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12. Februar 2016 5 12 /02 /Februar /2016 12:06

„Warte, warte nur ein Weilchen“, steht als Überschrift auf dem Buchrücken von 'Die Zelle'. Und da Jonas Winner einen Thriller geschrieben hat, ist klar, dass es dabei nicht um das von Walter Kollo gesungene Liebeslied geht. Bezug wird damit auf einen Liedtext genommen, der über den deutschen Serienmörder Fritz Haarmann verfasst wurde. Darin heißt es in einer Version: „Warte, warte nur ein Weilchen./ Bald kommt Haarmann auch zu dir./ Mit dem kleinen Hackebeilchen – macht er Schabefleisch aus dir.“

Cover zu Die Zelle von Jonas WinnerDiese Lyrics passen ziemlich gut zu 'Die Zelle', dem neuen Buch von Jonas Winner. Denn was der junge Sammy in seiner Niederschrift über seine Erlebnisse vor rund zwanzig Jahren beschreibt, lässt ähnlich Schreckliches erwarten: "Wenn ich an Berlin zurückdenke, ist es, als ob sich eine kalte Hand, leblos wie Gummi und klebrig wie Honig, auf meinen Mund legt. Seine Hand. Die Hand des Fleischwolfs."

Zum Inhalt heißt es auf der Seite des Autoren:

Sammy ist elf und gerade mit seinen Eltern nach Berlin gezogen. Im Luftschutzbunker der alten Jugendstilvilla, die die Familie im Grunewald bezogen hat, macht er eine verstörende Entdeckung. Ein vollkommen verängstigtes Mädchen, nicht viel älter als er, ist dort unten in einer Zelle eingesperrt, die man mit Gummifolie ausgekleidet hat. Nur durch einen winzigen Schlitz hindurch kann er sie sehen. Am nächsten Tag ist die Zelle leer, das Mädchen verschwunden. Und für Sammy kann es dafür eigentlich nur einen Grund geben: seinen Vater.

Mehr Infos: http://jonaswinner.com/?page_id=3262

Jonas Winner live und in Farbe 2016: Bisher keine Termine für Lesungen bekannt gegeben!

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19. Januar 2015 1 19 /01 /Januar /2015 19:08

Jonas Winner ist promovierter Philosoph. Außerdem ist er ein Thriller-Autor, der mit 'Berlin Gothic' einen (gar nicht mal so) kleinen Hit landen konnte. Was liegt also näher, als bei seinem neuen Roman philosophische Fragen anhand eines eher gruseligen Settings zu behandeln?

Cover zu Das Gedankenexperiment von jonas Winner„Mir ist durchaus bewusst, dass Ihre Laufbahn an diesem Institut mit unserer Ablehnung beendet ist. Und dass Sie erhebliche Schwierigkeiten haben werden, an einer anderen Stelle unterzukommen“, lautet die niederschmetternde Einschätzung, die der junge Philosophen Karl Borchert auf seinen Forschungsantrag erhält.

Da kommt das Angebot Leonard Habichs wie gerufen. Um seine Forschungen im Gebiet Sprachtheorie und angrenzenden Disziplinen voranzutreiben, sucht er einen Assistenten, der seine Aufzeichnungen durchgeht und Wichtiges von Unwichtigem trennt.

Spontan entscheidet Karl Borchert, dass eine Auszeit irgendwo im Nirgendwo der Ostprignitz vielleicht gar keine so schlechte Idee ist. Der Weg dorthin gestaltet sich allerdings schon fast wie einem klassischen Gruselroman: Die Dorfbewohner scheinen ihn fast schon warnen zu wollen, weiterzufahren. Die holprige Straße zum Haus Urquardt führt durch eine Art steinernes Portal und das Hauptgebäude selbst hat mit seinem neogotischen Turm samt Zinnen hat einen kastellartigen, beinahe schroffen Charakter.

Der Untergang des Hauses Urquardt

Seltsame Geräusche, geheime Gänge, ein unheimlich aussehender Haushälter und die Entdeckung eines Isolationsraums tun ihr Übriges, um gruselige Stimmung aufkommen zu lassen. Rätsel gibt ihm auch Lara auf, die mindestens 30 Jahre jüngere Frau des Hausherren.

