wie sie im Refrain des zuletzt genannten Titels beschrieben wird: „Who knows – I just go where the trade winds blows./ Sending love to my friends and foes./ And I suppose I'm pleased – to be chilling in the West Indies./ Jah provide all my wants and needs – I got the sunshine rivers and trees./ Green leaves ... oh yeah!“

Album erhältlich seit 29. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.protoje.com/

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9. Mai 2015 6 09 /05 /Mai /2015 12:06

Nach einem gelungenen Debüt im letzten Jahr geht das Berliner XJAZZ Festival nun in die zweite Runde. Bei der Vielzahl an Auftritten muss da natürlich das Publikum selbst entscheiden, welche Show besucht werden soll. Und meine Wahl fiel auf das DJ-Set von Jazzanova und den Gig von Jacques Palminger.

Logo XJAZZ 2015Seit einigen Monaten finden die 'Beatport Friday Warm Ups' im Prinz Charles (Prinzenstr. 85F) bei freiem Eintritt ab 20 Uhr statt. Nach Auftritten von zum Beispiel Baaz, Finn Johanssen und Redshape gab es nun die Gelegenheit im Rahmen des XJAZZ Festivals die international bekannten DJs von Jazzanova im Einsatz hinter den Plattentellern zu erleben – oder jedenfalls zumindest drei des etwas größeren Kollektivs. Zum Eingrooven auf den später folgenden Louie Vega in derselben Location oder den weiteren Veranstaltungen an anderer Stelle war der Mix bestens geeignet.

Trotz der diversen Konkurrenzveranstaltungen des Festivals erschien der Privatclub (Skalitzer Str. 85-86) zum Auftritt von Jacques Palminger auf jeden Fall gut gefüllt. Erste Entdeckung im Vergleich zum Ankündigungsbild im Programmheft: Der Bart ist ab. Jedenfalls halb, denn der gepflegt auftretende Bandleader trägt jetzt (wieder) Schnurrbart. Gleich zu Beginn kündigt er freudig wie der Moderator eines privaten Radiosenders „1 Stunde Powerplay“ an. Dabei ist nicht ganz klar, ob die Begrenzung auf diese Länge durch den Zeitplan des Festivals oder die bisher einzige Platte 'Jzz & Lyrk' und damit auf kaum mehr Material festgelegt ist.

Unklar ist auch, warum seine nach dem Standardkammerton benannte Begleitband immer noch 440 Hz Trio heißt, da ja neben Pianist Richard von der Schulenburg (früher bei Die Sterne), Bassist John Raphael Burgess (früher bei JaKönigJa) und Schlagzeuger Olve Strelow, der für 'Que reste-t-il' den Refrain singt, auch als ziemlich feste Bestandteile Sängerin Lydia Schmidt und Vibraphonist Jan Heinemann beteiligt sind.

Blei – die neue Leichtigkeit des Jzz

Was das Konzert zusätzlich gegenüber einem Tonträger überlegen macht, ist die Dramatugie der Show. Ähnlich humorig wie die Songtexte sind nämlich die Ansagen dazwischen, wenn ein Stück schon mal mit „Eins, Zwei, Blei, Vier“ eingezählt wird. Das ist allerdings auch dem angeblichen Sponsoringvertrag mit (dem anscheinend eher im Verborgenen agierenden Global Player) Nordblei geschuldet, wie Jacques Palminger frei heraus erklärt. Hinzu kommt die optische Untermalung des Auftritts, wenn er zum Beispiel wie in den Lyrics von 'Bittermandel & Salat' angekündigt einer plötzlichen Eingebung folgend zu tanzen beginnt.

Jacques Palminger ist eben auch Schauspieler oder besser gesagt Entertainer, wie er schon in einigen Filmen und Theaterstücken wie 'Fahr zur Hölle, Ingo Sachs', dem am 18. November 2011 erstmals am Deutschen Theater Berlin aufgeführten Actionmusical von Studio Braun, gezeigt hat. Es darf also mit Spannung erwartet werden, was als Nächstes folgen wird.

Let's groove on

Was als Nächstes beim XJAZZ Festival folgt, ist dagegen völlig klar. Weiter geht es heute schon ab 16 Uhr im beziehungsweise vor dem Koffain (Skalitzer Str. 82). Dort treten im Rahmen des OFFJazz-Programms das Pit Dahm Trio, Caramelbrown und #Instandboner kostenlos für je etwa eine Stunde auf. Zum Abendprogramm ab 18:30 Uhr in den verschiedenen Clubs gehören dann unter anderem das Mira Mode Orchestra, The Apples aus Tel Aviv und Nightmares on Wax.

Zum Ausklang am Sonntag gibt es ab 12:00 Uhr den Village Market in der Neuen Heimat (Revaler Str. 99, Ecke Dirschauer Str.). Hier gibt es neben viel Streetfood auch noch mehr Musik inklusive einer Jazzy Berlin Jam am Nachmittag. Um 20:00 Uhr findet das finale Konzert des XJAZZ Festivals mit Jose James statt, der unter anderem auch bei 'Upside Down' von Jazzanova zu hören ist. Und da schließt sich dann der Kreis – bis zum nächsten Mal.

