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20. November 2013 3 20 /11 /November /2013 20:58

Sieben Jahre ist es her, dass Captain Gips mit 'Transformer' sein erstes offizielles Solo-Album veröffentlichte. Kurz danach brachte Regisseur Michael Bay die Story um die wandlungsfähigen Roboter in seiner Hollywood-Version in die Kinos. Trotzdem benannte Gips 2009 sein Zweitwerk nach dem Anführer der Autobots 'Optimus Prime'. Doch für den dritten Wurf bedient sich der Captain nun lieber bei Jules Verne und transformiert einen seiner Buchtitel um zu '20.000 Meilen unter dem Yeah'. Dabei gibt es gar keinen Grund, gleich so tief zu stapeln.

cover-captain-gips.jpgDer Titeltrack gibt ganz gut das Lebensgefühl des Captains wider. Arbeit im herkömmlichen Sinn ist nicht so sein Ding. Er lebt lieber für seine Ideale und die Musik. Aber das sich diese Leidenschaft nicht so ganz materiell auszahlt, beschreibt er in den Lyrics. Wobei die Strophen dann doch eine positivere Bilanz über die brotlose Kunst ziehen als der Refrain andeutet: „Ich steh jeden Tag 'ne Stunde am Herd./ Der Magen knurrt, ich hab Hunger auf mehr./ Ja verdammt, ein Wunder muss her./ 20.000 Meilen unter dem Yeah.“

Als Single wurde aber jetzt erst einmal 'Faust in der Tasche' ins Rennen geschickt. Neben diversen Remixen ist zudem 'Pennen' enthalten, das allerdings von Gips auch als Free Download unter http://captaingips.com/wordpress/?page_id=29 verschenkt wird.

Thematisch geht die Single in eine ähnliche Richtung wie der Titeltrack. Auch hier ärgert sich Gips über die gesellschaftlichen Zwänge. Mit der Meinung, dass es auch anders gehen müsste, steht er dabei nicht alleine da und zollt deshalb seinen Mitstreitern mit ein paar Zeilen Respekt: „Ulliversal baut mir den Beat./ Ich schreibe für euch, bin genauso wie die./ Das ist Audiolith. Euer Gott ist nicht da./ Ich guck auf die Welt und kotze im Strahl.“

Zicken zucken, wenn Zecken zocken

Eingeordnet wir sein Stil auch schon mal gerne unter dem Begriff Zecken-Rap. Mit einigen anderen Vertretern dieses Subgenres wie Sookee, Kobito und Pyro One spielt er auch ab und zu Shows unter dem Banner 'Tick Tick Boom'.

Aber der Captain kann auch anders, was er vor allem mit seinen Gästen unter Beweis stellt. Bei 'Dance in the Rain' beschreibt er mit Ira Atari Wege aus Depression, Unsicherheit, Angst und Selbstzweifeln, während er mit B-Low von Digger Dance in 'Komm zu mir' vor allem seine Heimatstadt Hamburg feiert.

Zusammen mit Marie Curry lebt er sein 'Fernweh' aus und träumt davon, einfach seine Koffer zu packen. Das lustigste Stück unterstützt allerdings Kolya. Bei 'Sandkastenbusiness' schlüpfen sie in die Rollen zweier Kids, die die Allergrößten sind: „Das ist Sandkastenbusiness – und die Krabbelgruppe bounced zu meinem Rasselsound./ Das ist Sandkastenbusiness – heb die Schaufel in die Luft, wer hat die größte?/ Das ist Sandkastenbusiness – und wirklich jeder guckt auf meinen Schneeanzug./ Das ist Sandkastenbusiness – wer hat schon Haare auf dem Kopf, wer ist der Schönste?“

Fazit: Captain Gips zieht mit '20.000 Meilen unter dem Yeah' sein Ding konsequent durch. Er will rappen und damit die Welt verändern. Und damit das nicht zu verbissen rüber kommt, gibt es zwischendurch auch mal für die Leichtmatrosen ein bisschen einfachere Kost. Verdient hat er damit auf jeden Fall immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

CD voraussichtlich ab 15. November 2013 im Handel erhältlich.

