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22. September 2016 4 22 /09 /September /2016 21:30

Bernhard SchlinkAm kommenden Sonntag wird Bernhard Schlink bei der Preisverleihung des 26. Kasseler Bürgerpreises 'Das Glas der Vernunft' die Laudatio auf den Gewinner halten. Sein Name: Edward Snowden. Was der Erfolgsautor dazu zu sagen haben könnte, lässt sich vielleicht schon aus dem Band 'Erkundungen' erahnen.

Grund genug also, ihn sich noch einmal diesbezüglich anzuschauen und die im Dezember 2015 hier angelegte News-Seite zu aktualisieren. Das passende Kapitel dürfte das mit dem Titel 'Der Verrat' sein. Erstmals erschien dieser Text im Juni 2007 in der 'Merkur', der deutschen Zeitschrift für europäisches Denken. Alle Texte in 'Erkundungen' sind laut Aussage Schlinks im 'Vorwort' „... in den letzten Jahren als Vorträge, Essays und Predigten entstanden.

Von ihrer Aktualität und Allgemeingültigkeit haben sie aber wahrscheinlich kaum etwas eingebüßt. Wobei er auch gleich klarstellt, dass es sich bei der behandelten Materie oft um Grenzfragen handelt, die vollständig zu beantworten schwierig ist. Mit seinen 'Erkundungen' möchte er „... den Antworten näher kommen.

Verrat mir mehr

Cover von ErkundungenIn 'Der Verrat' stellt Schlink auf über 30 Seiten unter anderem fest, dass gleichzeitig „... jemand von den einen als Verräter verurteilt und von den anderen als Held gefeiertwerden kann. Im Falle Snowdens gibt es einerseits die Forderungen, dass er an die USA überstellt wird, um ihn mit der vollen Härte des Gesetzes zu verfolgen. Dagegen gab es aus anderen Richtungen schon viele Auszeichnungen für ihn, seine Enthüllungen viel über die Arbeitsweise der NSA verraten haben.

Das Thema 'Verrat' ist allerdings auch nur eines von insgesamt 13 Kapiteln. Nach seinem Roman 'Die Frau auf der Treppe' (Kritik hier) begab sich Bernhard Schlink nämlich Ende letzten Jahres auf 'Erkundungen' zu diesen vier großen Themenbereichen:
- Leben mit der Geschichte
- Moralische Herausforderungen
- Rechtliche Verpflichtungen
- Glaube und Zweifel

Mehr Infos: http://www.diogenes.de/leser/autoren/a-z/s/schlink_bernhard/biographie

Weitere Termine für 2016 sind leider noch nicht angekündigt, folgen hier aber schnellstmöglich.

 

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14. September 2014 7 14 /09 /September /2014 21:57

Anfang September eroberte 'Die Frau auf der Treppe' von Bernhard Schlink die Top-Position auf der Bestseller-Liste 'Belletristik' des Nachrichtenmagazins 'Der Spiegel'. Ein paar Tage danach stellte der Autor in einer Lesung und im Gespräch mit Thea Dorn den Roman im Berliner Ensemble vor.

bernhard-schlink-liest-die-frau-auf-der-treppe.JPGDer im Barockstil ausgeschmückte Saal des denkmalgeschützten Gebäudes bot natürlich einen schönen Rahmen für diese Buchpremiere. Schriftstellerin Thea Dorn bemerkte in Bezug auf 'Die Frau auf der Treppe' nämlich unter anderem, dass der Roman die barocke Idee der Vanitas, also der Vorstellung des Vergänglichen, für die heutige Zeit ungewöhnlich genau beschreibt. Schließlich werden Krankheit und Tod oftmals lieber ausgeblendet.

Ebenso erinnerte die ehemalige Moderatorin der SWR-Sendung 'Lesenswert' (vormals 'Literatur im Foyer') in ihren Überlegungen an Mozarts 'Zauberflöte'. In Bezug auf die Hauptfigur meinte sie, dass diese sich wie der junge Prinz Tamino durch ein Bild in die Angebetete verliebt. Der Vergleich ist durchaus denkbar.