XJAZZ Festival noch bis einschließlich 10. Mai 2015. Mehr Infos unter: www.xjazz.net

Das könnte dazu passen:
Jacques Palminger – Mondo Cherry
Jazzanova – Upside Down
Olli Schulz – Feelings aus der Asche
Die Sterne – Für Anfänger

Nachtrag am 13. Februar 2016: Jacques Palminger tritt dieses Jahr wieder mit Heinz Strunk und Rocko Schamoni als FRAKTUS auf. Leider nicht beim nächsten XJAZZ, aber hier ...

  • 11.05.2016 Kiel, Pumpe
  • 12.05.2016 Osnabrück, Lagerhalle
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5. Mai 2015 2 05 /05 /Mai /2015 21:14

„April, April, der macht, was er will“, heißt es in einem Sprichwort. Na dann dürfte es ja vollkommen in Ordnung sein, wenn hier zuerst ein Kinderbuch vorgestellt wird, bevor die Alben von den Clifftop Vandalz, Raekwon vom Wu-Tang Clan und dem Produzenten-Duo The Alchemist & Oh No beleuchtet werden.

Thea Stilton – Die Thea Sisters: Anschlag auf die Schokoladenfabrik

Thea Stilton ist die Schwester von Geronimo, der als Verleger die 'Neuen Nager Nachrichten' der Mäuse-Insel Mausilia veröffentlicht. Am Mausford-College lernte sie Colette, Nicky, Violet, Pamela und Paulina kennen. Da sie so begeistert von ihrem Unterricht waren, nannten sie sich fortan die Thea Sisters. Gemeinsam erleben sie immer wieder spannende Abenteuer, so wie diesmal beim 'Anschlag auf die Schokoladenfabrik' in Ecuador. Paulinas alter Freund Antonio produziert dort mit biologischer Landwirtschaft den Kakao für seine süßen Naschereien und hat damit gute Chancen, den begehrten 'Chocolate Cup' zu gewinnen. Doch irgendwer will das anscheinend verhindern ...

Das Buch ist als Hardcover im laminierten Pappband mit Glitzer drauf erschienen. Die Altersempfehlung ist ab 8 Jahre, was ganz gut passt. Kinder in der zweiten Klasse sollten mit dem Text gut zurechtkommen, auch wenn englische und spanische Wörter kleinere Schwierigkeiten bereiten. Dafür gibt es aber auch viel zu lernen über Land und Leute. Und die bunte Aufmachung mit unterschiedlichen Schriften und vielen Comic-Bildern sorgt für unbeschwertes Lesevergnügen.

Buch seit 27. März 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.theasisters.de/

Clifftop Vandalz – The Bloody Chapter

„They are the Vandals“, lassen Rapper Sevsnite und DJ Spleen aus dem Schweizer Kanton Wallis gleich zu Beginn ihres offiziellen Debütalbums beim 'Vandalz Anthem' vom Sprecher aus der TV-Dokumentation ’Barbarians II – The Vandals’ des amerikanischen Senders ’The History Channel’ verkünden. Überhaupt sind ihre Verbindungen zum Mutterland des HipHop scheinbar recht gut ausgebaut. Zu 'Hit 'em!' hat SirQLate von den Antihelden ein Video mit Reef The Lost Cauze von der Army of the Pharaohs gedreht, bei 'The Destruction' mit dem herrlich eingängigen und -deutigen Battlerap-Refrain „Fuck you“ wirkt Swifty McVay von D12 mit und bei 'No Arguments' sind Chino XL und Blaq Poet dabei.

Doch bei ihren meist zum Kopfnicken einladenden, dem Hardcore-Rap verpflichteten Songs sind sie auch Kooperationen mit ihren musikalischen Kollegen vor Ort nicht abgeneigt. Will Jungo spielte bei einigen Stücken den Bass ein, Äs & Ich liefern einen Beitrag zu 'Gift' ab, Sängerin Salomé unterstützt 'Weisch Wie's Isch?' und DJ Pleschen von Grielichtmilieu ist für die Cuts bei ’John McClane’ verantwortlich. Darin samplen die Vandalz passend zum Titel den „Schweinebacke“-Spruch von Bruce Willis aus ’Stirb langsam’. In diesem Sinne: „Yippie ya yay!“

Album seit 10. April 2015 erhältlich. Mehr Infos: https://www.facebook.com/ClifftopVandalz

Various – The Achemist & Oh No present: Welcome To Los Santos

Cover zu Los SantosGemeinsam mit Edgar Froese von Tangerine Dream and Woody Jackson erarbeiteten The Alchemist und Oh No 2013 die Musik zum Computerspiel ’Grand Theft Auto V’. Darauf aufbauend haben sie sich zu einer Art Fortsetzung inspirieren lassen und mit unzähligen Gästen noch ’Welcome To Los Santos’ aufgenommen., das jetzt bei ’Mass Appeal Records’ erschienen ist. Im jazzig angehauchten Titeltrack führen die Lyrics der fast 50-jährigen Rap-Legende MC Eiht zusammen mit Freddie Gibbs und Kokane in die Welt der Original-Gangster ein: „Don't get fooled by the palm trees, fly ass bitches and bomb ass weed./ It's real over here on these cold streets, triple OGs stay about that cheese./ Los Santos – We be doing the most.“