Mehr Informationen unter: http://captaingips.com/

Das könnte dazu passen:
Blumentopf – Nieder mit der GbR
Prinz Pi – Kompass ohne Norden
Herr Sorge – Konzertbericht zum 17.08.13 in Berlin

Captain Gips live und in Farbe 2013: 22.11. Leverkusen – KAW (mit Tick Tick Boom) *** 23.11. Bielefeld – AJZ (mit Tick Tick Boom) *** 6.12. Berlin – Cassiopeia *** 20.12. Husum – Speicher

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23. Februar 2013 6 23 /02 /Februar /2013 18:47

Leander Haußmann, Regisseur von unter anderem 'Sonnenallee' und 'Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe', hat einen neuen Film gedreht: 'Hai-Alarm am Müggelsee'. Geholfen hat ihm dabei Sven Regener, Autor der 'Herr Lehmann'-Triologie und Sänger bei Element Of Crime. Und weil das so gut lief, lesen die Beiden jetzt auch noch das Drehbuch gemeinsam vor. Klingt aberwitzig? Ist es auch!

cover-hai-alarm.jpgNiemand mag es glauben, aber im Berliner Müggelsee scheint ein Hai zu schwimmen. Nachdem die ersten Opfer bedauert werden müssen, ruft der Bürgermeister eine Expertenrunde zusammen. Die Dame vom Städtemarketing bietet schließlich drei Möglichkeiten an, wie das Ganze für Friedrichshagen vom Marken-Branding her zu nutzen sei: „A) Wir machen den Hai-Alarm. Oder B) Wir machen weiter wie bisher. Oder C) Wir gehen erstmal alle nicht mehr ins Wasser, aber eben positiv dann.“

Am Ende hilft alles nichts und der Hai-Alarm muss ausgerufen werden. Aus Städtemarketing-Sicht ist das aber ok, denn so ist der Ort in aller Munde und die Schaulustigen füllen die Kassen. Aber lange geht das natürlich nicht gut...

Der Dreh mit dem Drehbuch

Bei 'Hai-Alarm am Müggelsee' handelt es sich nicht um ein „normales“ Hörbuch. Es ist zwar eine Autorenlesung, allerdings lesen Sven Regener und Leander Haußmann das Drehbuch vor. Das heißt, es gibt keine ausführlichen Beschreibungen zwischen den Dialogen, sondern nur knappe Hinweise wie: „Bild 128: Müggelseedamm, vor dem griechischen Lokal, außen, Tag. Punker 1 und Punker 2 gehen den verwaisten Müggelseedamm entlang und betreten das Lokal 'Der Grieche'. Im Hintergrund schrubben in der Sperrzone Dekontiminationsmann 1 und Dekontiminationsmann 2 ein Auto ab.“

Etwas absurd wie die Handlung hört sich also auch die Lesung an. Was die Sache zusätzlich verkompliziert (aber vielleicht auch interessanter macht), ist der Einfall der beiden, dass jeder, wirklich jeder (!) „...Wechsel im Buch, egal zwischen wem und was, ob von Rolle zu Rolle, Dialog zu Action, Action zu Szenenbild oder andersrum oder wie auch immer, dazu führt, dass der jeweils andere übernimmt und weiterliest. Das führt zu einem abenteuerlichen Parforceritt durch die Rollen, Überschriften, Bilder und zu einem ständigen Wechsel der Perspektiven.“

