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10. Juni 2015 3 10 /06 /Juni /2015 14:03

Huch, schon wieder Halbzeit? Und weil im Mai neben der Jubiläumsfolge beim ’Gruselkabinett’, der deutschen Übersetzung zum neuen Roman von Siri Hustvedt und dem Album von Ferris MC auch noch Sachen von zum Beispiel Dr. Knarf und Protoje erschienen sind, gibt es hier noch Nachschlag.

Max Moor – Als Max noch Dietr war (Hörbuch)

Cover zu Max MoorModerator Dieter Moor nennt sich seit einiger Zeit lieber Max. Allerdings erzählt er jetzt erst einmal aus der Zeit, als Max noch Dietr war. Dass da ein Buchstabe fehlt, ist richtig so. Es geht nämlich um seine Kindheit in der Schweiz vor rund 50 Jahren und so schreibt er auch immer über den Vatti und das Muätti. Beziehungsreise redet er in der Autorenlesung eben drüber in seiner heimatlich geprägten Aussprache. Was in der gekürzten Version der 4-CD-Box unter anderem fehlt, ist allerdings der entsprechende Hinweis ’Vorab: Wertvolle Tipps & Warnhinweise für das Schweizerische’ aus dem Buch. Dieser kann aber unter http://www.rowohlt.de/fm90/131/Moor_Als_Max_noch_Dietr_war.pdf in der Leseprobe genauso wie das Kapitel über die Namensänderung nachgelesen werden.

Zudem erzählt der Dietr in den ’Geschichten aus der neutralen Zone’ mal darüber, wie er stundenlang die Schweiz auf dem Globus gesucht hat. Ein anderes Mal, dass seine Familie als eine der ersten in der näheren Umgebung schon das Fernsee hatten, in dem über die Kubakrise berichtet wurde. Doch keine Sorge, dafür gibt es ja die Zivilverteidigung. Außerdem erzählt Dietr, wie er fast einen Bunker bekommt und warum doch nicht. Das Ganze ist entsprechend unterhaltsam, wenn der Dreikäsehoch neunmalklug alles durch seine Augen wiedergibt. Es kann sich aber durchaus auch etwas ziehen. Wenn er zum Beispiel erklärt, was „vorsorglich“ bedeutet: „... dass alle nur hoffen können, dass nichts passiert, aber man eben nie wissen könne, ob es nicht doch passiert, und man darum jetzt wissen müsse, was dann zu passieren habe und was vorher habe passieren müssen, damit das dann passieren kann, was zu passieren habe, nachdem es passiert ist.“

Hörbuch erhältlich seit 8. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.universal-music.de/max-moor/

Gruselkabinett 101 – Verlorene Herzen (nach M.R. James)

Cover von Gruselkabinett 101Kaum ist die 100 geschafft, folgt schon der nächste Streich. Nach den Erzählungen ’Der Eschenbaum’ und ’Zimmer 13’ haben sich die Macher von ’Titania Medien’ erneut eines Stoffes von M.R. James angenommen, um ihn in ihrem ’Gruselkabinett’ zu präsentieren. Der Titel der Geschichte ist dabei, soviel sei verraten, nicht im übertragenden Sinne gemeint. Als erwachsener Erzähler berichtet Timmo Niesner über seine Erlebnisse bei Mr. Abney (Uli Krohm). Dabei entdeckt er als fast Zwölfjähriger eines Tages eine schaurige Erscheinung in einem nicht mehr benutzten Badezimmer, wie er seinem Vormund erschrocken schildert: „Sie hat mir das schreckliche Loch in ihrer Brust gezeigt.“

Doch was will das Mädchen – endlich den wohl verdienten Seelenfrieden … oder blutige Rache? Wie immer ist das Ganze passend, spannend und gruselig umgesetzt und bietet auch in den Nebenrollen bekannte Sprecher wie Helmut Krauss (u.a. der Nachbar Paschulke aus 'Löwenzahn') und Detlef Bierstedt, der sonst in der Sherlock-Holmes-Reihe (hier mehr dazu) von 'Titania' Dr. Watson seine Stimme leiht.