Als weitere Rapper wurden zum Beispiel E-40 bei ’California’, Ab-Soul bei ’Trouble’ und Action Jackson bei ’Bad News’ verpflichtet. Auch ihre Beiträge passen inhaltlich zur Vorlage von ’GTA 5’, bei dem – wie der Name schon sagt – Autodiebstahl und andere kriminelle Handlungen an der Tagesordnung stehen. Doch das Produzentenduo ruht sich auf diesem Konzept nicht aus, sondern hat noch völlig unterschiedliche Künstler zu diesem außergewöhnlichen Projekt dazu geholt – wie die Elektropopper Phonogram für ’K.Y.S.A.’ (das ausgeschrieben als „Keep yourself alive“ ebenfalls gut das Thema trifft), Tunde Adebimpe von den New Yorker Indierockern TV on the Radio für ’Speedline Miracle Masterpiece’ oder den Dancehall-Sänger Vybz Kartel für ’Fast Life’. Da die neue Musik nun wiederum in der ebenfalls gerade erst veröffentlichten PC-/Windows-Version von ’GTA V’ integriert wurde, schließt sich somit wieder der Kreis.

Album seit 24. April 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.massappealrecords.com

Raekwon – Fly International Luxurious Art (mit u.a. Snoop Dogg und Estelle)

Cover zu F.I.L.A.Mit dem Wu-Tang Clan hat Raekwon Anfang der Neunziger Jahre das HipHop-Geschäft entscheidend verändert. Nach über zwei Jahrzehnten mit unzähligen Veröffentlichungen immer noch am Puls der Zeit zu bleiben, ist natürlich keine leichte Aufgabe. Auf ’F.I.L.A.’ schafft es der selbsternannte ’Chef’ aber wieder einmal, einige schöne Tracks abzuliefern. Als einziges Clan-Mitglied ist Ghostface Killah dabei, der dafür aber sowohl bei ’4 in the Morning’ als auch ’Revory (Wraith)’ ans Mic steppt. Weitere Hilfe gibt es von unter anderem French Montana, Busta Rhymes, 2 Chainz, Rick Ross und Snoop Dogg, der beim funky groovenden Track ’1, 2, 1, 2’ zu hören ist.

Die erste Single ’All About You’ ist allerdings zusammen mit Estelle aus London ziemlich eindeutig eher eine Art feines Liebeslied geworden. In eine ganz andere Richtung geht dagegen der treibende Sound von Jerry Wonda für die zweite Single ’Soundboy Kill It’ mit der kanadischen Sängerin Melanie Fiona und dem Jamaikaner Assassin, der vor kurzem schon bei Kendrick Lamar eine gute Figur machte (Kritik zu dessen Album hier). Veröffentlicht wird das Ganze übrigens über Raekwons eigenes Label ’Ice H2O Records’, mit dem er unter https://soundcloud.com/iceh2orecords/ noch diverse Free Downloads zur Verfügung stellt.

Album seit 24. April 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.raekwonchronicles.com/

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8. April 2015 3 08 /04 /April /2015 23:54

Bisher ist wenig bekannt über die SynthPop-Band Tüsn. Sie kommt aus Berlin. Sie besteht aus Bassist Daniel, Schlagzeuger Tomas sowie Keyboarder und Sänger Stefan, genannt „Snöt“. Und die Single 'Schwarzmarkt' rockt gewaltig. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das angekündigte Album im August.

„Reden ist Silber, Tanzen ist Gold“, heißt es im Refrain von 'Schwarzmarkt', das bereits Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde. Von daher sollte vielleicht wirklich nicht allzu viel verraten werden. Wobei das bei den wenigen verfügbaren Informationen auch kaum möglich ist.

Selbst das dazugehörige Video gibt über Tüsn selbst nichts preis, denn gezeigt wird altes Archivmaterial in Schwarz-Weiß. Geschnitten hat es Filmemacher Dennis Hemstedt, in dessen Filmographie unter anderem Videos auftauchen für 5Bugs aus Berlin (!), Itchy Poopzkid aus Eislingen, Emil Bulls aus München und die 'Schlussmacher'-Version zu 'Hurt Lovers' von Blue aus London für den Film von Matthias Schweighöfer.

Und es bleibt spannend. Als nächste Single ist 'Zwang' für den 17. April angekündigt. Wer sich vorab ein Bild von der Band machen will, kann das gerade noch bei der Tour von der US-amerikanischen Indie-Rockband The Airborne Toxic Event machen, für die sie noch an zwei Abenden im April als Vorband unterwegs sind. Oder dann auf diversen Festivals im Sommer.

Fazit: Geheimnisvoller Hype hin oder her, der 'Schwarzmarkt' funktioniert. Also in Tüsn zu investieren und jetzt schon ein paar Aktien drin zu haben, lohnt sich bestimmt.