Am Ende gibt es dann noch 'Das Lied vom Hai' zu hören, das auch unter http://www.mueggelfilm.de als Free Download zur Verfügung steht. In den Lyrics wird Sven Regener versöhnlich: „Haie haben Kiemen, Menschen haben Ohren./ Und ich hab dir einmal ewige Liebe geschworen./ Drüben ist die Havel, fröhlich ist die Spree./ Wenn ein Schiff auf Grund läuft, hat der Käptn einen im Tee./ Und was du gesagt hast, tut nicht mehr weh./ Wenn ich in Friedrichshagen am Ufer vom Müggelsee steh.“

Fazit: Der 'Hai-Alarm am Müggelsee' ist eine Groteske, bei der es viel zu lachen gibt. Die Absurdität des Ganzen ist in der Umsetzung als eigensinniges Hörbuch bei 'Roofmusic' vielleicht sogar gelungener, als es der Film, der am 14. März in die Kinos kommt, überhaupt sein kann. Wer will, kann darin aber auch kritische Untertöne heraushören, denn wie Politik, Wirtschaft („Der reiche Mann vom Müggelsee“) und Medien versuchen, das Beste für sich herauszuholen, ist wahrscheinlich gar nicht so weit von der Realität entfernt.

Mehr Informationen unter: http://roofmusic.de/de/index.php?area=tacheles&content=productdetail&id=924

Hörbuch seit 21. Februar 2013 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Sven Regener – Der kleine Bruder
Various – Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

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7. Januar 2013 1 07 /01 /Januar /2013 17:43

Vor gut zwei Jahren gab es schon die ersten Hinweise darauf, dass Ghostface Killah vom Wu-Tang Clan und Sheek Louch vom D-Block, früher auch bekannt als The Lox, gemeinsam ein Album unter dem Projektnamen Wu-Block veröffentlichen würden. Immer wieder gab es einzelne Tracks zu hören, aber die CD ließ auf sich warten. Vor ein paar Wochen wurde sie fertig – und macht dem Titel alle Ehre, denn das Duo konnte einen ganzen Haufen ihrer Crew-Mitglieder zum Mitmachen bewegen.


cover-wu-block.jpgGleich das erste Stück eröffnet das Album mit den ’Crack Spot Stories’ von Ghost, Sheek, Raekwon und Jadakiss. Darin zitieren sie unter anderem eine Zeile aus den Lyrics von Ice Cube aus ’It Was A Good Day’ passend zum entspannten Beat von Fithestate: „Today was a good day, no one got shot./ No police and none of that. That’s how it is in our spot, yeah.“

’Drivin Round’ mit Erykah Badu geht musikalisch in eine ähnliche Richtung. ’Summertime’ von DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince (aka Will Smith!) lässt grüßen. Entsprechend relaxed cruisen Sheek, GZA und Masta Killa über das Instrumental beziehungsweise durch die Stadt: „It’s music loud, windows down, summer heat vibing./ It’s live when I’m gliding. I’m smoking while I’m driving – drivin round./ I’m riding, miniskirts flirting while I’m passing./ They waving, I’m leaning hard cruising./ Grooving to the beat as I move through these main streets.“

Honey, I shrunk the Stick Up Kids

Wer ein bisschen mehr Action erwartet, wird aber natürlich auch nicht enttäuscht. Red Spyda, der davor unter anderem eher im Umfeld der G-Unit unterwegs war, hat zum Beispiel für ’Stick Up Kids’ ordentlich Druck ins Instrumental gepackt.

Etwas luftiger ist auf jeden Fall dann noch ’Been Robbed’ mit einem Sample aus ’Stick Up’ von The Honey Cone („Help, I’ve been robbed“), mit dem es das weibliche Soul-Trio 1971 bis auf Platz 11 der Billboard-Charts geschafft hat.

Hands up for the Wu-Block

Jadakiss ist übrigens bei insgesamt drei Tracks dabei, Styles P sogar bei vier Songs. Das beste Stück der Jungs ist aber ’Pull Tha Cars Out’. Alles hört sich hier ziemlich düster an. Als würden sie im dunklen Wald einen Horrorfilm vertonen und nicht wie im Songtext beschrieben eine Party mit Frauen und Drogen feiern.