Geheimnisvoll ist zudem eine Zeichnung der 'Melencolia I' von Albrecht Dürer, die durch unzählige Wörter, Sätze und Textblöcke an einer Wand reproduziert wurde (eine Abbildung des Bildes ist übrigens im Buch enthalten). Drei Fragen sind dort in der Teufelsfratze gebündelt: „Woher weiß ich, dass ich nicht nur Schatten der Wirklichkeit sehe? Woher, dass der Dämon mich nicht täuscht? Woher, dass der Pfeil -> nicht 'Geh nach links' bedeutet?“

Bezug nehmen diese drei Fragen auf Gedankenexperimente Platons, Descartes' und Wittgensteins, nämlich auf das 'Höhlengleichnis', den bösen Dämon 'Genius malignus' und die so genannte 'Privatsprache'. Diese als Dreischritt betrachtet, ist nun die Frage, ob und wie ein vierter Schritt erreicht werden könnte – koste es, was es wolle.

Fazit: Aus realen, philosophischen Betrachtungen und einer gehörigen Portion Spannung strickt der Berliner Autor Jonas Winner ein Werk, das wie eine düstere Variante zu 'Sophies Welt' anmutet. Stilistisch greift er dabei auf die interessante Idee zurück, die Ereignisse auch rückblickend durch polizeiliche Untersuchungsberichte oder später veröffentlichte Schriften zu betrachten. Am Ende bleibt es aber dem Leser überlassen, ob er eine höhere Botschaft oder einfach eine aufregende Geschichte in 'Das Gedankenexperiment' entdeckt.

Roman seit 2. April 2014 im Handel erhältlich.

Mehr Informationen unter: http://www.droemer-knaur.de/buch/7925070/das-gedankenexperiment

Das könnte dazu passen:
Jonas Winner – Berlin Gothic
Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe
Kritiken zur Hörspielreihe 'Gruselkabinett'

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18. August 2013 7 18 /08 /August /2013 22:24

Zwischen August 2011 und Juni 2012 brachte der promovierte Philosoph Jonas Winner 'Berlin Gothic' eigenständig als siebenteilige eBook-Reihe heraus. Mit so großem Erfolg, dass der Knaur Taschenbuch Verlag das Ganze gut ein Jahr später noch einmal gebündelt in gedruckter Form veröffentlicht. Denn die Mischung aus Grusel, Krimi, Entwicklungsroman und philosophischer Betrachtung klingt vielversprechend.

cover-berlin-gothic.jpgAls Till Anschütz erwacht, wünscht sich der junge Mann, er würde noch träumen. Denn was ihn erwartet, ist ein Alptraum. Umringt von unheimlichen Gestalten mit Hörnern, gespaltener Zunge und Mundwinkeln, die bis zu den Backenzähnen aufgeschnitten sind, wird ihm eröffnet, dass er umoperiert wurde.

Aber warum? Hängt es damit zusammen, dass er als Elfjähriger vor zwölf Jahren aus einem Kinderheim in Brakenfelde abgehauen ist? Oder damit, dass er damals bei der Familie von Xaver Bentheim, einem außergewöhnlichen Horror-Autor, Unterschlupf gefunden hat? Oder gibt es eine Verbindung zu den bestialischen Morden, die Kommissar Konstantin Butz, der Freund von Xavers Tochter Claire, gerade in den Straßen Berlins untersucht?

Der versteckte Sinn

Oberflächlich betrachtet erzählt der 1966 in Berlin geborene Autor Jonas Winner über die tiefen Abgründe, die in seiner Heimatstadt lauern. Doch geht es ihm dabei auch um Fragen zu Schuld, Freiheit, Illusion, Loyalität, Freundschaft, Glaube und Liebe.

Im Grunde macht Jonas Winner sich dafür genau das zu nutze, woran auch in seinem Thriller gearbeitet wird. An 'Berlin Gothic', der Erschaffung eines fiktionalen Universums: „Du kannst dir das sicher vorstellen: Genauso wie es Teenager-Stränge gibt, gibt es Horror-Stränge […]. Oder es gibt die erotischen Stränge […]. Egal, was du für ein Typ bist, wenn du willst, kannst du immer einen Weg in das Universum finden – und einen Weg, um darin zu bleiben.“

Ebenso ist im Buch nie ganz klar, was die Leser als Nächstes für eine Wendung erwartet, wenn auch schon mal Traum und Realität in einander verschwimmen. Dabei gilt leider auch hier des Öfteren, dass nicht immer alles in letzter Konsequenz logisch aufgelöst wird.