Single seit 28. November 2014 erhältlich. Mehr Infos unter: www.tuesn.de

Das könnte dazu passen:
Schafe & Wölfe – Große Augen für schlechte Aussichten
Jesper Munk – Claim
Swiss + Die Andern – Grosse Freiheit
Various – Dein Song 2014 (mit u.a. Blue, Bosse und Revolverheld)

Tüsn live und in Farbe 2015: 09.04. Hamburg – Grünspan *** 11.04. Köln – Luxor *** 25.05. Leipzig – Wave Gotik Treffen *** 05.-07.06. Mendig – Rock am Ring *** 05.-07.06. Nürnberg – Rock im Park *** 10.-13.07. Lichterfeld – Feel Festival *** 17.-19.07. Gräfenhainichen – Melt! Festival Ferropolis *** 01.08. Dangast – Watt En Schlick *** 05.-09.08. Eschwege – Open Flair Festival

 

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5. März 2015 4 05 /03 /März /2015 14:35

Was einst Mark Twain über Börsenspekulationen sagte, gilt auch für Plattenveröffentlichungen: „Dafür ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober.“ Und weil tatsächlich wieder ein paar Sachen durchgerutscht sind, die ruhig noch erwähnt werden könnten, folgt hier ein weiteres Platten-Sammelsurium.

Fil – Pullern im Stehn (Hörbuch)

Cover zu FilFil ist Zeichner, Bühnen-Entertainer und Sänger aus Berlin (aus Berlin!). Vor allem aber ist er ganz lustig. Nun hat er mit 'Pullern im Stehn', das im Untertitel 'Die Geschichte meiner Jugend' heißt, die Geschichte seiner Jugend aufgeschrieben. Beziehungsweise hat er sie im 'TAK' vorgelesen und aufgenommen. In diesem Fall handelt es sich übrigens nicht nur um eine gekürzte Live-Lesung, wie auf der CD angemerkt, sondern um eine kommentierte. Immer wieder streut Fil zusätzliche Angaben zum vorgelesenen Text ein. Gleich zu Beginn entschuldigt er sich für den Titel: „Ich hab' das als Scherz gemeint. Aber dann stand es schon so im Raum. Und jetzt heißt es so. Und dann wird's wenigstens nicht in den Schulen gelesen.“

Ob das mit der Namensfindung tatsächlich stimmt, bleibt dabei fraglich. Den schon in den ersten Sätzen seiner Autobiographie behauptet er Dinge, die er direkt live korrigiert. Zum Beispiel gibt er die Anzahl der Bewohner des Märkischen Viertels, wo er aufgewachsen ist, mit 70.000 an: „Hier muss ich sagen, ein jüngerer Autor hätte das vielleicht bei Wikipedia recherchiert. Ich habe es einfach mal so geschätzt.“ Und genau für so was wird er geschätzt. Also zu lachen gibt es bei ihm auch hier genug.

Hörbuch erhältlich seit 6. Februar 2015. Mehr Infos: http://www.fil-berlin.de/

Big Sean – Dark Sky Paradise

Ende diesen Monats wird Big Sean aus Detroit 27. Mit 19 veröffentlichte er sein erstes offizielles Mixtape 'Finally Famous'. Das gleichnamige Debütalbum folgte dann erst 2011, schaffte es dafür aber auf Platz 3 der US-Charts. Nun folgt nach 'Hall Of Fame' der dritte Streich. Eröffnet wird das Werk mit 'Dark Sky (Skyscrapers)', bei dem Sean über einen Beat von Robert "Rob Got Beats" Harris und dem kanadischen Produzenten Boi-1da erklärt, wie hart er sich quasi von der Bordsteinkante zur Skyline gearbeitet hat: „And I don't owe nobody in the world no favors./ I started from the basement, made it to the skyscrapers.“

Interessanterweise gibt es für den Rest des Albumtitels auch noch einen eigenen Track. 'Paradise' ist dabei von Mike Will Made-It ziemlich düster und schön aggressiv zusammengeschraubt worden. Weitere Unterstützung hinter den Reglern und/oder am Mic gab es von unter anderem KanYe West, DJ Mustard, Lil Wayne und Drake. Bei 'Play No Games' ist neben R'n'B-Sänger Chris Brown noch Ty Dolla Sign dabei, der schon im letzten Platten-Sammelsurium an der Seite von Lupe Fiasco auftauchte (Kritik zu 'Tetsuo & Youth' hier!). Alles in allem sticht 'Dark Sky Paradise' damit nicht unbedingt aus dem aktuellen Mainstream-Rap heraus, ist aber auf der Höhe der Zeit und geht gut ins Ohr.

Album erhältlich seit 23. Februar 2015. Mehr Infos: http://www.universal-music.de/big-sean/

New Kingston – Kingston City

Cover zu New KingstonSchon der Name der Gruppe New Kingston zeigt relativ deutlich, dass die New Yorker mit ihrem Sound Richtung Jamaika zielen. Namenhafte Gästen aus der Heimat des Reggae wie The Wailing Souls bei ’Protect Me’, Sister Carol bei ’Conquer Dem’ und der bereits 2010 verstorbene Sugar Minott bei ’Certain Girls’ belegen dabei eindrucksvoll, dass sie damit auf einem guten Weg sind.