Schade ist ein wenig, dass die älteren Sachen, die überhaupt erst zu diesem Album führten, nicht enthalten sind. So existieren zum Beispiel noch ’Hands Up’ und ein Track namens ’Wu Block’, den sogar The RZA für das Projekt produziert hat. Zu hören gibt es diese Produktionen immerhin auf http://www.wublockmusic.com im Rahmen eines Free Download Mixtapes von DJ Tiger. Und ’Union Square’ wurde sogar als offizielle Single angekündigt, ist aber anscheinend nur als mp3 bei iTunes erhältlich.

Fazit: Aber Die beiden Gruppen ergänzen sich tatsächlich ganz gut, denn die gemeinsame Schnittmenge ist ja mit dem eher harten Sound aus New York ziemlich groß. Klar, neu erfunden wird damit natürlich nichts. Und ein paar der Stücke erscheinen durchaus austauschbar. Aber insgesamt fallen bei den 15 Tracks genug Ideen ab, um mit ’Wu Block 2012’ Lust auf mehr zu machen. Hoffen wir also, dass das Kollaborieren auch in diesem Jahr fortgesetzt wird – Sheek und Ghost wollen zumindest am 19. Januar zusammen im französischen Lyon auftreten.

Mehr Infos: http://www.facebook.com/realwublock

CD seit 30. November 2012 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Roc Marciano – Reloaded
The Game – Jesus Piece

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30. August 2012 4 30 /08 /August /2012 21:28

Die meisten Schweizer Hiphopper können in Deutschland wahrscheinlich immer als frisch und vor allem unbekannt angekündigt werden. Also mal abgesehen von jemanden wie Stress, der schon mit unter anderem Max Herre und Xavier Naidoo zusammen gearbeitet hat. Aber wie dem auch sei, auf 'Fresh And Unknown' präsentiert Produzent Horscht definitiv sich und seine rappenden Gäste von der besten Seite, so dass sie hoffentlich bald jeder kennt.

cover-horscht.jpgDie Diskografie von Horscht selber, der 1986 geboren wurde und in Davos aufgewachsen ist, sieht tatsächlich noch recht übersichtlich aus. So war er bisher vor allem im Umfeld von Zimmer 13 aktiv. Zu diesem Bündner HipHop-Bündnis gehören unter anderem Wouso, PigNigg und Fleg, die alle auf 'Fresh And Unknown' zu hören sind.

Fresh out the Box into the Charts

Seinen größten Erfolg feierte er mit C.mEE gerade erst in diesem Jahr. Auf dessen Debütalbum '[Ä]', das bis auf Platz 21 in den Schweizer Charts stieg, konnte er den Track 'Taxi' platzieren. Der Newcomer revanchiert sich nun mit seinen Lyrics bei 'Immer No De Glich'.

Während so ein Titel ja noch einigermaßen einfach ins Hochdeutsche übersetzbar ist, stellt sich zum Beispiel bei 'Aokigahara' mit Röschti am Mic schon die Frage, was das wohl bedeuten mag. Wie schon das asiatisch klingende Intro andeutet, bezieht sich der Name auf den so genannten „Wald der Selbstmörder“ in Japan. Röschti rappt schließlich auch tatsächlich darüber, dass er sich in seiner letzten Nacht im Leben dorthin aufmacht.

Rap Stereo Total Radical

Wem das zu düster ist, kann auch auf fröhlichere Songtexte wie 'Rapstereotyp' von Shape zurückgreifen, der früher beim Wrecked Mob war. Darin beschreibt er seine Liebe zu der Musik, die er nun auch schon seit fast zwei Jahrzehnten selber mit seinen Zeilen bereichert.