Hörspiel seit 15. Mai 2015 erhältlich. Mehr Infos: http://www.titania-medien.de/cms/hoerspiele/gruselkabinett.html

Dr. Knarf – Tash 3 (Mixtape)

Cover zu Tash 3Doktortitel in der Tasche, aber auch Lyrics im Drogendealer-Slang, so präsentiert sich Dr. Knarf auf seinem neuen Mixtape ’Tash 3’. Zu ’Erfolg’, Kniwo hat’ne Knarre’, ’Ich will mehr’, ’Pump Das’ (gedreht von Drive By), ’Lass mich los’ und ’Nr. 5 lebt’ wurden bereits Videos veröffentlicht, wobei zu dem zuletzt genannten sogar spanischsprachige Untertitel eingeblendet werden. Hinzu kommen Live-Clips zu ’Komm doch mal rüber’ und ’Lass mich los’ mit The Ruff Pack. Bei http://theruffpack.bandcamp.com/ gibt es übrigens noch den Free Download von ’Murda’, das sie 2012 gemeinsam aufgenommen haben. Auf dem neuen Mixtape hat er mit ’Adolf Hitler’ außerdem noch ein kritisches, aber auch provokantes, im schlimmsten Fall missverständliches Lied abgeliefert. Darin wird wie aktuell bei Ferris MC (siehe Kritik hier) auch die Kanzlerin erwähnt: „Ich übernehm’ das Land, Digger – so wie Adolf Hitler./ [...]./ Guck’ ich Merkel in die Augen, seh’ ich Adolf Hitler./ Schwimm’ mit dem Strom – das ist Adolf Hitler./ Komplettüberwachung, Mensch aus Glas – Adolf Hitler.“

Abgesehen vom ’Intro’ und dem letzten Track ’Weit Weg’, die Knarf selbst produziert hat, geht der Rest der musikalischen Untermalung auf das Konto von Pablo-Nicolas „Ritmo Beats“ aus Kolumbien. Mit dessen Crack Family Gz hat der Doc schon früher zusammengearbeitet. Bei ’Lo Que Sone’, zu dem es ebenfalls ein Video gibt, sind sie nun wieder zu hören. Ansonsten wirken nur noch seine Teamkollegen Cnor und Stikstar von der Hamburg-Köln-Connection mit. Mit HKC hatte er 2012 das Album ’210N’ raus gebracht. Für dieses Jahr sind dagegen sogar noch mehrere Veröffentlichungen in der Mache. Also auch wenn manche Ansage nicht jede(n) überzeugen dürfte, ist ’Ta$h 3’ eine gute Vorschau dafür, was uns noch erwartet.

Album erhältlich seit 29. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.drknarf.com/

Protoje – Ancient Future

Cover zu ProtoojeMit ’Ancient Future’ liefert der jamaikanische Reggae-Sänger Protoje sein drittes Album in vier Jahren ab. In der Zeit konnte er sich durchaus schon einen guten Namen machen. In der Vergangenheit hat er mit unter anderem Ky-Mani Marley, Sizzla, Busy Signal, Gentleman, Sara Lugo und Jah9 zusammen gearbeitet. Unter https://soundcloud.com/protoje gibt es noch ältere Stücke als Free Downloads. Diesmal sind die Gäste eher weniger bekannt, aber Leute wie Chronixx, Jesse Royal, Sevana Siren, Mortimer und Kabaka Pyramid werden in Reggae-Kreisen ebenfalls schon als spannende Nummern hoch gehandelt.

Passend zum Albumtitel schaut Protoje aber nicht nur vorwärts, sondern auch zurück. Bei ’Bubblin’ nutzt sein Produzent Phillip „Winta“ James zum Beispiel das nahezu gleichnamige Stück von Beres Hammond und seiner Band Zap Pow aus den Siebzigern. Bei Prince Buster (und damit sogar noch gut ein Jahrzehnt früher) bedient er sich dagegen für ’Answer To Your Name’, das mit Ska-Sound für Tanzlaune sorgt. Dazu wurde auch das neueste Video gedreht, nachdem bereits davor schon ’Sudden Flight’, ’Stylin’ und ’Who Knows’ bebildert wurden. Und die Zukunft sieht für Protoje so rosig aus, wie sie im Refrain des zuletzt genannten Titels beschrieben wird: „Who knows – I just go where the trade winds blows./ Sending love to my friends and foes./ And I suppose I'm pleased – to be chilling in the West Indies./ Jah provide all my wants and needs – I got the sunshine rivers and trees./ Green leaves ... oh yeah!“