Hinzu kommt weitere Unterstützung von zum Beispiel der Sängerin Kimie Miner aus Hawaii und zwei Mitgliedern der Tribal Seeds aus Kalifornien. Der deutsche Bassist Moritz „DaBaron“ von Korff produzierte das eher unspektakuläre Liebeslied ’Good Luck Charm’ und ist mit seiner Gruppe Dub Inc. für den gelungenen Opener ’Today’ verantwortlich, der mit seinen engagierten Lyrics gegen Hunger, Gewalt und Leid mehr hermacht. Unter https://soundcloud.com/newkingston/on-me-live gibt es übrigens eine Live-Version aus St. Petersburg des etwas älteren Stücks 'On Me' als Free Download. Ein weiterer neuer Titel ist ’I Believe In Me’. Und mit dem neuen Album können New Kingston auch entsprechend selbstbewusst in die Zukunft blicken.

Album seit 27. Februar 2015 erhältlich. Mehr Infos unter: http://newkingstonmusic.com/

 

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27. Februar 2015 5 27 /02 /Februar /2015 09:04

„Historische Momente legendärer Reimer“ feiert Blumentopf-Rapper Holunder im Titelstück '#hmlr' wie Tegernseer oder Käsekrainer – Classic Material halt. Zusammen mit seiner Topf-Crew und dem Rap-Quartett Texta aus Linz geht nun als TNT ein Neuner-Gespann wie der Wu-Tang Clan an den Start. Und zeigt dann mal locker, dass auch nach gut zwei Jahrzehnten im Musikgeschäft der Biss noch lange nicht verloren gegangen sein muss.

Cover von #hmlr1992 war es, als Holunder, Schu, Roger, Cajus und Sepalot ihre HipHop-Gruppe Blumentopf gründeten. Ein Jahr später gingen dann Texta mit ungefähr gleicher Besetzung an den Start, nämlich mit vier MCs und einem DJ. Rapper Skero ist inzwischen vor zwei Jahren ausgestiegen, aber Huckey, Laima, Flip und DJ Dan denken noch lange nicht ans Aufhören.

1998 gingen alle zehn Mann gemeinsam auf Tour – und begannen danach auch, sich weiter musikalisch auszutauschen. So waren 1999 zum Beispiel Cajus und Flip im 'Bermuda Dreieck' mit Total Chaos verschwunden und Holunder war auf dem Album 'Gegenüber' zu hören. Außerdem remixten im selben Jahr Texta die Single 'Was der Handel?' für den Topf. Dabei lieferten sie mit ihrem Chorus erst die Erklärung, dass hinter dem etwas seltsamen Songnamen eine Slangübersetzung steckt: „Sind die Karten nicht gezinkt, gilt für beide gleiches Risko – What's the deal, yo?“

Herrliche Musik leidenschaftlicher Rundendreher

Es folgten weitere Stücke hier und da, die gemeinsame 'Kaleidoskop'-EP 2001 und eine die Zeiten scheinbar mühelos überdauernde Freundschaft. Da mag es fast eher überraschen, dass erst jetzt ein ganzes Kollabo-Album folgt. Aber was am Ende zählt, ist ja nur das Ergebnis. Und das kann sich hören lassen.

Produziert hat das Ganze überwiegend Flip. Sepalot scheint dagegen zu sehr mit der Arbeit für Jesper Munk und an seinen eigenen Solowerken beschäftigt gewesen zu sein, für die der Track 'These Tears' letzten Monat einen ersten Vorgeschmack lieferte. So stammen nur ein feines Interlude namens 'Das Eine' und die Musik für das Storytelling bei 'Schnappschuss' von ihm. Hinzu kommen das etwas düstere Interlude 'Text Vs. Autor' von Cajus und das kräftig rollende 'Befehlskette' von Roger.

Hintergründige Meinungen liebenswerter Rudeltiere

Als Singles beziehungsweise Videos wurden allerdings erst einmal 'Silberbesteck' und das 'TNT Anthem' unter der Regie von Matthias Edlinger ausgekoppelt. Bei dem zuletzt genannten Song mit Dancehall-Sänger Kinetical aus Linz kommentiert Schu übrigens in seiner Strophe einen Titel von Fler, der 2014 für Diskussionen sorgte: „Zu viele stabile Deutsche und gefährliche Schläger – heben ihren rechten Arm. Wir ... wir heben die Gläser./ Und malen ihre Welt an, HipHop ist bunt – guck, selbst die Samples haben fast alle Migrationshintergrund.“

Noch ein Beispiel gefällig, was in den Songtexten behandelt wird? Im relaxt groovenden 'Parkbankphilosophie' nimmt sich Roger, bevor er die zweite Strophe Flip überlässt, gleich zu Beginn in seinen Lyrics alltägliche Widersprüche vor: „Sogar mit dem Aufhören muss man anfangen, das Leben ist ein Hamsterrad./ Ich bin gegen Krieg, aber will Panzer fahren.“

Hochproduktive Macher lassen runterladen

Scheinbar passend dazu haben die Herren 'Schweres Geschütz' aufgefahren beziehungsweise -genommen, in dem sie mit Begriffen rund um Gewalt und Krieg um sich ballern. Da sind bei Schu selbst die Unterhosen aus Camouflage und den Wodka trinkt er aus Panzer-Glas.