Hätte Schlink eine Oper geschrieben, hätte er dem Ich-Erzähler auch folgende Worte in den Mund legen können: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön, wie noch kein Auge je geseh’n!/ Ich fühl’ es, wie dies Götterbild mein Herz mit neuer Regung füllt./ Dies Etwas kann ich zwar nicht nennen! Doch fühl’ ich hier wie Feuer brennen./ Soll die Empfindung Liebe sein? Ja, ja! die Liebe ist’s allein.“

Im Gespräch erzählte Bernhard Schlink, wie er drauf kam, seine Geschichte in Australien spielen zu lassen. Als er vor Jahren in Sydney unterrichtete, sah er in einer Ausstellung 'Ema. Akt auf einer Treppe' von Gerhard Richter. Trotzdem ging es ihm bei 'Die Frau auf der Treppe' nie um das Bild an sich, sondern viel mehr darum, wie seine Figuren miteinander agieren und ihr bisheriges Leben reflektieren. Ein „Coming to age“-Roman, sozusagen.

Fazit: Die Lesung und das Interview bei dieser Buchpremiere haben ihr Ziel erreicht. Sie haben gezeigt, dass 'Die Frau auf der Treppe' nicht nur kurzweilige Unterhaltung bietet. Wer will, kann hier und da auch herrlich ins Interpretieren kommen.

Das könnte dazu passen:
Bernhard Schlink – Die Frau auf der Treppe (Buch-Kritik)
George Büchner – Woyzeck (Hörspiel)
Max Goldt – Bericht zur Lesung (27.03.2014 in Potsdam)

Der Rest-September im Berliner Ensemble live und in Farbe 2014:
17.9. 'Deins & Done' von Meret Becker & Buddy Sacher *** 18./20./21.9. 'Quartett' von Heiner Müller *** 19./23./27.9. 'Woyzeck' von George Büchner *** 21.9. 'Warten auf der Gegenschräge' von Heiner Müller *** 22.9. 'Der Babylon-Blues' von George Tabori *** 24.9. 'Kafka. Die frühen Jahre' von Reiner Stach *** 25./26.9. 'Das letzte Band' von Samuel Beckett *** 28.9. 'Untergang des Egoisten Johann Fatzer' von Berthold Brecht *** 29.9. 'Andorra' von Max Frisch *** 30.9. 'Kafkas Prozeß' von Jutta Ferbers (Textfassung)

Mehr Infos unter: http://www.berliner-ensemble.de

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2. September 2014 2 02 /09 /September /2014 22:38

Mit 'Der Vorleser' gelang Bernhard Schlink, geboren bei Bielefeld, inzwischen wohnhaft in Berlin und New York, ein internationaler Bestseller. Später wurde der Roman sogar mit Kate Winslet und Ralph Fiennes verfilmt. Ob ihm das auch mit 'Die Frau auf der Treppe' gelingt, bleibt abzuwarten. Ein unterhaltsames Stück Literatur ist ihm damit allemal geglückt.

cover-bernhard-schlink-die-frau-auf-der-treppe.jpg'Die Frau auf der Treppe' ist Irene. Der Ich-Erzähler begegnet ihr Ende der Sechziger Jahre in Frankfurt am Main als junger Rechtsanwalt. Zwischen dem Maler Karl Schwind und dem Auftraggeber Peter Gundlach ist ein erbitterter Streit darum entbrannt, wem das Akt-Bild gehört. Beziehungsweise die porträtierte Frau, denn die ist quasi mit dem Künstler durchgebrannt.

Recht ritterlich versucht der Jurist, Irene aus dieser Situation zu befreien, in dem sie gemeinsam das Bild klauen – doch kaum ist das geglückt, verschwindet auch die Angebetete auf Nimmerwiedersehen. Als der Sitzengelassene gut 40 Jahre später zufällig in Australien das Corpus Delicti in einer Galerie wieder entdeckt, macht er sich auf die Suche nach Irene. Dabei wird er nicht nur mit (s)einer wenig ruhmreichen Vergangenheit konfrontiert. Es wird viel mehr alles auf den Kopf gestellt, was er bisher zu glauben dachte...

Ceci n'est pas un Richter

Wer übrigens bei dem Gemälde an 'Ema. Akt auf einer Treppe' von Gerhard Richter denkt, liegt nicht ganz falsch. Am Ende des Buchs erklärt Schlink, dass er seit Jahren eine Postkarte mit dem Motiv auf dem Schreibtisch stehen hat. Vielleicht mag daher so mancher Leser denken, dass die Geschichte irgendeinen direkten Bezug dazu haben könnte. Da dem nicht so ist, stellt Schlink deshalb sicherheitshalber in einer abschließenden Anmerkung klar, dass Schwind erfunden ist. Erschwindelt, sozusagen.