Wer lieber ein bisschen mehr Action mag, dürfte mit dem vorwärts treibenden Battletrack 'Panzerfust' gegen den ganzen Larifari-Shit auf seine Kosten kommen. Die Zusammenarbeit zwischen Radical und Horscht war dabei scheinbar so fruchtbar, dass die Beiden gleich noch das kräftig pumpende 'Zündstoff' aufgenommen haben. Das Stück gibt es als kleinen Bonus zur Album-Veröffentlichung unter http://soundcloud.com/horscht-1 als Free Download.

Fazit: Ob verständlich oder nicht, über was da die Schweizer MCs rappen, gute Laune macht das alle mal. Die 19 Instrumentals von Horscht klingen gut geerdet, sind mit warmen, jazzigen Sounds angereichert und erinnern mit dem Scratching von den DJs O, KlusKuts, Repose und Freddy K an klassischen HipHop für Kopfnicker, ohne altmodisch zu wirken. Horscht ist „fresh“ und sollte bald nicht mehr „unknown“ sein.

Mehr Informationen unter: http://www.horscht.ch

CD voraussichtlich ab 31. August 2012 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Sepalot – Chasing Beats
Shabani – I Love Wohlstandstrash


Horscht live und in Farbe 2012: 12.10. Chur (CH) – Tanzbar „Selig“

Nachtrag im Februar 2017: Die Tracks mit Röschti, Radical sowie Tomahawk, Freshe & Frisk gibt es übrigens inzwischen ebenfalls als Free Downloads unter https://soundcloud.com/horscht-1/

 

 

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5. Juli 2012 4 05 /07 /Juli /2012 19:37

Sieben Jahre ist sein letztes Album 'Im Rahmen der Möglichkeiten' schon wieder alt. Wer hätte da noch mit Chima gerechnet? Wer hatte ihn überhaupt auf dem Schirm? Denn neben dem Erfolg mit Brothers Keepers gelang ihm nie der Sturm auf die Charts. Das könnte sich nun mit 'Stille' ändern.

chima-cover.jpgDie erste Single 'Morgen' war zumindest schon ein guter Vorbote und konnte immerhin bis auf Platz 29 klettern. Und das, obwohl es doch eher ums Faulenzen geht. Oder gerade deswegen? So heißt es unter anderem in den Lyrics beim Refrain: „Morgen – fang ich von vorne an./ Morgen – nehm' ich mein Leben in die Hand./ Erst morgen, aber dann richtig, Mann./ Morgen! Wenn nicht morgen, wann denn dann?“

Im Video dazu werden diverse (optische) Tricks aufgefahren: Mal schwebt er über dem Bett, mal lässt er ein paar Mädels Auto für ihn spielen, indem sie die Windschutzscheibe hoch halten und die Scheibenwischer hin und her bewegen. Ja, auch so kann sich ein Drückeberger bedienen lassen.

Tanz auf dem Vulkan

Mit 'Risiko' schlägt der in Frankfurt am Main lebende Sohn nigerianischer Eltern dann allerdings einen ganz anderen Weg ein und neue Töne an. Wieder einmal, denn in seiner Karriere gab es schon diverse Veränderungen. Rappte er 1996 auf dem Album '... Pens, Mic, Public Transportation, A Dictaphone ... And It Don't Stop' mit seiner Crew Otropic T(h)ree noch auf Englisch, nahm er sein Solo-Debüt 'Reine Glaubenssache' 2002 in deutsch auf.

2005 verlagerte er auf dem Zweitwerk 'Im Rahmen der Möglichkeiten' den Rap zugunsten eines warmen Soul-Gesangs ordentlich in den Hintergrund. Und nun geht Chima wie gesagt bei 'Risiko' den nächsten Schritt und unterlegt seinen Gesang mit einem Elektro-Instrumental: „Risiko – und ich tanz' auf dem Vulkan./ Verdammt, was soll mir passieren?/ Ich hab die Götter mit mir – Risiko!“

'Fliegen' und 'Ausflug Ins Blaue' hauen quasi in die gleiche Kerbe. Dance-Beat, Über-Vertrauen, Ab-feiern. Und es funktioniert. Passend dazu existiert übrigens zu 'Morgen' auch ein Remix von Deichkind, der ihm ordentlich Dampf unter dem Hintern macht.