Das bei soviel Input auch noch mehr Output übrig bleibt, ist fast klar. Deswegen wurde noch eine Kollabo von Schu und Flip unter https://soundcloud.com/floschuster/tnt-gebt-mir-ein-prod-by-flip als Free Download veröffentlicht. Da ist die Aufforderung im Refrain mehr als gerechtfertigt: „Ich will nicht mehr als von allen ein … Yeah!“

Fazit: 2 DJs, 7 MCs, 19 Tracks – bei '#hmlr' geht die Rechnung problemlos auf. Für alle Rap-Fans, die sich vor allem über durchdachte Reime, gut geerdete Beats und klassische Stilelemente wie Samples und Scratches freuen, liefern TNT mit diesen Variablen in ihrer Gleichung ein sehr stimmiges Album als Ergebnis.

Mehr Infos unter: http://www.blumentopf.com

Album seit 20. Februar 2015 erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Sepalot – These Tears (Single, Januar 2015)
Blumentopf – Nieder mit der GbR

TNT live und in Farbe 2015: 05.03. Wien – Arena *** 06.03. St. Pölten – Warehouse *** 07.03. Linz – Posthof *** 12.03. Graz – PPC *** 13.03. Innsbruck – Music Hall *** 14.03. Salzburg – Rockhouse *** 15.03. Dornbirn – Conrad Sohm *** 26.03. Stuttgart – Waagenhalle *** 27.03. Lindau – Club Vaudeville *** 28.03. Heidelberg – Karlstorbhf *** 02.04. Berlin – SO36 *** 03.04. Hamburg – Mojo *** 04.04. Münster – Skaters Palace *** 05.04. Pfarrkirchen – Bogaloo *** 08.04. Köln – Essigfabrik *** 09.04. Erlangen – E-Werk *** 10.04. München – Technicum

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7. Januar 2015 3 07 /01 /Januar /2015 22:20

Die Ausgangssituation für Olli Schulz ist 2015 denkbar gut. Mit 'Cirkus HalliGalli' wurde er vor zwei Jahren einem breiteren Fernsehpublikum bekannt und erreichte mit dem 'Rangel Song' seine bisher höchste Chartsplatzierung auf Position 29. Somit könnte es klappen, dass er nun mit 'Feelings aus der Asche' die verdiente Ernte einfährt, die er über ein Jahrzehnt lang gesät hat.

Cover zu Feelings aus der AscheDer Einstieg gelingt ihm mit 'So muss es beginnen' auch gleich ganz locker-leicht. In den Lyrics singt er über eine frisch aufgekeimte Liebe, die er ausführen will. Da ist es fast schon ein wenig verwunderlich, dass der Refrain so leicht resigniert beginnt. Aber was zählt, ist ja das Ende: „Meine Helden sind alt, meine Träume dahin./ Ich weiß nicht, wie es aufhört – aber so muss es beginnen.“

Das sich daran anschließende 'Phase', das schon als Single vorausgeschickt wurde, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Hier beobachtet er den Lebenswandel einer jungen Dame, die er wahrscheinlich gerne aus ihrem goldenen Käfig voll Hedonismus und Dekadenz befreien würde: „Sie ist grad' in so 'ner Phase, wo sich alles um sie dreht./ Sie ist grad' in so 'ner Phase, wo sie kaum einer versteht./ Und ihre Nacht hat tausend Farben, ihre Tage kein System./ Sie ist grad' in so 'ner Phase – und sie tanzt dabei so schön.“

Die ganze Affen-Band(e) brüllt

Mit dem Film 'Bibi & Tina – Voll verhext' ist Olli Schulz übrigens gerade im Kino zu sehen. Der kleinen Hexe (gespielt von Lina Larissa Strahl, die mit ihrem Sieg bei 'Dein Song' einen ersten Erfolg feiern konnte) macht er als Angus Naughty das Leben schwer. Eigentlich schwer vorstellbar, dass er den Bösewicht mimt. Selbst im schwermütigen Walzer 'Boogieman' gibt er nicht den Kinderschreck gleichen Namens, sondern eher die verlorene Seele. Dagegen präsentiert er sich in den restlichen Songs eher gewohnt einfühlsam oder lustig.