Fazit: Definitiv geht es bei 'Berlin Gothic' nur am Rande darum, eine bizarre Mordserie aufzuklären und den Täter zu finden. Wer aber etwas undurchsichtige Erzählungen mit einer scheinbar höheren Botschaft wie in der TV-Serie 'Lost' oder wie von David Lynch mag, dürfte bei 'Berlin Gothic' auf seine Kosten kommen.

Taschenbuch seit 3. Juni 2013 im Handel erhältlich.

Mehr Informationen unter: http://www.droemer-knaur.de/buch/7786947/berlin-gothic

Das könnte dazu passen:
Painless – Die Wahrheit ist schmerzhaft (Film)
Gabriel Burns – Die grauen Engel (Hörbuch)
Raimon Weber – Porterville 01: Von Draussen (eBook)
Michael Gantenberg & Oliver Welter – Kalt geht der Wind (gelesen von Meike Droste)

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17. Februar 2013 7 17 /02 /Februar /2013 15:24

Bekannt wurde Evelyn Sanders mit (autobiographischen) Geschichten aus dem Alltag der Sanders-Familie. Los ging es bereits 1980 mit dem Buch 'Mit Fünfen ist man kinderreich'. Auch 'Eigentlich wollt' ich Blumen kaufen' handelt größtenteils von ihren eigenen Erlebnissen – und die sind durchaus unterhaltsam.

cover-evelyn-sandersFangen wir ruhig mal am Ende an – wobei es dort um den Anfang geht. Auf den letzten Seiten des Buchs erklärt die Autorin, wie es überhaupt zu dem Werk kam. Sie wurde darum gebeten, es zu schreiben: „Wir vom Verlag haben das Geschenkbuch wiederbelebt, und nun hatten wir den grandiosen Einfall, ein kleines, dünnes, feines und überaus geniales Sanders'sches Geschenkbüchlein mit Anekdoten aus dem Alltag einer Großfamilie zu machen.“

Heraus kam eine kurzweilige Sammlung, die allerdings bereits 2002 das erste Mal erschienen ist. Jetzt kam der Verlag anscheinend auf einen weiteren grandiosen Einfall: Das Ganze noch einmal neu aufzulegen. Was grundsätzlich gar keine schlechte Idee ist.

Haarige Turbulenzen

Evelyn Sanders hat einige heitere Episoden aus ihrem Familienleben für das Geschenkbuch zusammengetragen und mehr als ein Dutzend Kurzgeschichten daraus gemacht: Mal beschreibt sie die chaotischen Reisevorbereitungen ihres Freundes Henri, mal die unerwarteten Auswirkungen eines neuen Haarfärbemittels.

Hinzu kommen ein paar Geschichten, die wahrscheinlich ausgedacht sind. Dazu gehört auch die, welche der Sammlung den Namen gegeben hat. Jolanda, genannt Jo, wollte wie gesagt eigentlich Blumen kaufen gehen, als sie auf der Fahrt ins Einkaufszentrum „...das dringende Bedürfnis nach einer Toilette verspürte“. Als sie wieder einsteigen will, hört sie jedoch ein klägliches Winseln. Und der Rest des Tages verläuft dann ganz anders als geplant.

Fazit: 'Eigentlich wollt' ich Blumen kaufen' ist ein nettes Mitbringsel für etwas ältere Damen, die sich richtig mit der Erzählerin identifizieren können. Wer also beim nächsten runden Geburtstag über 50, zur Silberhochzeit oder zum Besuch bei der Schwiegermutter ein originelleres Geschenk als einen Blumenstrauß überreichen will, könnte über dieses Geschenkbuch nachdenken.

Mehr Informationen unter: http://www.droemer-knaur.de/autoren/Evelyn+Sanders.82325.html

Das Buch ist seit 1. Februar 2013 im Handel erhältlich.

Evelyn Sanders: Eigentlich wollt' ich Blumen kaufen
Hardcover, Knaur HC, 192 S.
ISBN: 978-3-426-65333-3

Das könnte dazu passen:
Dieter Moor – Lieber einmal mehr als mehrmals weniger
Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen – 08: Wettbewerb der Detektive

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