Album erhältlich seit 29. Mai 2015. Mehr Infos: http://www.protoje.com/

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10. April 2013 3 10 /04 /April /2013 22:30

In seiner Quanität mit gleichsam hoher Qualität ist der Output von Prinz Pi, dem selbst ernannten „Rapcommander“ aus Berlin, wahrscheinlich einzigartig in Deutschland. Zu über zehn Alben in 15 Jahren gesellen sich unzählige weitere Veröffentlichungen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Zum Glück, wie 'Kompass ohne Norden' jetzt zeigt!

cover-pi-kompass.jpgWelche Aufgabe ihn dabei als Künstler antreibt, erklärt er im Stück 'Ende Blut, alles Blut' mit seinen Lyrics so: „Wir verletzen Menschen, die uns lieben./ Lieben Menschen, die uns verletzen./ Meine Berufung ist, das auszusprechen in Texten.“

Dabei geht es ihm auf 'Kompass ohne Norden' nicht nur um die klassische Beziehung zwischen Mann und Frau, sondern auch um Freundschaften, die eigentlich für die Ewigkeit hätten angelegt sein sollen. Perfekt im großartigen Track '100x' auf den Punkt gebracht: „Was wurde aus 'Beste Freunde für immer'?/ Sind dieselben Leute heute behindert?/ Wir waren mal hier, beweist die Wand./ Wir haben uns mal auswendig gekannt.“

YO! 100X Y XOXO

'100x' ist auch der einzige Song, bei dem Prinz Pi einen Gast ans Mic gelassen hat. Casper ergänzt das Ganze hervorragend um seine eigenen Erinnerungen ans Abhängen mit den alten Kumpels: „Mit sieben Mann im Ford, angesoffen ins Nachbardorf./ Die Tanke dort, Abhängort, nippen alle am Faxe-Import.“

Als offizielle Single wurde aber 'Glück' ausgekoppelt. Darin bezieht er sich anfangs noch auf die tragische Beziehung zu seinem eiskalten Engel 'Laura', die er auf 'Rebell ohne Grund' beschrieben hat. Aber das Schöne ist, dass er dann zu einer neuen Liebe findet: „Narbe über'm Herz seit dem Tod meiner Münchnerin./ Unsichtbares Schild um 'n Hals für meine künftigen – Ex-Freundinnen, sucht euch lieber wen Vernünftigen./ Wiederholungstäter, wiederholt Fehler als Wesenszug./ Neue Liebe beginnt da, wo die alte aufhört, weh zu tun.“

Rost in Frieden

Wer mit diesen Themen nichts anfangen kann, ist dafür vielleicht bei den gesellschaftskritischen Inhalten von Pi besser aufgehoben. In 'Säulen der Gesellschaft' kritisiert der Berliner unter anderem abgestumpfte Medienvertreter, gewaltbereite Polizisten, ewiggestrige Rechte und profitgeile Verkäufer.

'Rost' behandelt dagegen einen Krieg, der nicht mit Waffen ausgetragen wird, sondern wirtschaftlich ganze Gegenden zerstört: „Land auf, Land ab sind Städte tot./ Der Rost blieb bis zuletzt./ Die Zeit geht gegen Abendbrot.“

Wem das wiederum zu ernst ist, wird vielleicht mit 'Die letzte Ex' aufgeheitert. Hier werden Verweise auf die 'Königin von Kreuzberg', die ihn wahnsinnig macht, und 'Bonny's Ranch' eingebaut. Während er damals noch aus der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik raus wollte, will er jetzt zurück: „Mein Akku geht aus, mein Kredit ist verbraucht./ Die alten Tore gehen auf. Willkommen zurück zu Haus.“

Fazit: Wahrscheinlich wartet Prinz Pi wie Charles gar nicht darauf, endlich zum König gekrönt zu werden. Aber mit 'Kompass ohne Norden' hat er wieder einmal bewiesen, dass er definitiv das Zeug dazu hätte.