Passend zu der zuletzt genannten Kategorie hat er wahrscheinlich 'Dschungel' geschrieben. Vielleicht ist das gut anderthalb-minütige Stück auch als Kinderlied für seine Tochter gedacht, die in 'Als Musik noch richtig groß war' eine wichtige Rolle spielt. Jedenfalls zählt er darin alle möglichen Tiere auf: „Nachts wenn der Affe ruft, siehst du den Dschungel, wie er groovt./ Aus der Höhle kommt der Löwe, der Panther wird gespannter, Tiger wird viel lieber und der Pfau wird arroganter.“

Die Band bei 'Feelings aus der Asche' ist übrigens prominent besetzt, wobei sich einfach alte Bekannte zum gemeinsamen Musizieren getroffen haben. Gisbert zu Knyphausen spielt Bass, Arne Augustin Klavier beziehungsweise Keyboards (wie früher schon bei Olli, später dann auch für Nena und Andreas Bourani) und Ben Lauber Schlagzeug. Als Mitglied des Studio-Teams 'Transportraum Berlin' war er bereits bei diversen Produktionen für Olli Schulz beteiligt – gemeinsam mit Moses Schneider, der diesmal wieder den Platz hinter den Reglern eingenommen hat.

Fazit: Vor zwei Jahren hieß es noch 'Save Olli Schulz'. Gerettet werden muss er nun wahrscheinlich nicht mehr. Viel mehr wirkt es auf 'Feelings aus der Asche' so, dass der Musiker recht befreit zur Sache gehen konnte. Musikalisch und thematisch breiter aufgestellt als früher, gelingen ihm hier – auch wenn nicht jede Idee zündet und alles abfackelt – wieder ein paar wirklich schöne Songs.

Album voraussichtlich ab 9. Januar 2015 erhältlich.

Mehr Infos unter: http://www.ollischulz.com/

Das könnte dazu passen:
Olli Schulz – SOS (Save Olli Schulz)
Kid Kopphausen – I
Various – Es war einmal … (Märchen-Hörbuch mit Olli Schulz, Gisbert zu Knyphausen u.a.)
Various – Dein Song (mit Revolverheld, Bosse u.a.)

Olli Schulz live und in Farbe 2015: 17.03. Hamburg – Große Freiheit *** 19.03. Hannover – Pavillon *** 20.03. Leipzig – Haus Auensee *** 21.03. Wien – Wuk *** 23.03. München – Muffathalle *** 24.03. Zürich – Plaza *** 25.03. Frankfurt – Batschkapp *** 26.03. Stuttgart – LKA Longhorn *** 27.03. Saarbrücken – Garage *** 28.03. Münster – Skaters Palace *** 30.03. Köln – Live Music Hall *** 31.03. Bremen – Modernes *** 01.04. Berlin – Tempodrom *** 19.06. Neuhausen ob Eck – Take-Off Park *** 20.06. Duisburg – Landschaftspark *** 21.06. Scheeßel – Eichenring

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2. Januar 2015 5 02 /01 /Januar /2015 18:37

Und der Gewinner ist... 'Dein Song 2014'. Kein anderer Artikel wurde hier im letzten Jahr häufiger besucht als der Bericht über den Singer/Songwriter-Nachwuchswettbewerb. Den Quellen der Besucher zufolge interessierten sie sich allerdings vor allem für Lina Larissa Strahl. Grund genug, noch einmal zu schauen, was die Vorjahressiegerin und ihre Nachfolger seitdem erreicht haben.

Lina war als Gast im Finale zu Besuch und kündigte an, weiterhin Musik zu machen. Insbesondere dank des Films 'Bibi & Tina – Voll verhext' ist ihr das problemlos gelungen. Gut ein dreiviertel Jahr nach dem ersten Teil übernahm sie erneut die Hauptrolle der kleinen Hexe. Und auf dem von Peter Plate produzierten Soundtrack ist sie nun wieder mit einigen seiner Songs zu hören.

Cover zu Ich Bleib Hier von LinaUnter anderem singt sie die Single 'Ich bleib hier'. Dabei passen die Lyrics fast zu ihrem realen Leben, denn dort heißt es gleich zu Beginn: „Sitz hier auf meinem Baum, und ich glaub es kaum. Ist das hier nur ein Traum? Weck mich nicht auf!“

Den Traum, mit ihrer Musik groß raus zu kommen, konnten sich die diesjährigen Teilnehmer bei 'Dein Song 2014' leider (noch) nicht erfüllen. Der Gewinner Pier Luca Abel schaffte es mit seinem Stück immerhin auf Platz 98 der Deutschen Charts. Und der Sampler mit allen Beiträgen der Finalisten gelangte bis auf Platz 9 in der Hitparade Österreichs.

Trotzdem scheint es von Pier Luca danach nichts weiter zu hören gegeben haben. Genauso wenig wie von Jasmin Himmelmann. Vielleicht liegt es daran, dass ihre Musikpaten Madcon sie hierzulande natürlich nicht ganz so einfach unterstützen können wie zum Beispiel Revolverheld ihren Kandidaten Philipp Göhring. Bei einigen Konzerten im November holten sie ihn auf die Bühne, um noch einmal seinen Song 'Wer weiß' gemeinsam zu spielen.

Wer weiß, wer weiß... welches Team gewinnt?