Wie Richters Bild soll sich aber auch das fiktive Werk Schwinds auf 'Akt, eine Treppe herabsteigend' von Marcel Duchamp beziehen, wie Irene erklärt: „Duchamps Bild galt als das Ende der Malerei, und Schwind wollte beweisen, dass eine nackte Frau, die Treppe herabsteigend, nach wie vor gemalt werden kann.

Das Bildnis der Irene Adler

Vielleicht ist es das, was 'Die Frau auf der Treppe' so interessant macht. Viele kleine Versatzstücke, die beim Lesen immer neue Assoziationsketten auslösen können. So nennt sich die Flüchtige später Irene Adler – eine Name, den sich Arthur Conan Doyle einst für Sherlock Holmes' faszinierende Gegenspielerin in 'Ein Skandal in Böhmen' ausdachte. Und wie in 'Das Bildnis des Dorian Gray' erleidet das Porträt an ihrer Stelle Verletzungen – bloß weniger schauerlich-fantastisch, sondern eher im übertragenden Sinne.

Für die Umschlagillustration hat sich der Diogenes Verlag hingegen für 'Les Pins, Effet de Soleil, St. Tropez' von Francis Picabia entschieden. Vielleicht ging es nicht anders. Aber vielleicht ist es auch ein weiteres Puzzle-Teilchen für diejenigen, die mehr in 'Die Frau auf der Treppe' entdecken wollen, als die nackte Oberfläche verrät.

Fazit: Vieles wird bei 'Die Frau auf der Treppe' nur angedeutet, Einiges wirkt konstruiert. Trotzdem – oder gerade damit – gelingt es Bernhard Schlink, den Leser mit seiner unterhaltsamen, kurzweiligen Geschichte zu fesseln. Am Ende muss sich aber jede sein eigenes Bild davon machen. Und ob es gefällt, bleibt Ansichtssache. Denn: „Kunst“, so beschrieb es einst der Maler Paul Klee, „gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“

Roman seit 27. August 2014 im Handel erhältlich.

Mehr Informationen unter: http://diogenes.ch/leser/autoren/a-z/s/schlink_bernhard/

Das könnte dazu passen:
Christian Morgenstern – Alle Galgenlieder
Wiederveröffentlichungen diverser Buchkritiken zum Welttag des Buches
Sherlock Holmes – Ein Skandal in Böhmen (Hörspiel)

Bernhard Schlink live und in Farbe...

September 2014: 11.09. Berlin – Berliner Ensemble (Buchpremiere, Moderation: Thea Dorn) *** 13.09. Bremen – Radio Bremen Weserhaus (Live-Lesung aus dem Roman 'Sommergäste' mit Publikum, Moderation: Ulrike Petzold) *** 18.09. München – Literaturhaus München (Moderation: Felicitas von Lovenberg ) *** 19.09. Hamburg – Laeiszhalle (Kleiner Saal, Lesung im Rahmen des Literaturfestivals 'Harbour Front 2014', Moderation: Tilman Krause) *** 20.09. Zürich (CH) – Schauspielhaus Zürich (Moderation: Res Strehle)

Oktober 2014: 06.10. Wolfenbüttel – Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel e.V. *** 09.10. Heidelberg – Deutsch-Amerikanisches Institut (Moderation: Jakob J. Köllhofer)

November 2014: 14.11. Wien – Akademie der bildenden Künste (Aula, Lesung im Rahmen der 'Wiener Lesefestwoche 2014', Moderation: Renata Schmidtkunz) *** 15.11. Wien – Wien (Messe Wien, Halle D, ORF-Bühne, Lesung und Gespräch im Rahmen der 'Buch Wien 2014', Moderation: Katja Gasser) *** 17.11. Stuttgart – Literaturhaus Stuttgart (Lesung in der Reihe 'Autor im Gespräch', Moderation: Wolfgang Niess) *** 18.11. Düsseldorf – Düsseldorfer Schauspielhaus *** 2011. Frankfurt/Main – Literaturhaus Frankfurt (Moderation: Cécile Schortmann) *** 23.11. Leipzig – Stadtbibliothek (Lesung und Gespräch in der Reihe MDR-Lesecafé, Moderation: Michael Hametner)

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