Mehr Informationen unter: http://www.prinzpi.biz/

CD voraussichtlich ab 12. April 2013 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Prinz Pi – Neo-Punk
Flexis – Egotrips

Prinz Pi live und in Farbe 2013: 13.04. Berlin – Postbahnhof (ausverkauft) *** 22.06. Scheessel – Hurricane Festival *** 23.06. Neuhausen OB Eck – Soutside Festival *** 02.08. Lustenau (A) – Szene Open Air *** 16.08. Grosspösna – Highfield Festival *** 17.08. Montabaur – Spack Festival *** 04.10. München – Muffathalle *** 12.10. Leer – Zollhaus *** 13.10. Osnabrück – Rosenhof *** 19.10. Köln – Live Music Hall *** 20.10. Saarbrücken – Garage *** 25.10. Wiesbaden – Schlachthof *** 26.10. Würzberg – Posthalle *** 27.10. Nürnberg – Hirsch *** 01.11. Berlin – Columbiahalle *** 08.11. Dortmund – FZW *** 09.11. Münster – Skaters Palace *** 23.11. Zürich (CH) – Komplex *** 28.11. Wien (A) – Arena *** 29.11. Graz (A) – PPC

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19. September 2012 3 19 /09 /September /2012 09:45

Ist das ein Trend oder Zufall? Nachdem gerade die gemeinsamen Werke von Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch sowie Marteria, Yasha & Miss Platnum erschienen sind, gehen nun auch Kool Savas und Xavier Naidoo zusammen an den Start. Wobei sich ihre Kollaboration schon länger andeutete. Doch was lange währt, wird endlich gut und ’Gespaltene Persönlichkeit’ kommt nun unter dem Projektnamen Xavas tatsächlich in die Läden.

xavas-coverDass diese Kombination äußerst schlagkräftig ist, zeigte schon die erste Single ’Schau Nicht Mehr Zurück’. Sie enterte direkt Platz 2 der deutschen Charts. Mal sehen, ob es beim Bundesvision Song Contest (BuViSoCo) am 28. September 2012 für Platz 1 reicht. Immerhin treten sie unter anderem gegen König Boris von Fettes Brot und den Senkrechtstarter Cro an, der ebenfalls nicht alleine kommt – sondern in Kombination mit den Orsons. Liegen so voll im Trend, würde ich sagen.


Gipfelstürmer unter sich

Aber wie dem auch sei, zumindest im Video zu ’Schau Nicht Mehr Zurück’ geht es für Xavas schon hoch hinaus: zum Großglockner, dem mit fast 4.000 Metern höchsten Berg Österreichs. Neben den beiden Künstlern wurde dort mit einem Aussteiger-Typen gedreht, der einfach passend zu den Lyrics im Refrain seinen Weg geht: „Und ich schau nicht mehr zurück./ Aber wenn ich zurück schau, seh ich nur mein Glück./ Alles andere hab ich gerne zugeschüttet und mit schönen Erinnerungen überbrückt.“

Tierisch gut drauf

Noch höher hinaus geht es bei ’Ich bin ich’. Zu dem von SiNCH und Ken Kenay produziertem Instrumental stellt sich Xavier Naidoo, wie er in verschiedene Rollen schlüpft: „Wäre ich ein Vogel, würde ich meinen Schnabel wetzen, mit den Flügeln schlagen und versuchen, mich auf den Mond zu setzen./ Wäre ich ein Hund, ich tät es jeden Morgen kund.“

Vom Sound her cooler ist allerdings das futuristisch klingende ’Die Zukunft trägt meinen Namen’. Spaß macht auch das angriffslustige ’Mehr als sie’, bei dem zusätzlich Olli Banjo zu hören ist. Das beste Stück ist aber ’X.A.V.A.S.’, das ein wenig an ’Who We Be’ von DMX erinnert. Savas betont nämlich fast jeden Satzteil einzeln: „Sie wär’n gern – wie wir – doch die Wichser – sind planlos./ Wir fahr’n los – mit mehr Lärm – als Xers Camaro.“

Fazit: Viel Lärm um Nichts? Keineswegs, denn die Kombi ist durchaus unterhaltsam. Xavier Naidoo wirkt etwas rauer, Kool Savas sanfter als jeder einzeln für sich. Trotzdem entsteht nie das Gefühl, dass einer der beiden dafür von seinem eigenen Weg und Stil stark abweichen musste. Auch wenn ein ganzes weiteres Album von Xavas nicht zwingend gebraucht wird, sollte also in Zukunft ruhig noch mal ein bisschen mehr folgen.