Cover zu The Road Behind von DiscontrolNico Schwappacher hat dagegen mit seiner Band Discontrol neue Stücke aufgenommen, veröffentlicht und bei einigen Gelegenheiten live erpropt. Einen Snippet-Mix zu 'The Road Behind' gibt es unter www.reverbnation.com/discontrol4 zu hören, wo auch das ältere Werk 'Out of Haze' als Free Download zur Verfügung steht.

Free Downloads stellt auch Vincent Ott unter https://soundcloud.com/vincent-ott zur Verfügung, die allerdings alle schon etwas älter sind. In einem Youtube-Video präsentierte er dagegen einen ersten Song aus seinem Konzeptwerk 'Fusion Cycle', bei dem er für jeden Wochentag einen eigenen Titel geschrieben hat.

Der eigene Video-Kanal spielt auch eine wichtige Rolle bei Laura Bonnicke, Hannah Stienen und Andreas Zöller. Größtenteils laden sie unter www.youtube.com/user/LauraLebensfrohMusic/ sowie www.youtube.com/OfficialMusicHannah/ beziehungsweise www.youtube.com/andreaszoellermusic/ ihre Coversongs anderer Interpreten hoch, aber zumindest bleiben sie somit für ihre Fans präsent. Am erfolgreichsten ist dabei Laura, die über 20.000 Abonnenten und 2 Millionen Aufrufe hat (vor allem wegen ihrer Coversongs zu 'Lieder' von Adel Tawil und 'Au Revoir' von Mark Forster). Und ab und zu folgt auch Neues von ihr und den anderen. Also wer weiß... vielleicht gelingt ihnen ja 2015 ein kleiner Hit.

Hier geht es zum meistbesuchten Artikel 2014: http://popshot.over-blog.de/article-various-dein-song-2014-mit-u-a-bosse-madcon-und-dj-bobo-123272784.html

P.S.: Ab 9. Februar 2015 kämpfen die nächsten Kandidaten bei 'Dein Song 2015' auf KiKa um den Sieg.

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3. November 2014 1 03 /11 /November /2014 23:58

Letztes Jahr feierte 'Der kleine König' das 15-jährige Jubiläum seines ersten (TV-)Auftritts. Doch warum drauf ausruhen? Frisch ans Werk geht es nun mit 'Gewinnen und Verlieren'. Dazu liefert das pfiffige Kerlchen wieder eine ganz eigene Interpretation – um dann doch zu zeigen, was richtig ist.

cover-der-kleine-koenig-32.jpgEin König verliert nicht. Doch nachdem ihm das gegen sein (sprechendes) Pferd Grete doch passiert, sucht sich der kleine König kurzerhand einen leichteren Gegner: Entchen. Außerdem wählt er lieber ein anderes Spiel. Schließlich ist doch Schach das „Spiel der Könige“. Wenn dann noch die Regeln ein bisschen erweitert werden, ist der Sieg gewiss. Hier hat er eine „Mühle“, da kommt der „Schwarze Peter“ und dann noch dies und das, schon hat er gewonnen.

Aber gut: Verlieren will auch gelernt sein. Das sieht der kleine König schließlich ein. Als er nach seinem Sieg über Entchen beim Wegräumen des Schachspiels eine Figur verliert, nimmt er das gelassen. Nach und nach „verliert“ er immer mehr. Aber als dann Entchen verloren geht, stimmt ihn das doch nachdenklich...

Der will doch nur spielen

Die zweite Geschichte 'Der Punktesammler' ist dann mit gut 10 Minuten zwar nur etwa halb so lang, macht aber trotzdem ähnlich viel Spaß. Dabei geht es darum, dass sich der kleine König unzählige Packungen Knusperflocken „reinwürgen... äh... schmecken lassen“ muss, um Punkte für ein Spielzeug zu sammeln. Und auch hier lernt er wieder etwas: Das manchmal weniger mehr ist...

Ergänzt wird das Ganze noch mit dem dazu passenden 'Lied vom Verlieren', das auch noch einmal als Instrumental-Version am Ende wiederholt wird. Hinzu kommt außerdem der wirklich schöne Song 'Pim Pam Pom', der auch schon auf den Musik-CDs 'Lieder' (2004) und 'Sing und tanz mit mir' (2011) enthalten war. Im Songtext des Refrains heißt es da: „Pim Pam Pom und Pom Pam Pim, ich freu mich, dass ich König bin./ Denn immerhin reg-hie-iere... ich – Pim Pam Pom und Pom Pam Pim – über meine Tiere.“

Fazit: Wie der kleine König Alltägliches mit einer ganz eigenen Sichtweise unterhaltsam kommentiert, dürfte nicht nur den jüngeren Zuhörern ordentlich Spaß machen. Somit kann nur bestätigt werden, dass die CD „für kleine & große Leute ab ca. 3 Jahren“ geeignet und ein echter Gewinn ist.

Mehr Informationen unter: http://www.universal-music.de/der-kleine-koenig/home

CD seit 24. Oktober 2014 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Various – Es war einmal... (Hörbuch mit u.a. Olli Schulz)
Löwenzahn – 5: Ein Dino im Garten (Hörspiel)
SpongeBob – Mein Gedudel

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