Wenn die Stille kommt

Wer sich noch an die ruhigeren Stücke von Chima oder seine Kollabos mit Kollegen wie Xavier Naidoo und Curse erinnert, kommt dann mit 'Dich Zu Lieben' wieder auf seine Kosten, wenn er über das Ende einer gescheiterten Liebe singt. Im Gegenteil dazu besingt er im Duett mit Sängerin Lary dafür die 'Kleinigkeiten', die einen am anderen faszinieren und begeistern. Gegen ein „Gefällt mir“ unter https://www.facebook.com/CHIMA.music/app_240591826049824 gibt es das Stück als Free Download.

Weniger gefallen dürfe allerdings seine Liebeserklärung ans 'Koma'. Das Wort beschreibt ja normalerweise eine schlimme Sache und wurde heutzutage durchs „Koma-Saufen“ umgedeutet – wobei das auch eine schlimme Sache ist. Nun singt Chima genauso davon, wie er den Bewusstseinsverlust begrüßt: „Nicht hier, nicht dort, wie bewusstlos./ Koma – deine Leidenschaft inspiriert./ Ich lad mich an dir auf./ Diese Freiheit macht mich groß.“

Schöner ist danach 'Lieb Mich', mit dem der Sänger um die Gunst seiner Auserwählten kämpft. Im Refrain heißt es: „Lieb mich einfach, ich lieb dich doch auch./ Geh mit mir, ich geh auch voraus./ Lieb mich einfach, ich lieb dich doch auch./ Lass es zu, ich führ uns ins Glück.“

Ganz am Ende des Albums steht mit dem Titeltrack 'Stille' schließlich die Erkenntnis, dass nach all dem Kämpfen auch ein bisschen Ruhe und Frieden gut tut: „Ich sehe rot, sehe schwarz – und erblinde bald vor Wut./ Ich denk, ich würd' was ändern – doch am Ende wird nichts gut./ Aber wenn die Stille kommt, dann bin ich hier./ Dann bin ich eins.“

Fazit: Chima hat sich mit 'Stille' noch einmal neu erfunden – und nicht nur der Erfolg mit der ersten Single gibt ihm recht. Mit seiner Art zu singen hat er einen sehr eigenen Stil entwickelt, bei dem es wirklich schade wäre, ihn nicht mehr zu hören. Möge 'Stille' nur die Ruhe vor dem Sturm sein!

P.S. am 2. Juni 2016: Eben erst im Booklet entdeckt, dass Patrice Bart-Williams und Michael Kurth an dem Album mitgeschrieben und die Beatgees es produziert haben.

CD voraussichtlich ab 06. Juli 2012 im Handel erhältlich. Mehr Infos: http://www.chima.tv

Das könnte dazu passen:
Deichkind – Befehl von ganz unten
Xavier Naidoo – Danke fürs Zuhören

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13. Dezember 2008 6 13 /12 /Dezember /2008 20:49

Drei Jahre ist es her, dass Samy Deluxe sein eigenes Label auf dem Sampler ’Deluxe Records – Let’s Go’ mit den von ihm unter Vertrag genommenen Headliners und Illo sowie weiteren Gästen und fast einem Dutzend Produzenten vorstellte. Seitdem sind einige Sachen aus diesem Lager erschienen, neue Namen hinzugekommen… und alle möglichen Big Bosses durch die Wirtschaftskrise ins Straucheln geraten.