Mehr Informationen unter: http://www.xavas.de/

CD voraussichtlich ab 21. September 2012 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Xavier Naidoo – Danke fürs Zuhören
Kool Savas - Die John Bello Story 2

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25. Januar 2012 3 25 /01 /Januar /2012 20:00

In den Neunzigerjahren gehörten Die Coolen Säue, kurz DCS, zu den Rap-Pionieren in Deutschland, die irgendwo zwischen der alten Schule von Advanced Chemistry und dem Pop-Entwurf der Fantastischen Vier ihren Platz suchten. 1999 erschien dann das dritte und letzte Album der Kölner. 13 Jahre später folgt nun 'Silber' – und knüpft an die Vergangenheit an, als wenn nichts gewesen wäre.

dcs-coverMit 'Guten Morgen' startet der Hörer erst einmal ganz sanft ins neue Album. Das Instrumental von Crada aus dem bayrischen Marktleuthen, dessen größter Hit übrigens 'Fireworks' für Drake sein dürfte, wabbert entspannt vor sich hin. Dazu rappen Schiiv und Ro Kallis voller Tatendrang über die bei ihnen herrschende Aufbruchsstimmung.

Schulterblick zurück auf die Straße

Danach geben sie mit der Single 'Was Du Siehst' auch tatsächlich gleich richtig Gas. Der elektronischere Sound von Noisy-Stylus-Mitglied Adlib treibt das Team schön kräftig vorwärts. Zeit für einen Blick zurück bleibt in den Lyrics trotzdem: „Und Schiiv hat’s in den Nineties schon gesagt: ’Wir hören nicht auf!’/ Zuviele Crews fuhren Bleifuß und zu dicht auf./ Zuviel Straßenverkehr, die Wagen quer, zuviel Blechschaden./ Jetzt bleibt der Laden leider leer – und das ist echt schade.“

Mit 'Wie War Das Nochmal 2012' wird dann zum Beat von Roe Beardie und mit Sido am Mic sowie einem Vocal-Sample aus 'Back In The Days' von Ahmad noch mal zurück in die Zukunft geschaut. Im Original hieß es damals unter anderem: „Wie war das nochmal, als es so war, dass alles leicht war?/ Das Leben seicht war, kein Meer, sondern ein Teich war./ Aha klar! Das waren die guten Zeiten./ Bereiten mir die Erinnerungen Freude, lass ich mich dazu verleiten,/ beizeiten die rosarote Brille aufzusetzen./ Alles war gut, meine Kindheit in Fetzen.“

Sido bedient sich dieser Vorlage, baut aber seine eigenen Erinnerungen darin ein: „Wie war das nochmal, als es so war, dass alles schwer war?/ Das Leben leer war, kein Teich, sondern ein Meer war./ Aha klar! Das waren die miesen Zeiten./ Bereiten mir die Erinnerungen Abturn, lass ich mich dazu verleiten,/ beizeiten die silberchrome Maske aufzusetzen./ Alles war schlecht, meine Kindheit in Fetzen.“

Beifahrer gesucht und gefunden

Etwa eine Hälfte der insgesamt 17 Tracks geht auf die Kappe der drei genannten Produzenten, die andere stammt von den DCS-Mitgliedern Peer Formance und DJ Lifeforce. Das Ganze ist also familiär gehalten – auch was die stimmlichen Beiträge angeht. Rapperin Brixx steuert bei 'Bis Ich Dich Finde', einem ruhigen Liebeslied und Tributsong an den 2010 verstorbenen Gang-Starr-Rapper Guru, lediglich ein paar Ad Lips bei. Dafür darf sie bei 'Was Du Siehst' durchs Video cruisen.

Ansonsten sind als richtige Gäste nur noch Olli Banjo bei der Schlemmerorgie 'Sex Im Alter' und John Brown, der „King of Burbs Life“ aus Kalifornien, dabei. Lustigerweise bestreitet Letzterer den Titeltrack 'Silber' völlig allein auf englisch. Und damit klingt das Album so entspannt aus, wie es begonnen hat.

Fazit: DCS sind sich treu geblieben. Sowohl sound- als auch raptechnisch, was insbesondere alte Fans erfreuen dürfte. Der Hörer muss sich allerdings auf ihre Welt einlassen und ein Faible für den eher erdigen Rap-Stil haben, sonst wird beim Durchhören wenig hängenbleiben.

Mehr Informationen unter: www.dcsweb.de

Das könnte dazu passen:
Deckard – For A Better Tomorrow
Straight P – Plan P

CD voraussichtlich ab 27. Januar 2012 im Handel erhältlich.

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22. Oktober 2008 3 22 /10 /Oktober /2008 08:37

Gib dem Affen Zucker! Spring! Spür die Wut! Schlag die Faust gegen die Wand! Mach kaputt, was dich kaputt macht! Oder mach aus alt neu! So wie Prinz Pi! The Artist formely known as Prinz Porno ist endgültig Geschichte. Zumindest ist es nicht mehr nötig, das auf dem Cover zu erwähnen! Denn jetzt regiert der 'Neo Punk'!

Wobei die Fans der alten Sachen keine Angst haben müssen. Gleich im ersten Stück 'Super Seiajin', dessen Titel anscheinend von der Manga-Serie 'Dragon Ball' inspiriert ist, zitiert Pi einige klassische Zeilen. Los geht es mit „It's still bigger than HipHop“ von Dead Prez, bevor sein eigener traditioneller Einleitungssatz – bekannt aus unter anderem 'Keine Liebe', '!Donnerwetter!' und 'Keine Idole' – ins Gedächtnis gerufen wird: „Ich reduzier' mich auf das Minimum!“

Ansonsten bezieht sich der Berliner Rapper in dem Songtext unter anderem auf den Erfurter Amokläufer Robert Steinhäuser, auf den Fantasy-Epos 'Herr der Ringe' („Neo Punk - wir sprühen es hin, und am Hals haben wir den glühenden Ring.“), den Comedian Mario Barth und die Simpsons („Ich schmeiß mit einem Meilenstein deine Scheibe ein, meine Spuren an der Decke wie vom Spiderschwein.“).

Alles ist Pop! Oder eben Techno, wie bei der ersten Single 'Gib dem Affen Zucker' ja in den Lyrics ohne große Umschweife zugegeben wird: „Ich nehm einen Technobeat, mit brettharten Synthesizern./ Und mache Arschbombe in Bettlaken Münchner Weiber!“ Auch hier reichen die kulturellen Bezüge von 'Hänschen Klein' bis zu 'Der Pate' und landen über den unglaublichen 'Hulk' schließlich beim Dekonstruktivismus – wo reine Formen benutzt werden, um schiefe Kompositionen zu schaffen. Klingelt's?

Ob Politik oder Konsolenspiel – alles hat seine Spuren hinterlassen. Bei 'Affen An Die Macht' sind es eben Georg W. Bush und Super Mario, dessen Anfeuerungsruf ja auch schon Kool Savas und Laas Unltd. zu 'Lettzeee Gooo (L.A.A.S.A.V.A.S.)' inspiriert hat.

Geholfen dabei, dieses wahnwitzige Werk zu erschaffen, haben neben dem Hauptproduzent Biztram noch Casper, DJ Craft von K.I.Z., Bina und The Royals, die bei dem orientalisch angehauchten 'Schläferstündchen' die Co-Produktion übernehmen durften. Der Songtext greift den Sound auch passenderweise etwas auf: „Okzident - Orient, richtig und falsch, muslimisch - christlich, es knallt - wenn sie es sagen./ Wer sie sind? Sie sind Magnaten, Banker und Illuminaten.“

Fazit: Der Wahnsinn hat Methode – und trifft damit voll ins Schwarze. Wenn die Revolution einen Soundtrack braucht, hat Prinz Pi hier mit 'Neo Punk' einen mehr als gut gelungenen Beitrag dazu abgeliefert.

Mehr Infos: http://www.prinzpi.biz

CD voraussichtlich ab 24. Oktober 2008 im Handel erhältlich.

Das könnte dazu passen:
Kool Savas – Die John Bello Story 2
Deichkind – Arbeit Nervt
Flobots – Fight With Tools

Live und in Farbe 2008 mit Casper sowie Maeckes & Plan B: 26.11. Braunschweig – Jolly Joker *** 27.11. Bremen – Modernes *** 28.11. Hamburg – Markthalle *** 30.11. Potsdam – Waschhaus *** 3.12. Duisburg – Hundertmeister *** 4.12. Köln – Underground *** 5.12. Münster – Skaters Palace *** 6.12. Weinheim – Cafe Central *** 7.12. Frankfurt – Batschkapp *** 8.12. Trier – Exhaus *** 10.12. Saarbrücken – Roxy *** 11.12. Freiburg – Jazzhaus *** 12.12. Bern (CH) – Reitschule *** 13.12. Basel (CH) – Kaserne *** 14.12. Stuttgart – Longhorn *** 15.12. Augsburg – Alte Kantine *** 17.12. München – Backstage *** 18.12. Innsbruck – tba *** 19.12. Graz (A) – tba *** 20.12. Wien (A) – tba