Vielleicht wird deshalb auch beim 'Big Baus of the Nauf' einen Gang runter geschaltet und die Belegschaft auf dem Nachfolgesampler ’Liebling, ich habe das Label geschrumpft’ auf gerade mal fünf Mann begrenzt, nämlich auf Tua, Ali A$, das Producer-Team Instrumens und sich selbst. Schade eigentlich, denn unter anderen inspirierten die Headliners ja mit ’Sag ihnen Bescheid’ K.I.Z. zum Track ’Herbstzeitblätter’, bei dem sie die Hamburger mit folgender Zeile am Ende zitierten: „Wenn ihr rechnen wollt, rechnet mit uns, denn wir sind da!“

Apropos, ’Herbstzeitblätter’! Damit machten sich K.I.Z. ja über eher einfallslose Vergleiche lustig, mit denen andere Rapper gerne die eigenen Leistungen beschreiben: „Ich bin fly wie ein Flugzeug, das gerade so richtig, richtig hochfliegt.“ Auch Ali AS und TUA ziehen nun mit dem sehr witzigen ’Stanislav’ über Standardrap her, bei dem die Konkurrenz gerne wie ein Spitter spittet oder wie ein Ficker fickt. Also ich muss immer noch insbesondere über den Part am Ende lachen. Geniales „Feeling“, wenn die Drums rein kommen!

Ansonsten wird in vielen weiteren Lyrics natürlich vor allem Battlerap geboten. Deutsch-Rap klingt laut ’Weil es Zeit ist jetzt’ wie Jimi Blue und in ’Besser Is Das’ heißt es im Songtext, dass sich T-Pain ohne Autotune einfach schräg anhört. Zudem muss in dem Stück, nachdem Samy vor sieben Jahren mit D-Flame den Diss-Track ’Fuk Toemack’ eingerappt hat, der damals Beschimpfte mal wieder für einen unrühmlichen Vergleich herhalten. Denn wer Samy disst, wird es bereuen wie Tomekk seinen Gruß an Hitler – der ihn Anfang des Jahres aus dem Dschungel-Camp katapultierte!

Apropos, Dschungel-Camp! Ali A$, der zusammen mit Pretty Mo, Semi-B und Großes K zu Der Neue Süden gehört, erklärte ja auch mal in einem gleichnamigen Song: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“! Danach wurde der Songtext ja noch mit ’Ich bin ein Arsch,…’ fortgesetzt. Dieser zweite Teil erschien auf der Free-Download-EP ’Wer am 17.10. releast, ist doof’ – an der auch Samy und Tua beteiligt waren.

Von daher ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass sie jetzt alleine das Label repräsentieren. Denn der Sampler zeigt ziemlich deutlich, wie sich die drei gegenseitig anspornen und wieviel Spaß sie zusammen haben. Doch es geht auch mal nachdenklicher. Bei ’Was für ein Pech’ stellen Ali A$ und TUA klar, dass die besten Dinge im Leben nicht gekauft werden können. Kaufen könnt ihr aber diese Platte!

Fazit: Eimsbush, Royalbunker, Optik – viele durchaus bekannte HipHop-Label haben in den letzten Jahren ihre Pforten geschlossen. So richtig gut scheint es 'Deluxe Records' auch nicht zu gehen, aber Label-Boss Samy Deluxe nimmt das Ganze mit Humor und macht's wie der Smart: „Reduce to the Max!“ Insbesondere mit Tua hat er ein Pferd im Stall, das hier mal wieder beweist, was für ein Potenzial in ihm steckt. Da dürfen wir alle gespannt sein, was nächstes Jahr aus dem Hause 'Deluxe' auf uns zukommt!

Mehr Infos: http://www.deluxe-records.de

CD voraussichtlich ab 19. Dezember 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:

Kool Savas – John Bello Story 2
D-Flame – Stress


Samy Deluxe live und in Farbe 2008: 27.12. Scuol (CH) – Sounds Club (Soundsystem-Show mit DJ Mixwell)

 

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