 

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11. September 2008 4 11 /09 /September /2008 22:43

Als Fanta-4-Rapper Thomas D es erstmals 1997 mit „Solo“ allein versuchte, fanden wohl die meisten Hörer das Ergebnis ziemlich gut. Bei „Lektionen In Demut“ war aber für viele sein Anspruch, ein Konzept-Album zu präsentieren, anscheinend etwas zu hoch. Vielleicht brauchte es deswegen mehrere Band-Experimente (M.A.R.S., Son Goku) und sieben Jahre Zeit, damit er jetzt noch einmal ohne die Fantastischen Vier im Alleingang los legt. Dabei macht sich Herr Dürr mehr als locker und liefert mit ’Kennzeichen D’ eine ziemlich gute Platte ab.

Als erste Single koppelt der schwäbische Rapper das zwar englisch betitelte, aber hauptsächlich deutsch eingerappte ’Get On Board’ aus. Der Songtext handelt davon, dass alle mal einen Gang zurückschalten, sich frei machen und aufs Geld scheißen sollen. Dabei präsentiert sich Thomas D textlich – und auch optisch im Video – als der Messias, der uns alle aus dem Alltagstrott befreit. Wer ihm folgt, steigt am Ende in ein Raumschiff, das wie Thomas D aussieht. 'Mensch, Dave' lässt grüßen! Davon kann natürlich jeder halten, was er will. Gute Laune macht das von Michael Dörfler funky produzierte Stück aber auf jeden Fall: „Get on Board – steig mit ein./ Hier spricht der Captain. Ich bin hier, um dich zu retten./Get on Board – sei dabei./ Die ganze Crew und ich – warten nur auf dich.“

Also bitte anschnallen, denn Thomas D nimmt uns danach per Anhalter durch die Galaxis mit. Fans von Douglas Adams werden es wissen, aber allen anderen gibt er noch mal den Tipp, worauf es im Leben wirklich ankommt: „Hab'n den Instinkt verloren, weil er uns zu affig war./ Und fliegt uns alles um die Ohren, steh'n wir nackig da./ Ganz egal was kommt, ich hoff Du hast 'n Handtuch mitgenommen./ Ho – keine Panik, hebt euer Handtuch./ Keine Panik, denn der D ist im Anflug./ Hoch mit den Tassen, hey – wir erleben es./ Die einen werfen es, wir heben es, wir heben es hoch!“

Wer allerdings glaubt, dass Thomas D nun endgültig in andere Sphären abgehoben ist, dem sei gesagt, dass er trotzdem weiterhin ganz real an der Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme arbeitet. Schließlich ist er deshalb hier: „So – ich bau auf Bio, will mein Geld nicht denen geben, die das Billigste produzieren auf Kosten der Welt./ Und – ich mach 'ne Mio, um es jenen zu geben, die sich um Kopf und Kragen wagen für 'ne bessere Welt./ Dehalb bin ich hier!“

Interessant ist auch die Vertonung einiger Weisheiten von Laotse in 'Der Eine Schlag'. Gleich eine ganze Reihe von Songs wie 'Fluss', 'Vergiftet', 'Fighter' und 'Thank U For The Music' setzen verstärkt auf Gitarren und rocken entsprechend. Wer eher auf ruhige Liebeslieder steht, kann dagegen auf die schön kitschig-romantischen Lyrics des Stücks 'Die Stadt Schläft' setzen. Trotzdem ist die 'Symphonie Der Zerstörung' über eine gescheiterte Beziehung das bessere Lied. Der coolste Track ist aber 'Rennen', bei dem der treibende Rap mit elektronischen Piepser-Beats unterlegt ist.

Fazit: Obwohl oft als Spinner belächelt, gibt Thomas D nicht auf und will diese Welt immer noch zu einem besseren Ort machen. Das Gute ist, dass er dabei selber immer besser wird. So locker und mitreißend wie auf 'Kennzeichen D' hat er seine Botschaften noch nie unter das Volk gebracht. Hoffen wir, dass ihm der Erfolg recht gibt!

Mehr Infos: http://www.thomasd.net

CD voraussichtlich ab 12. September 2008 im Handel erhältlich.

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